Donnerstag, 22. Juni 2017

16.Tag: 2.Tag in Edinburgh

Noch ein Tag Sightseeing in Edinburgh liegt hinter uns. Sich zu Fuß bewegen ist ganz schön anstrengend!
Ich beginne unseren letzten gemeinsamen Bericht. Seufz!
Friederike ist schon am Packen. Das Taxi für Morgen früh ist bestellt. Zum Glück gibt es in Edinburgh Großraumtaxis, in die auch eine sehr groß ausgefallene Fahrradtransportkiste reinpassen sollte. Ein 2.Fahrrad jedoch nicht. Dass ich Friederike alleine zum Flughafen schicken muss, ist mir gar nicht so recht. - Aber wird schon gut gehen!

Also erst einmal unser heutiger Tag.
Programmpunkt 1: Hollyrood  Palace, der offizielle Sitz der Königin in Schottland. Hier empfängt sie Gäste, hier adelt sie Schotten, wie z.B. Sir Sean Connery...
Und hier hat sich natürlich der schreckliche Krimi um Mary Queen of Scotland abgespielt.

Um den Palace klumpten sich die Busse nur so, doch innen war es eher entspannt, kein Vergleich mit dem Schloss gestern.
Der Palace ist klassizistisch, von der alten Burg ist eigentlich nur die "Badstube von Queen Mary" übrig.

Ist wahrscheinlich ein Touri-Legende, aber ein putziges Gebäude ist es dennoch.

Die an den Palast angrenzende Abbey ist dagegen selbst als Ruine noch sehr beeindruckend.



Der Palast selbst ist eigentlich nicht mehr beeindruckend als viele andere Paläste auch, außer, dass man natürlich beeindruckt ist, dass "auf diesem Stuhl" die Queen im Dinner room sitzt, und dass hier in "dieser" Fensternische, der niedergemetzelte David Rizzio im eigenen Blute lag. Da hat der eine oder andere Besucher  schon ganz genau hingeschaut, ob man noch was sieht.
Was wirklich hinter dieser "Game of Thrones"- Geschichte steckt, wer weiß. War es wirklich eine Intrige des protestantischen Adels gegen die katholische Königin und ihren ebenfalls Katholischen Privatsekretär. 
Oder war Rizzio vielleicht doch Marys Liebhaber, wie der Gatte Darnley glaubte, der das Attentat anführte.
Bekommen ist ihm die Geschichte nicht. Nicht viel später ist sein Wohnsitz in die Luft geflogen, und er selbst wurde nackt im Obstgarten des Anwesens erdrosselt aufgefunden.
Na ja, und den Rest kennt ihr ja von olle Schiller noch!


Auf unserer Einladung zum Sommerempfang der Königin in Holyrood muss wohl das falsche Datum gestanden haben, denn heute haben sie erst die Zelte aufgebaut.




Über 8.000 schottische Gäste werden sich da nächste Woche auf dem Rasen bei Tee und Cucumbersandwiches vergnügen.
Sorry, aber da sind wir leider nicht mehr in Edinburgh, aber ein andermal gerne!

Beim Rausgehen aus dem Schloss. Höre ich hinter mir auf einmal jemand "Manfred!" rufen!
Ich fühle mich zunächst nicht angesprochen, obwohl ich mir schon hätte denken können, dass auf dem Platz vor dem Palast nicht soo viele Manfreds herumstehen würden.

Was für eine unglaublicher Zufall.


Da treffen wir doch liebe Bekannte, die immer mal wieder im "Filmclub" im Türmle vorbeischauen. Beim letzten Film vor der Sommerpause haben wir noch darüber geredet, dass wir sehr wahrscheinlich zur selben Zeit in Schottland sein würden - aber dass wir uns tatsächlich über den Weg laufen! Das ist schon mehr als außergewöhnlich.
Und am Nachmittag sehen wir uns noch einmal im National Museum of Scotland


Wenn auch nur aus der Ferne!!

Das National Museum of Scotland ist ein sehr anregendes Museum. Eine "Wundertüte" alten Stils mit pfiffigen modernen museumspädagogischen Konzepten.


Das ist ein anregender Reigen netter Überraschungen. Zum Größenvergleich fliegen Nilpferde, Krokodile, Haie und Riesenkraken durch die wunderschöne Gußeisen/Glaskonstruktion des alten Hauptgebäudes.

