Montag, 3. Juli 2017

27. Tag: 3. Tag in Belfast

Es hat Alles geklappt. Ich bin im Warteraum der Fähre, der sich langsam füllt. Ich bin in der "Cloud" der Schiffsgesellschaft und schreibe jetzt schnell mal ein paar Sätze. Ich denke zwar, dass es an Bord auch WiFi geben wird. Aber sicher ist sicher.
Ehe ich mit meinen Tageseindrücken anfange, muss ich noch das gestrige "Rätsel" auflösen.
Es geht halt nichts über eine Leserschaft mit großer Allgemeinbildung, liebe Potthoffs, herzlichen Dank für die Erklärung was Herr Thomson, landläufig bekannt als Kelvin (nicht zu verwechseln mit dem "..allein zu Haus") in der Hand hat: 

"Hier zu Herrn Thomson und seiner rätselhaften Steintafel mit der Raute und den vier Ringen:
Es ist ein elektr. Schaltkreis mit den Ringen als Spulen. T. hat die Vierleitermessung für den elektr. Widerstand erfunden."

 Danke!

Heute also noch einmal Sightseeing in Belfast, mit dem Rad. Ich war erstaunt, als ich vorhin auf den "Tacho" geschaut habe,  dass über 30 km zusammen gekommen sind.
Heute war zuerst die  "Hafentour" dran, die hier durchgängig mit der "Titanic" in Verbindung gebracht wird. Was ein guter Werbegag ist, aber natürlich insgesamt Blödsinn.
Ich hatte ja schon vor Tagen darüber geschrieben, wie sich die touristische Landkarte in den letzten Jahren drastisch verändert hat. Geschichte, Historie reicht nicht mehr. Die Schauplätze der populären Unterhaltungsindustrie werden auf die touristische Weltkarte gesetzt.
Neuseeland ist nicht mehr Neuseeland, sondern "Mittelerde", Irland ist nicht mehr Irland sondern "Game of Thrones"-Land, Oxford und Cambridge sind Hogwarts und Belfast ist "Titanic".
Dabei hat der alte Belfaster Hafen wirklich  eine Menge zu bieten und muss nicht durch DiCaprio und Kate Winslet geboostet werden.


Es war wirklich beeindruckend wie die Touristen durch das neue "supertolle" Titanic Centre geschleust wurden, Busse über Busse - und die historischen "Juwelen" absolut menschenleer waren.


Dann noch Titanic Studios, Titanic Expo, Titanic Denkmal, natürlich Kate in Flugpose,... 
und über dem ganzen Spektakel ein Geruch von Speck und angebranntem Toast, das ist nicht gelogen, ich schwör!!

Also hier meine Tour durch die Docks, kostenlos, d.h. insgesamt 3 Pfund habe ich schon gezahlt aber ohne Wartezeiten.



Das ist die Nomadic, das Zulieferboot, das die 1.und 2.Klasse Passagier in Cherbourgh auf die "Titanic" gebracht hat.


Na ja, ganz ohne Titanic geht es bei mir halt auch nicht.
Aber viel spannender fand ich dieses Ding hier:


Das ist doch kein Schiff! Die Jungs , die mit Hochdruckstrahlern den Rost runter spritzten, wussten auch nicht, was sie da vor sich hatten.

Um die Ecke war eine Tafel,  - das ist ein Caisson! Das Schleusentor, mit der man das Trockedock geschlossen hat. Also schon eine Art Schiff, innen hohl; man hat es quer vor das Dock gestellt und dann mit Wasser voll laufen lassen, so dass es auf Grund ging. 
Entlang dieses kleinen Trockendocks habe ich einiges über den Belfaster Hafen erfahren. Harland&Wolff waren wohl die größten Schiffsbauer zu ihrer Zeit, und um 1911 hatte  Belfast die größte Werft weltweit, - also von wegen nur die Titanic.
Das eigentlich spektakuläre Trockendock liegt etwas abseits, - ideal, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist. 


Schön auch, dass die "touristische"- Aufbereitung hier noch in den Anfängen ist. Das ist das Trockendock, in dem die Titanic und andere große Schiffe baut wurde. Ein Riesending, wirklich!



Und ich bin mehr oder weniger alleine hier. Ich zahle 3 Pfund Eintritt im Café und kann rumstrolchen wo ich will. Klasse!
Und hier sieht man den Dingen auch noch ihr  Alter an, das gefällt mir, vor allem der Rost an der Schleuse des Docks.



