Sonntag, 16. Juli 2017

40.Tag: Von Erith nach Sittingbourne



Die Tatsache, dass Ihr diesen Blog lest, zeigt schon, dass meine letzte Unterkunft, NICHT das "Wirtshaus im Spessart" war. Richtig toll geschlafen, habe ich jedoch nicht. Es war einfach jede Menge los auf der Straße. Leute unterhielten sich vor dem Fenster, gingen weiter. Auto kamen, Autos fuhren weg. 


Aber mein Fahrrad hatte eine gute Unterkunft, das war wichtig!!

Der heutige Tag hatte 3 Abschnitte. Die ersten 2 1/2 Stunden waren noch Außenbezirke. Dann Flussfahrt, mit wenig Fluss und schließlich ein Ausflug in die Hügel Kents.

Aber Dank Albert, John und der National Bike Route 1 lief heute alles problemlos.
Wer ist John?

Irgendwo um Dartford herum, ich überlege noch, ob ich dem Bluewater Shoppingcentre - es soll das größte in England sein - keinen Besuch abstatte, oder am Bahnhof vorbeifahre, wo sich Keith Richard und Mick Jagger kennengelernt haben - beide sind aus Dartford, da kommt John vorbeigeradelt, mit einem E-Bike mit den Riesenreifen.
Wir kommen ins Gespräch, ich erzähle ihm, dass ich an der Dartford Crossing beinahe im Niemandsland verschütt gegangen wäre.
Ich hatte gestern nicht recht, dass nach der Tower Bridge keine Brücke mehr über die Themse führe. Bei Dartford sind es 2 Tunnel und eine Hängebrücke, die einen gewaltigen Verkehrsknotenpunkt bilden.


John bietet sich an, mich zurück auf den Radweg 1 zu lotsen. Ich fahre hinter ihm her. Albert protestiert, aber nach einer halben Stunde bin ich aus dem Gröbsten, d.h. aus dem Dunstkreis Londons endgültig heraus. Danke John, war nett mit dir zu Radeln.

Dann kommt der Themse-Ufer-Teil. 


Noch immer dominiert Industrie, Werften und Lagerhallen. 


Doch bald danach, bin ich wirklich draußen.
 Endlich!!


Im Marschland geht es immer kleinen Entwässerungskanälen entlang. Was machen die denn da?


Tontaubenschießen! So lange ich zuschaue sind sie nicht sehr erfolgreich. Können die Scheiben nachher alle wieder einsammeln und noch einmal verwenden. 



Dann kommt Rochester. Wirklich beeindruckend die Burg. Die z.T. auf römische Anlagen aufbaut. Auch die Kathedrale ist wohl nach Canterbury, die 2.Älteste. Anfänge gehen ins 7.Jh. zurück. Der Hauptbau ist aus dem 13. Jh. Leider haben spätere Jahrhundert so viel geändert, dass die alte Bausubstanz im Inneren nicht wirklich zum Tragen kommt.


 Von Außen sieht man der Kathedrale ihr Alter schon an.


Dann noch einmal Flussfahrt, mit wenig Fluss


Den Hauptfluss sieht man ganz im Hintergrund.
Und dann geht es in die Hügel.


 Ein richtig schöner Sonntag auf dem Lande. Nach den Tagen im Lärm und Gestank der Großstadt eine richtige Erholung.

Der ehemalige Englischlehrer musste heute allerdings eine ganz erschütternde Erfahrung machen. Da mühte man sich jahrein jahraus damit, den Schülern den Unterschied zwischen Plural s und dem sächsischen Genitiv ´s beizubringen.
Dann brach irgendwann über Deutschland die Mode des Deppen Apostrophs aus.
Und heute muss ich erfahren, dass der Engländer selbst keine Ahnung hat.


Und dann noch dies:



Hier hätte irgendwo ein Apostroph hingehört. MÜLLER, steckt den Rotstift weg! Sieh´ es endlich ein, dass der alte William Blake schon immer recht hatte:

Mock on, mock on, Voltaire, Rousseau:
Mock on, mock on: ‘tis all in vain!
You throw the sand against the wind,
And the wind blows it back again.

Wobei ich mich jetzt nicht mit den beiden oben zitierten vergleichen will!