Naturkunde, Völkerkunde, Technik - hier gibt es Alles!
Für Kinder eine wunderschöne Sache. Ohne Kinder wirkt manches etwas unübersichtlich, gewollt, manchmal fühlte  ich mich recht verloren inmitten all dieser brillanten Ideen.
Zum Glück fanden wir irgendwann den Durchschlupf in den neuen Teil des Museums, der die Geschichte Schottlands beherbergt, ebenfalls großartig aufbereitet, aber für ein altes Hirn übersichtlich geordnet. 1. Untergeschoss, Neolithikum, Eisenzeit, Römer, Kelten, Normannen, wie es sich gehört.
Ich war hin und weg von den vielen wunderbaren Petrogryphen, Stelen und Reliefen die das Museum zeigt. Einfach fantastisch.


Der "im Dienst saufende Reiter" ist doch umwerfend.


Oder diese Gans und dieser Fisch - meine ichthyophilen Söhne werden sicher erkennen um welche Fischart es sich handelt.

Aber der Höhepunkt der frühen Geschichte Schottlands waren für mich einige sehr kleine Figuren, das Lewis Chess game!



Die Gesichtsausdrücke dieser kleinen Figuren sind phänomenal,



Meine Lieblingsfigur ist der "Läufer"(?) der in sein Schild beißt vor lauter Kampfeswillen. Der "Sanchez" unter den Schachfiguren.
Und diese Glupschaugen! Einfach herrlich!

Morgen heißt es erst einmal "Abschied" nehmen!
Wenn ich ehrlich bin, je länger wir beide das zusammen machen, desto schwerer fällt es mir alleine weiter zu ziehen.
Es war bis dahin eine wirklich superschöne Reise - danke Friederike!!

(frieda) Ja das war es! 
Inzwischen haben wir Abschied gefeiert, uns in Edinburghs Nachtleben gestürzt, gegessen, getrunken, Musik gehört und ein bisschen mit den Leuten gequasselt. Und ich habe meinen ersten Whiskey getrunken, einen für Nichtswisser und Anfänger, der wie ein mittelguter Cognac geschmeckt hat. In "Rabbi Burns Whiskey Bar" gab es Livemusik, ein junges Pärchen mit Gitarre, Tin Whistle und Gesang haben alte schottische Lieder gesungen. Bei "You'll take the high road and I take the low road" haben wir ein wenig mitgegröhlt.



Am Nachbartisch saß eine Truppe von Männer in den Fünzigern, einer hat mit zwei Löffeln Rhythmus gemacht und damit jede Frau in der Bar super anbaggern können. Ihr ein bisschen was vorkleppern, dann die Löffel in die Hand drücken, erklären, zeigen... das hat sicher schon hundertmal gut funktioniert. Seine Kumpels haben nur gegrinst. Als dann aber um uns herum plötzlich alle Haggis gegessen haben, sind wir geflüchtet. Haggis ist so eine berühmte schottische mit Innereien und Blut gefüllte Wurst, so was wie Presssack vielleicht.


In der nächsten Kneipe haben zwei Ladies mit Sekt den Abend gefeiert, weil schon fast Freitag ist. Und sie haben sich bei uns für das gute Wetter bedankt, das wir mitgebracht haben. Ich musste versprechen, dass ich es hier lasse. 

Das mache ich ja gerne schon wegen Manne, der ab morgen alleine gegen Wind und Regen ankämpfen muss. Die Wetterprognose ist ja nicht gerade erbaulich.

Ist eine wirklich sehr nette Stadt dieses Edinburgh- trotz Haggis und offensichtlich meist schlechtem Wetter. Wir haben es gut erwischt und es war toll, die doch sehr anstrengende Radtour so gemütlich abzuschließen.
Großes Lob für die supergute Reiseplanung, Manne!


Und gute Weiterfahrt- so ganz wohl ist mir bei dem Gedanken an diese einsamen, windgebeutelten Strecken ja nicht. Es ist ja kein Mensch auf diesen Radwegen unterwegs, und immer geht es gegen Westen, wo bekanntlicherweise ja der Wind herkommt. Meistens.

Good luck!




