London hat 5 Geruchszonen.
Der Westen riecht wechselweise nach Speck und Toast - und Curry.
Der citynahe Westen riecht nach überhaupt nichts - höchstens mal nach Rosen.
Das Zentrum und der zentrumsnahe Osten riecht stark nach Fisch und altem Frittenfett.
Der Osten erst nach Curry,
Dann nach Zwiebel und Kreuzkümmel.
Mann, was für ein Tag. Was für eine Tour.
Für etwa 60 km habe ich locker 8 Stunden gebraucht. Natürlich auch mit Pausen und Sightseeing.
Ich finde, ich sollte ein T-Shirt bekommen, mit dem U-Bahn Zeichen und drinnen steht:
I crossed London by pushbike - and I survived
Nein, das wäre etwas übertrieben. Eigentlich lief es ganz gut. Ich habe heute Albert nicht wirklich zum Zuge kommen lassen. Zuerst habe ich nur Kew als Ziel eingegeben und dann, an der Themse, habe ich mich über weite Strecken an den Thames Path gehalten. Das lief ganz gut.
In Kew angekommen, noch ein "Blick zurück" auf eine meiner liebsten Sonntag vormittags Beschäftigungen, ein Spaziergang entlang der Themse in Kew, mit einem Besuch der tollen Pubs am Ufer. Heute Morgen ist es noch zu früh - noch nichts los.
Heute Morgen ist "Ebbe" in der Themse, - immer wieder beeindruckend, wie weit die Gezeiten im Fluss zu sehen sind.
Man würde nie vermuten, dass dieses Bild mitten in London aufgenommen wurde.
Dann kommen die feinen Adressen am Fluss.
Die Schönen und Reichen sind am Joggen, wenn sie nicht ihre Kids in ihren Porsche Cayenne zum Hockey oder Rudern fahren. Ich muss aufpassen, dass ich nicht von Joggern überholt werden. Meine Güte sind die fit!
Kein Wunder, dass niemand in seinem Gärtchen am Ufer sitzt und die Rosen schneidet.
Ein Stück weiter, ein echtes historisches Schmuckstück!
Das Stadion vom Fullham Football Club.
Wieder einmal schlechtes Timing! Dieses Mal um einiges zu früh!
Sind die Eingänge nicht "Kult" - ABER! Total up-to-date! Man kann es auf diesem Bild nicht lesen, aber über den Zahlen steht, dass hinter dem Eingang "Pyro-Hunde" warten! Gut! Sehr gut, Fulham!
Und für die Freunde der täglichen Rätselfrage:
Welche Legende steht vor dem Fulham Stadion?
Albert hat immer wieder "gute Vorschläge", die ich geflissentlich übersehe. Ich bleibe am Fluss.
Irgendwann komme ich an der Tate-Britain vorbei.
Die "Turners"! Mann, die würden mich schon reizen. Und dann natürlich die hochgelobte Ausstellung "Gay Britain". Ich streiche 3 x um alle Eingänge herum. Ich finde nicht einen Platz, wo ich das Fahrrad abstellen könnte. Dann an einem Bauzaun, etwas versteckt, doch eine Möglichkeit. Ich schließe das Fahrrad an und ziehe Richtung Kasse.
Doch dann bekomme ich starke Zweifel, ob ich wirklich in meinen Radelklamotten durch die Hallen streifen soll?
Ich meine, nicht dass die Besucher von "Gay Britain" etwas gegen meinen Aufzug gehabt hätten!!
Nö, da komme ich mal extra wieder.
Eine Brücke, nach der anderen, - weiß jemand wie viele es sind zwischen Richmond und Greenwich?
Ja, richtig, 32. Das heißt hinter der Tower Bridge ist Schluss. Hinter der Isle of Dogs fahren Fähren.
Meine Lieblingsbrücke, ist die Prince Albert Brücke.
Und Alles so schön in Pink und Pastell!! Das hat Albert doch nicht verdient!
Dann wird es exotisch. Ich dachte immer, die Chinesen machen "uns" architektonisch nach. Jetzt ist es schon umgekehrt. Nein, ich möchte, dass Shangai, Shangai bleibt - und London, London.
Die Radwege sind in der City wirklich gut. Das ist der cycle "Highway"
Und dann kommt die touristische Keule! Ich hätte es mir doch denken können, dass hier der Teufel los ist. Hier komme ich zu Fuß kaum durch. Aber wat mut das mut!
Die Situation hier im Zentrum Zentrum ist nach dem Anschlag natürlich nicht einfacher geworden. Um die Houses of Parliament ist eine einzige Baustelle, hier werden neue Barrieren und Sperren eingegraben.
Es ist wirklich Geduld gefragt.
Wie komme ich über die Westerminster Brücke? Ich glaube, die paar 100 Meter haben mich fast eine halbe Stunde gekostet.
Aber es hat sich trotzdem gelohnt.
Was olle Winston wohl zu dem Trubel zu seinen Füßen vor sich in brummelt?
Geduld, Geduld! grummel, grummel. GEDULD!
Dass dann auch noch ein Werbefilm auf der Brücke gedreht wird, macht die Sache auch nicht besser.
