Mittwoch, 21. Juni 2017

15.Tag in Edinburgh

Heute war der erste Tag ohne Fahrrad, das war doch irgendwie sehr traurig. Aber ich habe meine alte Leidenschaft wieder entdeckt: zu Fuß gehen..
Zum Glück gibt's in Edinburgh einen kleinen Berg/eine Klippe, "Salisbury Crags " und da kann man einen schönen Spaziergang machen. Ein bisschen hat es manchmal getröpfelt, aber es war warm.




Manne hatte heute Ruhetag, ich musste also ganz alleine hochkraxeln.



Alleine ist übertrieben, viele Leute waren unterwegs. Eine chinesische Familie hat an dieser Stelle Fotos gemacht,  die jungen Mädels sind immer ein bisschen runtergeklettert und haben raufklettern oder abstürzen gespielt. Ich hab gefragt, ob sie auch von mir (mit meinem smartphone) ein Foto machen könnten und der chinesische Student hat das natürlich gemacht. Während die anderen Familienmitglieder mit ihren Kameras auch mehrere von mir gemacht haben. Juhu ich werde berühmt in China! Der junge Mann studiert in Edinburgh und hat grad seine Familie zu Besuch.
Einen weiterer Eltern-Kind Besuch habe ich beobachtet: Ganz unten am Berg ein junger Spanier mit seinen Eltern. Papa voraus, versteinertes Gesicht, dann der Sohn, hinten die Mutter, die schon mehrere Kleidungsstücke überm Arm hängen hatte, es war ihr zu warm. Plötzlich dreht der Sohn sich um und faucht sie an: "Wenn du endlich deinen Mund halten würdest, dann hättest du genug Luft um oben anzukommen". Die Mutter klappt den Mund zu und keucht weiter den Berg hoch. Ich habe so getan, als hätte ich nichts verstanden.
Und die dritte Konstellation an einer Ampel: italienische Studentin und Mutter, lautes italienisches Gezicke wegen einer Strasse, die sie nicht gefunden haben und die Tochter sollte die doch kennen und überhaupt.
Wahrscheinlich sind auch hier die Examen gerade vorbei und jetzt ist Zeit für Elternbesuch.

Als ich dann den Manne wieder getroffen habe, konnte ich ihm ganz viel erzählen, das war auch mal schön.
Wir haben ein bisschen Touriprogramm gemacht und wie immer und überall wo wir bisher waren, passt sich der Manne seiner Umgebung an- das gesamte Wachpersonal hatte diesen sportiven Schwarz-in Schwarz-look, fehlt nur das Namensschild:


                                        

Und dann haben wir noch mein gut verpacktes Fahrrad von dem netten Bike- Laden geholt,


Ins Hostel geschleppt- jawohl!!!- das war sehr anstrengend aber zum Glück nicht sehr weit.


Und mit Mühe und Not in unserem Minizimmer untergebracht. Da bin ich ja mal gespannt wie das auf dem Flughafen in Luton wird, wenn ich aus- und wieder einchecken muss. Auf jeden Fall soll ich sagen, dass Luft aus den Reifen abgelassen wurde, das hat mir der nette Fahrradtyp noch eingeschärft. ( er hat es aber natürlich nicht gemacht!)
Was passiert denn eigentlich, wenn die Reifen aufgepumpt sind?  unsere Frage.
Tja dann können sie wohl explodieren, meinte der Schotte und grinste. Hmmm.

Und nun ich wieder:

(manne) Mittsommernacht. Habe ich mir hoch im Norden anders vorgestellt. 22:00 und schon relativ dunkel. Es regnet so vor sich hin. Von wegen "weiße Nächte" in Schottland. Ehrlich gesagt, ist uns nach einem satten Touriprogramm auch nicht so recht nach "Tanz um das Mittsommernachtsfeuer".
Mittsommernacht scheint hier in Edinburg auch gar nicht Thema zu sein.
Aber von Vorne:
Während Friederike die Hänge hochjoggte habe ich mich auf die Suche nach einer neuen Kamera gemacht, denn wie soll der blog wohl weitergehen, ohne Bilder - geht garnicht.
Ich habe mich im Internet schlau gemacht und auf Anhieb einen supergünstigen Discounter gefunden, der relativ hochwertige Kameras hat, die aber nicht mehr vom neuesten Stand sind. 
Der Laden hat ein heißes Verkaufskonzept. Gewissermaßen Internethandel in der analogen Welt.
Man kommt rein. Nur Monitore. Dann kann man sich durch das Angebot klicken. Sie haben alles von Gummistiefeln, bis Sonnenschirmen. Wenn man gefunden hat, was man sucht, schreibt man die Nummer auf, geht an die Kasse, bezahlt. Auf der Quittung ist eine Nummer. Wenn die Nummer auf dem großen Bildschirm erscheint, dann kann man an einem Schalter die gekaufte Ware abholen.
Ich will Euch jetzt nicht mit den Details langweilen, aber spannend war das schon, weil mein erster Versuch ziemlich in die Hosen ging. Eine Ixus aus dem vergangenen Jahrtausend - ohne Datenüberspielkabel, - und im großen weiten Warenlager gab es auch kein Kabel das zu dieser Kamera passte.  Doch der 2. Versuch war ein Volltreffer.
Die neue Kamera macht wirklich super Bilder


Da müsst ihr mir doch recht geben!!