#+

Mittwoch, 21. Juni 2017

15.Tag in Edinburgh

Heute war der erste Tag ohne Fahrrad, das war doch irgendwie sehr traurig. Aber ich habe meine alte Leidenschaft wieder entdeckt: zu Fuß gehen..
Zum Glück gibt's in Edinburgh einen kleinen Berg/eine Klippe, "Salisbury Crags " und da kann man einen schönen Spaziergang machen. Ein bisschen hat es manchmal getröpfelt, aber es war warm.




Manne hatte heute Ruhetag, ich musste also ganz alleine hochkraxeln.



Alleine ist übertrieben, viele Leute waren unterwegs. Eine chinesische Familie hat an dieser Stelle Fotos gemacht,  die jungen Mädels sind immer ein bisschen runtergeklettert und haben raufklettern oder abstürzen gespielt. Ich hab gefragt, ob sie auch von mir (mit meinem smartphone) ein Foto machen könnten und der chinesische Student hat das natürlich gemacht. Während die anderen Familienmitglieder mit ihren Kameras auch mehrere von mir gemacht haben. Juhu ich werde berühmt in China! Der junge Mann studiert in Edinburgh und hat grad seine Familie zu Besuch.
Einen weiterer Eltern-Kind Besuch habe ich beobachtet: Ganz unten am Berg ein junger Spanier mit seinen Eltern. Papa voraus, versteinertes Gesicht, dann der Sohn, hinten die Mutter, die schon mehrere Kleidungsstücke überm Arm hängen hatte, es war ihr zu warm. Plötzlich dreht der Sohn sich um und faucht sie an: "Wenn du endlich deinen Mund halten würdest, dann hättest du genug Luft um oben anzukommen". Die Mutter klappt den Mund zu und keucht weiter den Berg hoch. Ich habe so getan, als hätte ich nichts verstanden.
Und die dritte Konstellation an einer Ampel: italienische Studentin und Mutter, lautes italienisches Gezicke wegen einer Strasse, die sie nicht gefunden haben und die Tochter sollte die doch kennen und überhaupt.
Wahrscheinlich sind auch hier die Examen gerade vorbei und jetzt ist Zeit für Elternbesuch.

Als ich dann den Manne wieder getroffen habe, konnte ich ihm ganz viel erzählen, das war auch mal schön.
Wir haben ein bisschen Touriprogramm gemacht und wie immer und überall wo wir bisher waren, passt sich der Manne seiner Umgebung an- das gesamte Wachpersonal hatte diesen sportiven Schwarz-in Schwarz-look, fehlt nur das Namensschild:


                                        

Und dann haben wir noch mein gut verpacktes Fahrrad von dem netten Bike- Laden geholt,


Ins Hostel geschleppt- jawohl!!!- das war sehr anstrengend aber zum Glück nicht sehr weit.


Und mit Mühe und Not in unserem Minizimmer untergebracht. Da bin ich ja mal gespannt wie das auf dem Flughafen in Luton wird, wenn ich aus- und wieder einchecken muss. Auf jeden Fall soll ich sagen, dass Luft aus den Reifen abgelassen wurde, das hat mir der nette Fahrradtyp noch eingeschärft. ( er hat es aber natürlich nicht gemacht!)
Was passiert denn eigentlich, wenn die Reifen aufgepumpt sind?  unsere Frage.
Tja dann können sie wohl explodieren, meinte der Schotte und grinste. Hmmm.

Und nun ich wieder:

