Freitag, 23. Juni 2017

17.Tag: Von Edinburgh nach Falkirk



Die Kiste! Die Kiste! Die Kiste!

Friederikes Fahrradkiste! Ich habe die letzten Tage in Edinburgh immer wieder in jedes Großraumtaxi geschaut, das mir begegnete. Wie soll Friederikes Fahrradbox in diese Autos passen? 
Und mit der Zeit wuchsen die Zweifel. Ach was, wird schon gut gehen!
Eigentlich hatte ich ja vor, mit Friederike und meinem Fahrrad bis zum Flughafen mitzufahren, um ihr beim Einchecken zu helfen. Aber das war schnell klar! Zwei Fahrräder gehen gar nicht.
Friederike mit der Riesenbox - allein !
Die letzte Nacht habe ich äußerst unruhig geschlafen.
Am Morgen. Das "Großraumtaxi" kommt. Der Fahrer ist auch groß!
Er sieht die Kiste - "die geht bei mir nicht rein?"
Was nun. Schnell sage ich, "Sitze unklappen und von hinten durchschieben!
"Und wo wollt ihr sitzen?" "Ich will gar nicht sitzen! Nur Friederike muss noch mit rein. Bevor er wegfahren kann, fange ich an, die Sitze umzuklappen. Der Taxifahrer hilft die Box reinzuschieben. Uff, nach vorne gekippt wird die Heckklappe zugehen! Das ist schon mal gut.
"Aber wo soll deine Frau sitzen?" "Neben dir?" "There´s no seat!" - Stimmt.
Mist, Mist Mist.
"Da schau, auf dem Notsitz, gegen die Fahrrichtung!" Der Notsitz lässt sich tatsächlich runterklappen, - gerade mal so!
Ich steige ein, setzte mich drauf! Geht doch!
Unser Taxifahrer kommt aus dem Kopfschütteln nicht heraus. So eine Fuhre hat er überhaupt noch nicht gehabt.
Aber er gibt sich geschlagen. Friederike sitzt im Taxi. Die Schiebetür lässt sich auch noch schließen. Alles klar!!

Wie diese Geschichte weitergeht, werden wir hoffentlich spätestens Morgen von Friederike erfahren, wenn sie den "Abschlussbericht" ihrer Reise geschrieben hat.
Inzwischen habe ich auch eine SMS erhalten. "Fahrrad ist aufgegeben!"

Mannomann! Das war knapp.
Die Jungs vom Fahrradladen haben es ja gut gemeint und wollten das Fahrrad so wenig auseinander nehmen wie irgend geht. Aber....
Die kleinere Box, bei denen man das Vorderrad ausbauen muss, wäre deutlich einfacher zu transportieren gewesen.
Ich bin heute, da Friederike alleine zum Flugplatz muss deutlich früher unterwegs als sonst. Und es ist deutlich kälter!
Und windig!
Und oagnehm!

Aber die Ausfahrt aus Edinburg gestaltet sich entspannt! Ziemlich schnell komme ich auf eine alte Eisenbahntrasse! Sehr angenehmer Radweg. N U R nicht ganz ungefährlich,  um diese Uhrzeit sind viele Pendler unterwegs, die natürlich wie immer zu spät dran sind- und entsprechend schnell unterwegs sind und in Kurven nicht immer die Seite einhalten!!
Aber je weiter ich von Edinburgh raus bin, desto entspannter wird die Lage.


OK, die "Eisenbahntrassenbilder" kennt ihr so langsam.
Aber es ist einfach zu schön auf diesen Radwegen zu fahren. 
Was ich die ganze Zeit schon unterbringen wollte: Es riecht einfach wunderschön auf diesen Strecken. Der Geruch von Holunderblüten überall. Sehr angenehm! 