So jetzt gehe ich noch um die Ecke in das nette Pub, das mir vorhin aufgefallen ist!
Und wir singen auf dem Weg alle miteinander:

The Three Jolly Coachmen 

(unbedingt die Fassung vom Kingston Trio anhören)


One, two, and three jolly coachmen sat at an English tavern.
Three jolly coachmen sat at an English tavern,
And they decided, and they decided, and they decided to have another flagon.
Landlord, fill the flowing bowl until it doth run over.
Landlord, fill the flowing bowl until it doth run over.
For tonight we merr-I be,
For tonight we merr-I be,
For tonight we merr-I be,
Tomorrow we'll be sober. (What!)
Here's to the man who drinks dark ale and goes to bed quite mellow!
Here's to the man who drinks dark ale and goes to bed quite mellow!
He lives as he ought to live
He lives as he ought to live
He lives as he ought to live
He'll die a jolly good fellow! (Ha! Ha! Ha!)
Here's to the man who drinks water pure and goes to bed quite sober.
Here's to the man who drinks water pure and goes to bed quite sober.
He falls as the leaves do fall,
He falls as the leaves do fall,
He falls as the leaves do fall,
He'll die before October! (Ho! Ho! Ho!)
Here's to the maid who steals a kiss and runs to tell her mother.
Here's to the maid who steals a kiss and runs to tell her mother.
She's a foolish, foolish thing.
She's a foolish, foolish thing.
She's a foolish, foolish thing.
For she'll not get another. (Pity!)
Here's to the maid who steals a kiss and stays to steal another.
Here's to the maid who steals a kiss and stays to steal another.
She's a boon to all man kind.
She's a boon to all man kind.
She's a boon to all man kind.
For soon she'll be a mother!



Samstag, 15. Juli 2017

39.Tag: Von Ealing nach Erith


London hat 5 Geruchszonen.

Der Westen riecht wechselweise nach Speck und Toast - und Curry.
Der citynahe Westen riecht nach überhaupt nichts - höchstens mal nach Rosen.
Das Zentrum und der zentrumsnahe Osten riecht stark nach Fisch und altem Frittenfett.
Der Osten erst nach Curry,
Dann nach Zwiebel und Kreuzkümmel.

Mann, was für ein Tag. Was für eine Tour.

Für etwa 60 km habe ich locker 8 Stunden gebraucht. Natürlich auch mit Pausen und Sightseeing.

Ich finde, ich sollte ein T-Shirt bekommen, mit dem U-Bahn Zeichen und drinnen steht:

I crossed London by pushbike - and I survived

Nein, das wäre etwas übertrieben. Eigentlich lief es ganz gut. Ich habe heute Albert nicht wirklich zum Zuge kommen lassen. Zuerst habe ich nur Kew als Ziel eingegeben und dann, an der Themse, habe ich mich über weite Strecken an den Thames Path gehalten. Das lief ganz gut.

In Kew angekommen, noch ein "Blick zurück" auf eine meiner liebsten Sonntag vormittags Beschäftigungen, ein Spaziergang entlang der Themse in Kew, mit einem Besuch der tollen Pubs am  Ufer. Heute Morgen ist es noch zu früh - noch nichts los.


Heute Morgen ist "Ebbe" in der Themse, - immer wieder beeindruckend, wie weit die Gezeiten im Fluss zu sehen sind.


Man würde nie vermuten, dass dieses Bild mitten in London aufgenommen wurde.
Dann kommen die feinen Adressen am Fluss.


Die Schönen und Reichen sind am Joggen, wenn sie nicht ihre Kids in ihren Porsche Cayenne zum Hockey oder Rudern fahren. Ich muss aufpassen, dass ich nicht von Joggern überholt werden. Meine Güte sind die fit!


Kein Wunder, dass niemand in seinem Gärtchen am Ufer sitzt und die Rosen schneidet.

Ein Stück weiter, ein echtes historisches Schmuckstück!

Das Stadion vom Fullham Football Club.


Wieder einmal schlechtes Timing! Dieses Mal um einiges zu früh!


