Montag, 19. Juni 2017

13.Tag: Von Berwick upon Tweed nach East Linton


Yes! Jetzt sind wir in Schottland:


Als ob sie (die Engländer) es gelesen hätten, was ich gestern über das Essen geschrieben haben- Heute Abend haben wir hervorragend gespeist, Steak, Salat (ja, richtiges Grünzeug!), leckere Kartoffeln, eine echte Tomate und dazu einen Chardonnay. Geht doch!
Angefangen  hat der Tag auch mit einem recht anständigen Frühstück- es gab porridge- und da der Speisesaal eigentlich nur aus einem einzigen großen Tisch bestand, wurden wir (Touristen) in Gruppen eingeteilt. Beim einchecken wurde die Frühstücksuhrzeit festgelegt. Als wir um 8. 30 Uhr kamen, saß da schon ein Opernsänger(jung, er singt auch auf Hochzeiten, denn er muss seine Rechnungen ja bezahlen) mit seiner jungen Frau (sehr sehr übergewichtig), seinen Eltern (der Vater adipös) und wir haben ein paar Worte gewechselt. Als die gingen kam ein älteres Ehepaar, mit denen wir uns nett unterhalten haben. Über den Brexit( sie haben für die EU gestimmt), über Theresa May (der man irgendwie nicht mehr über den Weg trauen kann) über Trump und das ganze Weltelend. Sie sind viel mit Eisenbahn und Bus unterwegs- als Rentner hat man in UK gute Ermäßigungen und da er ehemals Eisenbahner war, fährt er fast umsonst.

Dann ein kurzer Abstecher zum Supermarkt, Proviant kaufen: meine Ausbeute waren zwei Gummisandwiches, Wasser und abgepackte Trauben. Der Supermarkt war riesig, die Obstabteilung klein und meine  500 g Trauben waren das einzige Obst/Gemüse, keine Zwiebeln, Tomaten, Bananen, Äpfel. Ich habe den Laden praktisch leergekauft!


Hier, statt der Elfuhr-Banane, die Elfuhr-Trauben. Hoch oben in der Klippen- und Hügellandschaft. 

Wir sind heute mindestens dreimal den Hohenhewen rauf und runter gefahren (von Engen aus!) 
Eine wunderschöne Landschaft, absolut einsam, Holunder und Schafe, Fasanen und Hasen, auch Rehe haben wir gesehen.
So ging's hoch:



Und so ging's runter:




Und unten dann die Pease Bay, wo ich mir ernsthaft überlegt habe, noch einmal baden zu gehen. Aber bis ich vorne am Wasser war, war ich schon durchgefroren, der Wind vom Meer hat kräftig und kalt geblasen. Also nur die Füsse nach gemacht:



Bei Dunbar ging es dann nochmal an einem Naturreservat vorbei, in dem die verschiedensten Vogelarten leben oder auch dem Vorbeiflug Pause machen. Auch Robben soll es geben, aber wir haben keine gesehen. 




Die Route 76, der wir heute gefolgt sind, war ungewöhnlich abwechslungsreich und sehr gut ausgeschildert. Auch Albert war zufrieden. Die Radler, die der Route 1 gefolgt sind, wurden heute in die Berge geschickt. Bestimmt auch schön aber mir hat das Rauf und Runter völlig gereicht.
So und jetzt darf der Manne noch seinen Tag erzählen:

Also nun ich:

(manne) 
"Als Köngreich Schottlandt/ ist ein Theil der Insul Britannien/ Rauch und voller Bergen/ und etlichen der alten Albania/ wie dann auch noch heut von den Einweohnern so die alte       Sprach behalten Albayn (Ersisch) genannt. Cornelius Tacitus/ nimpt den namen von dem berhümbten Wald Colisdonia/ unnd nennet ihm das ganze Köngreich also nach.
Die ersten Einwohner seind die Scythee gewesen/ welche man hernach Schotthe geheissen. Die Grentzen gegen Mittag und Engellandt seind die Flüß Turta und Solucius. Gegen Mitternacht das Deucalivnische Meer: gegen Occident das Irländische unnd gegen Orient das Teutsche: stoßt sonsten an allen anderen orten an das grosse und teutsche Meer"

Genau, das hat uns heute Morgen schon unser redseliger Gastgeber schon gesagt, dass man hier eigentlich immer vom "Deutschen Meer" und nicht von der Nordsee gesprochen hat. So steht es schon beim Sebastian.
Berwick upon Tweed ist umgeben von einer beeindruckenden Befestigungsanlage, die aus elisabethanischer Zeit stammt, und schon die gleichen Vorbauten und Schanzen erkennen lässt, wie sie für die Festungen von Vauban typisch sind.




