Was bin ich froh, dass ich in Mechelen in den Zug gestiegen bin! Das wären noch einmal 2 richtig knackige Bergetappen geworden. Mit jedem Höhenmeter, den der Zug nach oben zog, wurde mir wohler zumute.
Aber wenn ihr glaubt, Zugfahren mit Radfahren ist pure Entspannung, der sollte mal Friederikes Abenteuer in Frankreich nachlesen.
So perfekt der Belgier das rollende Radeln organisiert hat, so verbesserungsfähig ist die Zugmitnahme.
Bahnsteige erreicht man nur über lange Treppen. Also Taschen runter, Taschen die Treppen hochtragen, kleine Tasche mit den Wertsachen wieder mit nach unten nehmen, Fahrrad hoch.
Keiner kann dir sagen, ob das Rad Kompartment vorne oder hinten im Zug ist.
Die erste Fahrt nach Leuven geht prompt schief. Der Zug hat 10 min Verspätung und mein Anschluss ist weg.
Also Mini-Sightseeing: Bahnhofsvorplatz.
Der nächste Zug nach Wieckenraeth geht eine knappe Stunde später. Dieses mal mache ich mir gar nicht erst die Mühe, nach einem Radabteil zu suchen. Ich steige einfach ein und stelle das Fahrrad neben der Tür ab.
Kein Schaffner kommt vorbei. Der Zug ist nach Lüttich fast leer.
Aber Liege - da brauche ich keinen zweiten Blick hat einen
Calatrava-Bahnhof:
habe ich auch schon davon gelesen. Ein sehr beeindruckendes Gebäude.
Ob es in 150 Jahren noch Calatrava Bauten geben wird? Diesen filigranen Betonformen gebe ich keine 100 Jahr!!
Im Zug komme ich ins Gespräch mit einem jungen Mann, der in "Neutral Moresnet" wohnt, d.h. seine Frau gehört zur deutschsprachigen Minderheit in Belgien. Die Geschichte von Neutral Moresnet ist wirklich spannend. Da es in diesem Gebiet wichtige Bodenschätze, wie das Galmei gab, das man zur Messingherstellung, brauchte, das heißt eigentlich war es das Zink, dass das Galmei bei Erhitzung frei gibt, - könnten sich weder Frankreich, noch die Niederlande noch Preussen, diesen Landstrich und so wurde er zu einer "Mikro-Nation", der lange Zeit große Unabhängigkeit genoss, und neben der Zinkherstellung hauptsächlich vom Schmuggel reich wurde. Mein Reisebegleiter hat mir erzählt, dass die deutschsprachige Minderheit auch in Belgien noch überdurchschnittlich große Privilegien genießt, oder besser gesagt, in der Auseinandersetzung zwischen Flamen und Walonen lassen sich die Moresnet ihre Loyalität teuer bezahlen. Man könnte sagen, diese Region sind die Nordiren der Belgier (damit meine ich Theresa Mays grauenvollen Deal mit den erzkonservativen Nordiren )
War wirklich spannend, mit Jan zu reden.
Welkenraeth, oben in den Bergen ist nur 15 Minuten mit dem Zug von Aachen entfernt, der Zug geht weiter nach Eupen, ich muss noch einmal umsteigen. Und noch einmal, Taschen runtertragen, Fahrrad runtertragen. Am neuen Bahnsteig, Fahrrad hochtragen, Taschen hochtragen. Der Nahverkehrszug hat zum Glück ein paar Minuten Verspätung.
Um 14:30 bin ich schon im Hotel, ideal um mit der Aachen Erkundung zu beginnen.
Jede Stadt hat eine Schokoladenseite und einen Hinterhof. Von meinem Hotel aus komme ich durch den Hinterhof zu den "Weltkulturerbe" Highlights.
So ist das nicht richtig, die Aachener "Kronjuwelen" liegen einfach umringt von gräuslichsten Einkaufszentren, Fussgängerzonen, und Bausünden aus 60 Jahren Innenstadtzerstörung.
Da haben sie sich über die Waldschlößchenbrücke in Dresden aufgeregt, aber wie hier den wirklich beeindruckenden Kulturdenkmälern wortwörtlich auf den Leib gerückt wurde, das ist schrecklich.
Aber dieses Schmuckstückchen, direkt am Dom mit Pfalzkapelle ist wenigstens ehrlich
Besser hätte ich es nicht auf den Punkt bringen können.
Über Dom, Pfalzkapelle und Domschatzkammer, und Rathaus mit Granusturm muss man kein Wort verlieren, das sind wirklich Highlights.
Der Kronleuchter von Kaiser Friedrich Barbarossa, die Reliquienschreine, und....
der Sarkophag von Karl dem Großen
die Armreliquie, das ist fein inszeniert und gut ausgeleuchtet!
Hier gibt es viel zu entdecken. Dies ist übrigens der Schulhof der domeigenen Grundschule (mit Schwerpunkt Musikerziehung).
Und das Rathaus, auf der Karolinischen Pfalz aufgebaut, wurde zum Vorbild für viele Rathäuser, die ich auf dem Weg durch Belgien kennen gelernt habe.
Und der Krönungssaal -dort wo jedes Jahr der Karlspreis verliehen wird, ist beeindruckend, aber ob wirklich "Kunstkenner aus der ganzen Welt" nach Aachen kommen um Alfred Rethels Histiorienschinken zu bewundern, da mache ich mal ein klitzekleines Fragezeichen!! Obwohl ich einige Bilder von Rethel wirklich schätze, aber in Aachen ? Warum mussten für seinen Bilderzyklus sogar Fenster zugemauert werden, so dass der Saal architektonisch aus dem Ruder läuft!
Egal, genug für heute.
Und was steht Morgen noch an?
Natürlich das Forum Ludwig, das Stadtmuseum und die Carolus Thermen - oder soll ich nicht doch lieber einen kleinen Radausflug nach
15 km ist ja nicht viel,- und der Kreisverkehr am Ortseingang soll wirklich sehenswert sein!!
Also Morgen noch einmal ein Blog aus Aachen - dann werdet Ihr erfahren, wofür ich mich entschieden habe.
Bis dann!