(manne) Mittsommernacht. Habe ich mir hoch im Norden anders vorgestellt. 22:00 und schon relativ dunkel. Es regnet so vor sich hin. Von wegen "weiße Nächte" in Schottland. Ehrlich gesagt, ist uns nach einem satten Touriprogramm auch nicht so recht nach "Tanz um das Mittsommernachtsfeuer".
Mittsommernacht scheint hier in Edinburg auch gar nicht Thema zu sein.
Aber von Vorne:
Während Friederike die Hänge hochjoggte habe ich mich auf die Suche nach einer neuen Kamera gemacht, denn wie soll der blog wohl weitergehen, ohne Bilder - geht garnicht.
Ich habe mich im Internet schlau gemacht und auf Anhieb einen supergünstigen Discounter gefunden, der relativ hochwertige Kameras hat, die aber nicht mehr vom neuesten Stand sind. 
Der Laden hat ein heißes Verkaufskonzept. Gewissermaßen Internethandel in der analogen Welt.
Man kommt rein. Nur Monitore. Dann kann man sich durch das Angebot klicken. Sie haben alles von Gummistiefeln, bis Sonnenschirmen. Wenn man gefunden hat, was man sucht, schreibt man die Nummer auf, geht an die Kasse, bezahlt. Auf der Quittung ist eine Nummer. Wenn die Nummer auf dem großen Bildschirm erscheint, dann kann man an einem Schalter die gekaufte Ware abholen.
Ich will Euch jetzt nicht mit den Details langweilen, aber spannend war das schon, weil mein erster Versuch ziemlich in die Hosen ging. Eine Ixus aus dem vergangenen Jahrtausend - ohne Datenüberspielkabel, - und im großen weiten Warenlager gab es auch kein Kabel das zu dieser Kamera passte.  Doch der 2. Versuch war ein Volltreffer.
Die neue Kamera macht wirklich super Bilder


Da müsst ihr mir doch recht geben!!

Nach meinem Ausflug in die Warenwunderwelt habe ich mir erst einmal eine Zeitung gekauft und mich in ein Cafe auf der Royal Mile  gesetzt und gelesen.
Ihr habt ja sicher von dem entsetzlichen Unglück im Grenfell Tower gelesen. Die schreckliche Brandruine mitten in London ist zu einem Symbol des Zustands dieses Landes geworden und auch die Ereignisse danach haben England bis ins Innerste erschüttert. Ob Theresa May das überlebt ist höchst fraglich. Aber die Alternative? Der Intrigant Johnson wetzt  im Hintergrund  schon das Messer. Das wird noch schlimmer.
Heute habe ich bei meiner Zeitungslektüre zum ersten Mal überhaupt in einer Tageszeitung Friedrich Engels ausführlich zitiert gelesen: "Over 170 years after Engels, Britain still murders its poor" - so die Überschrift.
Wow, das überhaupt noch jemand auf der Insel "die Lage der arbeitenden Klasse in England "  von 1845 kennt.
Hut ab, Guardian, das ist ein klasse Artikel gewesen. 
Und Engels wird lange und ausführlich zitiert. "When society places hundreds of proletarians in such a position that they enevitably meet a too early and an unnatural death, ..."

Makabrerweise habe ich diesen Artikel genau neben dem Denkmal von Adam Smith gelesen, dem seit weiß ich wann,  immer wieder ein Verkehrshütchen aufgesetzt wird. Als wir ankamen, war es nicht da. Heute Morgen hatte olle Adam es wieder auf.
Steht im gut, finde ich:


Am Nachmittag stand das Edinburgher Schloss an. Klar, Pflichtprogramm. Aber welche Menschen- massen! Und ganz ehrlich, das Ding ist natürlich über weite Strecken "nachempfundenes Mittelalter".
Sir Walter Scott lässt grüßen.
Aber es ist trotz alledem ein imposantes Bauwerk in dem es viel zu entdecken gibt und natürlich mit vielen Ausblicken auf die Stadt.



Das Ganze ist natürlich touristisch geschickt aufgezogen. Mit Einblicke in die Verließe und andere "Gruseleffekte", die aber, das muss man schon sagen,  historisch sauber dargestellt sind.



Die längste Schlange ist natürlich vor dem Turm, in denen die Kronjuwelen von Mary Queen of Scotland ausgestellt sind, deren Wiederentdeckung tatsächlich unserem Ivanhoe-Scot zu verdanken ist.
Aber wirklich berührt haben mich die Stickereien, die Queen Mary zugeschrieben werden (ist mir letztendlich wurscht, ob das stimmt, die Stickerei sind wirklich ungewöhnlich schön).



Besonders der Rabe (?) hat es mir angetan.



Und dann natürlich der Friedhof für die gefallenen "Hunde-Soldaten" oder sollte man sagen "Soldaten-Hunde"
Wow!


"Cemetry for Soldier dogs" 

Britischer geht es nun wirklich nicht!

