Dienstag, 4. Juli 2017

28.Tag: In Liverpool

Vier Wochen bin ich jetzt schon unterwegs! Und 2-3 dürfen es meinethalben schon noch werden!

Ja! Heute dürft ihr mit mir das Lied anstimmen, das Ihr letzte Woche schon singen wolltet!



Life goes on day after day
Hearts torn in every way
So ferry 'cross the Mersey
'cause this land's the place I love
and here I'll stay
People they rush everywhere
Each with their own secret care
So ferry 'cross the Mersey
and always take me there
The place I love
People around every corner
They seem to smile and say
We don't care what your name is boy
We'll never turn you away
So I'll continue to say
Here I always will stay
So ferry 'cross the Mersey
'cause this land's the place I love
and here I'll stay
and here I'll stay
Here I'll stay
(Wer es nicht kennt, unbedingt auf you tube anhören: Gerry & the Pacemakers, Ferry ´Cross the Mersey")
So richtig geschmettert habe ich es heute Morgen  nicht, war noch verdammt früh. Um 6:30 kam die Belfast Fähre an und um 7:30 bin ich schon über den Mersey geschippert. Zusammen mit gut 2 Dutzend Radfahrern.


Vermutlich Pendler, auf dem Weg zur Arbeit.
Die Nacht auf der Fähre war ok. Ich muss wohl längere Zeit geschlafen haben, obwohl es keine wirklichen Sitze für diejenigen gab, die keine Kabine gebucht haben. Man hat es sich in den verschiedenen Bars und Restaurants so gut es ging bequem gemacht. Wobei die Sitze an den Wänden entlang eigentlich ganz ordentlich waren, etwas schmal zwar, aber man konnte sich ausstrecken. Wichtig dabei ist, dass man darauf achtet, sich "Fuß zu Fuß" zu platzieren. Bei meinem direkten Nachbarn, hat "Fuß zu Fuß" nicht wirklich "gereicht".
Aber ich bin nur um 3:00 mal wach gewesen! - Panik! Bei der Abfahrt hat man mir gesagt, ich soll meinen treuen Reisebegleiter dort auf den Fahrradanhänger heben und mit den Bändern festmachen.
Habe ich gemacht!
Hätte ich ihn an Bord wieder runter nehmen sollen? Bleibt das Fahrrad die Überfahrt auf dem trolley? Fährt der Trolley immer hin und her? 
Und wo bekomme ich mein Fahrrad wieder? - Schlaf weiter, jetzt kannst du eh nichts machen!!
Um 5:30 wird es langsam wieder lebhaft auf dem Schiff. Also einen Kaffee und eine Banane! Schon der Geruch des "full" English Breakfasts macht mir zu schaffen. - Sollte ich gar auf dieser Reise noch zum Vegetarier werden?

Und wie verbringt man einen Morgen, an dem es ergiebig vor sich hin nieselt in einer Stadt, in der noch keine Geschäfte aufhaben? 
Ins Hotel kann ich jetzt noch nicht! Aber man hat mir gesagt, dass ich das Gepäck schon mal unterbringen kann.

Gar nicht so leicht, wenn das Hotel ein ehemaliges Gefängnis ist:


Die Pforte bleibt geschlossen und auf  mein Klingeln passiert nichts. Also "sightseeing" mit Gepäck.
Zum Glück ist jetzt in der Nähe schon ein nettes Café auf. Alternativ zum "full" gibt es immerhin Spiegelei mit Speck auf Toast, - das geht gerade noch!

- Ach, dass ich es nicht vergesse! 
Mit Euch liebe Leser, könnte ich mich direkt bei "Wer wird Millionär" anmelden, mein Schwager und Telefonjoker in Sportfragen, Carlheinz, hat natürlich die richtige Antwort auf die gestrige Rätselfrage gewusst:

"Die Frau auf dem Bild trainiert für Camogie. Das ist die Frauenvariante für Hurling. Wird fast nur in Irland gespielt und ist anscheinend eines der schnellsten Mannschaftsspiele auf Gras. 15 Spieler pro Team und ein Spielfeld, das viel länger ist als ein Fußballfeld, 2 Tore usw..."