Zuerst ist es uns nicht aufgefallen, dass der Holunder, seit dem ersten Tag gleichbleibend voll am Blühen ist. Sollte er nicht irgendwann mal verblüht sein? 
Dann wird uns klar!
Dann kommt´s! Wir fahren nordwärts und dementsprechend verschiebt sich die Blüte nach hinten. So war auch heute noch einmal ein wunderbarer Holunderblütentag.
Heute habe ich so ziemlich den nördlichsten Punkt der Reise erreicht. Mal sehen, ob die Blüte dann vorüber sein wird.
Ein letztes Mal fahre ich noch einmal auf dem Nordseeradweg Nr. 1.



Bis bei Queensferry die großen Brücken nach Norden kommen, da biegt er ab und ich fahre weiter nach Westen.





Ihr seht richtig. Nebelschwaden, Sprühregen, - und heftigster Westwind. So radle ich den Firth of Forth hinauf.


Aber zum Glück bleibt es beim Sprühregen. Der gegen Mittag aufhört.

Bis Linlithgow bietet mir Albert sehr beschauliche Radwege oder kleine Sträßchen an. Für das Reststück bis Falkirk meint er, das wäre genug der Idylle, und lässt mich wieder einmal neben einer befahrenen- kleineren Straße - fahren. Aber immerhin mit einem Gehweg daneben - einem sehr schlechten. Aber was soll´s die Tagesetappe ist heute überschaubar.

Linlithgow hat mich überrascht. Ich wusste nicht, dass hier im Schloss Mary Queen of Scotland geboren worden ist. 
Ein sehr schönes Städtchen mit einer tollen Burgruine.



Ob mir auf meiner Reise Mary Queen of Scotland, noch einmal über den Weg läuft?

An der dazu gehörigen Kirche habe ich hoch oben, den Entdecker des Loch Ness Monsters gefunden.
Dem Gesichtsausdruck nach zu schließen, ist er ziemlich beleidigt, dass man ihn heute nicht mehr würdigt. Hat er Nessie doch sogar in seinem Wappen.


Mir ist schon seit längerem aufgefallen, dass der berühmte "englische Humor" sehr weit zurück zu reichen scheint. Zumindest was den Humor der englischen Bildhauer betrifft. Vor dem Rathaus in  Linlithgow ein prächtiger Brunnen und jede Menge sehr schlitzohrig gestaltete Figuren.




Das letzte Stück der heutigen Etappe, wie schon gesagt, zum Abhaken.
 Falkirk ist auch kein Reisehighlight.
Genauso wenig, wie das Hotel Antonine.
Von der Namensgeberin, der Antonine Wall habe ich leider auf der Herfahrt nichts mitbekommen. Dieser Schutzwall der Römer, war ihre nördlichste Grenze. Irgendwann im 2.Jahrhundert haben sie sich wieder hinter den Hadrianswall zurückgezogen.

Etwas seltsam kommt mir das Hotel schon vor. Unten eine Bar, mit Spieltischen und Automaten. Im 1. OG lange Flure "Konferenzräume! sehr eigenwillige Farbgestaltung. Gegen Abend liegen die Würfel schon bereit.


Falkirk scheint das Las Vegas Schottlands zu sein. An jeder Ecke Spielsalons.
"Betfred", Wettbüros. 


Das wird ein beschaulicher - und eher kurzer Abend! So ganz allein!

Beim Heimgehen bin ich an dem Haus vorbeigekommen, in dem good old Robert Burns  mal gewohnt hat. Zum heutigen etwa melancholischen Abend, passt ganz gut mein Lieblingslied von ihm, in der Fassung von "Traffic", wer dieses Lied nicht kennt, sollte es sich unbedingt mal auf youtube anhören!!!
John Barleycorn - ist keine reale Person! Wenn man die Geschichte richtig liest, dann ist das die Herstellung von Whiskey, vom Barley (corn) der Gerste, die gesät wird, be- erdigt wird, im Frühjahr wiedergeboren wird, bis hin zu den dunklen Grüften, den Fässern, um dann im (ur/un)christlichsten Sinne wiederaufzuerstehen! Genial der alte Burns, oder?

John Barleycorn: A Ballad


     There was three kings into the east,
     Three kings both great and high,
     And they hae sworn a solemn oath
     John Barleycorn should die.