Danach, die Frieda-Fahrrad-Karton Aktion, siehe oben, von deren 2.Teil Friederike nicht berichtet hat. Im Hotel angekommen war die große Frage, wohin mit dem Trumm von Karton? In den offenen Fahrradständer wollten wir ihn nicht stellen. Denn bei Regen würde er von untern her nass werden. Und der Regen kam! Also die Frage an die Rezeption, in den Kofferaufbewahrungsraum? Geht nicht. Karton zu groß oder Kofferkammer zu klein. Also wieder zum Fahrradständer. Wir versuchen alles mögliche. Keine Chance. Doch dann sehen wir den Nebeneingang, der sich mit unserem Chip öffnen läßt und oh Wunder, ganz in der Nähe  dieses Eingangs ist unser Zimmer. 
Und so kommt es, dass unser kleines Zimmer noch etwas kleiner geworden ist. Aber die Lösung ist perfekt. Und wir haben uns das Abendessen redlich verdient.
Endlich mal wieder Spaghetti!!

Und Morgen der Stadterkundung zweiter Teil. See you!!


Dienstag, 20. Juni 2017

14.Tag: von East Linton nach Edinburgh

die Route

(manne) East Linton ist auch am Morgen noch ein sehr idyllisches Dorf. 
Aber ein 10 ounces rib-eye waren einfach zu viel für mich. Da hatte ich am Morgen noch zu knapsen.Wir haben leider zu spät gegoogelt, wie viel 10 Unzen wirklich sind. Im Nachhinein wurde mir noch ganz flau, so lecker es auch war.

Unser letzter gemeinsamer Radeltag auf dieser Tour beginnt 

etwas holprig. Ich will Friederikes Smartphone aufladen und erwische aus Versehen, das Datenkabel, was zur Folge hat, dass ihr Smartphone erst einmal streikt!
Erst meine Kamera, dann ihr Smartphone - keine Bilder für den Blog!! Das geht gar nicht. 
Doch zum Glück kriegt sich das Gerät wieder ein und nimmt seinen Dienst wieder auf. So können wir auch diesen wunderbar gemütlichen Radeltag dokumentieren.


Heute kaum Hügel, wenig Gegenwind und nur um die 45 km. Das ist ein Tag zum Ausrollen - für Friederike.
Schöne Burgruinen, nette Dörfer mit interessanten Kirchen.


 Und was sich auch heute bestätigt. Offensichtlich legt man in Schottland mehr wert auf Essen, das nicht aus der Fabrik oder dem Kühlregal kommt. Es gibt sogar richtige Bäckereien, die Brot backen und nicht nur Kuchen und scones. 

 
Richtige belegte Brötchen gab es hier. Zum ersten Mal  auf dieser Reise keine dreieckigen labbrigen Sandwiches in dreieckigen Plastikschachteln, die so tun als wären sie Nahrungsmittel. Und gleich neben dem Bäcker ein richtiger Metzger. 
 Dann sind wir wieder auf einer alten Eisenbahntrasse, der Radweg 76 ist einfach super und auch schilder mäßig zuverlässig!



Und außerdem mit vielen pädagogisch wertvollen Hinweisschilder möbliert. 



Diese Art habe ich auf unseren Reisen noch nicht gesehen. Nette Idee.


Die Mittagspause am Meer. Von Baden war heute seltsamerweise nicht mehr die Rede! 
Gegen 14:00 treffen wir im  Hotel ein. Das nur wenige Gehminuten vom Holyrood Palace entfernt ist. Unser Zimmer ist schon fertig. 
So können wir schon am späten Nachmittag mit einer ersten Stadterkundung beginnen. Die königliche Meile zwischen  Edinburgh Castle zum Holyrood Palace  ist zwar nett anzuschauen, aber, wie viele internationale Touristen-Hotspots eigentlich unerträglich. Ich mag Schotten, ich mag Dudelsack und kilts, ich finde Tartans toll und Fudged. Eine Straße gesteckt voll mit Touristen, die keinen Woll-, Whiskey-, Souvenirladen auslassen, das wird einem schnell zu viel - und Dudelsäcke aus allen Richtungen auch!

Aber es gibt auch richtig gemütliche nette Bars und Cafes, etwas abseits der Touristenströme. 
In einem habe ich ein völlig neues Biererlebnis gehabt. ein Lager - IPA Hybrid, in Kaltgärung hergestellt:

"Following an initial 2 week cold fermentation with a clasic lager yeast we "lager" this beer on 0° with a chockload of IPA style hops for another 4 weeks and allow the to marry - fanfare!"
Ja, auch Bierbrauer können poetisch werden, wenn es um ihr Bier geht. Aber im ernst, das war ein ganz fantastisches Bier.