Sind die Eingänge nicht "Kult" - ABER! Total up-to-date! Man kann es auf diesem Bild nicht lesen, aber über den Zahlen steht, dass hinter dem Eingang "Pyro-Hunde" warten! Gut! Sehr gut, Fulham!

Und für die Freunde der täglichen Rätselfrage:


Welche Legende steht vor dem Fulham Stadion?

Albert hat immer wieder "gute Vorschläge", die ich geflissentlich übersehe. Ich bleibe am Fluss.
Irgendwann komme ich an der Tate-Britain vorbei. 
Die "Turners"! Mann, die würden mich schon reizen. Und dann natürlich die hochgelobte Ausstellung "Gay Britain". Ich streiche 3 x um alle Eingänge herum. Ich finde nicht einen Platz, wo ich das Fahrrad abstellen könnte. Dann an einem Bauzaun, etwas versteckt, doch eine Möglichkeit. Ich schließe das Fahrrad an und ziehe Richtung Kasse. 
Doch dann bekomme ich starke Zweifel, ob ich wirklich in meinen Radelklamotten durch die Hallen streifen soll? 
Ich meine, nicht dass die Besucher von "Gay Britain" etwas gegen meinen Aufzug gehabt hätten!!

Nö, da komme ich mal extra wieder.

Eine Brücke, nach der anderen, - weiß jemand wie viele es sind zwischen Richmond und Greenwich?

Ja, richtig, 32. Das heißt hinter der Tower Bridge ist Schluss. Hinter der Isle of Dogs fahren Fähren.

Meine Lieblingsbrücke, ist die Prince Albert Brücke.


Und Alles so schön in Pink und Pastell!! Das hat Albert doch nicht verdient!


Dann wird es exotisch. Ich dachte immer, die Chinesen machen "uns" architektonisch nach. Jetzt ist es schon umgekehrt. Nein, ich möchte, dass Shangai, Shangai bleibt - und London, London.

Die Radwege sind in der City wirklich gut. Das ist der cycle "Highway" 


Und dann kommt die touristische Keule! Ich hätte es mir doch denken können, dass hier der Teufel los ist. Hier komme ich zu Fuß kaum durch. Aber wat mut das mut!



Die Situation hier im Zentrum Zentrum ist nach dem Anschlag natürlich nicht einfacher geworden. Um die Houses of Parliament ist eine einzige Baustelle, hier werden neue Barrieren und Sperren eingegraben.



Es ist wirklich Geduld gefragt. 



Wie komme ich über die Westerminster Brücke?  Ich glaube, die paar 100 Meter haben mich fast eine halbe Stunde gekostet.
Aber es hat sich trotzdem gelohnt.


Was olle Winston wohl zu dem Trubel zu seinen Füßen vor sich in brummelt?


Geduld, Geduld! grummel, grummel. GEDULD!
Dass dann auch noch ein Werbefilm auf der Brücke gedreht wird, macht die Sache auch nicht besser.



Irgendwann bin ich drüben, - es kann weiter gehen. Doch natürlich reiht sich weiter ein Touri-Hotspot an den Anderen.


Jetzt bin ich schon jenseits der Tower Bridge. Um den Borough Market wird es noch einmal richtig eng!


Auf der Isle of Dogs habe ich vom Goldsmith College aus, meine Schulpraktika gemacht. Damals war dies eine der ärmsten Gegenden Londons, heute sind die alten Speicher luxussaniert und wahrscheinlich unbezahlbar.


Die Cutty Sark, hat inzwischen ein "Röckchen" bekommen, Greenwich, brummt!
Jetzt bin ich wieder auf Eurer Seite der Ost-West Hemispären!!
Nach dem Maritim Museum,


Wird es langsam ruhiger. Die Radwege sind noch immer gut, aber diese Stadtbummelei macht müder, als eine Bergetappe.


Ein Blick zurück aufs Zentrum. Gut ist auch die Thames Barrier zu erkennen, die London vor Flutkatastrophen schützen soll.

Vor mir das letzte Stück der Themse, und meiner Reise auf dieser Insel.


