Mittwoch, 19. Juli 2017

43.Tag: Von Veurne nach Brügge


Mein ganz privater und sehr freundlicher Guide, zum "Halben Mond" in Brügge, hatte einen Geheimtipp für mich. "Wenn du wieder einmal nach Belgien kommst, musst du dir unbedingt Veurne anschauen, ein absolutes Schmuckstück, Weltkulturerbe - und keine Touristen." "Genau, Jan, finde ich auch, das habe ich mir gestern angeschaut!!"
Ja, Veurne, kann ich jedem nur empfehlen!!
Und die belgischen Radwege auch! Liebe Engländer, schickt mal eine Delegation Radwegeplaner nach Belgien und lernt!!
So etwas von entspannten Radeln hatte ich die ganze Reise noch nicht. Und vor mich hingesungen? Nö, war bisher auch Fehlanzeige. Heute schon. Ein Tag zum mitsingen. 


So sehen Luxusradwege, mit Schatten, Rückenwind und 1a Beschriftung aus, liebe Engländer, nicht nur zum lecker Biertrinken nach Europa kommen!
Aber auch die Unterkunft, "de Loft" kann ich nur empfehlen. Entspannte Stimmung gutes Frühstück, - nicht übertrieben, wie der Belgier das halt so macht. Keine Show, grundsolide.
Wie die kleine Bäckerei, die mich  mit Belegte Broodjes hereingelockt hat. Kein Gedöns, einfach lecker!
 Friederike hätte heute Morgen gesagt, "es geht ja gar kein Wind". Das flach gelegte Schilf am Rand des Kanals erzählt eine andere Geschichte. Rückenwind!!!
Ab und zu gibt es auch mal so etwas spannendes zu sehen, wie ein Hebebrücke.


Oder einen netten Ort, mit schnuckeliger Innenstadt. Aber sagt mal, fällt Euch das auch auf, oder hat das belgische Bier schon Auswirkungen?


Sehen die Häuser hier nicht aus, als wären sie um ein halbes Stockwerk in den Boden gesunken?
Ich mache mich lieber schnell vom Acker, ehe, die Stadt weiter in den Boden versinkt!
Um 14:00 bin ich schon in Brügge.
Heute habe ich mir eine ganz besondere Unterkunft ausgesucht!
Ich werde auf einer Barke schlafen. "Le Barge", direkt an der Altstadt.

Der schwarze Kahn ist es. Und so sieht mein Zimmer aus.


Geschlafen wird mit Rettungsweste- ist ja klar!


Also raus aus den Radelklamotten und auf in die Altstadt. Brügge kenne ich ja schon ein wenig. Aber die Highlights kann man sich immer wieder mal anschauen.
Der Belfried - "Brügge sehen und sterben, der Film" natürlich ein muss.
Die Memlinge im Sint Jan, inner wieder gerne,


Die Brügger Madonna, ehrlich gesagt


werde ich mir ein drittes Mal nicht unbedingt anschauen. Man kommt nicht in ihre Nähe, und das "altkluge" Jesusknäblein, und der "gesenkte" Blick der Madonna, - ok, schon gut, an Michelangelo wird nicht rumgemäkelt!

Was mir die letzten Male entgangen war, sind die geöffneten Sarkophage, mit der Innenbemalung, damit des den Toten nicht langweilig wird.


Ansonsten scheint ganz Brügge eine Baustelle zu sein.


Auf Plätzen und in Kirchen,


Aber zum Glück, ist mein persönlicher Brügge-Favorit davon nicht betroffen. Die Haalve Moon Brauerei, Stadtbrauei seit Mitte des 16.Jahrhunderts, seit Mitte des 19. Jahrhunderts in der 5.Generation in Familienbesitz.


Die Führung habe ich schon mal gemacht, also kann ich den schönen Biergarten heute, bei dieser Hitze - es hat den ganzen Nachmittag deutlich über 30 °, einfach so genießen.

Und dann ziehe ich mich auf  "mein Boot" zurück.

Eine Rätselaufgabe, aus dem Bereich der "Technikgeschichte":
Auf dem Weg hierher habe ich dieses Gerät gesehen.


Weiß jemand, wozu das gedient hat? Ein kleiner Hinweis noch, schaut Euch diese Hauswand genauer an:

 

Und noch ein Hinweis, der Holzkasten ist nicht leer!