Falls Ihr mal in die Gegend kommt, müsst Ihr es unbedingt selbst probieren.

Morgen schauen wir nach dem Radladen, der Friederikes Rad verpacken soll und nach einem Geschäft, das vielleicht meine Kamera noch einmal hinbekommt, aber den werden wir in der Old Town ganz sicher nicht finden.
Auf dem Rückweg zum Hotel haben wir uns noch ein wenig mit Proviant versorgt. Da mein Geldbeutel in den letzten Tagen immer dicker geworden ist, da ich ohne Brille diese verflixten englischen Münzen immer noch nicht auseinander halten kann, habe ich in dem kleinen Laden versucht einiges loszuwerden. Das dauerte seine Zeit. Der nette Pakistani meinte nur "freundlich": "Take your time, we´re closing not before 9:00 o´clock!"

So jetzt soll Friederike von ihrem letzten Tag Radeltag auf unserer diesjährigen Reise berichten.

(frieda) Ach herrje, jetzt ist es schon vorbei. In den letzten Tagen- vor allem am Sonntag!- habe ich mir diesen Moment manchmal vorgestellt und es hat sich gar nicht schlecht angefühlt. Mal keine Radhose anziehen, nicht morgens (zwar liebevoll aber) viel zu früh aus dem Bett geschmissen werden, nicht stundenlang bergauf-bergab, keine müde Beine, nicht verschwitzt und hungrig, nicht dieses ewige lauwarme Wasser aus der Plastikflasche...tja und kaum ist es vorbei, wird man wehmütig.
Und das sagt mein Tacho:
gefahren 866 km, Fahrzeit 66,21 Stunden, ein Schnitt von knapp 13 km/h, 
Höchstgeschwindigkeit 44,5 Km/h - Jippie! das war wenn ich mein Rad von oben am Hügel einfach runtersausen ließ. Die glorreichen Momente einer Hügelradfahrt.
Die Minimalgeschwindigkeit zeichnet der Tacho nicht auf, aber die war- im Fahren- bei 4,8 km/h. Alles was darunter war hieß absteigen und schieben- und da zittert die Tachonadel so um die zwei km/h.
Ein paarmal haben wir geschoben, aber nicht sehr oft, denn das nervt fast noch mehr. Da versucht man doch eher, es auf dem Rad zu packen.

Manchmal bin ich voraus gefahren, wenn die Strecke einfach so gut lief, wenn sich die Beine von ganz allein  bewegen, mit den Gedanken ganz woanders oder auch nirgends . Und da übersieht man leicht ein Radwegschild.
Hinter mir der Manne, ruft und schreit, meistens habe ich es gehört. Aber ein paarmal eben auch nicht. Und dann gab es immer einen netten Rad- oder Autofahrer, der mir beim Überholen zugerufen hat: "Da ruft Ihnen jemand, da hinten,  he is shouting and whisteling". Dann habe ich natürlich schnell umgedreht. Wie schnell an doch verloren gehen kann!

Ach!Es war eine herrliche Tour!

Edinburgh wir kommen näher:

Auf unserer heutigen Strecke gab es immer wieder den Hinweis auf den Schottland Iron Man im Juli. Wir sind wohl ein Stück der Radstrecke gefahren. Ich frage mich aber schon, wo sie die Leute schwimmen lassen? Das kann doch wohl nicht in der Nordsee sein, die hat doch sicher auch im Juli nicht mehr als 16 Grad? 

Hier ein paar erste Eindrücke von Edinburgh:






Die Kathedrale sieht von außen interessanter aus, als drin. Innen herrscht ein riesiges Durcheinander 
und ein wilder Stilemix.


Morgen werden wir richtig Sightseeing machen.
Wir haben ja noch zwei richtige Urlaubstage vor uns. Aber jetzt wird erstmal angestoßen!

Hurrah: wir haben es geschafft!