     They took a plough and plough’d him down,
     Put clods upon his head,
     And they hae sworn a solemn oath
     John Barleycorn was dead.

     But the cheerful Spring came kindly on,
     And show’rs began to fall;
     John Barleycorn got up again,
     And sore surpris’d them all.

     The sultry suns of Summer came,
     And he grew thick and strong;
     His head weel arm’d wi’ pointed spears,
     That no one should him wrong.

     The sober Autumn enter’d mild,
     When he grew wan and pale;
     His bending joints and drooping head
     Show’d he began to fail.

     His colour sicken’d more and more,
     He faded into age;
     And then his enemies began
     To show their deadly rage.

     They’ve taen a weapon, long and sharp,
     And cut him by the knee;
     Then tied him fast upon a cart,
     Like a rogue for forgerie.

     They laid him down upon his back,
     And cudgell’d him full sore;
     They hung him up before the storm,
     And turned him o’er and o’er.

     They filled up a darksome pit
     With water to the brim;
     They heaved in John Barleycorn,
     There let him sink or swim.

     They laid him out upon the floor,
     To work him farther woe;
     And still, as signs of life appear’d,
     They toss’d him to and fro.

     They wasted, o’er a scorching flame,
     The marrow of his bones;
     But a miller us’d him worst of all,
     For he crush’d him between two stones.

     And they hae taen his very heart’s blood,
     And drank it round and round;
     And still the more and more they drank,
     Their joy did more abound.

     John Barleycorn was a hero bold,
     Of noble enterprise;
     For if you do but taste his blood,
     ‘Twill make your courage rise.

     ‘Twill make a man forget his woe;
     ‘Twill heighten all his joy;
     ‘Twill make the widow’s heart to sing,
     Tho’ the tear were in her eye.

     Then let us toast John Barleycorn,
     Each man a glass in hand;
     And may his great posterity
     Ne’er fail in old Scotland!






Donnerstag, 22. Juni 2017

16.Tag: 2.Tag in Edinburgh

Noch ein Tag Sightseeing in Edinburgh liegt hinter uns. Sich zu Fuß bewegen ist ganz schön anstrengend!
Ich beginne unseren letzten gemeinsamen Bericht. Seufz!
Friederike ist schon am Packen. Das Taxi für Morgen früh ist bestellt. Zum Glück gibt es in Edinburgh Großraumtaxis, in die auch eine sehr groß ausgefallene Fahrradtransportkiste reinpassen sollte. Ein 2.Fahrrad jedoch nicht. Dass ich Friederike alleine zum Flughafen schicken muss, ist mir gar nicht so recht. - Aber wird schon gut gehen!

Also erst einmal unser heutiger Tag.
Programmpunkt 1: Hollyrood  Palace, der offizielle Sitz der Königin in Schottland. Hier empfängt sie Gäste, hier adelt sie Schotten, wie z.B. Sir Sean Connery...
Und hier hat sich natürlich der schreckliche Krimi um Mary Queen of Scotland abgespielt.

Um den Palace klumpten sich die Busse nur so, doch innen war es eher entspannt, kein Vergleich mit dem Schloss gestern.
Der Palace ist klassizistisch, von der alten Burg ist eigentlich nur die "Badstube von Queen Mary" übrig.

Ist wahrscheinlich ein Touri-Legende, aber ein putziges Gebäude ist es dennoch.

Die an den Palast angrenzende Abbey ist dagegen selbst als Ruine noch sehr beeindruckend.