Nach meinem Ausflug in die Warenwunderwelt habe ich mir erst einmal eine Zeitung gekauft und mich in ein Cafe auf der Royal Mile  gesetzt und gelesen.
Ihr habt ja sicher von dem entsetzlichen Unglück im Grenfell Tower gelesen. Die schreckliche Brandruine mitten in London ist zu einem Symbol des Zustands dieses Landes geworden und auch die Ereignisse danach haben England bis ins Innerste erschüttert. Ob Theresa May das überlebt ist höchst fraglich. Aber die Alternative? Der Intrigant Johnson wetzt  im Hintergrund  schon das Messer. Das wird noch schlimmer.
Heute habe ich bei meiner Zeitungslektüre zum ersten Mal überhaupt in einer Tageszeitung Friedrich Engels ausführlich zitiert gelesen: "Over 170 years after Engels, Britain still murders its poor" - so die Überschrift.
Wow, das überhaupt noch jemand auf der Insel "die Lage der arbeitenden Klasse in England "  von 1845 kennt.
Hut ab, Guardian, das ist ein klasse Artikel gewesen. 
Und Engels wird lange und ausführlich zitiert. "When society places hundreds of proletarians in such a position that they enevitably meet a too early and an unnatural death, ..."

Makabrerweise habe ich diesen Artikel genau neben dem Denkmal von Adam Smith gelesen, dem seit weiß ich wann,  immer wieder ein Verkehrshütchen aufgesetzt wird. Als wir ankamen, war es nicht da. Heute Morgen hatte olle Adam es wieder auf.
Steht im gut, finde ich:


Am Nachmittag stand das Edinburgher Schloss an. Klar, Pflichtprogramm. Aber welche Menschen- massen! Und ganz ehrlich, das Ding ist natürlich über weite Strecken "nachempfundenes Mittelalter".
Sir Walter Scott lässt grüßen.
Aber es ist trotz alledem ein imposantes Bauwerk in dem es viel zu entdecken gibt und natürlich mit vielen Ausblicken auf die Stadt.



Das Ganze ist natürlich touristisch geschickt aufgezogen. Mit Einblicke in die Verließe und andere "Gruseleffekte", die aber, das muss man schon sagen,  historisch sauber dargestellt sind.



Die längste Schlange ist natürlich vor dem Turm, in denen die Kronjuwelen von Mary Queen of Scotland ausgestellt sind, deren Wiederentdeckung tatsächlich unserem Ivanhoe-Scot zu verdanken ist.
Aber wirklich berührt haben mich die Stickereien, die Queen Mary zugeschrieben werden (ist mir letztendlich wurscht, ob das stimmt, die Stickerei sind wirklich ungewöhnlich schön).



Besonders der Rabe (?) hat es mir angetan.



Und dann natürlich der Friedhof für die gefallenen "Hunde-Soldaten" oder sollte man sagen "Soldaten-Hunde"
Wow!


"Cemetry for Soldier dogs" 

Britischer geht es nun wirklich nicht!

Danach, die Frieda-Fahrrad-Karton Aktion, siehe oben, von deren 2.Teil Friederike nicht berichtet hat. Im Hotel angekommen war die große Frage, wohin mit dem Trumm von Karton? In den offenen Fahrradständer wollten wir ihn nicht stellen. Denn bei Regen würde er von untern her nass werden. Und der Regen kam! Also die Frage an die Rezeption, in den Kofferaufbewahrungsraum? Geht nicht. Karton zu groß oder Kofferkammer zu klein. Also wieder zum Fahrradständer. Wir versuchen alles mögliche. Keine Chance. Doch dann sehen wir den Nebeneingang, der sich mit unserem Chip öffnen läßt und oh Wunder, ganz in der Nähe  dieses Eingangs ist unser Zimmer. 
Und so kommt es, dass unser kleines Zimmer noch etwas kleiner geworden ist. Aber die Lösung ist perfekt. Und wir haben uns das Abendessen redlich verdient.
Endlich mal wieder Spaghetti!!

Und Morgen der Stadterkundung zweiter Teil. See you!!


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