Freitag, 16. Juni 2017

10.Tag: Von Middelsbrough nach Newcastle



(manne) Middlesbrough am Morgen. Es hat in der Nacht geregnet. Die Bäume vor dem Hotel werden immer noch heftigst vom Wind gebeutelt. So richtig motivierend ist das nicht, - nach dem gestrigen Gegenwindtag. Wenn ich nur dran denke, wie wir ein Straße mit  16% Gefälle gerade mal mit 10-11 km/h hinuntergeschlichen sind.
Doch beim Aufsatteln - die ersten Sonnenstrahlen. 
Wie kommt man aus einer Industriestadt mit endlos Gewerbegebieten raus? -Dieses Mal total einfach.
Albert ist ausgeschlafen und wir finden die Route 1 schon nach wenigen 100m. 
Und gleich ein sehr angenehmer Radweg. Der 7 Brückenweg, raus aus Middlesbrough.


Brücke 1. Sehr interessante Hebebrücke, Dahinter der Hafen.





Brücke 2, historisch,
Die restlichen 5 haben wir nicht gesehen, weil wir vom Fluss weg geleitet wurden. 
Der Radweg 1 ist heute erst einmal sehr zuverlässig ausgeschildert. Erst einmal!

Und sehr schön. Schön, vor allem weil wir in den Hecken wunderbar von dem immer noch heftigen Wind geschützt sind


Und wie man unschwer erkennen kann, wieder sind wir auf einer alten Eisenbahnstrecke. Und wieder geht es ganz gemach bergauf. Wirklich toll zu fahren - wenn man Albert glaubt, und nicht abbiegt, wo man nicht abbiegen sollen. schon nach etwa 15 km, biegen wir rechts ab, weil wir einem Schild geglaubt haben - und nicht Albert. Und schon beginnt wieder das Chaos.
Nach Whitton will Albert uns rechts auf eine 4 spurige Straße schicken, die wieder nach Middlesbrough zurückführt. Da sträuben sich alle Nackenhaare!!
Das geht garnicht. Auf der Karte kann man erkennen, dass ein kleiner "Reitweg" nach rechts hinunter eindeutig wieder auf  den alten Radweg führt. Warum nicht!


Was Reiter können, können wir auf unseren Drahteseln auch! Denkste! Schon nach wenigen 100m geht es nur noch über Wiesen! Das wird nichts.
Da treffen wir zwei sehr nette Wanderer. Die sich auch noch auskennen. "Doch, ihr müsst auf die 4spurige Straße. Nur ein paar hundert Meter, dann geht es gleich links ab, nach Thorpe Thewles (kannst du uns mal Ausprachehilfe geben, John!) und da beginnt eine schöne Radstrecke, wieder auf einer Eisenbahnstrecke, die fast bis Sunderland geht."
Also gut, das versuchen wir!
Und tatsächlich:


  Am ehemaligen Bahnhof von "Thorpe Thewles"  (warum muss ich bloss bei diesem Namen andauernd an Loriot denken?) steigen wir ein in die alte Strecke des Sunderland-Express!
Aber vorher muss ich noch was loswerden:

Im großen Buch der Hetero-und Stereotypen werden wir Deutschen ja immer als Befehls- und Gehorsamsgepolte- "Jawoll, mein Führer"-Typen geführt. Dass die Engländer einen Faible für Reglements und Bestimmungen haben, das haben wir ja inzwischen Bed&Breakfastwise zur Genüge mitbekommen, dass sie einerseits gerne klare Ansagen machen würden, sich aber dann doch nicht getrauen zu sagen - "Du kommst hier nicht rein!" führt dazu, dass sie sich einen abbrechen, Verbote auszusprechen:


Ich habe schon lange nicht mehr einen so herrlichen Nonsensetext gelesen, der aber ernst gemeint ist.
"Wir entschuldigen uns, aber es dürfen in den Tearoom des Stationhauses keine Hunde oder andere Tiere (Blindenhunde ausgenommen)
Dies ist eine Anweisung des Gesundheitsamtes, die besagt, dass Tiere sich dort nicht aufhalten dürfen, wo Essen serviert wird.
Wir entschuldigen uns für die entstehenden Unannehmlichkeiten.
Bitte beleidigen Sie unsere Mitarbeiter nicht, denn sie können nichts dafür!"

Wow, da ist mir ein ehrliches Schild: "Hund- durchgestrichen" oder "Wir müssen draussen bleiben" 10x lieber, als diese verquase Höflichkeit!