Doch zurück zu Liverpool

Was die Titanic für Belfast, sind die Beatles für Liverpool, kann ich ja verstehen,- sie gehören ja auch zu meiner musikalischen Biographie, und die ersten 2 - 3 Denkmäler sind ja noch ganz in Ordnung,- 


Aber in jedem 2.Block, die original-, und einzigartige Geschichte der Beatles, als Museum, in 3 D oder in Konzertmitschnitten angeboten zu bekommen - und beim Überqueren der Straße womöglich noch von einem "Magical Mystery Tour"Bus  über den Haufen gefahren zu werden, -  das ist dann doch etwas zu viel!
Ich flüchte in das Museum der Stadt Liverpool in der Hoffnung mein Wissen über Liverpool zu erweitern. 
Ich soll im.3.Stock anfangen, heißt es. Ich steige aus dem Lift und


stehe vor dem Bett des "Bed-ins" vonYoko Ono und John Lennon. Und natürlich auch hier, im halbe Stunden Takt, die "Geschichte der Beatles".
Zum Glück gibt es ja noch eine Fußball Abteil und eine Geschichte des Mersey-Sounds, und eine Geschichte der des Boxsports in Liverpool...
Ich bin ja, während meines Studiums ein echter Vertreter des "partizipativen" Museums gewesen, der unterhalten und bei Kindern und Jugendlichen Interesse wecken soll. 
Inzwischen, finde ich, ist dabei der Informationsgehalt vieler Präsentationen so gewaltig geschrumpft, dass ich mich unter Filmclips, Verkleidungstischen und "wie hat es sich angefühlt", als Schornsteinfegerjunge im 19.Jahrhundert zu leben, solide langweile. 
Aber immerhin, in Schottland, Irland und auch hier ist der Eintritt in Museen kostenlos.
Inzwischen hat der Regen etwas nachgelassen, also wieder "outdoor"- Liverpool.

An der "Waterfront" und den"Albert Docks" (sic!) komme ich aus dem Staunen nicht heraus! Was ist das denn!


Das geht ja hier genauso zu wie im Museum, ein Haufen "witziger" oder vielleicht auch guter Idee bilden einen unglaublichen Mix, der für mich der berühmten 5 Tage-Suppe in den Mensen der 70er Jahre entspricht, in die jeden Tag was Neues reingeschnippelt wurde - und die am Freitag immer gleich braun aussah! Haben wir damals jedenfalls behauptet.
Aber hier weiß ich wirklich nicht weiter.


Das sind nicht meine böswilligen Bildausschnitte, die ganze Innenstadt besteht aus Zitaten und einem unglücklichen Stilmischmasch, wobei jedes Gebäude für sich vielleicht sogar Qualitäten hat.



Das hier ist keine Stadt in "Nachkriegsdeutschland", in der die Innenstädte zerstört waren und schnellstmöglich wieder funktionieren mussten. Hier ist etwas anderes passiert. Die Abrissbirne Thatcher hat in den 70er Jahren ganze Branchen platt gemacht, so auch die Liverpooler Industrie und den Hafen. Die Hafenanlagen begannen vor sich hin zu modern und die Innenstadt wurde ein "fauler Zahn", den man "zurückgewinnen" wollte. 
Bei den Albert Docks ist das ja auch einigermaßen gelungen, wenn man mal von den Rummelplatzelementen drumdherum absieht.


Das hat in Hamburg funktioniert, das hat in Buenos Aires funktioniert, das funktioniert auch hier. Wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob die Säulen unbedingt einen fleischfarbenen Anstrich gebraucht haben.

Da die Architekten sich ihres Auftrags, eine Hafen-City neu zu gestalten wohl bewusst waren, sind die meisten auf keine dümmere Idee gekommen als "Schiffszitate" einzubauen. Vorzugsweise den Bug, denn er ist "vorwärtsstrebend" dynamisch, zeigt "in die Zukunft"




Die "Brücke" ist auch sehr "symbolträchtig" - Kommandozentrale!


Und für die Fressmeile, darf es schon auch der Kamin von einem guten alten Dampfer sein, weil der doch so gemütlich dampft.


Liebe Liverpudlianer! Ihr habt wirklich ein ausnehmendes Geschick bewiesen, aus vielen guten Zutaten etwas absolut unverdauliches herzustellen.
Oder manchmal auch nur das hässlichste zweier Epochen nebeneinander zustellen, in der Hoffnung, das minus mal minus plus ergibt.


Wenn es schon nichts mehr zu produzieren gibt, dann konsumiert wenigstens, das schafft auch Arbeitsplätze!!! Fresst, kauft, sauft! Die ganze Innenstadt  eine Schoppingorgie.
Lassen wir das. 
Und mittenmang die Beatles. Da hat der eine mal gepupst, da der andere hingepinkelt. 

