Das war klar, dass diese beiden kommenden Tage keine Etappen für Ästheten werden würden. Aber keine bisherige "Hauptstadteinfahrt", nicht Wien, nicht Bratislava, nicht Budapest, nicht Belgrad und selbst nicht Paris war von so ausnehmender Hässlichkeit, wie der heutige Tag nach Ealing, London W5.
Dabei kann ich Albert nicht mal die Hauptschuld geben, ich wollte ja unbedingt noch einmal dorthin, wo ich knapp 2 Jahre, 1973/74 gewohnt und als Assistant Teacher gearbeitet habe.
Dass Albert auf seinen Radkarten Radwege an den großen Straßen eingezeichnet sieht, die den Namen nicht verdienen, das kann er auch nicht wissen. Aber was zwischen Wycombe und Beaconfield als Radweg vermerkt sein mag, ist schlicht eine Unverschämtheit. Zugewachsen, bis hin zur Unpassierbarkeit.
und häufig kaum mehr als ein Fußpfad. Irgendwann verliert man die Geduld. Aber die Alternative auf die 4spurige Straße zu gehen, kann man vielleicht als Peloton
aber als Einzelfahrer? Ich kämpfe mich durch´s Gebüsch!
Irgendwann habe ich die Nase voll. Auf der Straßenkarte sehe ich eine Alternative - Und lande in einem riesigen Privatgelände. Was immer "Moebius" ist, keine Art finde ich, einen reinzulassen, aber nicht mehr raus. Albert führt mich an einen hohen Zaun. Schluss. Ich fahre den Zaun entlang, komme an eine Schranke. Nein, hier kannst du nicht raus, das ist alles noch Moebius, du musst da hinunter und dann wieder auf die A 40.
Aber auf´s Rad steige ich heute nicht mehr!
Aber das kann doch nicht sein. In Gerrads Cross versuche ich es noch einmal, Albert Manieren beizubringen. Nach der Karte gibt es kleine Sträßchen, die auch Richtung London führen.
Geht doch!!
Doch leider währt das Glück nur etwa 10 km, bei einem Umweg von 6 km. Dann sehe ich auch keine andere Chance als zur A 40 zurückzukehren. Inzwischen bin ich von Autobahnen umgeben. Eine Brandung von Geräuschen. Unglaublich dieser Lärm. Ich überquere die M 40 12 Spuren insgesamt, dann an der A 40 wenigstens ein vernünftiger Radweg. Geradezu Rad Highway - aber der Lärm, der Staub, der Dreck!
Lasst Euch von dieser Idylle nicht täuschen, normalerweise sssswuscht, und rrrrschht es es nur so. Es ist so laut, dass ich erst nach einiger Zeit mitbekomme, dass der Lärm von startenden Flugzeugen noch hinzugekommen ist. Links neben der Straße beginnt Heathrow,- zwar nicht die Hauptstartbahnen, aber die "kleinen" Privatjets machen auch ganz schön Krach.
Und warum, in Dreiteufelsnamen, ALBERT!, können wir nicht dort unten fahren???
Zu spät, Ealing liegt nun mal nicht an der Themse.
In Ealing angekommen, stelle ich fest, dass es noch ein ganzes Stück zum Ealing Broadway ist.
Also einchecken, stadtfein machen und auf Entdeckungsreise in meine eigene Vergangenheit.
Am Ealing Broadway angekommen, erkenne ich zuerst gar nichts wieder. Wie auch, vor 45 Jahren war Ealing ein verschlafener Vorort, geprägt von kleinen indischen und chinesischen Läden und den üblichen Kneipen. Davon ist nichts mehr übrig. Die Ketten haben sich wie überall breit gemacht, Subway, Costa, Cafe Nero, McDonalds, Kentucky, alle sind sie da....
Aber trotzdem ist auf einmal wieder eine Topographie da. Bin ich nicht immer dem Ealing Green entlang gegangen? Ich frage, niemand kennt ein St.Marie´s Technical College, eine St. Marie´s Street, ja, gehe weiter da lang.
Wenn die Pubs nicht wären! Sie scheinen das einzig Beständige hier in England zu sein. Obwohl, mein Grove nicht so schickimicki abgespeckt war. Aber kein Zweifel, ich bin auf dem richtigen Weg.
Und tatsächlich, - kein Zweifel, hier bin ich richtig!
Das sind die Gebäude vom Technical College Ealing. In diesem Block, der jetzt Jugendherberge ist, war "Hotel and Catering", und da hinten,
In diesem Block war die Übersetzer- und Simultanübersetzerschule, und die Deutsche Abteilung.
UND: Das erste Sprachlabor - weltweit.