So, und jetzt noch ein kleiner Blick zurück.

5 Dinge, die ich in England doch gerne gesehen hätte.


1. Klar, das Mönchengladbach: Fulham Spiel
2. Blenheim Palace, dazu muss ich Euch im Nachhinein eine kleine Panne gestehen. Irgendwann auf 
     der Tour kamen große Hinweisschilder "Blenheim" - klar, dieses Highlight, darf ich mich auf gar      keinen Fall entgehen lassen. Hatte ich nicht schon auf der Donaureise mit dieser Geschichte zu     
     tun, und natürlich "zwei Herren am Strand", Churchill und die Marlboroughs. Das darf ich mir    
     auf  keinen Fall entgehen lassen. ich biege natürlich von meiner Route ab und


und lande - in einem "scheußlichen" Neubaugebiet, für Mittelbetuchte. 6km umsonst gefahren, das erzählt man natürlich nicht gern. Als dann etwas später wieder Schilder nach Blenheim kamen, hatte ich so etwas von keine Lust mehr! Also nächstes Mal
 3. Ein Konzert bei den Proms vergangenes Wochenende. Aber war natürlich schon ausverkauft.
4. Das Darwin House in Downe, der Schlenker, wäre dann doch etwas zu groß geworden. 
5. Und natürlich die Ausstellung - "Gay Britain" - ärgert mich im Nachhinein noch, dass ich mich   
    nicht umgezogen habe. 

 So jetzt geht der Seemann in seine "Koje"- leider ist das Internet hier so schlecht, dass ich unten im Restaurant schreiben musste, wo es heute Abend eher stickig war. 


Aber dafür mit Blick auf den Kanal.

Bis Morgen denn!

Dienstag, 18. Juli 2017

42.Tag: Von Canterbury über Dover - Dünkirchen nach Veurne


die Route

Der heutige Tag besteht aus 3 Abschnitten. Einer nicht unknackigen Bergetappe. 3 Stunden auf der Fähre und  35 km gegen den Westflämischen Wind.

Ein Glück, dass ich gestern Abend noch einmal das Profil der Strecke von Canterbury nach Dover angeschaut habe. 30km bergauf, von hinten hinauf auf die Klippen und dann 6 km ebenso knackige Abfahrt. 
Da bin ich dann lieber doch etwas früher aufgestanden. 
Was sich als gut heraus gestellt hat. 
Wenn es wenigstens nur bergauf gegangen wäre. Aber nein, in jedes Seitental musste die Straße hinunter führen, um dann auf der anderen Seite steil nach oben zu gehen.
Wenn ich es gestern fast bedauert hätte, die Briten und ihren "Sandkasten" zu verlassen, so wird mir der Abschied heute leicht gemacht.
Die Landschaft ist wunderschön.


Und gegen 9:00 ist es auch noch nicht sehr warm. Aber das ändert sich im Laufe des Tages.

Albert und die englischen Schilder funktionieren gut. 
13 Meilen vor Dover bin ich platt. Auf britischem Boden ein Eurovelo Zeichen, - das muss die Nähe zu "Europa" sein, schwappt da was rüber?



Die Strecke geht richtig in die Beine. Aber gegen 11:30 bin ich in Dover.


Noch einmal englische Flussromantik, - dann der Ärmelkanal! Die Windsurfer freuen sich. Es herrscht eine "sstteiffe" Brise. Soll ich mich auch freuen?


Die Fahrt in den Fährhafen ist abenteuerlich, zwischen all den Lastwagen hindurch. Doch sie sind offensichtlich auf Radfahrer eingestellt, das Fahrradleitsystem, eine magentafarbene Linie, führt mich bis zum Check-in. Zusammen mit russischen Lastwagenfahrern warte ich. Als ich dran bin, werde ich gefragt, ob ich auch schon auf die 12:00 Fähre will, die hat sich etwas verspätet. 
Das ist der Treffer des Tages, wie sich noch herausstellen wird. Ich bekomme meine Unterlagen, stelle mich mit den Autos an der Einfahrt 51 an. Fahre auf die Fähre - und 

Tschüss, ihr lieben Briten, war schön bei Euch! Ehrlich! - Aber ich freue mich jetzt auch auf Europa!


Und in Eurer "Burg" dürfte Ihr Euch in nächster Zeit alleine um Eimer und Schaufel streiten.