Der Palast selbst ist eigentlich nicht mehr beeindruckend als viele andere Paläste auch, außer, dass man natürlich beeindruckt ist, dass "auf diesem Stuhl" die Queen im Dinner room sitzt, und dass hier in "dieser" Fensternische, der niedergemetzelte David Rizzio im eigenen Blute lag. Da hat der eine oder andere Besucher  schon ganz genau hingeschaut, ob man noch was sieht.
Was wirklich hinter dieser "Game of Thrones"- Geschichte steckt, wer weiß. War es wirklich eine Intrige des protestantischen Adels gegen die katholische Königin und ihren ebenfalls Katholischen Privatsekretär. 
Oder war Rizzio vielleicht doch Marys Liebhaber, wie der Gatte Darnley glaubte, der das Attentat anführte.
Bekommen ist ihm die Geschichte nicht. Nicht viel später ist sein Wohnsitz in die Luft geflogen, und er selbst wurde nackt im Obstgarten des Anwesens erdrosselt aufgefunden.
Na ja, und den Rest kennt ihr ja von olle Schiller noch!


Auf unserer Einladung zum Sommerempfang der Königin in Holyrood muss wohl das falsche Datum gestanden haben, denn heute haben sie erst die Zelte aufgebaut.




Über 8.000 schottische Gäste werden sich da nächste Woche auf dem Rasen bei Tee und Cucumbersandwiches vergnügen.
Sorry, aber da sind wir leider nicht mehr in Edinburgh, aber ein andermal gerne!

Beim Rausgehen aus dem Schloss. Höre ich hinter mir auf einmal jemand "Manfred!" rufen!
Ich fühle mich zunächst nicht angesprochen, obwohl ich mir schon hätte denken können, dass auf dem Platz vor dem Palast nicht soo viele Manfreds herumstehen würden.

Was für eine unglaublicher Zufall.


Da treffen wir doch liebe Bekannte, die immer mal wieder im "Filmclub" im Türmle vorbeischauen. Beim letzten Film vor der Sommerpause haben wir noch darüber geredet, dass wir sehr wahrscheinlich zur selben Zeit in Schottland sein würden - aber dass wir uns tatsächlich über den Weg laufen! Das ist schon mehr als außergewöhnlich.
Und am Nachmittag sehen wir uns noch einmal im National Museum of Scotland


Wenn auch nur aus der Ferne!!

Das National Museum of Scotland ist ein sehr anregendes Museum. Eine "Wundertüte" alten Stils mit pfiffigen modernen museumspädagogischen Konzepten.


Das ist ein anregender Reigen netter Überraschungen. Zum Größenvergleich fliegen Nilpferde, Krokodile, Haie und Riesenkraken durch die wunderschöne Gußeisen/Glaskonstruktion des alten Hauptgebäudes.

Naturkunde, Völkerkunde, Technik - hier gibt es Alles!
Für Kinder eine wunderschöne Sache. Ohne Kinder wirkt manches etwas unübersichtlich, gewollt, manchmal fühlte  ich mich recht verloren inmitten all dieser brillanten Ideen.
Zum Glück fanden wir irgendwann den Durchschlupf in den neuen Teil des Museums, der die Geschichte Schottlands beherbergt, ebenfalls großartig aufbereitet, aber für ein altes Hirn übersichtlich geordnet. 1. Untergeschoss, Neolithikum, Eisenzeit, Römer, Kelten, Normannen, wie es sich gehört.
Ich war hin und weg von den vielen wunderbaren Petrogryphen, Stelen und Reliefen die das Museum zeigt. Einfach fantastisch.


Der "im Dienst saufende Reiter" ist doch umwerfend.


Oder diese Gans und dieser Fisch - meine ichthyophilen Söhne werden sicher erkennen um welche Fischart es sich handelt.

Aber der Höhepunkt der frühen Geschichte Schottlands waren für mich einige sehr kleine Figuren, das Lewis Chess game!



Die Gesichtsausdrücke dieser kleinen Figuren sind phänomenal,



Meine Lieblingsfigur ist der "Läufer"(?) der in sein Schild beißt vor lauter Kampfeswillen. Der "Sanchez" unter den Schachfiguren.
Und diese Glupschaugen! Einfach herrlich!

Morgen heißt es erst einmal "Abschied" nehmen!
Wenn ich ehrlich bin, je länger wir beide das zusammen machen, desto schwerer fällt es mir alleine weiter zu ziehen.
Es war bis dahin eine wirklich superschöne Reise - danke Friederike!!