Unten sind die "Kanäle" (?), in der das Wasser einläuft. Hinter den "Toren" hat es deutlich hörbar gegluckert, ein wenig unheimlich.





Hier ist könnten fast wieder die Dockarbeiter einlaufen und Weitermachen.



Während ich hier so rumziehe, kommt mir immer wieder die Geschichte vom "Trockendock" in den Sinn, ist doch von Stefan Andres (?) oder? Hier muss niemand mehr, die letzte Stütze wegschlagen!

Dafür sorgte das geniale "Pumpenhaus"


Heute funktionieren sie elektrisch und halten immer noch das Dock trocken.


Diese genialen Gwynn-Pumpen können das Dock, siehe oben, in 100 Minuten leer pumpen. D.h. 12.000 Liter pro Sekunde! Unglaublich, oder?
DAS, liebe Friederike, D A S sind Robbenbabies!

Ich radle noch einige Zeit in Belfast hin und her, denn Einchecken auf der Fähre ist erst um 19:45, Abfahrt um 22:00.

Der Lachs, noch für die Söhne, auf den ersten Blick ein bisschen kitschig, doch die Kacheln sind gespickt mit witzigen Details aus der Belfaster Geschichte.



Ja, Belfast hat durchaus auch heitere Kunst zu bieten, nicht überall sind nur maskierte Männer mit Sturmhauben zu sehen.


Die "Versöhnung" allerdings könnte doch noch ein bisschen "Fleisch" auf den Rippen vertragen, findet Ihr nicht auch.



So, und jetzt noch das Rätsel des Tages: Für welche Sportart trainiert diese junge Dame?


Falls es zu schwer für Euch ist, ich gebe Euch einen Tipp: Es ist Iomáint, Iománaíocht.


Wie Ihr sehen könnt, hat es auf der Fähre auch  gutes Internet, sonst könntet Ihr den Blog nicht lesen. 
 Was sie nicht hat sind bequeme Sitze in ruhigen Lounges. Alles ist Restaurant und überall wird gesoffen, bin mal gespannt, wie das gegen später wird.


8 Stunden bis Morgen 6:30 kann lang werden. Dann trink ich halt auch ein Guiness.
UM 22:15 "laufen wir aus" - ich bin wieder im Seefahrer-Modus.


Und werden prompt von Aliens angegriffen:



Ich werde trotzdem versuchen mich Morgen von Liverpool aus zu melden! 

Bis dann!

Sonntag, 2. Juli 2017

26.Tag: Sightseeing in Belfast


Ich glaube, ich habe den Song für Belfast. Wenn er auch nicht direkt auf diese Stadt gemünzt ist:

"There must be some way out of here," said the joker to the thief,
"There's too much confusion, I can't get no relief..." (All around the watchtower)

Bob Dylan trifft meine Stimmung heute ziemlich gut. Was ist das nur für eine Stadt. Einerseits hier draußen im Univiertel ein Kneipen- und Musikangebot, schon am frühen Abend Livemusik. Die Leute saufen sich am Nachmittag schon den Verstand weg. Richtige Lebensfreude spüre ich  dennoch nicht.
Und dann diese Geschichte - die keine Geschichte ist, die einen auf Schritt und tritt begegnet und von der die Belfaster selbst nicht weg kommen.

"There´s too much confusion..."

Ganz genau. Die Stadt verwirrt mich, macht mich sprachlos, ratlos, traurig.
Und gleichzeitig ist es auch schön hier.

Von den Unbillen in meiner Unterkunft will ich jetzt nicht anfangen, Schwamm drüber. Ich hoffe, dieses B&B war die aller unterste Schublade, die ich auf dieser Reise erleben musste.

Für den Morgen habe ich mir das Univiertel , den Botanischen Garten und das Ulster Museum vorgenommen.
Von Sonne mal wieder keine Spur. Es regnet aber auch nicht. Das ist doch schon mal gut.

Der Botanische Garten ist genau richtig um mal wieder in aller Ruhe Tai Chi zu machen. Aber bin ich das? Oder riecht es selbst hier nach Speck und angebranntem Toast. Ich werde den Geruch langsam nicht mehr los? Ich schnuppere an mir. Nein, ich habe mich noch nicht in ein "english breakfast" auf zwei Beinen verwandelt. Also riecht die ganze Stadt nach Speck und öligen Würstchen, - die, by the way längst nicht mehr die pork sausages sind, die ich aus den 70er Jahren kenne. Die heutigen sind jämmerliche Würstchen, vermutlich zum größten Teil mit Milchpulver und Stärke gestreckt und künstlichen Aromastoffen versehen. Seltsame Dinger.

