die Route

Wow! Wasn Tag!
Wie viele Sterne darf man vergeben?
Wenn 5 Sterne das höchste ist, dann muss ich eine Aufsplittung der Wertung vornehmen.
Heute war eine 5 Sterne Strecke! Trotz all der Berge!
Ein 5 Sterne Wetter! Trotz der seehr frrischen Temperaturen!
Und ein 3 Sterne Manne! (Ist ja sonst niemand da, der mir auf die Schulter klopft, mache ich´s halt selbst und bleibe - fast schon unanständig bescheiden!)
Aber von Anfang an:
Dunoon, bzw. meine Unterkunft war wirklich die schönste auf der bisherigen Strecke, die Leute sehr angenehm. Und das Frühstück, - Früchte! In jeder Form! Mein erstes porrigde- fantastisch! Auch wenn ich das Angebot meines Gastgebers, einen wee bit Whisky reinzutun, dankend ablehnen musste.
Und der Raum mit Ausblick - erste Sahne!
Hinter den Fensterscheiben war es gemütlich warm. Ein kurzer Schritt vor die Tür genügte, heute müssen die Beinlinge ran! Das Thermometer hat es knapp über die 10° geschafft. Für eine Bergetappe eigentlich keine schlechten Voraussetzungen.
Die Touri-Folklore-Karte von gestern, das war mir schon klar, ist eine glatte Unverschämtheit. Von wegen nur über einen Berg. Es waren heute derer Drei und jeder für sich eine ziemliche Herausforderung.
Doch zuerst ging es gemütlich am Clyde und dann am Holy Loch entlang. Wunderschön zum Einradeln.
Spiegelglattes Wasser, d.h. kein Wind! Welch Hochgefühl! Kein Wind!!!!
Da macht das Radeln wieder Spaß, auch wenn ich mir ausrechnen kann, dass da hinten - dort wo die beiden Hügel zusammenkommen und dahinter der nächste dräut, der Einstieg in meine heutige Bergetappe sein muss.
Und so war es auch.
Und es ging gleich knackig los. Zuerst versuche ich die Variante: Softshell ausziehen, Beinlinge anlassen. Geht nicht lange, dann muss ich auch die Beinlinge ausziehen. Das ist schweißtreibend.
Ich komme mir phasenweise wie im Schwarzwald vor.
Die Steigung ist knackig, aber machbar,immer wieder mit Plateaus auf denen man Luft holen kann. In den Highlands geht es bestimmt nicht anders zu Sache.
Auf der Höhe ist der Tarsanstausee, Loch Tarsan ! Und dann geht es hinab zum Loch Striven, das eigentlich ein Fjord hinunter zum Firth of Clyde ist.
Was mich hier oben am meisten beeindruckt hat ist die Stille. Nichts zu hören - vor allem kein Wind!
Die Straße ist sehr schmal, zwei Autos kommen nicht aneinander vorbei, dafür hat sie alle paar hundert Meter Beulen, an denen man aneinander vorbei kommt. Die paar Autos, die mir heute begegnen sind rücksichtsvoll und warten wirklich auf die "Beulen" bis sie überholen, bzw. ich warte auch mal, wenn ich höre, dass von hinten was kommt.
Das ist jetzt das Loch Striven und ich habe eine rasante Abfahrt hinter mir. Zu der ich mir ganz schnell wieder die Jacke rausgeholt habe!
Am rechten Rand des Striven geht es dann wieder hoch. Obaschowia, würde der Bayer sagen. Der 2. Berg des heutigen Tages ist zwar nicht ganz so hoch, wie die anderen beiden, aber dafür um so giftiger. Mit 20-24% Steigung für mich streckenweise nicht zu fahren. Aber zu schieben sind diese Rampen auch eklig. Das geht in die Arme.
Aber ich habe ja Zeit, bin nicht gestresst, die Ausblicke sind einfach der Hammer und so schiebe ich mich und das Radl nach oben.
Also wieder alles Ausziehen! Dann geht´s wieder abi! Also wieder alles Anziehen. Ich schwör´, nach 100m Abfahrt, frierst du dir sonst die Arme ab (der Körperteil, der sonst für diese Redewendung herhalten muss, ist gut geschützt vorm Abfrieren!)
Unten angekommen am Loch Riddon, kommt schon das erste Schild, das bestätigt, das die Fähre hinüber nach Tarbert heute fahrplanmäßig unterwegs ist. Das ist sehr beruhigend, zu wissen. Denn Alternativen gibt es in dem Gelände eigentlich nicht.
Konnte man in echt schon lesen.
Und nun kommt der schönste Abschnitt des Tages. Das ist zwar der höchste Berg der Strecke, doch er lässt sich einigermaßen gut fahren ohne abzusteigen. Fast oben angekommen ein Aussichtspunkt über die Kyles of Bute und die Insel Bute- gehört alles zu einem großen Naturschutzgebiet.
Ich bin ja sonst kein Freund von Reiseführersuperlativen, aber das war heute wirklich atemberaubend, - wenn mir nach dem Anstieg hierher irgendjemand noch meinen Restatem hätte rauben können. Das war die schönste Mittagspause bisher seit wir/ich über diese Insel radel/n.
Hier habe ich auch eine Gruppe Radfahrer getroffen, die heute allerdings mit dem Auto unterwegs sind, und mich etwas neidisch beobachten, bis wir nett ins Gespräch kommen. Außer diesen Radfahrern - heute ohne Räder - sind mir heute nur 2 Fernradler/innen und 2 Rennradler begegnet. Das war´s dann schon.
Danach wieder Alles anziehen und hinunter nach Tighnabruaich (jetzt bist du dran John!) keine Ahnung wie man diesen Ort ausspricht, aber die gälische Schotten gehen ähnlich großzügig mit Vokalen um wie die Franzosen, um dann hinten hinaus vielleicht ~brach zu sagen.
An den Hängen dieser Abfahrt den halben Berg hoch Rhododendren! Halbe Wälder.
Und ein wenig "Kunst"