(frieda) Ja das war es! 
Inzwischen haben wir Abschied gefeiert, uns in Edinburghs Nachtleben gestürzt, gegessen, getrunken, Musik gehört und ein bisschen mit den Leuten gequasselt. Und ich habe meinen ersten Whiskey getrunken, einen für Nichtswisser und Anfänger, der wie ein mittelguter Cognac geschmeckt hat. In "Rabbi Burns Whiskey Bar" gab es Livemusik, ein junges Pärchen mit Gitarre, Tin Whistle und Gesang haben alte schottische Lieder gesungen. Bei "You'll take the high road and I take the low road" haben wir ein wenig mitgegröhlt.



Am Nachbartisch saß eine Truppe von Männer in den Fünzigern, einer hat mit zwei Löffeln Rhythmus gemacht und damit jede Frau in der Bar super anbaggern können. Ihr ein bisschen was vorkleppern, dann die Löffel in die Hand drücken, erklären, zeigen... das hat sicher schon hundertmal gut funktioniert. Seine Kumpels haben nur gegrinst. Als dann aber um uns herum plötzlich alle Haggis gegessen haben, sind wir geflüchtet. Haggis ist so eine berühmte schottische mit Innereien und Blut gefüllte Wurst, so was wie Presssack vielleicht.


In der nächsten Kneipe haben zwei Ladies mit Sekt den Abend gefeiert, weil schon fast Freitag ist. Und sie haben sich bei uns für das gute Wetter bedankt, das wir mitgebracht haben. Ich musste versprechen, dass ich es hier lasse. 

Das mache ich ja gerne schon wegen Manne, der ab morgen alleine gegen Wind und Regen ankämpfen muss. Die Wetterprognose ist ja nicht gerade erbaulich.

Ist eine wirklich sehr nette Stadt dieses Edinburgh- trotz Haggis und offensichtlich meist schlechtem Wetter. Wir haben es gut erwischt und es war toll, die doch sehr anstrengende Radtour so gemütlich abzuschließen.
Großes Lob für die supergute Reiseplanung, Manne!


Und gute Weiterfahrt- so ganz wohl ist mir bei dem Gedanken an diese einsamen, windgebeutelten Strecken ja nicht. Es ist ja kein Mensch auf diesen Radwegen unterwegs, und immer geht es gegen Westen, wo bekanntlicherweise ja der Wind herkommt. Meistens.

Good luck!




#+

Mittwoch, 21. Juni 2017

15.Tag in Edinburgh

Heute war der erste Tag ohne Fahrrad, das war doch irgendwie sehr traurig. Aber ich habe meine alte Leidenschaft wieder entdeckt: zu Fuß gehen..
Zum Glück gibt's in Edinburgh einen kleinen Berg/eine Klippe, "Salisbury Crags " und da kann man einen schönen Spaziergang machen. Ein bisschen hat es manchmal getröpfelt, aber es war warm.




Manne hatte heute Ruhetag, ich musste also ganz alleine hochkraxeln.



Alleine ist übertrieben, viele Leute waren unterwegs. Eine chinesische Familie hat an dieser Stelle Fotos gemacht,  die jungen Mädels sind immer ein bisschen runtergeklettert und haben raufklettern oder abstürzen gespielt. Ich hab gefragt, ob sie auch von mir (mit meinem smartphone) ein Foto machen könnten und der chinesische Student hat das natürlich gemacht. Während die anderen Familienmitglieder mit ihren Kameras auch mehrere von mir gemacht haben. Juhu ich werde berühmt in China! Der junge Mann studiert in Edinburgh und hat grad seine Familie zu Besuch.
Einen weiterer Eltern-Kind Besuch habe ich beobachtet: Ganz unten am Berg ein junger Spanier mit seinen Eltern. Papa voraus, versteinertes Gesicht, dann der Sohn, hinten die Mutter, die schon mehrere Kleidungsstücke überm Arm hängen hatte, es war ihr zu warm. Plötzlich dreht der Sohn sich um und faucht sie an: "Wenn du endlich deinen Mund halten würdest, dann hättest du genug Luft um oben anzukommen". Die Mutter klappt den Mund zu und keucht weiter den Berg hoch. Ich habe so getan, als hätte ich nichts verstanden.
Und die dritte Konstellation an einer Ampel: italienische Studentin und Mutter, lautes italienisches Gezicke wegen einer Strasse, die sie nicht gefunden haben und die Tochter sollte die doch kennen und überhaupt.
Wahrscheinlich sind auch hier die Examen gerade vorbei und jetzt ist Zeit für Elternbesuch.