Aber Halt. Ich mache ja gerade Tai Chi. Einatmen, ausatmen, einatmen .. riecht immer noch nach verbranntem Toast und Speck hier!

Der Botanische Garten ist sehr schön und bietet für mich eine echte Überraschung.


Ein richtiges Schmuckstück, dieses kleine Palmenhaus! Auf der Erklärungstafel lese ich 1839! Das gibt es doch gar nicht, noch vor Kew Garden?

Klar, diese Glas/Eisenkonstruktion ist nicht so groß wie das Glashaus in Kew, aber es hat die gleiche Bauweise. Die Schiffbau übernommen Elemente, vorgefertigt und genormt, so zusagen "Fertighausbau", mit Nieten wie bei den Schiffen, 1839 kann das sein?
Ich war immer der Meinung das Richard Turner der erste war und dass ihn ein paar Jahre später Paxton kopiert hat, der ja den fantastischen Glaspalast (Cristal Palace) für die erste Weltausstellung 1851 gebaut hat.


Wie auch immer, ich bin kein Experte und dieses Tropenhaus ist das älteste, das mir bisher untergekommen ist.

Unweit davon steht das Kelvin Denkmal. Kelvin, klar 2.Thermodynamisches Gesetz, grübel, grübel, absoluter Nullpunkt.


Kann mir jemand sagen, was mir der gute alte Lord da entgegenhält. Ein Quadrat mit 4 Ringen? Was hat er noch entdeckt? 

Das war es dann auch für heute mit beschaulichem Sightseeing.

Das Ulster Museum beginnt mit der ersten Abteilung:

"THE TROUBLES" -   „Na Trioblóidí“ 

Das ist die offizielle Sprachregelung für das Morden, Bomben, Einsperren, Umbringen, Verurteilen, dass von 1968 an Nordirland heimgesucht hat. 
Mich schüttelt es bei diesem Wort!!!
Wann wird man endlich begreifen, dass man mit Umbenennungen und Wortneuschöpfungen nichts an den Tatsachen ändert.

Aber "the Trouble" hat mich erwischt und lässt mich den ganzen Tag nicht mehr los.

Das Verrückte ist, dass ich 1971 und 1974/75 ja eine ganze Menge von dieser schrecklichen Zeit mitbekommen habe, - in dieser Zeit wollte die IRA den Konflikt nach England exportieren und eine gute Bekannte von mir hat in einem der Postämter gearbeitet, in dem eine Briefbombe explodiert ist. Es war glücklicherweise nicht ihre Schicht.

Ich habe ja bisher Busrundfahrten vermieden wie die Pest. Aber heute hat es sich gelohnt, denn sonst wäre ich - selbst mit dem Fahrrad nicht- in all die Viertel gekommen, in denen "the Trouble" noch heute Alltag ist. Nicht mehr in Form von offener Aggressionen, aber in Form von einer "Erinnerungskultur", die nicht  unbedingt Wunden heilt, sondern eher weiterhin Ressentiments und Hass schürt.
Zuerst die Unitarier Viertel:

Natürlich große Vorbereitung für den 12.7.



Die Helden von Nordirland, von George Best bis Van Morrison. 

Übrigens, habe ich heute auch erst erfahren, dass der Flughafen von Belfast nach Georg Best benannt ist. Für Menschen, die - unverständlicherweise - nicht fußballafin sind - Georg Best war das geniale enfant terrible des englischen Fußballs der sechziger und siebziger Jahre. Europas Fußballer des Jahres 1968 und für ManU, das was Maradona für Neapel war.
Wie sagt der Nordire: Maradona good; Pelé better; George Best!
Ähnlich wie Maradona, ist George Best eigentlich das absolute Anti-Vorbild gewesen, trotzdem begegnet man ihm in Belfast heute noch auf Tritt und Schritt:
„I spent a lot of money on booze, birds and fast cars – the rest I just squandered.“

Vielleicht liebt man ihn deshalb noch immer in Belfast, weil er halt "einer von uns ist".