Den ersten Teil der Überfahrt, setze ich mich vorne ins Restaurant und lese Zeitung. Keine gute Idee. 
Der Ärmelkanal lässt das Schiff in alle Richtungen unmerklich schwanken. Gefällt mir gar nicht.
Aber einen "Spoiler" muss ich schnell loswerden. Gestern Abend hat ja "Game of Thrones, die 7.Staffel" angefangen, und vergangenes Wochenende waren alle Sonntagsbeilagen voll mit den englischen Schauspielern der Staffel.


Ed Sheeran ist der Troubadour, das hättet Ihr nicht gedacht, was?
Und noch ein Spoiler, den die Insel in Aufruhr versetzt hat. Der 13. Dr. Who ist eine Frau! Die Nation diskutiert!


Ich finde Jodie Wittaker richtig gut. Sie hat mich in Broadchurch sehr überzeugt. Witzig, dass ihr Partner in Broadchurch der letzte Dr. Who war.
Aber, ich sollte aufhören Zeitung zu lesen. Meine Kopf  schwappt nach links, mein Mageninhalt nach rechts. Nicht gut.
Ich gehe ans Heck. Im Freien ist mir wohler.

Mit einer halben Stunde Verspätung sind wir in Dünkirchen. Falsch!! Ich bin ja wieder in der Sommerzeit, also schon 16:30. 
Und noch 35 km nach Veurne. 
Fahrräder haben Priorität. Mit mir fahren 7 weitere Radler von der Fähre. Davon sind 5 eine Familie mit 3 Kindern. Ganz schön tough!
Ich schalte Albert wieder ein. Er rechnet.
Und kommt zu dem Ergebnis, 110 km bis Veurne. Albert! 
Panic-Attac!! Das darf doch nich wahr sein. Habe ich etwas falsch gemacht. Gibt es noch ein Veurne, habe ich falsche Daten eingegeben?
Oder hat sich der nette Mensch am Schalter geirrt. Ging die Fähre vielleicht doch nach Calais??
Ich stehe in der Ausfahrt!
Links und rechts rauschen die Lastwagen an mir vorbei!
Ich schalte Albert aus. Ich schalte Albert wieder ein. 
110 km bis Veurne.
Das darf doch nicht wahr sein!
Was stimmt hier nicht. Auf jeden Fall muss ich aus dem Hafengebiet raus. Ich fahre, der Ausfahrt entlang. Es gibt nur eine Variante, die nicht auf die Autobahn führt. 
Da sehe ich?
Albert fängt noch einmal an zu rechnen!!!
Vollbremsung auf dem Standstreifen!

Albert rechnet und rechnet.
35 km. Albert das war jetzt überhaupt nicht lustig!

 Haben kleine schwarze Kästchen, die man mit Kabelbindern an Lenkräder festbindet ein Eigenleben?
 Kennen sie so etwas wie "Schwarzen Humor" oder Rachegelüste, nach all den "Demütigungen" die er erleiden musste?
Oder hat Albert einfach gepennt, und die Fahrstrecke auf der Fähre noch dazu gerechnet.
Egal, auf nach Veurne!
Sofern es der Gegenwind zulässt. Plattestes Westflandern, platter geht es nicht. Heute Morgen hätte ich jubiliert. Jetzt fluche ich! Gegenwind! Obaschowia!

Und dann auch noch RECHTSVERKEHR!!

Die ersten 3 -4 Kreisverkehre bin ich komplett von der Rolle.
Aber das gute in Frankreich, - und dann auch in Belgien ist, dass sie ganz anders mit Radfahrern umgehen.
Das merke ich erst jetzt richtig.
Hier werde ich nicht geschnitten, hier hält an einer Baustelle auch schon mal ein Auto, um mich reinzulassen, UND es gib fast immer eine eigene Radspur!!
So könnte Radfahren richtig Spaß machen, - wäre da nicht der verdammte Gegenwind.

Doch mit Geduld und  Spucke,



radle ich in Belgien ein. Ein Tag - 3 Länder, das hat man auch nicht alle Tage.

Was war das für ein Glück, dass ich schon die 12:00 Uhr Fähre erwischt habe!!
Kurz vor 19:00 (Eurer/ unserer Zeit) komme ich in Veurne an.  Und bin komplett von der Rolle.
Ich hatte ja keine Ahnung, dass das eine richtig schöne Stadt ist. Der Belfried ist Weltkulturerbe!!



