die Route
Das "Blue Bell" am Morgen, die Tochter der Wirtin, 24, die Mutter längst im Umfang überholt, ist gut drauf. Obwohl gestern Abend wirklich der Bär gerockt hat, und sie erst nach Mitternacht nach Hause kam, ist sie schon wieder gut gelaunt im Einsatz, ein bisschen verpeilt, aber nett. Sie plappert und plaudert mit jedem und lacht sich einen Ast, wenn wieder etwas schief geht. Man merkt, so sind Gasthauskinder, voll im Betrieb sozialisiert. Am meisten macht ihr zu schaffen, dass sie den heutigen Vatertag vergessen hat. "Bad daughter!" Dann macht sie fröhlich vor sich hin plaudernd, die Alternativen durch, mit denen sie den Vatertag retten kann. "Ich werde ihm den Rasenmähen! Oder nein, vielleicht doch eher den Wagen waschen..."
Ja, ich habe dieses Jahr 2 x Vatertag
Ja, ich habe dieses Jahr 2 x Vatertag
Alnwick gehört zu den berühmten boarder castles, von denen wir heute an dreien vorbeikommen.
Inzwischen wissen wir auch, weil sich unserer heutiger Bed&Breakfast Chef, sich die Zeit genommen hat uns zu erklären, dass der Engländer immer ein Buchstaben übrig hat, die er in irgendwelche Wörter einbauen muss, z.B. das W in Städtenamen, die man dann einfach ignoriert und nicht spricht. Also, Aalnik, Berrick usw. muss man wissen, sonst wird man bei dem Nach-dem-Weg-fragen, seltsam angeschaut. Aber bei Warkworth Castle muss man dann wieder alle ws sprechen. Entscheidet Euch mal, liebe Engländer.
Also Aalnick, ist eines der berühmtesten Grenzschlösser, von denen es in Northumberland über 70 geben soll, berühmt wegen zweier Harrys, Harry Percy, the "hotspur" irgendwann im 14. Jahrhundert geboren, und Harry Potter, dessen "Philosopher´s Stone" hier gedreht wurde.
Alnwick Castle ist die 2.größte bewohnte Burganlage in England. Die Percys, die Dukes of Northumberland, leben da schon seit über 700 Jahren.
Übrigens gerade hier, hat meine Kamera den Geist aufgegeben. Wahrscheinlich, ist etwas Sand oder Staub, vom gestrigen Strandaufenthalt irgendwo hin geraten, wo er nichts zu suchen hat. Tja, da muss ich mir was überlegen, wenn Friederike nach Edinburgh keine Bilder mehr machen kann.
Der heutige Tag stand unter dem Zeichen der Hügel, wieder einmal stundenlang rauf- und runter. Dieses Mal war es nicht Alberts schuld, zuerst mussten wir eben von Alnwick wieder ans Meer. Doch der Nordseeradweg hielt nicht was der Namen verspricht, Die Nordsee haben wir erst im 2.Teil des Tages gesehen.
In Bamburgh die nächste imposante Burganlage.
Noch gewaltiger als die vorherigen, wobei man der Fairness halber anmerken muss, dass das Schloss der Könige von Northumbria im Rosenkrieg ziemlich platt gemacht worden ist. Es war das erste Schloss in diesem Krieg, das mit Hilfe von Schießpulver und Kanonen eingenommen werden konnte. Die Anlage wie man sie jetzt sieht ist dem Historismus des Victorian Age geschuldet, trotzdem sehr beeindruckend.
In der nächsten Stunde, laugen uns Hitze und Hügel ziemlich aus. Und die Weiler auf dem Weg sind so klein, dass es heute absolut nichts zu kaufen gibt. Also muss der Notvorrat ran, Nüsse und Müsliriegel. Die Beine brauchen "Brennstoff". Als wir nach Bamburgh mal wieder von der Route 1 und von Albert im Stich gelassen werden, hält ein sehr netter Taxifahrer an und erklärt und minutiös den Weg bis Berwick.
Er kennt sich wirklich aus. Und bedauert sehr, dass er nicht mitfahren kann. "Täte mir wirklich mal wieder gut," sagt er und streichelt seinen Taxifahrerbauch.
Irgendwann, sind wir dann doch aus den Hügeln raus und am Meer. Doch die Strecke wir dadurch nicht wirklich besser, - aber dafür umso imposanter!!
Jetzt geht es auf winzigen Weidepfaden über Schafweiden, über Pferdekoppeln, hinauf auf Klippen, durch die Ausläufer von von Dünen, mal fahren wir auf Wiesen, der Radweg war immerhin gemäht, mal war der Pfad recht sandig, - immer wieder die Klippen hinauf, die Klippen hinunter.
Und natürlich viel langsamer als auf unserer Hügelfahrt auf geteerten Straßen.
Auch wenn dieser Abschnitt nicht weniger anstrengend war, als der Morgen, auch wenn wir schon über 2 Stunden am Horizont Berwick sehen können, und der verdammte Flecken nicht näher kommen will, - trotzdem war es viel unterhaltsamer, ständig neue Eindrücke.
