Samstag, 17. Juni 2017

11.Tag: Von Newcastle upon Tyne bis Alnwick


(frieda)Heute teilte sich der Tag in zwei große Etappen: 47 km bis zum Badestrand und 28 km nach dem Baden.

Aber angefangen hat der Tag mit halb nackigen Männer, die nur mit dem Handtuch "bedeckt" vom Zimmer zu den Gemeinschaftbädern gewandelt sind. 
Und mit dem schlechtesten Frühstück der Reise: continental breakfast, ein paar Sorten Cornflakes, zwei Sorten weißes Toastbrot (warum zwei Sorten????)  und in Zellophan eingeschweißte Schokobrötchen.
Und mit einem schönen Abschiedsblick auf Newcastle. bei herrlichem Sonnenwetter, morgens schon 22 Grad und ganz wenig Wind.


Albert hat die ersten 20 km nicht geglänzt mit der Streckenführung, hier ein kleines Beispiel: in diesen Kreisverkehr (Linksverkehr!) mussten wir uns einfädeln- und die Autos kamen sehr sehr schnell:

Zum Ausgleich musste der arme Manne in einem pastellfarbigen Hochzeitstorten (und sonstigen Dekogruscht)-laden einen Kaffee trinken:


Und nachdem wir dann endlich an allen Industrieanlagen, Atomkraftwerken,, riesigen Halden von irgendwas Grauem und Flussarmen vorbei waren:




Während Manne Mittag gegessen und geduldig auf mich gewartet hat, bin ich ein bisschen im eiskalten Wasser rumgehüpft, ein paar Züge geschwommen, geprustet und gepaddelt, es war sooooo herrlich!

Und jetzt ich:


(manne) War schon ein sehr schräges Hotel, streng genommen nicht in Newcastle sondern in Gateshead. Doch witzige Leute kann man überall treffen. Als ich heute Morgen die Räder aus ihrer "Garage" geholt  habe, zuerst Friederikes, dann meins, saß ein kräftig gebauter Sprinterfahrer in seinem Fahrerhaus und schaute mir zu. Sein Kommentar als ich mit meinem Rad ankam: "Hab ich mir irgendwie schon gedacht, dass du nicht mit dem Fahrrad mit der "funny" Klingel fährst." - Da blieb mir nur zu sagen: " Gut, dass wir das klären konnten! Nein, wirklich, mit so einer Klingel würde ich nicht mal zum Bäcker fahren!"
Unser Start aus Newcastle heraus, war sehr erfolgreich. Nach 2 Platten, wollten wir eigentlich sicher gehen und mir noch einen Schlauch besorgen- und da ich mir nicht sicher war, ob Friederike die gleiche Schlauchgröße brauchte. auch für sie einen in Reserve. Außerdem hatte ich gestern auf sandigem Gelände deutlich gemerkt, dass nicht genug Luft in den Reifen war.
Wir haben eine Adresse, mitten im Zentrum, mitten in der Fussgängerzone. Ist da wirklich ein Reparaturladen für Fahrräder?
Tatsächlich, in einem ziemlich teueren Sport- und Outdoorladen im 2 Obergeschoss, in der Fahrradabteilung bekommt man seine Fahrräder repariert. Der Fahrradmonteur hat alle Hände voll zu tun, aber die Schläuche hat er uns trotzdem rausgesucht und die Reifen richtig aufgepumpt. Dabei erklärte er mir, dass ich den Mantel vom Vorderrad falsch aufgezogen habe. Das Muster des Mantels ist V-förmig und muss mit der Spitze in Laufrichtung verlaufen, damit das Wasser, wenn es sehr nass ist, nach außen abgeleitet wird. Andersherum wird das Wasser ins Zentrum geleitet und verstärkt das Aquaplaning. Ok, damit kann ich leben, ich bin sowieso dagegen, dass es in nächster Zeit regnet. Vielleicht kann ich das in Edinburgh in Ordnung bringen, solange ist schönes Wetter angesagt.

Mit prall vollen Reifen geht es aus Newcastle heraus. Ich muss zur Ehrenrettung von Albert sagen, das hat er gut gemacht. Es geht halt nicht immer, dass gleich nach dem Hotel Radwege mit Heckenrosen beginnen!
Es ist ein wunderschöner Morgen. Es wird heiß, sehr heiß. Wir haben Rückenwind und kommen gut voran.
Die Kaffeepause in der Hochzeitstortenkonditorei war wirklich eine Zumutung, aber für die Tochter und auch Valle und Marie, wäre die Candyabteilung eine Quelle der puren Freude gewesen.