Aber zum Glück gibt es ja noch den Fußball



Wer in unserem "Kennst du Liverpool?- Gewinnspiel" den ultimativen Kloppo-Schal gewinnen will,



muss 3 Fragen beantworten. 
Bei mehr als einem Gewinner entscheidet das Los.
Heute die erste Frage: "Warum scheiden sich an Toffees in Liverpool die Geister?"

Für den Fall, dass man es nicht lesen kann, auf dem Schal steht: "..then I saw his face, now I´m a believer- Jürgen Klopp" (singen wir im Anschluss nach dem berühmten Song der Monkeys, "I´m a believer)

Das war die erste und leichteste Frage zu Liverpool!

Morgen folgt der zweite Streich.
Bis dann Euch eine geruhsame Nacht - mir auch, ich werde heute nicht alt!!

Montag, 3. Juli 2017

27. Tag: 3. Tag in Belfast

Es hat Alles geklappt. Ich bin im Warteraum der Fähre, der sich langsam füllt. Ich bin in der "Cloud" der Schiffsgesellschaft und schreibe jetzt schnell mal ein paar Sätze. Ich denke zwar, dass es an Bord auch WiFi geben wird. Aber sicher ist sicher.
Ehe ich mit meinen Tageseindrücken anfange, muss ich noch das gestrige "Rätsel" auflösen.
Es geht halt nichts über eine Leserschaft mit großer Allgemeinbildung, liebe Potthoffs, herzlichen Dank für die Erklärung was Herr Thomson, landläufig bekannt als Kelvin (nicht zu verwechseln mit dem "..allein zu Haus") in der Hand hat: 

"Hier zu Herrn Thomson und seiner rätselhaften Steintafel mit der Raute und den vier Ringen:
Es ist ein elektr. Schaltkreis mit den Ringen als Spulen. T. hat die Vierleitermessung für den elektr. Widerstand erfunden."

 Danke!

Heute also noch einmal Sightseeing in Belfast, mit dem Rad. Ich war erstaunt, als ich vorhin auf den "Tacho" geschaut habe,  dass über 30 km zusammen gekommen sind.
Heute war zuerst die  "Hafentour" dran, die hier durchgängig mit der "Titanic" in Verbindung gebracht wird. Was ein guter Werbegag ist, aber natürlich insgesamt Blödsinn.
Ich hatte ja schon vor Tagen darüber geschrieben, wie sich die touristische Landkarte in den letzten Jahren drastisch verändert hat. Geschichte, Historie reicht nicht mehr. Die Schauplätze der populären Unterhaltungsindustrie werden auf die touristische Weltkarte gesetzt.
Neuseeland ist nicht mehr Neuseeland, sondern "Mittelerde", Irland ist nicht mehr Irland sondern "Game of Thrones"-Land, Oxford und Cambridge sind Hogwarts und Belfast ist "Titanic".
Dabei hat der alte Belfaster Hafen wirklich  eine Menge zu bieten und muss nicht durch DiCaprio und Kate Winslet geboostet werden.


Es war wirklich beeindruckend wie die Touristen durch das neue "supertolle" Titanic Centre geschleust wurden, Busse über Busse - und die historischen "Juwelen" absolut menschenleer waren.


Dann noch Titanic Studios, Titanic Expo, Titanic Denkmal, natürlich Kate in Flugpose,... 
und über dem ganzen Spektakel ein Geruch von Speck und angebranntem Toast, das ist nicht gelogen, ich schwör!!

Also hier meine Tour durch die Docks, kostenlos, d.h. insgesamt 3 Pfund habe ich schon gezahlt aber ohne Wartezeiten.



Das ist die Nomadic, das Zulieferboot, das die 1.und 2.Klasse Passagier in Cherbourgh auf die "Titanic" gebracht hat.


Na ja, ganz ohne Titanic geht es bei mir halt auch nicht.
Aber viel spannender fand ich dieses Ding hier:


Das ist doch kein Schiff! Die Jungs , die mit Hochdruckstrahlern den Rost runter spritzten, wussten auch nicht, was sie da vor sich hatten.

Um die Ecke war eine Tafel,  - das ist ein Caisson! Das Schleusentor, mit der man das Trockedock geschlossen hat. Also schon eine Art Schiff, innen hohl; man hat es quer vor das Dock gestellt und dann mit Wasser voll laufen lassen, so dass es auf Grund ging. 
Entlang dieses kleinen Trockendocks habe ich einiges über den Belfaster Hafen erfahren. Harland&Wolff waren wohl die größten Schiffsbauer zu ihrer Zeit, und um 1911 hatte  Belfast die größte Werft weltweit, - also von wegen nur die Titanic.
Das eigentlich spektakuläre Trockendock liegt etwas abseits, - ideal, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist. 