Aber noch hat dieser "unterhaltsame" Tag seinen Höhepunkt noch nicht erreicht. Ich erreiche Erith gegen 17.00.
Die Adresse, die ich Albert eingegeben habe, führt mich in ein absolutes "Brennpunktviertel". Hier sind heute noch nicht viele "Bleichgesichter" vorbei gekommen. Hotel, Fehlanzeige. B&B Fehlanzeige. Einfach nur "Platte" und ziemlich heruntergekommene Häuschen am Rande. Ich weiß nicht was ich machen soll. Ich kontrollieren noch einmal die Koordinaten, alles stimmt.
Da kommt ein junger Westindie auf mich zu. Fragt mich ob ich Manfred sei. Mmja!
Wo ist das Hotel? "Du hast eine logde gebucht! OOOkey und und wo ist die lodge? Er führt mich um einen Plattenbau herum, zu einem der kleinen Reihenhäuser. "Hier"!
"Und wo soll ich mein Fahrrad abstellen?"  "Tja, du hättest angeben sollen, dass du mit dem Fahrrad reist!"
Ein Schuppen hinter einer Mauer, scheint meinem "landlord" selbst nicht sicher genug.
"Ich habe etwas anderes für dich", er holt einen enormen Schlüsselbund heraus. "Fahre hier durch diese Gasse und warte auf mich, auf der anderen Seite, ich hole das Auto".
Tatsächlich kommt er nach einiger Zeit, und fährt vor mir her, in ein anderes Viertel von Erith. Hier sehen die Häuser etwas besser aus. 
Er schließt eines der Reihenhäuser auf. In der Küche läuft die Waschmaschine.

Was soll ich von all dem halten? Ist er eine Art Hausmeister und vermietet illegal unter? 

Hier finde ich in einem weiteren Umkreis garantiert kein Hotel mehr! Also spiele ich weiter mit.

Er lässt mich das übliche Anmeldeformular ausfüllen.
Das Fahrrad kann ich in der Küche abstellen. 
Er sagt, heute bin ich allein in dem Haus. Die Zimmer scheinen tatsächlich auf Vermietung ausgerichtet zu sein.
Also gut. Ich habe keine Lust auf weitere Komplikationen, wird schon alles in Ordnung sein.
Julius verspricht, für das Frühstück noch Cereals und Milch vorbei zu bringen.
Nachdem er weg ist, mache ich mich auf die Suche nach Abendessen.
Das ist leichter getan. Denn ich bekomme, das Haus nicht abgeschlossen. Ich weiß, es gibt Schlösser, da muss auf der Innenseite, der Türknopf eine bestimmte Stellung haben. Funktioniert nicht. Ich versuche alle möglichen Variationen. Dann endlich!! Die Klinke muss nach oben gedrückt werden, dann schnappt das Schloss zu.

 Meine Suche nach dem Abendessen ist nicht sehr erfolgreich.
Das Cafe in Safeways macht mich gar nicht an. Gegenüber ein Chinese Takeway. Das schon eher.
Aber was für einen Enttäuschung! Ich bestelle "beef&onion" und Reis. Als ich wieder im Haus bin, stellt sich "beef&onion" als eine Pastete heraus. Würge ich den Reis halt trocken hinunter unter esse eine Pastete dazu. Nicht lecker!

Da habe ich Morgen was gut.

Dann noch eine seltsame Komplikation. Ich bekomme mein Zimmer nicht abgeschlossen. Der Schlüssel scheint nicht zu passen. Nach einigen Versuchen sehe ich, dass eine Münze im Schlüsselloch steckt! Was soll das?
Ich hole meine Pinzette aus dem Waschbeutel und pfriemle die Münze heraus - ein Penny!
Jetzt kann ich mein Zimmer abschließen.
Aber so richtig wohl fühle ich mich trotzdem nicht!
Na ja, wird schon gut gehen.
Ich hoffe, liebe Leser, ich kann Euch Morgen Abend die Fortsetzung der "Abenteuer aus Erith" erzählen.
Also dann!