Auf den Weiden unterhalten uns Dutzende von Lerchen. Und als es gerade beginnt etwas eintönig zu werden, führt uns der Weg auf eine Weide mit kraftstrotzenden Jungbullen. Friederike will umkehren. Doch das wäre keine Alternative gewesen. Da müssen wir durch. Leider gibt es von den netten
Tieren, die langsam aber friedlich Platz machen keine Fotos, da Friederike nicht anhalten, nicht vorwärts und auch nicht rückwärts fahren wollte.
Der Chefbulle war etwas älter und hatte schon beeindruckende Insignien seiner Potenz, aber auch er machte bereitwillig Platz und besprang kurz danach einen Kollegen, - um zu zeigen, was er drauf hat.
Das einzige Dokument unserer "Heldentat" hat Friederike, dann aus sicherem Abstand gemacht.
Zwei Anmerkungen noch ehe ich an Friederike abgeben:
Wahrscheinlich war der Weg über die Viehweide viel weniger gefährlich, als der nächste Abschnitt über den Golfplatz
Und zweitens. Heute beim Abendessen musste ich an die propren Jungbullen denken, von denen einer völlig sinnlos sein Leben aushauchen musste, um auf meinem Teller als ungenießbares Steak zu landen, dass ich selbst mit einer halben Flasche HP Soße kaum hinunter bekam.
So, Friederike, übernehmen bitte!
(frieda) Das englische Essen, da gibt es leider kaum ein Vorurteil, das nicht stimmen würden.
Wir sind ja heute in einem wirklich netten gepflegten Urlaubsort und nach all den Strapazen- und weil ich ja nicht baden konnte,- hatte ich ein romantisches Abendessen mit feinem Fisch, Weißwein und Abendspaziergang am Strand im Sinn. Aber auch hier gab es- selbst in alteingessenen Lokalitäten- nur Burger und ähnliches oder Fisch und Chips, Mit Erbsen! Sehr elastische, sehr grüne Erbsen, die einem auch noch gerne vom Teller rollen.
Den Kampf um ein anständiges Frühstück werde ich wohl auch jeden Morgen aufs Neue führen. Wenn es porridge gibt, ist ja alles gut, aber wenn nicht...
Einmal dachte ich ganz schlau: wenn zum Englischen Frühstück gegrillte Tomaten gehören, dann haben sie doch Tomaten in der Küche, oder? Also ich ganz höflich, ob ich die Tomaten auch ohne gegrillt bekommen könnte. Ja, love, flöt flöt... und was kam? Ein Schälchen mit vier warmen Dosentomaten.
Und heute morgen, ich:"ein Spiegelei bitte, nur eines".- ich hab ja gelernt, dass beim Rührei unmöglich zu kontrollieren ist, wieviele Eier das sind und so einen hellgelben Berg mag ich morgens nicht mal anschauen.- Und was kam heute: drei Spiegeleier auf drei gebratenen Toastscheiben. Ich war verzweifelt, aber die nette Pub-Tochter meinte: "ach das hat meiner Mutter in der Küche doch leid getan, morgens hat man doch Hunger."
Wo ich schon am Abend zuvor das Lamm und den Kartoffelbrei ohne gravey (dicke fette braune Sosse) bestellt und auch bekommen hatte. War lecker!
Heute Nacht war übrigens viel los in unserem Pub und auf den Strassen, irgenwie so eine Mittsommernacht-Stimmung. Um drei Uhr war es schon wieder hell und die Leute haben draußen immer noch geredet und gelacht. Zwei Männer haben sich lange verabschiedet, nur den einen habe ich verstanden "You can't leave me alone", hat er immer wieder gerufen.
Heute Nacht war übrigens viel los in unserem Pub und auf den Strassen, irgenwie so eine Mittsommernacht-Stimmung. Um drei Uhr war es schon wieder hell und die Leute haben draußen immer noch geredet und gelacht. Zwei Männer haben sich lange verabschiedet, nur den einen habe ich verstanden "You can't leave me alone", hat er immer wieder gerufen.
Zum Thema Baden: es war 16.00 Uhr als wir an diesen- allerersten- Strand kamen. Das Meer war noch nicht da Und wir hatten noch 12 Meilen vor uns, also nix mit Baden, schön weiterradeln:
Und jetzt noch was für Game of Thrones- Süchtige. Gestern sind wir vor Winterfell gestanden und dachten dass es bei sonnigem Wetter gar nicht so gruselig aussieht. Und heute:
Manne ist zur Red Wedding eingeladen! Ganz unbefangen und fröhlich reitet er zum Tor hinein. Oh weh!
Morgen, so hat uns der Wirt versichert, geht es nicht so hügelauf und hügelab wie auf unserer heutigen Strecke. Es geht immer nur ein bisschen bergauf. Na dann!