An diesem wunderschönen Marktplatz hat Euer Blogger eine Riesenportion Spaghetti gegessen, die er sich heute redlich verdient hat.


Eigentlich wollte ich ja heute, ein wenig mit den "Endabrechnungen" anfangen.
Aber ehrlich gesagt, nicht nur meine Beine sind ein wenig müde.

Aber eine Kategorie haue ich heute noch raus:

5 Dinge über die ich richtig froh bin:

1. Dass ich schnell gelernt habe, dass die Gefahr "von Rechts" kommt. Und dass die 2x,  da ich    
    das vergessen habe, 2 reaktionsschnelle Autofahrer zur Stelle waren.
2. Dass ich nie von "englischen Schiebefenster" guillotiniert worden bin.
3. Dass ich in englischen Duschen nur leichtere Verbrennungen davon getragen habe, bis ich    
    verstand, wie das System funktionierte.
4.  Dass ich genügend Werkzeug dabei hatte, um heruntergefallene Duschkabinengriffe,   
    Handtuchhalter, Wasserkocherknöpfe..... wieder anzubringen.
5. Dass ich nie länger eingeschlossen, bzw. ausgeschlossen war, bis ich verstand, wie man 
     Drehknöpfe, dreht, oder Türgriffe nach oben drückt, damit sie Türen verschließen, bzw. 
     aufschließen.

Ihr Lieben, hier in diesem wunderschönen Innenhof, des "Hotels de Loft", das eine Art Künstlerkolonie ist, aber ein fürchterlich schlechtes Internet hat, wird es langsam kalt, dunkel und beinahe hätte mir eine Möwe, meine Tastatur komplett zugeschissen, - zum Glück hat es hat nur etwas vom Tisch rübergespritzt. 
Also schauen wir mal, ob ihr was zu lesen bekommt. Ich drücke auf "veröffentlichen".
Euch einen schönen Abend noch, mir ein weiches Bett!




Montag, 17. Juli 2017

41.Tag: Von Sittingbourne nach Canterbury


die Route


WAS FÜR EIN SCHÖNER ABSCHLUSS DER INSELRUNDFAHRT!!!!

Oder fast der Abschluss. Denn Morgen geht es ja noch nach Dover, und Morgen Nachmittag dann hinüber - auf den "Kontinent". 
Kontinent geht ja noch, aber heute Morgen, in Faversham, habe ich beim Kaffee, ein nettes Radlerpaar getroffen, wir kommen ins Gespräch, - was sind meine weiteren Pläne? Morgen werde ich in Dover auf die Fähre..., 
"Ah, dann gehst du zurück nach Europa!" - Ich bin komplett baff. Ein aufgeschlossenes weitgereistes Paar sagt, "dann geht es also zurück nach Europa!"
Ich bringe gerade noch heraus, ich hoffe doch "geographically speaking" gehört ihr auch noch zu Europa. Da klappt ihm ein wenig die Kinnlade runter, - Betroffenheit? Die Unterhaltung ist damit beendet.

Aber von Anfang an.

"Mist rolling in from the sea.." Heute Morgen trifft das zu. Es ist nicht kalt. Es ist nicht diesig, da kommen richtige Dunstschwaden vom Meer her.
Gut zum Radfahren. Die Strecke hügelig.
Es sind ja nur etwas über  40 km bis Canterbury. Das soll heute noch einmal ein richtiger Sightseeing Tag werden.
In Faversham, siehe oben, mache ich Kaffeepause. Ein wirklich netter kleiner Flecken. Jetzt kommt die Sonne langsam raus, ein Akkordeonspieler - elektrisch verstärkt und mit viel Hall, spielt die Oldies rauf und runter, - richtig idyllisch.


Ich sitze da in der Sonne und finde es in dem Moment richtig schade, dass ich Morgen schon von der Insel soll. Da kommen meine beiden Radlerfreunde. 
Als hätte jemand mit einer Nadel in einen Ballon gestochen! Peng!
Ich ziehe weiter über die Hügel und fange langsam an mit resümieren, was war gut, was hat mir gefallen... Doch davon später.

