Donnerstag, 13. Juli 2017

37.Tag: Von Oxford nach High Wycombe



Albert ist eine Flasche! Albert kann Städte einfach nicht lesen! Heute Morgen hat er mich mal wieder richtig veräppelt. 
Auf dem Weg aus Oxford heraus, bin ich einige Male im Kreis gefahren.
Was Albert nicht drauf hat, ist zu sagen: "Halt, hier bist du falsch abgebogen, drehe sofort um!"
Nein, Albert berechnet eine neue Route: "In 32 m links abbiegen, in 180m links abbiegen, in 220m links abbiegen". Und siehe da, ich bin genau da, wo ich falsch abgebogen bin!"

Oxford ist eine Radfahrstadt. Studentenradfahrstadt, die Co-Radfahrer sind gefährlicher als die Armada von Bussen, die um 9:30 schon wieder dabei sind Touristenscharen in die Innenstadt zu schaffen.
Dass Oxford in der Innenstadt auch noch eine riesen Baustelle ist, ein ganzes Viertel wird gerade neu hochgezogen, das kann ich Albert nicht ankreiden, das kann er nicht wissen, - aber auch das hat zu einem neuen Kringel geführt.
Mühsam arbeite ich mich aus der Stadt heraus. Die Studentenradler/Innen kommen in Schwärmen entgegen.
Oxfordstudent/Innen und Dozent/Innen und Ochsfurter überhaupt sind seehr, seehr snooty. Es hat den Anschein, als wäre in den sehr schwierigen Aufnahmeprozessen ein Punkt wichtig, "ziehe die Mundwinkel nie höher als die Horizontline, schaue geradewegs durch Fremde hindurch und erwarte stets, dass sie dir ausweichen, denn du hast es schließlich nach Ochsenfurt geschafft, damit lebst du auf einer anderen Scheibenwelt."
Aber ich schaffe es, keinen Fahrradunfall zu verursachen, d.h. fast wäre jemand in mich von hinten hineingefahren, als ich, noch mitten im Stadtgebiet, aber schon auf einem Radweg, ein Rudel Rehe auf einer Wiese sehe.


Schnell bildet sich ein kleiner Stau und alle holen ihre iPads raus und fotografieren auch. Immerhin, es gibt noch Dinge die den Oxforder beeindrucken.

Dann kommt ein Schild, Thornhill. Da muss ich auch hin. Inzwischen kann ich Namen lesen, Thornhill bedeutet nichts gutes. Ziemlich steiler Anstieg. Oben angekommen glaube ich in "Waldhäuser Ost" in Tübingen gelandet zu sein. Das Klinikum von Oxford


Überhaupt komme ich anscheinend lange nicht aus Oxford heraus, bzw. an  Colleges, die sich irgendwas mit "Oxford" nennen, komme ich noch 15-20 km später vorbei.

Aber langsam wird es dann doch noch einmal ländlicher, auch wenn mich Albert erst einmal wieder einige Kilometer entlang der A 40 lenkt.
Aber dann: Ein Traum von einem Radweg:


Es geht zwar viele Kilometer aufwärts, aber durch eine schöne Landschaft, mit fantasievollen Rastplätzen

und natürlich ist es eine alte Bahntrasse, 


Das deutet jedenfalls die "Radwegekunst" an, die den Radweg dekorieren.


Manche Arbeiten sind wirklich witzig, wie dieser "Säulenheilige"

So macht Radfahren wieder Spaß. Und siehe da, die Leute, die mir jetzt begegnen, lächeln wieder, grüßen und entschuldigen sich, wenn der Hund nicht gleich aus dem Weg geht.


Sogar gegenüber der Bahn haben wir Radfahrer Vorfahrt. Aber das ist nur noch ein Gleis, auf der an Wochenende Eisenbahnfreunde eine Dampflok fahren lassen.
Eines muss ich jedoch an dieser Stelle los werden. Egal wo ich bisher in Europa auf Radwegen gefahren bin, fast alle Fernradwege, sei es in Tschechien, Deutschland, Frankreich, Ungarn, ja selbst noch in Rumänien und Bulgarien, wo immer ein Schild zu finden war, war auch das Zeichen der Europäischen Union darauf. Heute auf dem, vielleicht 20 km langen Phoenix Trail, war nur einmal, auf einem kleinen Schild am Anfang der Strecke, in einer Reihe von vielleicht 15 Sponsoren, fand ich briefmarkengroß, das Zeichen der Europäischen Union. Brexit ist nicht vom Himmel gefallen. Über Jahre hinweg hat man in England immer nur herausgestrichen, dass das UK ein "Nettozahler" ist, das sind aber 10 andere Länder auch. Das ist so üblich wenn man sich als eine "Solidargemeinschaft" definiert. Was in England nie ins Bewußtsein gerückt wurde, ist, dass den Zahlungen nicht geringe Rückzahlungen- Subventionen und Projektgelder gegenüber standen. Aber das EU Logo hier zu zeigen, das wäre offensichtlich so gewesen, als würde man die Fahne des "Feindes" aufziehen. Arme Briten.