Montag, 19. Juni 2017

13.Tag: Von Berwick upon Tweed nach East Linton


Yes! Jetzt sind wir in Schottland:


Als ob sie (die Engländer) es gelesen hätten, was ich gestern über das Essen geschrieben haben- Heute Abend haben wir hervorragend gespeist, Steak, Salat (ja, richtiges Grünzeug!), leckere Kartoffeln, eine echte Tomate und dazu einen Chardonnay. Geht doch!
Angefangen  hat der Tag auch mit einem recht anständigen Frühstück- es gab porridge- und da der Speisesaal eigentlich nur aus einem einzigen großen Tisch bestand, wurden wir (Touristen) in Gruppen eingeteilt. Beim einchecken wurde die Frühstücksuhrzeit festgelegt. Als wir um 8. 30 Uhr kamen, saß da schon ein Opernsänger(jung, er singt auch auf Hochzeiten, denn er muss seine Rechnungen ja bezahlen) mit seiner jungen Frau (sehr sehr übergewichtig), seinen Eltern (der Vater adipös) und wir haben ein paar Worte gewechselt. Als die gingen kam ein älteres Ehepaar, mit denen wir uns nett unterhalten haben. Über den Brexit( sie haben für die EU gestimmt), über Theresa May (der man irgendwie nicht mehr über den Weg trauen kann) über Trump und das ganze Weltelend. Sie sind viel mit Eisenbahn und Bus unterwegs- als Rentner hat man in UK gute Ermäßigungen und da er ehemals Eisenbahner war, fährt er fast umsonst.

Dann ein kurzer Abstecher zum Supermarkt, Proviant kaufen: meine Ausbeute waren zwei Gummisandwiches, Wasser und abgepackte Trauben. Der Supermarkt war riesig, die Obstabteilung klein und meine  500 g Trauben waren das einzige Obst/Gemüse, keine Zwiebeln, Tomaten, Bananen, Äpfel. Ich habe den Laden praktisch leergekauft!


Hier, statt der Elfuhr-Banane, die Elfuhr-Trauben. Hoch oben in der Klippen- und Hügellandschaft. 

Wir sind heute mindestens dreimal den Hohenhewen rauf und runter gefahren (von Engen aus!) 
Eine wunderschöne Landschaft, absolut einsam, Holunder und Schafe, Fasanen und Hasen, auch Rehe haben wir gesehen.
So ging's hoch:



Und so ging's runter:




Und unten dann die Pease Bay, wo ich mir ernsthaft überlegt habe, noch einmal baden zu gehen. Aber bis ich vorne am Wasser war, war ich schon durchgefroren, der Wind vom Meer hat kräftig und kalt geblasen. Also nur die Füsse nach gemacht:



Bei Dunbar ging es dann nochmal an einem Naturreservat vorbei, in dem die verschiedensten Vogelarten leben oder auch dem Vorbeiflug Pause machen. Auch Robben soll es geben, aber wir haben keine gesehen. 




Die Route 76, der wir heute gefolgt sind, war ungewöhnlich abwechslungsreich und sehr gut ausgeschildert. Auch Albert war zufrieden. Die Radler, die der Route 1 gefolgt sind, wurden heute in die Berge geschickt. Bestimmt auch schön aber mir hat das Rauf und Runter völlig gereicht.
So und jetzt darf der Manne noch seinen Tag erzählen:

Also nun ich:

(manne) 
"Als Köngreich Schottlandt/ ist ein Theil der Insul Britannien/ Rauch und voller Bergen/ und etlichen der alten Albania/ wie dann auch noch heut von den Einweohnern so die alte       Sprach behalten Albayn (Ersisch) genannt. Cornelius Tacitus/ nimpt den namen von dem berhümbten Wald Colisdonia/ unnd nennet ihm das ganze Köngreich also nach.
Die ersten Einwohner seind die Scythee gewesen/ welche man hernach Schotthe geheissen. Die Grentzen gegen Mittag und Engellandt seind die Flüß Turta und Solucius. Gegen Mitternacht das Deucalivnische Meer: gegen Occident das Irländische unnd gegen Orient das Teutsche: stoßt sonsten an allen anderen orten an das grosse und teutsche Meer"

Genau, das hat uns heute Morgen schon unser redseliger Gastgeber schon gesagt, dass man hier eigentlich immer vom "Deutschen Meer" und nicht von der Nordsee gesprochen hat. So steht es schon beim Sebastian.
Berwick upon Tweed ist umgeben von einer beeindruckenden Befestigungsanlage, die aus elisabethanischer Zeit stammt, und schon die gleichen Vorbauten und Schanzen erkennen lässt, wie sie für die Festungen von Vauban typisch sind.




