Freitag, 23. Juni 2017

17.Tag: Von Edinburgh nach Falkirk



Die Kiste! Die Kiste! Die Kiste!

Friederikes Fahrradkiste! Ich habe die letzten Tage in Edinburgh immer wieder in jedes Großraumtaxi geschaut, das mir begegnete. Wie soll Friederikes Fahrradbox in diese Autos passen? 
Und mit der Zeit wuchsen die Zweifel. Ach was, wird schon gut gehen!
Eigentlich hatte ich ja vor, mit Friederike und meinem Fahrrad bis zum Flughafen mitzufahren, um ihr beim Einchecken zu helfen. Aber das war schnell klar! Zwei Fahrräder gehen gar nicht.
Friederike mit der Riesenbox - allein !
Die letzte Nacht habe ich äußerst unruhig geschlafen.
Am Morgen. Das "Großraumtaxi" kommt. Der Fahrer ist auch groß!
Er sieht die Kiste - "die geht bei mir nicht rein?"
Was nun. Schnell sage ich, "Sitze unklappen und von hinten durchschieben!
"Und wo wollt ihr sitzen?" "Ich will gar nicht sitzen! Nur Friederike muss noch mit rein. Bevor er wegfahren kann, fange ich an, die Sitze umzuklappen. Der Taxifahrer hilft die Box reinzuschieben. Uff, nach vorne gekippt wird die Heckklappe zugehen! Das ist schon mal gut.
"Aber wo soll deine Frau sitzen?" "Neben dir?" "There´s no seat!" - Stimmt.
Mist, Mist Mist.
"Da schau, auf dem Notsitz, gegen die Fahrrichtung!" Der Notsitz lässt sich tatsächlich runterklappen, - gerade mal so!
Ich steige ein, setzte mich drauf! Geht doch!
Unser Taxifahrer kommt aus dem Kopfschütteln nicht heraus. So eine Fuhre hat er überhaupt noch nicht gehabt.
Aber er gibt sich geschlagen. Friederike sitzt im Taxi. Die Schiebetür lässt sich auch noch schließen. Alles klar!!

Wie diese Geschichte weitergeht, werden wir hoffentlich spätestens Morgen von Friederike erfahren, wenn sie den "Abschlussbericht" ihrer Reise geschrieben hat.
Inzwischen habe ich auch eine SMS erhalten. "Fahrrad ist aufgegeben!"

Mannomann! Das war knapp.
Die Jungs vom Fahrradladen haben es ja gut gemeint und wollten das Fahrrad so wenig auseinander nehmen wie irgend geht. Aber....
Die kleinere Box, bei denen man das Vorderrad ausbauen muss, wäre deutlich einfacher zu transportieren gewesen.
Ich bin heute, da Friederike alleine zum Flugplatz muss deutlich früher unterwegs als sonst. Und es ist deutlich kälter!
Und windig!
Und oagnehm!

Aber die Ausfahrt aus Edinburg gestaltet sich entspannt! Ziemlich schnell komme ich auf eine alte Eisenbahntrasse! Sehr angenehmer Radweg. N U R nicht ganz ungefährlich,  um diese Uhrzeit sind viele Pendler unterwegs, die natürlich wie immer zu spät dran sind- und entsprechend schnell unterwegs sind und in Kurven nicht immer die Seite einhalten!!
Aber je weiter ich von Edinburgh raus bin, desto entspannter wird die Lage.


OK, die "Eisenbahntrassenbilder" kennt ihr so langsam.
Aber es ist einfach zu schön auf diesen Radwegen zu fahren. 
Was ich die ganze Zeit schon unterbringen wollte: Es riecht einfach wunderschön auf diesen Strecken. Der Geruch von Holunderblüten überall. Sehr angenehm! 



Zuerst ist es uns nicht aufgefallen, dass der Holunder, seit dem ersten Tag gleichbleibend voll am Blühen ist. Sollte er nicht irgendwann mal verblüht sein? 
Dann wird uns klar!
Dann kommt´s! Wir fahren nordwärts und dementsprechend verschiebt sich die Blüte nach hinten. So war auch heute noch einmal ein wunderbarer Holunderblütentag.
Heute habe ich so ziemlich den nördlichsten Punkt der Reise erreicht. Mal sehen, ob die Blüte dann vorüber sein wird.
Ein letztes Mal fahre ich noch einmal auf dem Nordseeradweg Nr. 1.



Bis bei Queensferry die großen Brücken nach Norden kommen, da biegt er ab und ich fahre weiter nach Westen.





Ihr seht richtig. Nebelschwaden, Sprühregen, - und heftigster Westwind. So radle ich den Firth of Forth hinauf.


Aber zum Glück bleibt es beim Sprühregen. Der gegen Mittag aufhört.

Bis Linlithgow bietet mir Albert sehr beschauliche Radwege oder kleine Sträßchen an. Für das Reststück bis Falkirk meint er, das wäre genug der Idylle, und lässt mich wieder einmal neben einer befahrenen- kleineren Straße - fahren. Aber immerhin mit einem Gehweg daneben - einem sehr schlechten. Aber was soll´s die Tagesetappe ist heute überschaubar.