Vor Canterbury noch ein richtig saftiger Anstieg. Zwei Kids aus einem Dorf in der Nähe klettern mit mir hoch. Wir unterhalten uns, sie fragen mich aus - und finden mein Fahrrad toll. - Kenner! Muss man ihnen lassen. Anscheinend fällt mein Rad hier auf. Das war nicht das erste Mal! Ich finde mein Rad ja auch toll, aber so auffallend dann auch wieder nicht! Aber hier auf der Insel anscheinend doch.

Dann eine lange, lange Abfahrt nach Canterbury.
Ich komme schon um 12:30 an. Klar, dass mein Zimmer im Studentenwohnheim der Christchurch University noch nicht beziehbar ist. Aber ich darf mein Fahrrad abstellen und mich umziehen  - und Canterbury erkunden.

Was für ein wunderbarer letzter Tag. 
Canterbury, vor allem die Kathedrale ist der Hammer. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich schon einmal länger in einem Kathedralenbezirk  aufgehalten habe.
Schade, dass der Turm und andere Bereich eingerüstet sind, aber es gibt immer noch genug zu entdecken und zu bestaunen.
Zuerst einmal die Größe ist beeindruckend. Aber auch die vielen, vielen Details.


Ein Grabmal hat es mir besonders angetan. Oben liegt der Erzbischof in "vollem Ornat", drunter das abgemagerte alte Männlein, all seiner Würden beraubt. Das hat was.




Und dann natürlich, "das Martyrium" - der Ort wo Thomas Becket ermordet wurde. Schon komisch, wenn man schon einiges über den Ort gelesen hat und dann wirklich da steht. Da geht einem so einiges durch den Kopf.  Also der Heinrich, der Zweite und der Becket, der Thomas, die waren ja eigentlich mal befreundet. Auf Heinrichs Empfehlung hin, wurde der Becket, Thomas ja zum Erzbischof ernannt.
Dann kommt es zum Streit. Zum einen, weil der Heinrich kriminelle und korrupte Priester vor ein weltliches Gericht stellen will, und der Becket, Thomas, das nicht will.
Aus heutiger Sicht, würden wir sagen, hat der Heinrich ja nicht unrecht, wenn man an die pädophilen Priester denkt, die so lange keiner weltlichen Gerichtsbarkeit zugänglich waren.
Aber dann überzieht der Thomas und  provoziert weiter.
Der Heinrich wird wütend, sagt so etwas wie "der gehört umgebracht, der Hundsfott", und prompt ziehen 4 von seinen Rittern los und bringen ihn in der Kathedrale um.
OK, keine 3 Jahre später ist der Thomas von Rom heilig gesprochen und  so etwas wie ein Nationalheiliger. Canterbury wird zu dem wichtigsten Wallfahrtsort der Insel.
Nicht zuletzt ziehen ja Chaucer´s Pilger auch nach Canterbury um das Grab von Thomas zu besuchen.
So weit so ungut.
Wo ich jetzt nicht mehr mitkomme.
Canterbury ist die "Mutterkirche" der anglikanischen Christenheit, ok!
Der Erzbischof von Canterbury ist so eine Art Papst für die anglikanische Weltkirche (würde er strikt abstreiten - "primus inter paris" höchstens)
Aber der Gründer der Anglikanischen Kirche gewissermaßen, der Achte Heinrich, - hat den wichtigsten Heiligen der englischen Christenheit, in Nullkommanichts, aus der Kathedrale vertrieben.
Der Sarkophag wird zerstört.


 Dort wo der Sarkophag stand, leuchtet heute ein Kerze. Chapeau! Das ist eine gelungene Inszenierung. Die Kerze packt einen in ihrer Schlichtheit.
Aber was ich nicht verstehe. Wie stehen die Anglikaner eigentlich zum Becket, Thomas?  So richtig glauben sie ja nicht mehr an Heilige, und überhaupt, war der nicht ein wenig zu römisch?

Ist das Erdgeschoss schon beeindruckend, so haut mich der "Keller" um, so viele Krypten am Stück haben ich überhaupt noch nicht gesehen, die halbe Kirche ist unterkellert. Sehr alt, dann romanisch,  gotisch überarbeitet, fantastisch:


 Wunderschöne Säulen.


Kapellen in Kapellen,


Sehr alte Fresken,


Ein Heiligenschrein nach dem Anderen.

Und wenn man dann völlig geplättet wieder auftaucht, dann geht es gerade so weiter. Die Kreuzgänge,


Die Innenhöfe


Refektorien mit einzigartigen Decken


Und in den "Außenbezirken" hört das Staunen nicht auf!


