Ich beginne unseren letzten gemeinsamen Bericht. Seufz!
Friederike ist schon am Packen. Das Taxi für Morgen früh ist bestellt. Zum Glück gibt es in Edinburgh Großraumtaxis, in die auch eine sehr groß ausgefallene Fahrradtransportkiste reinpassen sollte. Ein 2.Fahrrad jedoch nicht. Dass ich Friederike alleine zum Flughafen schicken muss, ist mir gar nicht so recht. - Aber wird schon gut gehen!
Also erst einmal unser heutiger Tag.
Programmpunkt 1: Hollyrood Palace, der offizielle Sitz der Königin in Schottland. Hier empfängt sie Gäste, hier adelt sie Schotten, wie z.B. Sir Sean Connery...
Und hier hat sich natürlich der schreckliche Krimi um Mary Queen of Scotland abgespielt.
Um den Palace klumpten sich die Busse nur so, doch innen war es eher entspannt, kein Vergleich mit dem Schloss gestern.
Der Palace ist klassizistisch, von der alten Burg ist eigentlich nur die "Badstube von Queen Mary" übrig.
Ist wahrscheinlich ein Touri-Legende, aber ein putziges Gebäude ist es dennoch.
Die an den Palast angrenzende Abbey ist dagegen selbst als Ruine noch sehr beeindruckend.
Der Palast selbst ist eigentlich nicht mehr beeindruckend als viele andere Paläste auch, außer, dass man natürlich beeindruckt ist, dass "auf diesem Stuhl" die Queen im Dinner room sitzt, und dass hier in "dieser" Fensternische, der niedergemetzelte David Rizzio im eigenen Blute lag. Da hat der eine oder andere Besucher schon ganz genau hingeschaut, ob man noch was sieht.
Was wirklich hinter dieser "Game of Thrones"- Geschichte steckt, wer weiß. War es wirklich eine Intrige des protestantischen Adels gegen die katholische Königin und ihren ebenfalls Katholischen Privatsekretär.
Oder war Rizzio vielleicht doch Marys Liebhaber, wie der Gatte Darnley glaubte, der das Attentat anführte.
Bekommen ist ihm die Geschichte nicht. Nicht viel später ist sein Wohnsitz in die Luft geflogen, und er selbst wurde nackt im Obstgarten des Anwesens erdrosselt aufgefunden.
Na ja, und den Rest kennt ihr ja von olle Schiller noch!
Über 8.000 schottische Gäste werden sich da nächste Woche auf dem Rasen bei Tee und Cucumbersandwiches vergnügen.
Sorry, aber da sind wir leider nicht mehr in Edinburgh, aber ein andermal gerne!
Beim Rausgehen aus dem Schloss. Höre ich hinter mir auf einmal jemand "Manfred!" rufen!
Ich fühle mich zunächst nicht angesprochen, obwohl ich mir schon hätte denken können, dass auf dem Platz vor dem Palast nicht soo viele Manfreds herumstehen würden.
Was für eine unglaublicher Zufall.
Und am Nachmittag sehen wir uns noch einmal im National Museum of Scotland
Wenn auch nur aus der Ferne!!
Das National Museum of Scotland ist ein sehr anregendes Museum. Eine "Wundertüte" alten Stils mit pfiffigen modernen museumspädagogischen Konzepten.
Das ist ein anregender Reigen netter Überraschungen. Zum Größenvergleich fliegen Nilpferde, Krokodile, Haie und Riesenkraken durch die wunderschöne Gußeisen/Glaskonstruktion des alten Hauptgebäudes.
Für Kinder eine wunderschöne Sache. Ohne Kinder wirkt manches etwas unübersichtlich, gewollt, manchmal fühlte ich mich recht verloren inmitten all dieser brillanten Ideen.
Zum Glück fanden wir irgendwann den Durchschlupf in den neuen Teil des Museums, der die Geschichte Schottlands beherbergt, ebenfalls großartig aufbereitet, aber für ein altes Hirn übersichtlich geordnet. 1. Untergeschoss, Neolithikum, Eisenzeit, Römer, Kelten, Normannen, wie es sich gehört.
Ich war hin und weg von den vielen wunderbaren Petrogryphen, Stelen und Reliefen die das Museum zeigt. Einfach fantastisch.
Der "im Dienst saufende Reiter" ist doch umwerfend.
Oder diese Gans und dieser Fisch - meine ichthyophilen Söhne werden sicher erkennen um welche Fischart es sich handelt.
Aber der Höhepunkt der frühen Geschichte Schottlands waren für mich einige sehr kleine Figuren, das Lewis Chess game!

Meine Lieblingsfigur ist der "Läufer"(?) der in sein Schild beißt vor lauter Kampfeswillen. Der "Sanchez" unter den Schachfiguren.
Und diese Glupschaugen! Einfach herrlich!
Morgen heißt es erst einmal "Abschied" nehmen!
Wenn ich ehrlich bin, je länger wir beide das zusammen machen, desto schwerer fällt es mir alleine weiter zu ziehen.
Es war bis dahin eine wirklich superschöne Reise - danke Friederike!!
(frieda) Ja das war es!
Inzwischen haben wir Abschied gefeiert, uns in Edinburghs Nachtleben gestürzt, gegessen, getrunken, Musik gehört und ein bisschen mit den Leuten gequasselt. Und ich habe meinen ersten Whiskey getrunken, einen für Nichtswisser und Anfänger, der wie ein mittelguter Cognac geschmeckt hat. In "Rabbi Burns Whiskey Bar" gab es Livemusik, ein junges Pärchen mit Gitarre, Tin Whistle und Gesang haben alte schottische Lieder gesungen. Bei "You'll take the high road and I take the low road" haben wir ein wenig mitgegröhlt.

Am Nachbartisch saß eine Truppe von Männer in den Fünzigern, einer hat mit zwei Löffeln Rhythmus gemacht und damit jede Frau in der Bar super anbaggern können. Ihr ein bisschen was vorkleppern, dann die Löffel in die Hand drücken, erklären, zeigen... das hat sicher schon hundertmal gut funktioniert. Seine Kumpels haben nur gegrinst. Als dann aber um uns herum plötzlich alle Haggis gegessen haben, sind wir geflüchtet. Haggis ist so eine berühmte schottische mit Innereien und Blut gefüllte Wurst, so was wie Presssack vielleicht.
Das mache ich ja gerne schon wegen Manne, der ab morgen alleine gegen Wind und Regen ankämpfen muss. Die Wetterprognose ist ja nicht gerade erbaulich.
Ist eine wirklich sehr nette Stadt dieses Edinburgh- trotz Haggis und offensichtlich meist schlechtem Wetter. Wir haben es gut erwischt und es war toll, die doch sehr anstrengende Radtour so gemütlich abzuschließen.
Großes Lob für die supergute Reiseplanung, Manne!
Und gute Weiterfahrt- so ganz wohl ist mir bei dem Gedanken an diese einsamen, windgebeutelten Strecken ja nicht. Es ist ja kein Mensch auf diesen Radwegen unterwegs, und immer geht es gegen Westen, wo bekanntlicherweise ja der Wind herkommt. Meistens.
Good luck!
#+














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