Schön auch, dass die "touristische"- Aufbereitung hier noch in den Anfängen ist. Das ist das Trockendock, in dem die Titanic und andere große Schiffe baut wurde. Ein Riesending, wirklich!



Und ich bin mehr oder weniger alleine hier. Ich zahle 3 Pfund Eintritt im Café und kann rumstrolchen wo ich will. Klasse!
Und hier sieht man den Dingen auch noch ihr  Alter an, das gefällt mir, vor allem der Rost an der Schleuse des Docks.



Unten sind die "Kanäle" (?), in der das Wasser einläuft. Hinter den "Toren" hat es deutlich hörbar gegluckert, ein wenig unheimlich.





Hier ist könnten fast wieder die Dockarbeiter einlaufen und Weitermachen.



Während ich hier so rumziehe, kommt mir immer wieder die Geschichte vom "Trockendock" in den Sinn, ist doch von Stefan Andres (?) oder? Hier muss niemand mehr, die letzte Stütze wegschlagen!

Dafür sorgte das geniale "Pumpenhaus"


Heute funktionieren sie elektrisch und halten immer noch das Dock trocken.


Diese genialen Gwynn-Pumpen können das Dock, siehe oben, in 100 Minuten leer pumpen. D.h. 12.000 Liter pro Sekunde! Unglaublich, oder?
DAS, liebe Friederike, D A S sind Robbenbabies!

Ich radle noch einige Zeit in Belfast hin und her, denn Einchecken auf der Fähre ist erst um 19:45, Abfahrt um 22:00.

Der Lachs, noch für die Söhne, auf den ersten Blick ein bisschen kitschig, doch die Kacheln sind gespickt mit witzigen Details aus der Belfaster Geschichte.



Ja, Belfast hat durchaus auch heitere Kunst zu bieten, nicht überall sind nur maskierte Männer mit Sturmhauben zu sehen.


Die "Versöhnung" allerdings könnte doch noch ein bisschen "Fleisch" auf den Rippen vertragen, findet Ihr nicht auch.



So, und jetzt noch das Rätsel des Tages: Für welche Sportart trainiert diese junge Dame?


Falls es zu schwer für Euch ist, ich gebe Euch einen Tipp: Es ist Iomáint, Iománaíocht.


Wie Ihr sehen könnt, hat es auf der Fähre auch  gutes Internet, sonst könntet Ihr den Blog nicht lesen. 
 Was sie nicht hat sind bequeme Sitze in ruhigen Lounges. Alles ist Restaurant und überall wird gesoffen, bin mal gespannt, wie das gegen später wird.


8 Stunden bis Morgen 6:30 kann lang werden. Dann trink ich halt auch ein Guiness.
UM 22:15 "laufen wir aus" - ich bin wieder im Seefahrer-Modus.


Und werden prompt von Aliens angegriffen:



Ich werde trotzdem versuchen mich Morgen von Liverpool aus zu melden! 

Bis dann!

Sonntag, 2. Juli 2017

26.Tag: Sightseeing in Belfast


Ich glaube, ich habe den Song für Belfast. Wenn er auch nicht direkt auf diese Stadt gemünzt ist:

"There must be some way out of here," said the joker to the thief,
"There's too much confusion, I can't get no relief..." (All around the watchtower)

Bob Dylan trifft meine Stimmung heute ziemlich gut. Was ist das nur für eine Stadt. Einerseits hier draußen im Univiertel ein Kneipen- und Musikangebot, schon am frühen Abend Livemusik. Die Leute saufen sich am Nachmittag schon den Verstand weg. Richtige Lebensfreude spüre ich  dennoch nicht.
Und dann diese Geschichte - die keine Geschichte ist, die einen auf Schritt und tritt begegnet und von der die Belfaster selbst nicht weg kommen.

"There´s too much confusion..."

Ganz genau. Die Stadt verwirrt mich, macht mich sprachlos, ratlos, traurig.
Und gleichzeitig ist es auch schön hier.

Von den Unbillen in meiner Unterkunft will ich jetzt nicht anfangen, Schwamm drüber. Ich hoffe, dieses B&B war die aller unterste Schublade, die ich auf dieser Reise erleben musste.