Irgendwann bin ich drüben, - es kann weiter gehen. Doch natürlich reiht sich weiter ein Touri-Hotspot an den Anderen.
Jetzt bin ich schon jenseits der Tower Bridge. Um den Borough Market wird es noch einmal richtig eng!
Auf der Isle of Dogs habe ich vom Goldsmith College aus, meine Schulpraktika gemacht. Damals war dies eine der ärmsten Gegenden Londons, heute sind die alten Speicher luxussaniert und wahrscheinlich unbezahlbar.
Die Cutty Sark, hat inzwischen ein "Röckchen" bekommen, Greenwich, brummt!
Jetzt bin ich wieder auf Eurer Seite der Ost-West Hemispären!!
Nach dem Maritim Museum,
Wird es langsam ruhiger. Die Radwege sind noch immer gut, aber diese Stadtbummelei macht müder, als eine Bergetappe.
Ein Blick zurück aufs Zentrum. Gut ist auch die Thames Barrier zu erkennen, die London vor Flutkatastrophen schützen soll.
Vor mir das letzte Stück der Themse, und meiner Reise auf dieser Insel.
Aber noch hat dieser "unterhaltsame" Tag seinen Höhepunkt noch nicht erreicht. Ich erreiche Erith gegen 17.00.
Die Adresse, die ich Albert eingegeben habe, führt mich in ein absolutes "Brennpunktviertel". Hier sind heute noch nicht viele "Bleichgesichter" vorbei gekommen. Hotel, Fehlanzeige. B&B Fehlanzeige. Einfach nur "Platte" und ziemlich heruntergekommene Häuschen am Rande. Ich weiß nicht was ich machen soll. Ich kontrollieren noch einmal die Koordinaten, alles stimmt.
Da kommt ein junger Westindie auf mich zu. Fragt mich ob ich Manfred sei. Mmja!
Wo ist das Hotel? "Du hast eine logde gebucht! OOOkey und und wo ist die lodge? Er führt mich um einen Plattenbau herum, zu einem der kleinen Reihenhäuser. "Hier"!
"Und wo soll ich mein Fahrrad abstellen?" "Tja, du hättest angeben sollen, dass du mit dem Fahrrad reist!"
Ein Schuppen hinter einer Mauer, scheint meinem "landlord" selbst nicht sicher genug.
"Ich habe etwas anderes für dich", er holt einen enormen Schlüsselbund heraus. "Fahre hier durch diese Gasse und warte auf mich, auf der anderen Seite, ich hole das Auto".
Tatsächlich kommt er nach einiger Zeit, und fährt vor mir her, in ein anderes Viertel von Erith. Hier sehen die Häuser etwas besser aus.
Er schließt eines der Reihenhäuser auf. In der Küche läuft die Waschmaschine.
Was soll ich von all dem halten? Ist er eine Art Hausmeister und vermietet illegal unter?
Hier finde ich in einem weiteren Umkreis garantiert kein Hotel mehr! Also spiele ich weiter mit.
Er lässt mich das übliche Anmeldeformular ausfüllen.
Das Fahrrad kann ich in der Küche abstellen.
Er sagt, heute bin ich allein in dem Haus. Die Zimmer scheinen tatsächlich auf Vermietung ausgerichtet zu sein.
Also gut. Ich habe keine Lust auf weitere Komplikationen, wird schon alles in Ordnung sein.
Julius verspricht, für das Frühstück noch Cereals und Milch vorbei zu bringen.
Nachdem er weg ist, mache ich mich auf die Suche nach Abendessen.
Das ist leichter getan. Denn ich bekomme, das Haus nicht abgeschlossen. Ich weiß, es gibt Schlösser, da muss auf der Innenseite, der Türknopf eine bestimmte Stellung haben. Funktioniert nicht. Ich versuche alle möglichen Variationen. Dann endlich!! Die Klinke muss nach oben gedrückt werden, dann schnappt das Schloss zu.
Meine Suche nach dem Abendessen ist nicht sehr erfolgreich.
Das Cafe in Safeways macht mich gar nicht an. Gegenüber ein Chinese Takeway. Das schon eher.
Aber was für einen Enttäuschung! Ich bestelle "beef&onion" und Reis. Als ich wieder im Haus bin, stellt sich "beef&onion" als eine Pastete heraus. Würge ich den Reis halt trocken hinunter unter esse eine Pastete dazu. Nicht lecker!
Da habe ich Morgen was gut.
Dann noch eine seltsame Komplikation. Ich bekomme mein Zimmer nicht abgeschlossen. Der Schlüssel scheint nicht zu passen. Nach einigen Versuchen sehe ich, dass eine Münze im Schlüsselloch steckt! Was soll das?
Ich hole meine Pinzette aus dem Waschbeutel und pfriemle die Münze heraus - ein Penny!
Jetzt kann ich mein Zimmer abschließen.
Aber so richtig wohl fühle ich mich trotzdem nicht!
Na ja, wird schon gut gehen.
Ich hoffe, liebe Leser, ich kann Euch Morgen Abend die Fortsetzung der "Abenteuer aus Erith" erzählen.
Also dann!






















