Dienstag, 18. Juli 2017

42.Tag: Von Canterbury über Dover - Dünkirchen nach Veurne


die Route

Der heutige Tag besteht aus 3 Abschnitten. Einer nicht unknackigen Bergetappe. 3 Stunden auf der Fähre und  35 km gegen den Westflämischen Wind.

Ein Glück, dass ich gestern Abend noch einmal das Profil der Strecke von Canterbury nach Dover angeschaut habe. 30km bergauf, von hinten hinauf auf die Klippen und dann 6 km ebenso knackige Abfahrt. 
Da bin ich dann lieber doch etwas früher aufgestanden. 
Was sich als gut heraus gestellt hat. 
Wenn es wenigstens nur bergauf gegangen wäre. Aber nein, in jedes Seitental musste die Straße hinunter führen, um dann auf der anderen Seite steil nach oben zu gehen.
Wenn ich es gestern fast bedauert hätte, die Briten und ihren "Sandkasten" zu verlassen, so wird mir der Abschied heute leicht gemacht.
Die Landschaft ist wunderschön.


Und gegen 9:00 ist es auch noch nicht sehr warm. Aber das ändert sich im Laufe des Tages.

Albert und die englischen Schilder funktionieren gut. 
13 Meilen vor Dover bin ich platt. Auf britischem Boden ein Eurovelo Zeichen, - das muss die Nähe zu "Europa" sein, schwappt da was rüber?



Die Strecke geht richtig in die Beine. Aber gegen 11:30 bin ich in Dover.


Noch einmal englische Flussromantik, - dann der Ärmelkanal! Die Windsurfer freuen sich. Es herrscht eine "sstteiffe" Brise. Soll ich mich auch freuen?


Die Fahrt in den Fährhafen ist abenteuerlich, zwischen all den Lastwagen hindurch. Doch sie sind offensichtlich auf Radfahrer eingestellt, das Fahrradleitsystem, eine magentafarbene Linie, führt mich bis zum Check-in. Zusammen mit russischen Lastwagenfahrern warte ich. Als ich dran bin, werde ich gefragt, ob ich auch schon auf die 12:00 Fähre will, die hat sich etwas verspätet. 
Das ist der Treffer des Tages, wie sich noch herausstellen wird. Ich bekomme meine Unterlagen, stelle mich mit den Autos an der Einfahrt 51 an. Fahre auf die Fähre - und 

Tschüss, ihr lieben Briten, war schön bei Euch! Ehrlich! - Aber ich freue mich jetzt auch auf Europa!


Und in Eurer "Burg" dürfte Ihr Euch in nächster Zeit alleine um Eimer und Schaufel streiten.

Den ersten Teil der Überfahrt, setze ich mich vorne ins Restaurant und lese Zeitung. Keine gute Idee. 
Der Ärmelkanal lässt das Schiff in alle Richtungen unmerklich schwanken. Gefällt mir gar nicht.
Aber einen "Spoiler" muss ich schnell loswerden. Gestern Abend hat ja "Game of Thrones, die 7.Staffel" angefangen, und vergangenes Wochenende waren alle Sonntagsbeilagen voll mit den englischen Schauspielern der Staffel.


Ed Sheeran ist der Troubadour, das hättet Ihr nicht gedacht, was?
Und noch ein Spoiler, den die Insel in Aufruhr versetzt hat. Der 13. Dr. Who ist eine Frau! Die Nation diskutiert!


Ich finde Jodie Wittaker richtig gut. Sie hat mich in Broadchurch sehr überzeugt. Witzig, dass ihr Partner in Broadchurch der letzte Dr. Who war.
Aber, ich sollte aufhören Zeitung zu lesen. Meine Kopf  schwappt nach links, mein Mageninhalt nach rechts. Nicht gut.
Ich gehe ans Heck. Im Freien ist mir wohler.

Mit einer halben Stunde Verspätung sind wir in Dünkirchen. Falsch!! Ich bin ja wieder in der Sommerzeit, also schon 16:30. 
Und noch 35 km nach Veurne. 
Fahrräder haben Priorität. Mit mir fahren 7 weitere Radler von der Fähre. Davon sind 5 eine Familie mit 3 Kindern. Ganz schön tough!
Ich schalte Albert wieder ein. Er rechnet.
Und kommt zu dem Ergebnis, 110 km bis Veurne. Albert! 
Panic-Attac!! Das darf doch nich wahr sein. Habe ich etwas falsch gemacht. Gibt es noch ein Veurne, habe ich falsche Daten eingegeben?
Oder hat sich der nette Mensch am Schalter geirrt. Ging die Fähre vielleicht doch nach Calais??
Ich stehe in der Ausfahrt!
Links und rechts rauschen die Lastwagen an mir vorbei!
Ich schalte Albert aus. Ich schalte Albert wieder ein. 
110 km bis Veurne.
Das darf doch nicht wahr sein!
Was stimmt hier nicht. Auf jeden Fall muss ich aus dem Hafengebiet raus. Ich fahre, der Ausfahrt entlang. Es gibt nur eine Variante, die nicht auf die Autobahn führt. 
Da sehe ich?
Albert fängt noch einmal an zu rechnen!!!
Vollbremsung auf dem Standstreifen!