Als ich dann den Manne wieder getroffen habe, konnte ich ihm ganz viel erzählen, das war auch mal schön.
Wir haben ein bisschen Touriprogramm gemacht und wie immer und überall wo wir bisher waren, passt sich der Manne seiner Umgebung an- das gesamte Wachpersonal hatte diesen sportiven Schwarz-in Schwarz-look, fehlt nur das Namensschild:


                                        

Und dann haben wir noch mein gut verpacktes Fahrrad von dem netten Bike- Laden geholt,


Ins Hostel geschleppt- jawohl!!!- das war sehr anstrengend aber zum Glück nicht sehr weit.


Und mit Mühe und Not in unserem Minizimmer untergebracht. Da bin ich ja mal gespannt wie das auf dem Flughafen in Luton wird, wenn ich aus- und wieder einchecken muss. Auf jeden Fall soll ich sagen, dass Luft aus den Reifen abgelassen wurde, das hat mir der nette Fahrradtyp noch eingeschärft. ( er hat es aber natürlich nicht gemacht!)
Was passiert denn eigentlich, wenn die Reifen aufgepumpt sind?  unsere Frage.
Tja dann können sie wohl explodieren, meinte der Schotte und grinste. Hmmm.

Und nun ich wieder:

(manne) Mittsommernacht. Habe ich mir hoch im Norden anders vorgestellt. 22:00 und schon relativ dunkel. Es regnet so vor sich hin. Von wegen "weiße Nächte" in Schottland. Ehrlich gesagt, ist uns nach einem satten Touriprogramm auch nicht so recht nach "Tanz um das Mittsommernachtsfeuer".
Mittsommernacht scheint hier in Edinburg auch gar nicht Thema zu sein.
Aber von Vorne:
Während Friederike die Hänge hochjoggte habe ich mich auf die Suche nach einer neuen Kamera gemacht, denn wie soll der blog wohl weitergehen, ohne Bilder - geht garnicht.
Ich habe mich im Internet schlau gemacht und auf Anhieb einen supergünstigen Discounter gefunden, der relativ hochwertige Kameras hat, die aber nicht mehr vom neuesten Stand sind. 
Der Laden hat ein heißes Verkaufskonzept. Gewissermaßen Internethandel in der analogen Welt.
Man kommt rein. Nur Monitore. Dann kann man sich durch das Angebot klicken. Sie haben alles von Gummistiefeln, bis Sonnenschirmen. Wenn man gefunden hat, was man sucht, schreibt man die Nummer auf, geht an die Kasse, bezahlt. Auf der Quittung ist eine Nummer. Wenn die Nummer auf dem großen Bildschirm erscheint, dann kann man an einem Schalter die gekaufte Ware abholen.
Ich will Euch jetzt nicht mit den Details langweilen, aber spannend war das schon, weil mein erster Versuch ziemlich in die Hosen ging. Eine Ixus aus dem vergangenen Jahrtausend - ohne Datenüberspielkabel, - und im großen weiten Warenlager gab es auch kein Kabel das zu dieser Kamera passte.  Doch der 2. Versuch war ein Volltreffer.
Die neue Kamera macht wirklich super Bilder


Da müsst ihr mir doch recht geben!!

