Donnerstag, 15. Juni 2017

9.Tag: von Whitby nach Middlesbrough


(frieda) Heute war der Tag der richtigen Entscheidungen und zwar unter widrigsten Bedingungen.
Zuerst hat Manne entschieden, seinen Reifen selber zu wechseln, denn der Radladen macht am Donnerstag erst um 1 Uhr auf. Ich glaube, dass Radläden hier in UK allgemein nicht so gut laufen, die Leute fahren nämlich nicht Fahrrad. Wirklich nicht: England ist noch weniger ein Fahrradland als Polen!


Und das ist gut gegangen und wir konnten so kurz vor 11 Uhr losfahren.
Und wir haben uns für Albert als Routenplaner entschieden, das war eine einfache Entscheidung, denn die Route 1, große Nordseeumfahrung, nationaler Fahrradweg, hat es für diese Strecke gar nicht gegeben. Wir haben dann auch verstanden warum: vor uns lag der Nationalpark  "North York Moors Nationalpark", ein Hochmoor.
Hoch heißt, es ging erstmal hoch und wir mussten schieben-


Und der Wind hat von vorne geblasen, da wir  in Richtung Westen unterwegs waren.
Irgendwann mal waren wir oben, und der Wind hat weitergeblasen und wir waren auf einer sehr befahrenen Strasse ohne Randstreifen und ohne Fahrradweg unterwegs. 
Die Landschaft traumhaft, die Radstrecke ein Alptraum:


Dann kam ein Segel/Freizeit/Bootfahren-See und ich traf eine weitere gute Entscheidung: nicht ins Wasser zu gehen. Es war so dermaßen stürmisch und inzwischen auch recht kalt.


Nach drei Stunden hatten wir gerade mal 25 km geschafft, wir haben gegen den Wind gekämpft und immer vor den vorbeifahrenden Autos gebangt.
Und dann trafen wir eine weitere sehr gute Entscheidung: so geht's nicht weiter!
Wir sind abgebogen, runter vom Hochplateau, ins Moor hinein und Richtung Bahnstrecke Whitsby- Middlesbrough, von der wir aber gar nicht wussten, wie oft da überhaupt ein Zug fährt.
Und diese Strecke war so wunderschön. Allerdings jetzt mit Seitenwind, der mich mehrmals fast vom Rad geblasen hat, wirklich!




Ganz da vorne kann man den Manne sehen, der jetzt gleich  die 16 % Strasse runterfährt.
Und der darf jetzt auch weitererzählen:

Also gut:

(manne) Hinterrad! Erinnerst du dich, Hubert, dass ich nach der Frankreichtour versprochen hatte, jeden Tag zu üben, wie man am Hinterrad den Reifen wechselt? War mal wieder so ein Versprechen, das nach der Tour schnell vergessen ist.
Aber hat ja trotzdem gut geklappt! Aber was war das für ein Glück, das wir die letzten Tage hatten.
Einmal Mitten im Ort, keine Luft mehr im Vorderrad. Und Gestern 1,6 km vor dem Ort!
Mir wäre es recht, wenn damit das Reifenpech auf dieser Reise beendet wäre.
Aber der Wind, auf der Hochebene war wirklich heftig.
Im Frühstückszimmer in Whitby, haben wir einen Yorkshireman kennengelernt, rothaarig,- wie aus dem Bilderbuch,  der in Deutschland lebt und seine Mutter besucht -  mit seiner deutschen Freundin/Frau, rothaarig, als wären ihre Vorfahren aus Schottland ausgewandert.

Mit ihnen haben wir schon über die Strecke gesprochen. Die Yorkshire Moors, sind wohl wie die 5 Finger einer Hand. 5 Höhenrücken. Mann kann auf einem Finger relativ lange oben fahren, oder man kreuzt die Hochflächen und hat dann bis zu 26% Steigungen und Gefälle. Oben, das haben wir dann sehr bitter erfahren müssen, pfeift der Wind - fast immer!

[Und noch eine andere sehr interessante Diskussion führten wir mit dem netten Yorkshireman. Seit ich in England bin, haue ich mir regelmäßig Pfeffer aufs Spiegelei. Ich bin der Meinung, das Streuer mit 3 oder mehr als 3 Löchern , Salz enthalten. Streuer, die nur ein Loch haben,  sollten m.E. für Pfeffer sein. Nun ist es in England genau anders herum. Liege ich nun ganz daneben? Am Frühstückstisch in Whitsby konnten wir diese wichtige Fragen nicht klären - so habe ich eben mein Frühstücksei wieder einmal mit Pfeffer gegessen]

Doch zurück zur heutigen Fahrt:

Die Entscheidung an der Abzweigung hinunter nach Dunby fiel uns nicht leicht. Was, wenn der letzte Zug schon gefahren ist? Was, wenn man auf dieser Bahnstrecke  Fahrräder nicht mitnehmen kann? 
Friederike ist in solchen Situationen risikofreudiger als ich. Mir fiel es schwer, die Hochfläche zu verlassen, - trotz der Durchschnittsgeschwindigkeit von deutlich unter 10km/h.

Dieses Schild gab dann schließlich den Ausschlag:


Wäre das nicht was für den Hohlspiegel? 51 Tote in den letzten 3 Jahren, eine 54% Verbesserung!!
Waren vorher wohl so um die 25!


Unten angekommen, lösen sich alle Sorgen in Wohlgefallen auf. Zwar müssen wir bis 16:40 warten.
Doch bei fruit scones und Kaffee in einer netten Bäckerei ließ es sich aushalten.



 Und pünktlich um 16:40 kommt der Zug!

Die Landschaft ist spektakulär und aus dem Zugfenster können wir sie erst richtig geniessen.





Auf diesem Plateau im Hintergrund sind wir entlang geschlichen!

In Middlesbrough angekommen stellt sich schnell heraus, dass mit der Fahrt vom Bahnhof zum Hotel, und einem kurzen Blick aus dem Hotelfenster, das heute Sightseeing Programm abgehakt werden kann



 



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Er ist wieder da! Wieder hier! ( Muss nicht mitgesungen werden) Eine wunderschöne Tour ist zu Ende, 2.101km sind es geworden! Die Rü...