Sonntag, 25. Juni 2017

19. Tag: Von Glasgow nach Dunoon



Der erste Blick aus dem Fenster, - die Sonne scheint. Der zweite: Dunkle Wolken. Heute kommen die Beinlinge und das warme Unterhemd zum Einsatz.
Beim "Aufsatteln" bläst es mein armes Fahrrad fast um. Der Wind ist immer noch heftig und das mitten in der Stadt. Ich starte. Nach kurzer Zeit ist es mir zu blöd. Ich drehe um, fahre zum Bahnhof und kaufe ein S-Bahn Ticket Richtung Glasgow Habour und Gourock (sprich Guurruukk).
An dieser Stelle ein großes Lob an die in England und Schottland viel kritisierten privatisierten Bahnen. Sie sind nicht teuer und das Fahrrad war bisher immer kostenlos.



 Nö, die nächsten beiden Tage werden heftig genug werden. Da muss ich mich nicht heute schon gegen den Wind aus der Stadt quälen!!
(Ich weiß ja, das ist nicht die reine Radlerlehre! Aber vielleicht kann mir meine Leserschaft ja den kleinen Beschiss verzeihen. Ein kleines "ego te absolvo" nach dem Nachtgebet würde mir schon reichen)
Mir jedenfalls hat die Entscheidung gut getan. Zumal mir das Wok-Gericht in einem Schnellimbiss gestern Abend gar nicht gut getan hat.
Allerdings wurden meine Magennerven auf dieser Fahrt gleich 2fach auf die Probe gestellt. Die S-Bahn aus der Stadt heraus, so gegen 10:00 war anscheinend noch der Zug, in dem Kampftrinker den Heimweg nach durchzechter Nacht aus der Stadt antreten. Von dieser Sorte steigt eine Truppe in mein Abteil, setzt sich in die Nähe. Einer von ihnen fängt kurz nach der Abfahrt  an, sich  still und  heimlich unter den Sitz zu übergeben. Nichts wie weg hier. Das Fahrrad musste ich in dem Abteil stehen lassen.
Dann kam die Überfahrt nach Dunoon! Ganz schöne Wellen! Kleine Fähre, keine Autofähre. Doch zum Glück hatte meine 11:00 Uhr Banane eine wohltuende Wirkung auf meine Magenwände!



Da vorne sind dann auch schon die Berge! Da kann man nicht mehr von Hügeln sprechen. Mannomann! Und das bei dem Wetter. Schaumermal, dann sehn wir schon!


Die Überfahrt dauert nur eine knappe halbe Stunde. Dunoon wirkt nett, - ein wenig verschlafen!

Am Hafen werde ich auf Ersisch  oder Gàidhlig begrüßt. Jetzt bin ich endgültig in Schottland angekommen


Das schottische Gälisch gehört zu den goidelischen Sprachen. Es ist mit dem Irischen Gälisch und dem Manx der Isle of Main verwandt (das eigentlich mal "ausgestorben" war). Ob die Leute hier tatsächlich noch Gàidhelig sprechen, oder ob die Beschilderungen nur eine Form der politischen Selbstbehauptung sind, weiß ich im Augenblick noch nicht.
Da ich ein wenig früh für die Unterkunft dran bin, setze ich mich ins Hafencafé um einen Tee zu trinken. Ich bin in sehr unterhaltsamer Gesellschaft. Auf der Halbinsel ist an diesem Wochenende ein Punkfestival gewesen. Ja, ja auch die Punkerschaft ist in die Jahre gekommen. Da muss schon ein XXXl Punker T-Shirt über die Bierplautze, - und dann ist immer noch nabelfrei angesagt. Und auch der Irokese will nicht mehr so recht stehen, - mangels Bewuchses der Kopfhaut. Aber die älteren Herrschaften sind gut drauf. Schwärmen von den Konzerten - und trinken Tee oder Kaffee. Die neu gekauften Doc Martens stehen in proppren Plastiktüten unterm Tisch. Tempora mutantur... oder        "s´ischnemedes" wie der gebildete Schwabe sagt.
Nach einer ausgiebigen Mittagspause - 2 Regengüsse habe ich durchziehen lassen, mache ich mich auf die Suche nach meiner Unterkunft.
Wow, das ist  heute wirklich wieder ein supernettes "Bed&Breakfast", richtig nette Leute. Lassen mich auch gleich rein, obwohl es noch nicht 15:00 ist.
Inzwischen war ich noch einmal im Flecken, habe wirklich gut gegessen. Das Lokal gerammelt voll, es gibt nur ein Gericht, aber das war lecker.
Ich habe auch eine gute Radkarte der Gegend bekommen, d.h. auch wenn es wettermäßig weniger toll werden sollte, die Strecke sollte machbar sein.

Dunoon liegt übrigens auf der Cowal Halbinsel, auf der einen Seite der Firth of Clyde, auf der anderen das Loch Striven. Ich werde Morgen noch am Heiligen Loch (Holy Loch), am Loch Tarsan (nein, nicht mit z) und am Loch Riddon vorbeikommen, um dann hopefully, am Loch Fyne zu nächtigen.

Damit Ihr Euch das besser vorstellen könnt:


Nein, das ist nicht meine neue Radkarte!  Oben rechts bei 30 bin ich im Augenblick und muss Morgen nach unten links 22 zur nächsten Fähre. Wenn die bezaubernde Karte nicht lügt, dann schlängelt sich mein Weg durch die Berge, und nur einmal muss ich drüber um zum Loch Ridden zu kommen, bei Kames scheint auch eine Lücke zwischen den Bergrücken zu sein. Wehe die Karte lügt!

So noch ein Blick von meiner Pension Douglas aus

Lasst Euch von diesem palmenähnlichen Gewächs nicht täuschen! Es ist saukalt. Sicher nicht mehr als 12° und Windchill!
Also dann bis Morgen!

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