Linlithgow hat mich überrascht. Ich wusste nicht, dass hier im Schloss Mary Queen of Scotland geboren worden ist. 
Ein sehr schönes Städtchen mit einer tollen Burgruine.



Ob mir auf meiner Reise Mary Queen of Scotland, noch einmal über den Weg läuft?

An der dazu gehörigen Kirche habe ich hoch oben, den Entdecker des Loch Ness Monsters gefunden.
Dem Gesichtsausdruck nach zu schließen, ist er ziemlich beleidigt, dass man ihn heute nicht mehr würdigt. Hat er Nessie doch sogar in seinem Wappen.


Mir ist schon seit längerem aufgefallen, dass der berühmte "englische Humor" sehr weit zurück zu reichen scheint. Zumindest was den Humor der englischen Bildhauer betrifft. Vor dem Rathaus in  Linlithgow ein prächtiger Brunnen und jede Menge sehr schlitzohrig gestaltete Figuren.




Das letzte Stück der heutigen Etappe, wie schon gesagt, zum Abhaken.
 Falkirk ist auch kein Reisehighlight.
Genauso wenig, wie das Hotel Antonine.
Von der Namensgeberin, der Antonine Wall habe ich leider auf der Herfahrt nichts mitbekommen. Dieser Schutzwall der Römer, war ihre nördlichste Grenze. Irgendwann im 2.Jahrhundert haben sie sich wieder hinter den Hadrianswall zurückgezogen.

Etwas seltsam kommt mir das Hotel schon vor. Unten eine Bar, mit Spieltischen und Automaten. Im 1. OG lange Flure "Konferenzräume! sehr eigenwillige Farbgestaltung. Gegen Abend liegen die Würfel schon bereit.


Falkirk scheint das Las Vegas Schottlands zu sein. An jeder Ecke Spielsalons.
"Betfred", Wettbüros. 


Das wird ein beschaulicher - und eher kurzer Abend! So ganz allein!

Beim Heimgehen bin ich an dem Haus vorbeigekommen, in dem good old Robert Burns  mal gewohnt hat. Zum heutigen etwa melancholischen Abend, passt ganz gut mein Lieblingslied von ihm, in der Fassung von "Traffic", wer dieses Lied nicht kennt, sollte es sich unbedingt mal auf youtube anhören!!!
John Barleycorn - ist keine reale Person! Wenn man die Geschichte richtig liest, dann ist das die Herstellung von Whiskey, vom Barley (corn) der Gerste, die gesät wird, be- erdigt wird, im Frühjahr wiedergeboren wird, bis hin zu den dunklen Grüften, den Fässern, um dann im (ur/un)christlichsten Sinne wiederaufzuerstehen! Genial der alte Burns, oder?

John Barleycorn: A Ballad


     There was three kings into the east,
     Three kings both great and high,
     And they hae sworn a solemn oath
     John Barleycorn should die.

     They took a plough and plough’d him down,
     Put clods upon his head,
     And they hae sworn a solemn oath
     John Barleycorn was dead.

     But the cheerful Spring came kindly on,
     And show’rs began to fall;
     John Barleycorn got up again,
     And sore surpris’d them all.

     The sultry suns of Summer came,
     And he grew thick and strong;
     His head weel arm’d wi’ pointed spears,
     That no one should him wrong.

     The sober Autumn enter’d mild,
     When he grew wan and pale;
     His bending joints and drooping head
     Show’d he began to fail.

     His colour sicken’d more and more,
     He faded into age;
     And then his enemies began
     To show their deadly rage.

     They’ve taen a weapon, long and sharp,
     And cut him by the knee;
     Then tied him fast upon a cart,
     Like a rogue for forgerie.

     They laid him down upon his back,
     And cudgell’d him full sore;
     They hung him up before the storm,
     And turned him o’er and o’er.

     They filled up a darksome pit
     With water to the brim;
     They heaved in John Barleycorn,
     There let him sink or swim.

     They laid him out upon the floor,
     To work him farther woe;
     And still, as signs of life appear’d,
     They toss’d him to and fro.

     They wasted, o’er a scorching flame,
     The marrow of his bones;
     But a miller us’d him worst of all,
     For he crush’d him between two stones.

     And they hae taen his very heart’s blood,
     And drank it round and round;
     And still the more and more they drank,
     Their joy did more abound.

     John Barleycorn was a hero bold,
     Of noble enterprise;
     For if you do but taste his blood,
     ‘Twill make your courage rise.

     ‘Twill make a man forget his woe;
     ‘Twill heighten all his joy;
     ‘Twill make the widow’s heart to sing,
     Tho’ the tear were in her eye.

     Then let us toast John Barleycorn,
     Each man a glass in hand;
     And may his great posterity
     Ne’er fail in old Scotland!






Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

48.Tag: Aachen nach Engen und Schluss

Er ist wieder da! Wieder hier! ( Muss nicht mitgesungen werden) Eine wunderschöne Tour ist zu Ende, 2.101km sind es geworden! Die Rü...