Albert rechnet und rechnet.
35 km. Albert das war jetzt überhaupt nicht lustig!

 Haben kleine schwarze Kästchen, die man mit Kabelbindern an Lenkräder festbindet ein Eigenleben?
 Kennen sie so etwas wie "Schwarzen Humor" oder Rachegelüste, nach all den "Demütigungen" die er erleiden musste?
Oder hat Albert einfach gepennt, und die Fahrstrecke auf der Fähre noch dazu gerechnet.
Egal, auf nach Veurne!
Sofern es der Gegenwind zulässt. Plattestes Westflandern, platter geht es nicht. Heute Morgen hätte ich jubiliert. Jetzt fluche ich! Gegenwind! Obaschowia!

Und dann auch noch RECHTSVERKEHR!!

Die ersten 3 -4 Kreisverkehre bin ich komplett von der Rolle.
Aber das gute in Frankreich, - und dann auch in Belgien ist, dass sie ganz anders mit Radfahrern umgehen.
Das merke ich erst jetzt richtig.
Hier werde ich nicht geschnitten, hier hält an einer Baustelle auch schon mal ein Auto, um mich reinzulassen, UND es gib fast immer eine eigene Radspur!!
So könnte Radfahren richtig Spaß machen, - wäre da nicht der verdammte Gegenwind.

Doch mit Geduld und  Spucke,



radle ich in Belgien ein. Ein Tag - 3 Länder, das hat man auch nicht alle Tage.

Was war das für ein Glück, dass ich schon die 12:00 Uhr Fähre erwischt habe!!
Kurz vor 19:00 (Eurer/ unserer Zeit) komme ich in Veurne an.  Und bin komplett von der Rolle.
Ich hatte ja keine Ahnung, dass das eine richtig schöne Stadt ist. Der Belfried ist Weltkulturerbe!!



An diesem wunderschönen Marktplatz hat Euer Blogger eine Riesenportion Spaghetti gegessen, die er sich heute redlich verdient hat.


Eigentlich wollte ich ja heute, ein wenig mit den "Endabrechnungen" anfangen.
Aber ehrlich gesagt, nicht nur meine Beine sind ein wenig müde.

Aber eine Kategorie haue ich heute noch raus:

5 Dinge über die ich richtig froh bin:

1. Dass ich schnell gelernt habe, dass die Gefahr "von Rechts" kommt. Und dass die 2x,  da ich    
    das vergessen habe, 2 reaktionsschnelle Autofahrer zur Stelle waren.
2. Dass ich nie von "englischen Schiebefenster" guillotiniert worden bin.
3. Dass ich in englischen Duschen nur leichtere Verbrennungen davon getragen habe, bis ich    
    verstand, wie das System funktionierte.
4.  Dass ich genügend Werkzeug dabei hatte, um heruntergefallene Duschkabinengriffe,   
    Handtuchhalter, Wasserkocherknöpfe..... wieder anzubringen.
5. Dass ich nie länger eingeschlossen, bzw. ausgeschlossen war, bis ich verstand, wie man 
     Drehknöpfe, dreht, oder Türgriffe nach oben drückt, damit sie Türen verschließen, bzw. 
     aufschließen.

Ihr Lieben, hier in diesem wunderschönen Innenhof, des "Hotels de Loft", das eine Art Künstlerkolonie ist, aber ein fürchterlich schlechtes Internet hat, wird es langsam kalt, dunkel und beinahe hätte mir eine Möwe, meine Tastatur komplett zugeschissen, - zum Glück hat es hat nur etwas vom Tisch rübergespritzt. 
Also schauen wir mal, ob ihr was zu lesen bekommt. Ich drücke auf "veröffentlichen".
Euch einen schönen Abend noch, mir ein weiches Bett!




48.Tag: Aachen nach Engen und Schluss

Er ist wieder da! Wieder hier! ( Muss nicht mitgesungen werden) Eine wunderschöne Tour ist zu Ende, 2.101km sind es geworden! Die Rü...