Regaleweise, wine gums, candies, fudge, und was der englischen Zuckerschnute noch so alles schmeckt. Das war schon beeindruckend. Dies  sind ja nur Probegläser, für die Hochzeitscandybar kann man sich da durchprobieren und dann in den entsprechenden Mengen bestellen.


Kurz hinter dieser Kaffepause-der-besonderen-Art stoßen wir wieder auf den Nordseeradweg, der von nun an bis Amble fast immer am Meer hinter den Dünen entlang verläuft.
An einer Stelle, hat er allerdings gewagt, sich vom Meer weg zu bewegen,- weil ein langer Meeresarm, oder ein Trichtermündung weit ins Land hinein verläuft und eine Brücke nur weiter im Inland über den Fluss führt. Da hättet ihr Friederike hören sollen. "das kann nicht sein! Der Radweg geht da unten am Wasser!" 
Aber es wurde ja alles gut. Friederike konnte ins Meer! Die Druridge Bay ist aber auch ein Bilderbuchstrand.
Amble ist ein richtig netter Ort am Meer. Badeort wäre zu viel gesagt, denn Baden im eigentlichen Sinne tut hier niemand. Aber die Hunde am Strand ausführen. Die Kinder in kleine rote Krebse verwandeln, oder sich in flache Wasserpfützen legen, die nicht direkt mit dem Meer verbunden sind, dafür ist die Umgebung von Amble perfekt.


Beim Durchfahren habe ich jedoch auch verstanden, warum es so schwer war in dieser Gegend ein Bed&Breakfast oder ein Hotel in Strandnähe zu bekommen. Die sind alle auf Langzeitbadegäste eingerichtet - wie damals auf Rügen oder Usedom.
Deshalb habe ich ein Zimmer in Alnwick im Hinterland gebucht.
Hinter der Burg von Workworth Castle


- ich habe schwer den Verdacht, dass hier für "Game of Thrones" gedreht wurde,-gibt es zwei Möglichkeiten, ins "Hinterland" zu kommen, entweder weiter der Küste entlang bis Alnmouth und dann den Fluss hoch, 25km +10, oder in die Hügel, 15 km. Albert meint Hügel. 
Nach gut 60 km in den Beinen und bei der Hitze, war das d i e Herausforderung des Tages. Es ging hoch und hoch und hoch, bis auf  etwa auf 200m (vom Meeresspiegel hoch). 
Aber die Anstrengung hat sich gelohnt! 
Der "Blue Bell Inn" ist eine richtig nette schottische Wirtschaft mit Betten, gutem Essen, lecker Bier und lustigen Gästen - Samstag Zudröhntag -  Jung wie Alt geben sich die Kanne. Der Tisch mit den 
schwarzen T-Shirts - Headbanger der ersten Generation, heute mit pflegeleichtem Kurzhaarschnitt, wie die Ladies am Nebentisch, die kräftig mithalten und keine Zote auslassen, das Paar das in den Sesseln am Kamin Weißwein mit Eiswürfeln süffelt, und der Nebentisch an dem das Jungvolk - junger Mann mit Oberkörper aus der Muckibude, den er heute freizügig entblößt hat, wie auch den größten Teil seiner Calvin Klein Unterhose,  und junge Damen mit unglücklich viel Make-up, - Alle genießen das schöne Wetter, das gute Bier und dass es Samstag ist.
Wir mittenmang mit unserem Lamb shank auf  mashed potatoes und peas. Friederike wollte unbedingt keine gravey und keine Pfefferminzsoße - ich als gelernter Ethnologe habe mich nicht getraut, diese Bestellung aufzugeben - ein Affront gegen die Kultur und Lebensweise des einheimischen Bevälkerung. Aber die Damen vom "Blue Bell" haben es mit Fassung ertragen.
War wirklich lecker, das Essen. Mit einem der Ex-Headbangern haben wir uns ein bisschen unterhalten.
Hat schon was,  die gute alte englische Pub-Kultur.
So und jetzt gehe ich noch einmal runter und hole mir noch ein lecker Bier!! Bis Morgen!

48.Tag: Aachen nach Engen und Schluss

Er ist wieder da! Wieder hier! ( Muss nicht mitgesungen werden) Eine wunderschöne Tour ist zu Ende, 2.101km sind es geworden! Die Rü...