Also schnell noch eine verspätete 11:00 Uhr - Heute um 12:15- und dann aufs "Gleis"


Und wie schon in den vergangenen Tagen, geht es sehr angenehm, sehr sanft den Berg hoch, wieder etwa 10 km. Alles gut. Nur Albert ist beleidigt und haut uns um die Ohren, dass "sein Weg" nach Newcastle nur noch 32-  km gewesen wären, aber - ihr wolltet es ja nicht anders - jetzt sind es wieder 49km,  "Ich habe es euch doch gleich gesagt!"

Was soll´s wir fahren Richtung Sunderland. 
Und der Weg ist richtig schön.
An einer Stelle fahren wir sogar über Wasser.


Und Friederike behauptet steif und fest, sie möchte in Sunderland einen Badestopp einlegen.
Heute bleibe ich ganz gelassen


Glaubt Ihr, dass diese Dame heute noch Baden gehen möchte? (Kurze Zwischenbemerkung: Friederike hat immer behauptet, das Wasser in der Nordsee hätte "so um die 18°". Mitnichten. Gestern kam in den Nachrichten. Nordsee, Wassertemperatur 12°) 
Inzwischen sind wir auf der Hochfläche angelangt und der Wind pfeift, trotz aller Hecken ganz gewaltig. Und dann ist irgendwann Schluss mit Schildern. 
Wir finden einen Weg hinunter ans Meer.

Und jetzt macht Friederike weiter:



(frieda) das hat der Manne natürlich verschwiegen:
auf dem grasüberwachsenen Pferdepfad, wir wollten gerade umdrehen, ist er wohl in ein Loch getreten, umgefallen und in den Graben gerollt. Richtig  perfekt abgerollt, das sah fast absichtlich aus, aber das war es natürlich nicht. Der Graben war gut gepolstert mit Gräsern und leider auch Brennesseln, aber mehr ist nicht passiert. Hätte auch schiefgehen können.

Und jetzt wieder am Meer, das ist Nose's Point bei Seaham:


Ein kleiner Strand an der Steilküste, die Steilwand voller Vogelnester, beim näherkommen haben mich die Vogeleltern (irgendsowas wie kleine Krähen) massiv attackiert. Hitchcock lässt grüßen.
Diese Bucht schien mir doch keine Badebucht und danach kamen nur noch Industrieanlagen.

Und dann haben wir wieder den Zug genommen bis rein nach Newcastle und uns das Gegurke um die Industriebrache, Autobahnzubringer, Fabriken und Müllhalden gespart.
Zugfahren in England ist nett, man darf die Fahrräder umsonst mitnehmen, es gibt einen Schaffner, der alten Damen in und aus dem Zug hilft, der dafür sorgt, dass die Fahrräder im richtigen Wagon stehen und der besoffene Jugendliche rausschmeißt. Die Kids waren mit Sixpacks unterwegs, hatten schon einiges intus und haben ein bisschen rumgepöbelt und sie waren noch sehr sehr jung.
Im Zug war auch eine Vierergruppe von jungen Mädels, total aufgedonnert und zugeschminkt, Minröcke, auf hochhackigen Schuhen in den sie nichtmal stehen konnten, geschweige denn laufen, sahen aus wie aus dem Rotlichtmillieu waren aber wahrscheinlich ganz brave Mädchen. 
Auf dem Weg durch Newcastle zu unserem Hotel sind uns schon um halb sechs Uhr sehr viele Besoffene begegnet.  Und In der Stadt auch mehrere Gruppen von Junggesellenabschieden: ein Bräutigam in rosa Tutu, ein anderer in einer Art schwarzem Tuchanzug... sehr verrucht. 
Es ist Freitag Abend in Newcastle:

The Monument (Earl Grey steht da oben, der war in der  Bewegung gegen den Sklavenhandel)




Die Brücken über den Tyne: hier ist die Grenz zwischen England und Schottland



 Morgen geht es weiter gen Norden. Manne hat jetzt endlich eine Radkarte kaufen können, jetzt kann nichts mehr schiefgehen, Albert, Route 1 und Leute fragen.... ist alles Geschichte...oder?

Und zum Abschluss singen wir Alle zusammen, das schöne Lied von Lindisfarne:


Sittin' in a sleazy snack-bar
Suckin', sickly sausage rolls
Slippin' down slowly, slippin' down sideways
Think I'll sign off the dole

‘Cause the fog on the Tyne is all mine, all mine
The fog on the Tyne is all mine
The fog on the Tyne is all mine, all mine
The fog on the Tyne is all mine....

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