Berwick ist die einzige englische Stadt, die nördlich des Tweeds liegt, und lange Zeit einen Sonderstatus hatte, so dass Gesetze bis 1885 immer mit „England, Schottland und die Stadt Berwick-upon-Tweed" unterschrieben wurden, so auch die Kriegserklärung gegen Russland die zum Krimkrieg führte, als dann 1856 der Friedensvertrag mit Russland unterzeichnet wurde, wurde Berwick "vergessen", so dass eigentlich die Stadt bis ins 20. Jahrhundert hinein im Krieg mit Russland war. 
Erst 1966 besuchte ein sowjetischer Gesandter den Bürgermeister Robert Knox und unterzeichnete mit ihm einen formellen Friedensvertrag. Angeblich soll Knox danach gesagt haben: „Bitte teilen Sie dem russischen Volk mit, dass es von jetzt an ruhig in seinen Betten schlafen kann.“
Die von Friederike erwähnten "Höhenmeter" sind wir in 2 Etappen hochgefahren. jeweils so um die 10-15 km Aufstieg. Doch zum Glück sind 200 Höhenmeter auf 10km ganz gut zu fahren. Aber die Aufstiege ziehen sich doch ganz schön.




Auf den Anhöhen habe ich bis zu 25 Windkraftanlagen gezählt. Ich frage mich, wozu England wirklich Atomkraftwerke braucht.

Eine andere Eigenheit "des Engländers" ist mir auf der Reise immer wieder aufgefallen. England ist mit der Anbringung von ordnungsstiftenden Verkehrszeichen durchaus maßvoll. Doch scheinen die Ordnungshüter ein tiefsitzendes Mißtrauen gegenüber den eigenen Verkehrsteilnehmern zu haben. Wie mir scheint glauben sie nicht wirklich, dass der Engländer seine Verkehrszeichen kennt. Fast immer wird ihm noch einmal verbal verklickert, was das jeweilige Schild zu bedeuten hat, wie zum Beispiel hier, an dieser Ampelanlage mitten im hügeligen Niemandsland.



Meint die Autorität  wirklich, dass jemand der nicht weiß, was eine rote Ampel bedeutet, des Lesens mächtig ist?  Solche Schilder erklärenden Schilder findet man auf dieser Insel überall. Kurioses England!  

Ach übrigens, Freunde unserer Blogs werden vielleicht die obligatorischen Gartenzwerge vermißt haben. Sie sind auch bis England gekommen. Allerdings über die USA zurück immigriert. Denn diese Truppe stammt aus Hollywood - die Disney Variante unserer Zwerge!


In Dunbar, einem wirklich sehr schnuckeligen Städtchen stolpert man allenthalben über John Muir, der hier geboren wurde. Er ist ja so etwas wie einer der Urväter der Umweltbewegung des 20.Jahrhunderts. Immerhin hat er mit seinen Aktivitäten dafür gesorgt, dass die ersten amerikanischen Nationalparks eingerichtet wurden, - wie etwa der Yosemite. In seiner Heimatstadt scheint sein Andenken hoch im Kurs zu stehen.


Sehe ich das richtig, macht hier in Dunbar, die "Nightwatch" Werbung für die Bank of Scotland?




Wie dem auch sei, unser Hotel in East Linton ist etwas ganz besonderes. Nicht nur von außen


Es ist einfach schön, wenn Leute, das was sie machen gern machen und gut machen.
Richtig liebevoll eingerichtetes Hotel UND eine hervorragende Speisekarte.
Ich zitiere: "Steaks are our thing- straight from Traprain Farm to Linton Butchers to your plate- local all the way"
Und der Metzger annonciert im "Gemeindeblättle": "Locally sourced meat - All our beef hung for 28 days"
Und so hat das eye-rib auch geschmeckt!!
Und das Bier, natürlich auch aus einer kleinen Brauerei aus dem Nachbardorf.


Mannomann, wenn das Schottland ist, dann bleibe ich hier noch länger!

48.Tag: Aachen nach Engen und Schluss

Er ist wieder da! Wieder hier! ( Muss nicht mitgesungen werden) Eine wunderschöne Tour ist zu Ende, 2.101km sind es geworden! Die Rü...