Nach meinem Ausflug in die Warenwunderwelt habe ich mir erst einmal eine Zeitung gekauft und mich in ein Cafe auf der Royal Mile  gesetzt und gelesen.
Ihr habt ja sicher von dem entsetzlichen Unglück im Grenfell Tower gelesen. Die schreckliche Brandruine mitten in London ist zu einem Symbol des Zustands dieses Landes geworden und auch die Ereignisse danach haben England bis ins Innerste erschüttert. Ob Theresa May das überlebt ist höchst fraglich. Aber die Alternative? Der Intrigant Johnson wetzt  im Hintergrund  schon das Messer. Das wird noch schlimmer.
Heute habe ich bei meiner Zeitungslektüre zum ersten Mal überhaupt in einer Tageszeitung Friedrich Engels ausführlich zitiert gelesen: "Over 170 years after Engels, Britain still murders its poor" - so die Überschrift.
Wow, das überhaupt noch jemand auf der Insel "die Lage der arbeitenden Klasse in England "  von 1845 kennt.
Hut ab, Guardian, das ist ein klasse Artikel gewesen. 
Und Engels wird lange und ausführlich zitiert. "When society places hundreds of proletarians in such a position that they enevitably meet a too early and an unnatural death, ..."

Makabrerweise habe ich diesen Artikel genau neben dem Denkmal von Adam Smith gelesen, dem seit weiß ich wann,  immer wieder ein Verkehrshütchen aufgesetzt wird. Als wir ankamen, war es nicht da. Heute Morgen hatte olle Adam es wieder auf.
Steht im gut, finde ich:


Am Nachmittag stand das Edinburgher Schloss an. Klar, Pflichtprogramm. Aber welche Menschen- massen! Und ganz ehrlich, das Ding ist natürlich über weite Strecken "nachempfundenes Mittelalter".
Sir Walter Scott lässt grüßen.
Aber es ist trotz alledem ein imposantes Bauwerk in dem es viel zu entdecken gibt und natürlich mit vielen Ausblicken auf die Stadt.



Das Ganze ist natürlich touristisch geschickt aufgezogen. Mit Einblicke in die Verließe und andere "Gruseleffekte", die aber, das muss man schon sagen,  historisch sauber dargestellt sind.



Die längste Schlange ist natürlich vor dem Turm, in denen die Kronjuwelen von Mary Queen of Scotland ausgestellt sind, deren Wiederentdeckung tatsächlich unserem Ivanhoe-Scot zu verdanken ist.
Aber wirklich berührt haben mich die Stickereien, die Queen Mary zugeschrieben werden (ist mir letztendlich wurscht, ob das stimmt, die Stickerei sind wirklich ungewöhnlich schön).



Besonders der Rabe (?) hat es mir angetan.



Und dann natürlich der Friedhof für die gefallenen "Hunde-Soldaten" oder sollte man sagen "Soldaten-Hunde"
Wow!


"Cemetry for Soldier dogs" 

Britischer geht es nun wirklich nicht!

Danach, die Frieda-Fahrrad-Karton Aktion, siehe oben, von deren 2.Teil Friederike nicht berichtet hat. Im Hotel angekommen war die große Frage, wohin mit dem Trumm von Karton? In den offenen Fahrradständer wollten wir ihn nicht stellen. Denn bei Regen würde er von untern her nass werden. Und der Regen kam! Also die Frage an die Rezeption, in den Kofferaufbewahrungsraum? Geht nicht. Karton zu groß oder Kofferkammer zu klein. Also wieder zum Fahrradständer. Wir versuchen alles mögliche. Keine Chance. Doch dann sehen wir den Nebeneingang, der sich mit unserem Chip öffnen läßt und oh Wunder, ganz in der Nähe  dieses Eingangs ist unser Zimmer. 
Und so kommt es, dass unser kleines Zimmer noch etwas kleiner geworden ist. Aber die Lösung ist perfekt. Und wir haben uns das Abendessen redlich verdient.
Endlich mal wieder Spaghetti!!

Und Morgen der Stadterkundung zweiter Teil. See you!!


48.Tag: Aachen nach Engen und Schluss

Er ist wieder da! Wieder hier! ( Muss nicht mitgesungen werden) Eine wunderschöne Tour ist zu Ende, 2.101km sind es geworden! Die Rü...