Auf diesem Wege werde ich auch noch dieses Foto los. Hier, vor dem Nordirischen Parlament, das nicht zuletzt deshalb so gewaltig ausgefallen ist, weil es die Gemüter beruhigen sollte, aber nicht wirklich viel zu sagen hatte.
Also auf dem Weg hinauf zum Parlament haben über 100.000 Menschen an der Trauerfeier für Georg Best teilgenommen!!
Doch zurück zu "the Trouble":


Egal welche Seite - es geht immer nur auf das Recht zur "Selbstverteidigung". 
"We seek nothing but the elementary right implanted in every man, the right if you are attacked to defend yourself". 
- Und die Gegenseite sagt das gleiche!

.
Natürlich gibt es auch die versönlichen Töne.


Aber ob in den protestantischen oder den Katholischen Vierteln überall wird der Toten gedacht, die für die "gerechte" Sache gestorben sind.






Mal durch Autobomben, mal durch Staatswillkür, mal im Gefängnis, mal im Hungerstreik, mal aus ungeklärten Umständen.  Mal weil sie die Wahrheit geschrieben haben, mal weil sie als Staatsdiener hier hergeschickt wurden, um umgebracht zu werden.



Dutzende und Aberdutzende dieser Wandbilder durchziehen die "Problemviertel". 
Was mich aber wirklich deprimiert hat, ist, dass diese Viertel, die in der heißen Phase, durch Zäune und Mauern, von ihren "feindlichen Nachbarn" geschützt wurden, heute immer noch eingezäunt sind. Die Häuser selbst sind dann oft noch einmal durch Gitter und Zäune "geschützt". Abends um 18:00 werden heute noch die Nebeneingänge geschlossen und man kommt nur durch kontrollierte Eingänge hinein.





Wenn ich es richtig verstanden habe, gibt es heute in Belfast noch 17 solcher "geschlossene Viertel" - und eine Umfrage im vergangenen Jahr hat ergeben, dass weit über 60% der Betroffenen es noch für "verfrüht" halten,  diese "Mauern" einzureißen!!!
An einer solchen "Demarkationslinie" habe ich dann doch die Vorbereitungen für die "bonfire" fotografieren können, von denen ich vorgestern erzählt habe. Zwar sind sie nicht (noch nicht) mit Autoreifen gefüllt. Aber wenn das keine "Botschaft über den Zaun" ist, dann weiß ich auch nicht.


Dieser riesige Turm, mit der blauen Basis, das sind alles Europaletten, aufgestapelt um am 12.7. angezündet zu werden. Und auf der anderen Straßenseite beginnen die katholischen Viertel!
Heute habe ich wirklich Zweifel bekommen, ob ich in Europa und im 21. Jahrhundert bin!
Auch wenn alle, mit denen ich gesprochen habe, steif und fest behauptet haben, das sei nur noch Folklore und alle sei wirklich besser geworden, und in den letzten 19 Jahren habe sich so viel geändert. Aber 19 Jahre! Angesichts der vielen Toten und Ungerechtigkeiten! 
Da kann man nur hoffen, dass das stimmt!
Trotzdem summe ich mit Bob Dylan vor mich hin:

"There must be some way out of here,
said the joker to the thief,
there´s too much confusion and I can get no relief..."

Und wie gesagt, sollte ihr Mal nach Belfast fahren, - ich glaube die Stadt lohnt sich trotz alledem, was ich gerade erzählt habe,
dann steigt nicht da ab, wo ich heute nächtige!


Morgen Abend geht es wieder auf die andere Insel!! Von hier nach Birkenhead, 8 Stunden auf der Fähre. Ich hoffe ich habe Wifi auf dem Schiff. Falls nicht, müsste ich einen Tag Pause einlegen, also wundert Euch nicht, falls es Morgen Abend noch nichts Neues zu lesen gibt.




Samstag, 1. Juli 2017

25.Tag: Von Randalstown nach Belfast


Ganz gut, dass es im Schwarzen Bullen kein Frühstück gibt!
Die Haferkekse und der Nescafe im Zimmer sind Frühstück genug. 
Aber Kopfweh bekommt man von Guinness ganz offensichtlich nicht. Heute Morgen, da ich so an meinen Haferkeksen mümmle, kommt mir die  überraschende Erkenntnis,  dass meine eigene "katholische" Jugend und die Erlebniswelt eines guten katholischen Iren vielleicht doch nicht so weit auseinander liegen.
Ganz aus den Tiefen längst vergessener Erinnerungen kommt mir, da ich so mümmle, ein Standardsatz aus meiner Katholischen Jugendgruppenzeit:
"Was sagt der Betrunkene, als ihm der Pfarrer, die letzte Ölung geben will?
`No nix feddigs!`" (zur Sicherheit für Nichtschwaben: "Bitte nichts Fettiges!"