Und ein letztes Mal den Berg hoch, wieder Direttissima ohne Kehren, einfach steil hoch und hinunter zum Loch Fyne. Mein liebstes Loch des Tages!
Denn an diesem liegt Portavadie, wo die Fähre nach Tarbert abgeht.
Aber vorher kommt noch Millhouse - das musste ich für alle Freunde der Simpsons einfach aufnehmen. Jetzt wissen wir endlich woher die Vorfahren von "Millhouse" kommen.
Millhouse ist ein Weiler, mit nur ein paar Häusern. Vermutlich ist nicht mehr übrig, denn die Mühle von Millhouse war eine Pulvermühle. Und man hat gut daran getan, diese Art von Mühlen so abgelegen wie irgend möglich zu platzieren.
Mit dieser Kanone haben sie 2007 versucht das Millhoussche Pulver wieder herzustellen und zu testen. Weit geflogen ist die Kugel allem Anschein nach nicht.
Un dann die Anlegestelle
Und dann die Fähre. So Stücker 10 Autos gehen drauf.
Nach etwa einer 1/2 Stunde sind wir drüben. Auf dem richtigen "Zipfel" (siehe unten). Der Halbinsel Kintyre. Wobei Tarbert genau genommen nicht Kintyre zugerechnet wird. Hier sagen sie dazu Knapdale.
Tarbert ist ein Bilderbuchhafen. Etwas aus der Zeit gefallen. Man könnte hier wunderbar Filme drehen, die in den 50er und 60er Jahren spielen, ohne dass man viel verändern müsste. Mir gefällt es hier sehr gut.
Die Hafenkneipen sind noch Hafenkneipen, schlechtes Essen gutes Bier. Touristen schon irgendwie, aber auch nicht wirklich. Das war heute das erste Mal, dass ich in eine Kneipe reinkomme, und mich von Anfang an nett mit meinen neuen "Nachbarn" unterhalten habe. Ein älterer Herr aus Yorkshire ist gerade mit seinem Boot angekommen, - nicht aus Yorkshire natürlich. Er fährt hier nur rum und das Boot liegt in der Nähe von Dunoon. Ich weiß jetzt Alles über die Lochs und warum er bis Mittwoch wieder in Dunoon sein muss, - So gefällt mir das Radeln!
Meine heutige Unterkunft ist sehr original. Das Knap Guesthouse ist ein schönes altes graues Steinhaus aus dem 19. Jahrhundert.
Mit einer ausnehmend hübschen Eingangstür. Ich frage Herrn Knap ob seine Vorfahren aus Deutschland ausgewandert sind, -und wenn ja, um Gottenswillen nach Schottland, und warum auf dem Weg hierher ein P verloren gegangen ist. Her Knap lacht und erklärt, dass knap hier Abhang, Gipfel heißt.
So Morgen geht es also den Kintyre hinunter; wahrscheinlich noch einmal eine etwas gebirgige Tour.
Mein neuer Yorkshire Freund war am Wochenende in Campbeltown und meinte, dass die Fähre nach Irland am Samstag ausgefallen sei. Er wollte auch nach Irland, aber bei dem sturmartigen Westwind sei das nicht möglich gewesen. Na, dann hoffen wir mal, dass ich am Mittwoch in Campbeltown nicht in eine Sackgasse gerate, - das wäre bitter. Aber der Wind ist vorüber. Es soll die nächsten Tage "ergiebig" regnen.
Eines muss ich die ExpertInnen von der Profa aber noch fragen:
Seit ich die Karten dieser Gegend eingehend studiere, stelle ich mir immer wieder die Frage, geht das nur mir so, dass mir beim Anblick der Halbinsel Kintyre komische Assoziationen kommen?
Sollte man diese geographische Anomalie nicht eher "Dick of Scotland" nennen - was meinst du John?



















Wow was für eine tolle Landschaft, hätte ich doch noch länger mitfahren sollen? "Mull of Kentyre oh mist rolling in from the sea my desire is allways to be here....
AntwortenLöschenHallo Manne, ich habe heute deine liebe Frau gefragt, wie ich so eine Antwort an dich sende. Ich hoffe es klappt und ich kann, dann besser meine Begeisterung und Hochachtung zum Ausdruck bringen. Gib mir mal ein Zeichen, ob diese Post für dich auch ankommt. Liebe Grüße Carmen
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