Kurz vor West Wycombe lerne ich noch etwas kennen, das ich bisher nicht kannte.



Blindenhunde kennt jeder, aber "Hör-Hunde für Taube" das habe ich bisher noch nicht gesehen. Macht eigentlich Sinn. Das Ausbildungszentrum ist riesig und auf dem Parkplatz stehen dutzende von Autos. Wie es scheint gibt es großen Bedarf.

Dann Wycombe, heutiges Etappenziel


Im Zentrum von High Wycombe steht noch 29 Meilen bis London. Wird wohl einige Kilometer mehr werden, so wie ich fahren möchte.
Wycombe ist ein nettes Städtchen. Bis in die 90er Jahre des 20.Jh war Wycombe bekannt für seine Stuhlfabriken. Hier war europaweit die größte Stuhlfabrik (deshalb heißen die Wycombe Wanderers auch die "Chairboys"). Sollte ich mir das "Stuhlmuseum" anschauen. Ich schaue mal schnell nach, 

“The Wycombe chair museum the most boring thing you can do in this world”

Solche und ähnliche Kommentare haben mich nicht dazu animieren können, das Wycombe Stuhlmuseum aufzusuchen. 
Das Swan Theater hat sich in den letzten Jahren einen guten Ruf erarbeitet.

Heute ist aber keine Vorstellung und


der Salsa Club ist mittwochs, so ein Pech aber auch!!

Ja dann, eben kein Abendprogramm.  Zum Glück gibt es hier wieder schöne, alte Pubs.


Und als ich das Otter-Bier entdeckt habe, war der Abend gerettet.


In der Craft Szene hat sich wirklich was getan in England. Und die Otter-Bier Brauer investieren ziemlich in umweltfreundliche Produktion und Renaturierung der regionalen Flüsse. Hier in dieser dichtbesiedelten Region sind Otter immer noch -oder wieder heimisch.


Da bestellt man doch gerne noch ein 2.Bier!!

Was die gestrige Rätselfrage betriff: Maria hat recht!

"Wenn ich das richtig sehe ist das in der divinity School und das war in dem Harry Potter Film das Krankenzimmer von Hogwarts und bei "Harry Potter und der Feuerkelch" die Tanzstunde bei Professor McGonagall. " 

Genau!!
Beim Reinfahren, hier in West Wycombe kamen alte Erinnerungen hoch. Als ich in England als Assistant Teacher in Ealing (mein morgiges Ziel) gearbeitet habe, bin ich immer in die Union Tavern bei King´s Cross gefahren. Dort hat oft Ewan McColl gesungen. 
Vielleicht singen wir mal wieder ein Lied zusammen. Schaut Euch mal "Dirty Old Town" von Ewan McColl und Peggy Seeger  (unbedingt die Urfassung, nicht Dubliners, nicht Pogues) auf you tube an und dann singen wir

Dirty Old Town


I met my love,
By the gas works wall.
Dreamed a dream,
By the old canal.
I kissed my girl,
By the factory wall.

Dirty old town,
Dirty old town.

Clouds are drifting,
Across the moon.
Cats are prowling,
on their beat.
Spring-s-a girl,
From the streets at night.

Dirty old town,
Dirty old town.


I heard a siren,
From the docks.
Saw a train,
Set the night on fire.
Smelled the spring,
On the smoky wind.

Dirty old town,
Dirty old town.

I'm going to make,
Me a good sharp axe;
Shining steel,
Tempered in,
the Fire.
I'll chop you down,
Like an old dead tree.

Dirty old town,
Dirty old town.

I met my love,
By the gas works wall.
Dreamed a dream,
By the old canal.
I kissed my girl,
by the factory wall.

Dirty old town,
Dirty old town.


Wir sehen uns Morgen.

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