Berwick ist die einzige englische Stadt, die nördlich des Tweeds liegt, und lange Zeit einen Sonderstatus hatte, so dass Gesetze bis 1885 immer mit „England, Schottland und die Stadt Berwick-upon-Tweed" unterschrieben wurden, so auch die Kriegserklärung gegen Russland die zum Krimkrieg führte, als dann 1856 der Friedensvertrag mit Russland unterzeichnet wurde, wurde Berwick "vergessen", so dass eigentlich die Stadt bis ins 20. Jahrhundert hinein im Krieg mit Russland war. 
Erst 1966 besuchte ein sowjetischer Gesandter den Bürgermeister Robert Knox und unterzeichnete mit ihm einen formellen Friedensvertrag. Angeblich soll Knox danach gesagt haben: „Bitte teilen Sie dem russischen Volk mit, dass es von jetzt an ruhig in seinen Betten schlafen kann.“
Die von Friederike erwähnten "Höhenmeter" sind wir in 2 Etappen hochgefahren. jeweils so um die 10-15 km Aufstieg. Doch zum Glück sind 200 Höhenmeter auf 10km ganz gut zu fahren. Aber die Aufstiege ziehen sich doch ganz schön.




Auf den Anhöhen habe ich bis zu 25 Windkraftanlagen gezählt. Ich frage mich, wozu England wirklich Atomkraftwerke braucht.

Eine andere Eigenheit "des Engländers" ist mir auf der Reise immer wieder aufgefallen. England ist mit der Anbringung von ordnungsstiftenden Verkehrszeichen durchaus maßvoll. Doch scheinen die Ordnungshüter ein tiefsitzendes Mißtrauen gegenüber den eigenen Verkehrsteilnehmern zu haben. Wie mir scheint glauben sie nicht wirklich, dass der Engländer seine Verkehrszeichen kennt. Fast immer wird ihm noch einmal verbal verklickert, was das jeweilige Schild zu bedeuten hat, wie zum Beispiel hier, an dieser Ampelanlage mitten im hügeligen Niemandsland.



Meint die Autorität  wirklich, dass jemand der nicht weiß, was eine rote Ampel bedeutet, des Lesens mächtig ist?  Solche Schilder erklärenden Schilder findet man auf dieser Insel überall. Kurioses England!  

Ach übrigens, Freunde unserer Blogs werden vielleicht die obligatorischen Gartenzwerge vermißt haben. Sie sind auch bis England gekommen. Allerdings über die USA zurück immigriert. Denn diese Truppe stammt aus Hollywood - die Disney Variante unserer Zwerge!


In Dunbar, einem wirklich sehr schnuckeligen Städtchen stolpert man allenthalben über John Muir, der hier geboren wurde. Er ist ja so etwas wie einer der Urväter der Umweltbewegung des 20.Jahrhunderts. Immerhin hat er mit seinen Aktivitäten dafür gesorgt, dass die ersten amerikanischen Nationalparks eingerichtet wurden, - wie etwa der Yosemite. In seiner Heimatstadt scheint sein Andenken hoch im Kurs zu stehen.


Sehe ich das richtig, macht hier in Dunbar, die "Nightwatch" Werbung für die Bank of Scotland?




Wie dem auch sei, unser Hotel in East Linton ist etwas ganz besonderes. Nicht nur von außen


Es ist einfach schön, wenn Leute, das was sie machen gern machen und gut machen.
Richtig liebevoll eingerichtetes Hotel UND eine hervorragende Speisekarte.
Ich zitiere: "Steaks are our thing- straight from Traprain Farm to Linton Butchers to your plate- local all the way"
Und der Metzger annonciert im "Gemeindeblättle": "Locally sourced meat - All our beef hung for 28 days"
Und so hat das eye-rib auch geschmeckt!!
Und das Bier, natürlich auch aus einer kleinen Brauerei aus dem Nachbardorf.


Mannomann, wenn das Schottland ist, dann bleibe ich hier noch länger!

48.Tag: Aachen nach Engen und Schluss

Er ist wieder da! Wieder hier! ( Muss nicht mitgesungen werden) Eine wunderschöne Tour ist zu Ende, 2.101km sind es geworden! Die Rü...