Für den Morgen habe ich mir das Univiertel , den Botanischen Garten und das Ulster Museum vorgenommen.
Von Sonne mal wieder keine Spur. Es regnet aber auch nicht. Das ist doch schon mal gut.

Der Botanische Garten ist genau richtig um mal wieder in aller Ruhe Tai Chi zu machen. Aber bin ich das? Oder riecht es selbst hier nach Speck und angebranntem Toast. Ich werde den Geruch langsam nicht mehr los? Ich schnuppere an mir. Nein, ich habe mich noch nicht in ein "english breakfast" auf zwei Beinen verwandelt. Also riecht die ganze Stadt nach Speck und öligen Würstchen, - die, by the way längst nicht mehr die pork sausages sind, die ich aus den 70er Jahren kenne. Die heutigen sind jämmerliche Würstchen, vermutlich zum größten Teil mit Milchpulver und Stärke gestreckt und künstlichen Aromastoffen versehen. Seltsame Dinger.

Aber Halt. Ich mache ja gerade Tai Chi. Einatmen, ausatmen, einatmen .. riecht immer noch nach verbranntem Toast und Speck hier!

Der Botanische Garten ist sehr schön und bietet für mich eine echte Überraschung.


Ein richtiges Schmuckstück, dieses kleine Palmenhaus! Auf der Erklärungstafel lese ich 1839! Das gibt es doch gar nicht, noch vor Kew Garden?

Klar, diese Glas/Eisenkonstruktion ist nicht so groß wie das Glashaus in Kew, aber es hat die gleiche Bauweise. Die Schiffbau übernommen Elemente, vorgefertigt und genormt, so zusagen "Fertighausbau", mit Nieten wie bei den Schiffen, 1839 kann das sein?
Ich war immer der Meinung das Richard Turner der erste war und dass ihn ein paar Jahre später Paxton kopiert hat, der ja den fantastischen Glaspalast (Cristal Palace) für die erste Weltausstellung 1851 gebaut hat.


Wie auch immer, ich bin kein Experte und dieses Tropenhaus ist das älteste, das mir bisher untergekommen ist.

Unweit davon steht das Kelvin Denkmal. Kelvin, klar 2.Thermodynamisches Gesetz, grübel, grübel, absoluter Nullpunkt.


Kann mir jemand sagen, was mir der gute alte Lord da entgegenhält. Ein Quadrat mit 4 Ringen? Was hat er noch entdeckt? 

Das war es dann auch für heute mit beschaulichem Sightseeing.

Das Ulster Museum beginnt mit der ersten Abteilung:

"THE TROUBLES" -   „Na Trioblóidí“ 

Das ist die offizielle Sprachregelung für das Morden, Bomben, Einsperren, Umbringen, Verurteilen, dass von 1968 an Nordirland heimgesucht hat. 
Mich schüttelt es bei diesem Wort!!!
Wann wird man endlich begreifen, dass man mit Umbenennungen und Wortneuschöpfungen nichts an den Tatsachen ändert.

Aber "the Trouble" hat mich erwischt und lässt mich den ganzen Tag nicht mehr los.

Das Verrückte ist, dass ich 1971 und 1974/75 ja eine ganze Menge von dieser schrecklichen Zeit mitbekommen habe, - in dieser Zeit wollte die IRA den Konflikt nach England exportieren und eine gute Bekannte von mir hat in einem der Postämter gearbeitet, in dem eine Briefbombe explodiert ist. Es war glücklicherweise nicht ihre Schicht.

Ich habe ja bisher Busrundfahrten vermieden wie die Pest. Aber heute hat es sich gelohnt, denn sonst wäre ich - selbst mit dem Fahrrad nicht- in all die Viertel gekommen, in denen "the Trouble" noch heute Alltag ist. Nicht mehr in Form von offener Aggressionen, aber in Form von einer "Erinnerungskultur", die nicht  unbedingt Wunden heilt, sondern eher weiterhin Ressentiments und Hass schürt.
Zuerst die Unitarier Viertel:

Natürlich große Vorbereitung für den 12.7.



Die Helden von Nordirland, von George Best bis Van Morrison. 