Ich hatte von Anfang an, keine besondere Beziehung zu dieser Art der Fremdsprachenvermittlung, aber im "Ealing Course of German", der auf Sprachlaborarbeit basierte, könntet Ihr, falls Ihr noch Bänder auf einem Flohmarkt findet, und falls Ihr noch ein altes Abspielgerät auf dem Speicher findet, Euren Blogger, als "Native Speaker" hören. Tja, wahrscheinlich ist das erste Sprachlabor der Welt, schon seit Jahrzehnten entsorgt - und ehrlich gesagt, ich weine ihm keine Träne nach! In diesen Blocks scheinen heute eine Schule und eine Nursery zu sein.
Und offensichtlich ist doch ein bisschen vom alten College in die
University of West London eingegangen. Abgespeckt, aber es gibt sie noch.
Und noch etwas existiert in anderer Form immer noch. Gegenüber des Technical College waren damals die BBC Studios und das College hatte ein Super film department, das mit den Studios zusammenarbeitete, d.h. die Studenten konnten über der Straße Praktika machen. Und als "Assistant Teacher" konnte ich als Gasthörer an den Klassen teilnehmen.
Und diese die Studios gibt es noch
Inzwischen privatisiert aber es wird noch gedreht.
So jetzt müsste ich nur noch die Carlton Road finden, wo ich gewohnt habe. Vom "College" konnte ich praktisch auf Autopilot stellen. Ich hätte gestern noch keine Ahnung gehabt, wo ich die Carlton Road suchen muss, aber von hier aus, gab es keine Zweifel
Und auf einmal sehe ich tatsächlich Bekanntes. Kein Zweifel, diesen Take Away gab es schon damals, und ich habe bestimmt 2x die Woche nach den Klassen mein Essen hier mitgenommen, obwohl alle paar Wochen eine andere Katze auf dem Tresen schlief (heute sind solche Witze natürlich total politisch unkorrekt, ich weiß).
Dann eine kleine Irritation. Diese modernen Wohnanlagen gehören nicht auf meine Landkarte
Aber ich weiß, ich muss da durch. Auf der anderen Seite, finde ich jemand, der sich hier auskennt. "Einfach, die Straße weiter hoch, oben kreuzt du Carlton Road." Ich kann es selbst fast nicht glauben.
Und dann die Carlton Road 10
Dass kein falscher Eindruck entsteht, ich habe nicht Carlton Road 10 gewohnt, sondern 10a, d.h. auf der rechten Seite war ein Seiteneingang und der obere Teil des Hauses war an Studenten vermietet. Insgesamt 4.
10 A gibt es nicht mehr, heute ist das ganze Viertel im Zuge der Gentrifizierung kein Studentenviertel mehr. Obwohl, wenn ich recht überlege, so billig war das Zimmer auch nicht. Ich habe pro Woche 11 Pfund gezahlt und das Pfund war 1973 bei knapp unter 12 DM.
Jetzt aber genug Nostalgie. Was hat es jetzt gebracht, in Ealing gewesen zu sein. Wenn ich ganz ehrlich bin, nicht viel.
Soll ich Morgen wirklich noch auf der anderen Seite von London, in New Cross im Goldsmith College vorbei schauen, wo ich als Austauschstudent war?
Eines weiß ich 100pro. Ich fahre Morgen keine Stinkestraßen mehr, nur um in meiner Vergangenheit zu kramen!!
Was ich jetzt machen werde ist, eine wunderschöne Strecke herauszusuchen, auf der ich möglichst schnell nach Kew komme, um dann immer der Themse nach- auf RADWEGEN - London zu kreuzen.
Also drückt die Daumen, - gut dass Morgen Samstag ist- wir sehen uns dann auf der anderen Seite von London!!!
Jetzt aber genug Nostalgie. Was hat es jetzt gebracht, in Ealing gewesen zu sein. Wenn ich ganz ehrlich bin, nicht viel.
Soll ich Morgen wirklich noch auf der anderen Seite von London, in New Cross im Goldsmith College vorbei schauen, wo ich als Austauschstudent war?
Eines weiß ich 100pro. Ich fahre Morgen keine Stinkestraßen mehr, nur um in meiner Vergangenheit zu kramen!!
Was ich jetzt machen werde ist, eine wunderschöne Strecke herauszusuchen, auf der ich möglichst schnell nach Kew komme, um dann immer der Themse nach- auf RADWEGEN - London zu kreuzen.
Also drückt die Daumen, - gut dass Morgen Samstag ist- wir sehen uns dann auf der anderen Seite von London!!!
