Freitag, 14. Juli 2017

38.Tag: Von High Wycombe nach Ealing



Das war klar, dass diese beiden kommenden Tage keine Etappen für Ästheten werden würden. Aber keine bisherige "Hauptstadteinfahrt", nicht Wien, nicht Bratislava, nicht Budapest, nicht Belgrad und selbst nicht Paris war von so ausnehmender Hässlichkeit, wie der heutige Tag nach Ealing, London W5.
Dabei kann ich Albert nicht mal die Hauptschuld geben, ich wollte ja unbedingt noch einmal dorthin, wo ich knapp 2 Jahre, 1973/74 gewohnt und als Assistant Teacher gearbeitet habe. 
Dass Albert auf seinen Radkarten Radwege an den großen Straßen eingezeichnet sieht, die den Namen nicht verdienen, das kann er auch nicht wissen. Aber was zwischen Wycombe und Beaconfield als Radweg vermerkt sein mag, ist schlicht eine Unverschämtheit. Zugewachsen, bis hin zur Unpassierbarkeit.


und häufig kaum mehr als ein Fußpfad. Irgendwann verliert man die Geduld. Aber die Alternative auf die 4spurige Straße zu gehen, kann man vielleicht als Peloton


aber als Einzelfahrer? Ich kämpfe mich durch´s Gebüsch! 
Irgendwann habe ich die Nase voll. Auf der Straßenkarte sehe ich eine Alternative - Und lande in einem riesigen Privatgelände. Was immer "Moebius" ist, keine Art finde ich, einen reinzulassen, aber nicht mehr raus. Albert führt mich an einen hohen Zaun. Schluss. Ich fahre den Zaun entlang, komme an eine Schranke. Nein, hier kannst du nicht raus, das ist alles noch Moebius, du musst da hinunter und dann wieder auf die A 40.

Aber das kann doch nicht sein. In Gerrads Cross versuche ich es noch einmal, Albert Manieren beizubringen. Nach der Karte gibt es kleine Sträßchen, die auch Richtung London führen.


Geht doch!!
Doch leider währt das Glück nur etwa 10 km, bei einem Umweg von 6 km. Dann sehe ich auch keine andere Chance als zur A 40 zurückzukehren. Inzwischen bin ich von Autobahnen umgeben. Eine Brandung von Geräuschen. Unglaublich dieser Lärm. Ich überquere die M 40 12 Spuren insgesamt, dann an der A 40 wenigstens ein vernünftiger Radweg. Geradezu Rad Highway - aber der Lärm, der Staub, der Dreck! 


Lasst Euch von dieser Idylle nicht täuschen, normalerweise sssswuscht, und rrrrschht es es nur so. Es ist so laut, dass ich erst nach einiger Zeit mitbekomme, dass der Lärm von startenden Flugzeugen noch hinzugekommen ist. Links neben der Straße beginnt Heathrow,- zwar nicht die Hauptstartbahnen, aber die "kleinen" Privatjets machen auch ganz schön Krach. 


Und warum, in Dreiteufelsnamen, ALBERT!, können wir nicht dort unten fahren???
Zu spät, Ealing liegt nun mal nicht an der Themse.
In Ealing angekommen, stelle ich fest, dass es noch ein ganzes Stück zum Ealing Broadway ist.
Also einchecken, stadtfein machen und auf Entdeckungsreise in meine eigene Vergangenheit.





Aber auf´s Rad steige ich heute nicht mehr!

Am Ealing Broadway angekommen, erkenne ich zuerst gar nichts wieder. Wie auch, vor 45 Jahren war Ealing ein verschlafener Vorort, geprägt von kleinen indischen und chinesischen Läden und den üblichen Kneipen. Davon ist nichts mehr übrig. Die Ketten haben sich wie überall breit gemacht, Subway, Costa, Cafe Nero, McDonalds, Kentucky, alle sind sie da....
Aber trotzdem ist auf einmal wieder eine Topographie da. Bin ich nicht immer dem Ealing Green entlang gegangen? Ich frage, niemand kennt ein St.Marie´s Technical College, eine St. Marie´s Street, ja, gehe weiter da lang.

Wenn die Pubs nicht wären!  Sie scheinen das einzig Beständige hier in England zu sein. Obwohl, mein Grove nicht so schickimicki abgespeckt war. Aber kein Zweifel, ich bin auf dem richtigen Weg.
Und tatsächlich, - kein Zweifel, hier bin ich richtig!