Übrigens, habe ich heute auch erst erfahren, dass der Flughafen von Belfast nach Georg Best benannt ist. Für Menschen, die - unverständlicherweise - nicht fußballafin sind - Georg Best war das geniale enfant terrible des englischen Fußballs der sechziger und siebziger Jahre. Europas Fußballer des Jahres 1968 und für ManU, das was Maradona für Neapel war.
Wie sagt der Nordire: Maradona good; Pelé better; George Best!
Ähnlich wie Maradona, ist George Best eigentlich das absolute Anti-Vorbild gewesen, trotzdem begegnet man ihm in Belfast heute noch auf Tritt und Schritt:
„I spent a lot of money on booze, birds and fast cars – the rest I just squandered.“

Vielleicht liebt man ihn deshalb noch immer in Belfast, weil er halt "einer von uns ist".




Auf diesem Wege werde ich auch noch dieses Foto los. Hier, vor dem Nordirischen Parlament, das nicht zuletzt deshalb so gewaltig ausgefallen ist, weil es die Gemüter beruhigen sollte, aber nicht wirklich viel zu sagen hatte.
Also auf dem Weg hinauf zum Parlament haben über 100.000 Menschen an der Trauerfeier für Georg Best teilgenommen!!
Doch zurück zu "the Trouble":


Egal welche Seite - es geht immer nur auf das Recht zur "Selbstverteidigung". 
"We seek nothing but the elementary right implanted in every man, the right if you are attacked to defend yourself". 
- Und die Gegenseite sagt das gleiche!

.
Natürlich gibt es auch die versönlichen Töne.


Aber ob in den protestantischen oder den Katholischen Vierteln überall wird der Toten gedacht, die für die "gerechte" Sache gestorben sind.






Mal durch Autobomben, mal durch Staatswillkür, mal im Gefängnis, mal im Hungerstreik, mal aus ungeklärten Umständen.  Mal weil sie die Wahrheit geschrieben haben, mal weil sie als Staatsdiener hier hergeschickt wurden, um umgebracht zu werden.



Dutzende und Aberdutzende dieser Wandbilder durchziehen die "Problemviertel". 
Was mich aber wirklich deprimiert hat, ist, dass diese Viertel, die in der heißen Phase, durch Zäune und Mauern, von ihren "feindlichen Nachbarn" geschützt wurden, heute immer noch eingezäunt sind. Die Häuser selbst sind dann oft noch einmal durch Gitter und Zäune "geschützt". Abends um 18:00 werden heute noch die Nebeneingänge geschlossen und man kommt nur durch kontrollierte Eingänge hinein.





Wenn ich es richtig verstanden habe, gibt es heute in Belfast noch 17 solcher "geschlossene Viertel" - und eine Umfrage im vergangenen Jahr hat ergeben, dass weit über 60% der Betroffenen es noch für "verfrüht" halten,  diese "Mauern" einzureißen!!!
An einer solchen "Demarkationslinie" habe ich dann doch die Vorbereitungen für die "bonfire" fotografieren können, von denen ich vorgestern erzählt habe. Zwar sind sie nicht (noch nicht) mit Autoreifen gefüllt. Aber wenn das keine "Botschaft über den Zaun" ist, dann weiß ich auch nicht.


Dieser riesige Turm, mit der blauen Basis, das sind alles Europaletten, aufgestapelt um am 12.7. angezündet zu werden. Und auf der anderen Straßenseite beginnen die katholischen Viertel!
Heute habe ich wirklich Zweifel bekommen, ob ich in Europa und im 21. Jahrhundert bin!
Auch wenn alle, mit denen ich gesprochen habe, steif und fest behauptet haben, das sei nur noch Folklore und alle sei wirklich besser geworden, und in den letzten 19 Jahren habe sich so viel geändert. Aber 19 Jahre! Angesichts der vielen Toten und Ungerechtigkeiten! 
Da kann man nur hoffen, dass das stimmt!
Trotzdem summe ich mit Bob Dylan vor mich hin:

"There must be some way out of here,
said the joker to the thief,
there´s too much confusion and I can get no relief..."

Und wie gesagt, sollte ihr Mal nach Belfast fahren, - ich glaube die Stadt lohnt sich trotz alledem, was ich gerade erzählt habe,
dann steigt nicht da ab, wo ich heute nächtige!


Morgen Abend geht es wieder auf die andere Insel!! Von hier nach Birkenhead, 8 Stunden auf der Fähre. Ich hoffe ich habe Wifi auf dem Schiff. Falls nicht, müsste ich einen Tag Pause einlegen, also wundert Euch nicht, falls es Morgen Abend noch nichts Neues zu lesen gibt.




48.Tag: Aachen nach Engen und Schluss

Er ist wieder da! Wieder hier! ( Muss nicht mitgesungen werden) Eine wunderschöne Tour ist zu Ende, 2.101km sind es geworden! Die Rü...