Genau, ein englisches Frühstück, das in dieser Gegend einfach "fry" heißt, hätte ich unter gar keinen Umständen akzeptieren können.

Der Blick auf dem Fenster, lässt mich schneller mümmeln, scheint da tatsächlich die Sonne?




Das sind "alternative Wetterfakten"! Als ich aus dem Schwarzen Bullen rauskomme, ist von Sonne weit und breit nichts zu sehen. Es ziehen wieder schwerste Wolken übers Land.
Macht nichts! Es regnet nicht. Also auf geht´s!
Halt! Erst werfe ich noch 2-3 Stück von Barbaras Ingwer ein. Das wollte ich schon lange mal erwähnen. Egal, wie heftig, das Kratzen im Hals bisher war, dank des leckeren Ingwers von Barbara, bin ich bis jetzt gut durch die ganzen Wetterkapriolen gekommen, danke!


Nach wenigen Kilometern kommt bereits Antrim, wonach die ganze Grafschaft und die Berge benannt sind, die ich gestern durchradelt habe.
Antrim ist eine echte Überraschung.
Vor allem die Gärten, des ehemaligen Schlosses.
Wer die Blogs der vergangenen Jahre verfolgt hat, der weiß, dass es mich immer wieder fasziniert, wie in der Vergangenheit "Natur" neu erfunden wurde, bzw. nach "menschlichem Gutdünken" gestaltet wurde. Und die große Auseinandersetzung fand in der Gartengestaltung zwischen Frankreich und England statt.
Antrim ist ein Beispiel dafür, wie zuerst die "geometrischen" Gärten des absolutistischen Frankreichs, die um ein Zentrum herum, das Schloss des Fürsten, gestaltet wurden, immer mit Sichtachsen aufs Schloss, und wie dann in England später die Natur neu erfunden wurde, indem man den Park erfand, der so aussehen musste, als wäre er eine "natürliche" Landschaft.
Antrim nun hat als "französische" Anlage angefangen und wurde nach und nach angliziert. Das Ergebnis heute ist durchaus reizvoll.

Das sind die Reste der französischen Gartengestaltung -


Und diese Burgruinen, sind ganz zufällig in eine "wilde geheimnisvolle" Waldlandschaft geraten.



Wo ich diesen Gugelhupf hintun soll, weiss ich auch nicht. Reine Geometrie, ein Weg geht als Spirale zum "Gipfel" - oben ist nicht einmal ein Griechischer Tempel, also das war wohl ein Fehlversuch Frankreich und England gartenbautechnisch zu versöhnen.

Aber im Garten von Antrim ist noch eine andere schöne Geschichte versteckt.


Das ist der Wolfshund von Massereene.
Wenn ich schon das Denkmal des lieben Hundes aus Edinburgh nicht sehen konnte, dieses Denkmal für einen Hund stammt etwa aus dem Jahr 1612.
Einmal hat er  Lady Marian ,Clotworthy gerettet als diese von einem Wolf attackiert wurde und der Wolfshund wie aus dem Nichts erschien und mit dem Wolf gekämpft hat. Sie nimmt in mit aufs Schloss versorgt seine Wunden, der Hund verschwindet danach wieder spurlos. Jahre später hört man ihn vor dem Schloss heulen - und warnt so die Bewohner vor einem Angriff auf ihr Schloss.
Das ist ja wohl wert mit einem Denkmal bedacht zu werden.

Vom Schloss selbst ist heute nicht mehr viel übrig.



Die "beeindruckenden" Schlosstore kommen mir seehr rekonstruiert vor.


In Antrim hat das "Flagge zeigen" auch schon angefangen.

Überall der Union Jack und Wilhelm von Oranien.

Nach Antrim geht es ziemlich lange den Berg hoch.



Zuerst auf kleinen Wegen, auf denen Jaime Lanister mit der "abben" Hand auf dem Karren gefahren ist (musste man nur ein paar Karren Dreck auf dem Weg verteilen). 