 Das sind die Gebäude vom Technical College Ealing. In diesem Block, der jetzt Jugendherberge ist,  war "Hotel and Catering",  und da hinten,


In diesem Block war die Übersetzer- und Simultanübersetzerschule, und die Deutsche Abteilung.
UND: Das erste Sprachlabor - weltweit. 
Ich hatte von Anfang an, keine besondere Beziehung zu dieser Art der Fremdsprachenvermittlung, aber im "Ealing Course of German", der auf Sprachlaborarbeit basierte, könntet Ihr, falls Ihr noch Bänder auf einem Flohmarkt findet, und falls Ihr noch ein altes Abspielgerät auf dem Speicher findet, Euren Blogger, als "Native Speaker" hören. Tja, wahrscheinlich ist das erste Sprachlabor der Welt, schon seit Jahrzehnten entsorgt - und ehrlich gesagt, ich weine ihm keine Träne nach! In diesen Blocks scheinen heute eine Schule und eine Nursery zu sein.
Und offensichtlich ist doch ein bisschen vom alten College in die 


University of West London eingegangen. Abgespeckt, aber es gibt sie noch.
Und noch etwas existiert in anderer Form immer noch. Gegenüber des Technical College waren damals die BBC Studios und das College hatte ein Super film department, das mit den Studios zusammenarbeitete, d.h. die Studenten konnten über der Straße Praktika machen. Und als "Assistant Teacher" konnte ich als Gasthörer an den Klassen teilnehmen.
Und diese die Studios gibt es noch



Inzwischen privatisiert aber es wird noch gedreht. 

So jetzt müsste ich nur noch die Carlton Road finden, wo ich gewohnt habe. Vom "College" konnte ich praktisch auf Autopilot stellen. Ich hätte gestern noch keine Ahnung gehabt, wo ich die Carlton Road suchen muss, aber von hier aus, gab es keine Zweifel


Und auf einmal sehe ich tatsächlich Bekanntes. Kein Zweifel, diesen Take Away gab es schon damals, und ich habe bestimmt 2x die Woche nach den Klassen mein Essen hier mitgenommen, obwohl alle paar Wochen eine andere Katze auf dem Tresen schlief (heute sind solche Witze natürlich total politisch unkorrekt, ich weiß).

Dann eine kleine Irritation. Diese modernen Wohnanlagen gehören nicht auf meine Landkarte


Aber ich weiß, ich muss da durch. Auf der anderen Seite, finde ich jemand, der sich hier auskennt. "Einfach, die Straße weiter hoch, oben kreuzt du Carlton Road." Ich kann es selbst fast nicht glauben.



Und dann die Carlton Road 10


Dass kein falscher Eindruck entsteht, ich habe nicht Carlton Road 10 gewohnt, sondern 10a, d.h. auf der rechten Seite war ein Seiteneingang und der obere Teil des Hauses war an Studenten vermietet. Insgesamt 4.

10 A gibt es nicht mehr, heute ist das ganze Viertel im Zuge der Gentrifizierung kein Studentenviertel mehr. Obwohl, wenn ich recht überlege, so billig war das Zimmer auch nicht. Ich habe pro Woche 11 Pfund gezahlt und das Pfund war 1973 bei knapp unter 12 DM.

Jetzt aber genug Nostalgie. Was hat es jetzt gebracht, in Ealing gewesen zu sein. Wenn ich ganz ehrlich bin, nicht viel.
Soll ich Morgen wirklich noch auf der anderen Seite von London, in New Cross im Goldsmith College vorbei schauen, wo ich als Austauschstudent war?
Eines weiß ich 100pro. Ich fahre Morgen keine Stinkestraßen mehr, nur um in meiner Vergangenheit zu kramen!!

Was ich jetzt machen werde ist, eine wunderschöne Strecke herauszusuchen, auf der ich möglichst schnell nach Kew komme,  um dann immer der Themse nach- auf  RADWEGEN - London zu kreuzen.

Also drückt die Daumen, - gut dass Morgen Samstag ist- wir sehen uns dann auf der anderen Seite von London!!!

48.Tag: Aachen nach Engen und Schluss

Er ist wieder da! Wieder hier! ( Muss nicht mitgesungen werden) Eine wunderschöne Tour ist zu Ende, 2.101km sind es geworden! Die Rü...