Ein Tor, ein Durchgang nach dem Anderen. Ich breche ab. Canterbury muss man sich selbst anschauen.
Auch der Ort ist - trotz des touristischen Rummels - sehenswert. Das Schöne ist, dass die Schulklasse um 18:00 Uhr zum Essen müssen, dann machen die meisten Läden zu und die Stadt atmet auf.


In diesem wunderschönen Gasthaus, das um 1500 gebaut wurde, habe ich ein wirklich sehr ordentliches Roastbeef  - UND ein Shepherd Neame & Co Bier aus dem schönen  Faversham bekommen. Was will man mehr!!


Nein,  für Resümees ist es heute noch zu früh, dazu muss ich erst einmal wieder "in Europa" sein.

Aber eine Überlegung muss ich noch los werden. 
Ich hatte ja so manchen Abend, nach dem Blog, noch Zeit durch die englische Fernsehlandschaft zu zappen. Dabei ist mir so einiges aufgefallen.
Beliebt sind in England, wie bei uns, Natursendungen - und Regionales!

Wenn wir in Deutschland Serien haben wie, "Wildes Deutschland" oder "Deutschland von Oben", dann schaut sich der Engländer - "our wildlife" und "our wines", "our best dishes" oder "why are our potatoes so tasty" an.
Ich habe länger gegrübelt, "Die Weine von Mosel und Nahe", "Wandern in der Vulkaneifel" ich kann mich nicht erinnern, dass "uns und unsere" eine große Rolle in der Titelei der Fernsehanstalten spielt.

Und das gefällt mir eigentlich.

Am besten fasste eine junge, eloquente junge Dame, offensichtlich gut ausgebildet, zusammen, was mich in den letzten Wochen nahezu täglich irritierte.
Sie stand oben auf den Klippen von Dover. Ihr Haar vom Wind zerzaust.
"Schauen Sie sich diese Klippen an. Sehen sie nicht aus wie die Mauern einer Burg, einer unbezwingbaren Burg? England ist unsere (our) Burg...." Gänsehaut pur!
Und mehr als einmal habe ich im Fernsehen auf der Straße, von meiner Schwester, gehört: 
Wir sind eine Insel, wir gehören nicht "dazu"!


Der Brexit ist kein Unfall! Er ist die logische Konsequenz, eines schleichenden Identitätsverlustes!

Aber resümiert wird Morgen!
Wir sehen uns in Europa!



Sonntag, 16. Juli 2017

40.Tag: Von Erith nach Sittingbourne



Die Tatsache, dass Ihr diesen Blog lest, zeigt schon, dass meine letzte Unterkunft, NICHT das "Wirtshaus im Spessart" war. Richtig toll geschlafen, habe ich jedoch nicht. Es war einfach jede Menge los auf der Straße. Leute unterhielten sich vor dem Fenster, gingen weiter. Auto kamen, Autos fuhren weg. 


Aber mein Fahrrad hatte eine gute Unterkunft, das war wichtig!!

Der heutige Tag hatte 3 Abschnitte. Die ersten 2 1/2 Stunden waren noch Außenbezirke. Dann Flussfahrt, mit wenig Fluss und schließlich ein Ausflug in die Hügel Kents.

Aber Dank Albert, John und der National Bike Route 1 lief heute alles problemlos.
Wer ist John?

Irgendwo um Dartford herum, ich überlege noch, ob ich dem Bluewater Shoppingcentre - es soll das größte in England sein - keinen Besuch abstatte, oder am Bahnhof vorbeifahre, wo sich Keith Richard und Mick Jagger kennengelernt haben - beide sind aus Dartford, da kommt John vorbeigeradelt, mit einem E-Bike mit den Riesenreifen.
Wir kommen ins Gespräch, ich erzähle ihm, dass ich an der Dartford Crossing beinahe im Niemandsland verschütt gegangen wäre.
Ich hatte gestern nicht recht, dass nach der Tower Bridge keine Brücke mehr über die Themse führe. Bei Dartford sind es 2 Tunnel und eine Hängebrücke, die einen gewaltigen Verkehrsknotenpunkt bilden.