Dann auf etwas größeren Sträßchen, kein Problem.
Auf halber Strecke den Berg hoch, - Kleiderwechsel. Beinlinge aus,- Armlinge an. Softshell aus, Windweste an. Das ist besser. 


Der Anstieg ist perfekt, ich komme gut hoch.

Lunchtime wollte ich auf dem Gipfel machen. Das war ein Flopp. Hier beginnen schon die Ausläufer von Belfast. Industriegebiet. Dann halt an einer Bushaltestelle. Denn inzwischen fängt der Wind wieder an und  es beginnt zu nieseln.

Dass eine Abfahrt unangenehmer ist, als die Bergauffahrt, das habe ich bisher noch nie gesagt. Heute war es so. Es wird richtig frisch und der Verkehr am Samstag ist nicht angenehm. Denn unter der Woche ist die Busspur für Autos gesperrt nur Busse, Fahrräder und Taxis dürfen sie benutzen. Heute ist sie oft zu geparkt, so dass man auf die Fahrspur raus muss. Das ist lästig.

8 km Abfahrt! Und kein bisschen Genuss!

Irgendwann bin ich unten.



Wieder am Meer. 

Und mittendrin in der Nordirischen Wirklichkeit. 


Widersprüche am Wegesrand am laufenden Meter. Das ist das Haus des Oranierordens. Oben in der Siegerpose, der Rückeroberer Irlands. Tröstlich für mich, dass das Haus des Oranierordens ziemlich heruntergekommen ist.

Das Zentrum, wie alle Städte dieser Welt. Fußgängerzone. Einkaufszentren, Subway-McDonnalds, Starbucks, - wo sind die netten Pubs?

Vor der City Hall Demonstranten. "Demanding the End of Political Policing" . Das muss ich erst mal googeln um es zu verstehen.
Inzwischen weiß ich, dass damit gemeint ist, dass die Polizei nicht unparteiisch Straftaten verfolgt, dass Sinn Féin Taten schneller verfolgt werden, als die der Unionisten.
Es hat den Anschein, als werden die Demonstranten vor dem Zaun der City Hall, im Stundentakt gewechselt. Als ich mich nach dem Einchecken in meiner Unterkunft wieder auf Stadtbesichtigung mache, wehen Palistinänserfahnen vor dem Rathaus. Belfast ist irgendwie unter Strom!
Und dann! 
Als hätte ich es geahnt. Vorgestern habe ich noch von den homophoben Tendenzen in Nordirland berichtet, - wobei ich da weder für die Katholiken noch die Protestanten die Hand umdrehe. Heute zieht eine riesige Demonstration vor die City Hall.
Es sind bestimmt einige Tausend Teilnehmer.


Beeindruckend die Breite der Solidarität. Von Lehrern,


über Feuerwehrleute


Gewerkschaften, Kommunisten und Trotzkisten, bis hin zu Psychologen


Das ist keine Gay-Parade, sondern eine politische Demonstration ein breites Spektrum der Gesellschaft abdeckt. Das hat mich sehr beeindruckt. Die Stimmung ist heiter, auch wenn der Regen langsam stärker wird.

Ich flüchte mich in ein Cafe. - Und ihr werdet es nicht glauben, selbst aus Kaffeetrinken kann man ein Statement machen.


Subtil, aber unübersehbar! In dieser Stadt "pritzelt" es an allen Ecken!

Doch wie  lässt man einen Samstag in Belfast ausklingen?
Natürlich in der Bar.

Schade, dass man von dieser Bierhalle immer nur einen kleinen Ausschnitt ins Bild bekommt. Sie war wirklich beeindruckend groß. Und ein Krach, wie in einem Deutschen Bierzelt.
Was der Ire so in sich hineinschüttet! Wow!
Da kann ich heute - nach gestern Abend nicht mithalten.
Da schreibe ich lieber meinen Blog!
Morgen ist Sightseeing angesagt. 
Ich melde mich.

Nein, natürlich singen wir  heute nicht  das bescheuerte  "Belfast" von  Boney M.
Und auch Elton Johns "Belfast" ist mir ein bisschen zu kitschig.
Und "Belfast Child" von Simple Mind - vielleicht oder auch nicht.
Also dann heute ohne gemeinsames Singen!
Gute Nacht.

48.Tag: Aachen nach Engen und Schluss

Er ist wieder da! Wieder hier! ( Muss nicht mitgesungen werden) Eine wunderschöne Tour ist zu Ende, 2.101km sind es geworden! Die Rü...