John bietet sich an, mich zurück auf den Radweg 1 zu lotsen. Ich fahre hinter ihm her. Albert protestiert, aber nach einer halben Stunde bin ich aus dem Gröbsten, d.h. aus dem Dunstkreis Londons endgültig heraus. Danke John, war nett mit dir zu Radeln.

Dann kommt der Themse-Ufer-Teil. 


Noch immer dominiert Industrie, Werften und Lagerhallen. 


Doch bald danach, bin ich wirklich draußen.
 Endlich!!


Im Marschland geht es immer kleinen Entwässerungskanälen entlang. Was machen die denn da?


Tontaubenschießen! So lange ich zuschaue sind sie nicht sehr erfolgreich. Können die Scheiben nachher alle wieder einsammeln und noch einmal verwenden. 



Dann kommt Rochester. Wirklich beeindruckend die Burg. Die z.T. auf römische Anlagen aufbaut. Auch die Kathedrale ist wohl nach Canterbury, die 2.Älteste. Anfänge gehen ins 7.Jh. zurück. Der Hauptbau ist aus dem 13. Jh. Leider haben spätere Jahrhundert so viel geändert, dass die alte Bausubstanz im Inneren nicht wirklich zum Tragen kommt.


 Von Außen sieht man der Kathedrale ihr Alter schon an.


Dann noch einmal Flussfahrt, mit wenig Fluss


Den Hauptfluss sieht man ganz im Hintergrund.
Und dann geht es in die Hügel.


 Ein richtig schöner Sonntag auf dem Lande. Nach den Tagen im Lärm und Gestank der Großstadt eine richtige Erholung.

Der ehemalige Englischlehrer musste heute allerdings eine ganz erschütternde Erfahrung machen. Da mühte man sich jahrein jahraus damit, den Schülern den Unterschied zwischen Plural s und dem sächsischen Genitiv ´s beizubringen.
Dann brach irgendwann über Deutschland die Mode des Deppen Apostrophs aus.
Und heute muss ich erfahren, dass der Engländer selbst keine Ahnung hat.


Und dann noch dies:



Hier hätte irgendwo ein Apostroph hingehört. MÜLLER, steckt den Rotstift weg! Sieh´ es endlich ein, dass der alte William Blake schon immer recht hatte:

Mock on, mock on, Voltaire, Rousseau:
Mock on, mock on: ‘tis all in vain!
You throw the sand against the wind,
And the wind blows it back again.

Wobei ich mich jetzt nicht mit den beiden oben zitierten vergleichen will!

So jetzt gehe ich noch um die Ecke in das nette Pub, das mir vorhin aufgefallen ist!
Und wir singen auf dem Weg alle miteinander:

The Three Jolly Coachmen 

(unbedingt die Fassung vom Kingston Trio anhören)


One, two, and three jolly coachmen sat at an English tavern.
Three jolly coachmen sat at an English tavern,
And they decided, and they decided, and they decided to have another flagon.
Landlord, fill the flowing bowl until it doth run over.
Landlord, fill the flowing bowl until it doth run over.
For tonight we merr-I be,
For tonight we merr-I be,
For tonight we merr-I be,
Tomorrow we'll be sober. (What!)
Here's to the man who drinks dark ale and goes to bed quite mellow!
Here's to the man who drinks dark ale and goes to bed quite mellow!
He lives as he ought to live
He lives as he ought to live
He lives as he ought to live
He'll die a jolly good fellow! (Ha! Ha! Ha!)
Here's to the man who drinks water pure and goes to bed quite sober.
Here's to the man who drinks water pure and goes to bed quite sober.
He falls as the leaves do fall,
He falls as the leaves do fall,
He falls as the leaves do fall,
He'll die before October! (Ho! Ho! Ho!)
Here's to the maid who steals a kiss and runs to tell her mother.
Here's to the maid who steals a kiss and runs to tell her mother.
She's a foolish, foolish thing.
She's a foolish, foolish thing.
She's a foolish, foolish thing.
For she'll not get another. (Pity!)
Here's to the maid who steals a kiss and stays to steal another.
Here's to the maid who steals a kiss and stays to steal another.
She's a boon to all man kind.
She's a boon to all man kind.
She's a boon to all man kind.
For soon she'll be a mother!



48.Tag: Aachen nach Engen und Schluss

Er ist wieder da! Wieder hier! ( Muss nicht mitgesungen werden) Eine wunderschöne Tour ist zu Ende, 2.101km sind es geworden! Die Rü...