Samstag, 8. Juli 2017

32. Tag: Von Stoke-on-Trent nach Rugeley



Liebe Stoker und Stokerinnen, ich habe Euch wohl unrecht getan. Als ich gestern die Dame an der Rezeption fragte, wo es zum Zentrum ginge, hat sie mich die Straße hochgeschickt, - und da war auch eine Fußgängerzone, Einkaufszentren und eine Kirche. Aber das war natürlich nicht das Zentrum von Stoke!!!

Gestern Abend in der Hotelbar konnte ich von meinem Platz aus wunderbar beobachten, wie  ein ganzer Tresen voll mit älteren Herren,  eine wirklich ausnehmend hübsche Bardame (lange schwarze Haare, grüne Augen) aus Litauen angehimmelt haben. Liebe Stoker, ihr müsst Euch schon entscheiden: Man kann nicht zu 70% für den Brexit sein, und "Ausländer raus!" schreien, aber hübsche Litauerinnen behalten wollen. Der "Fünfer und das Weckle" geht nicht!!!

Heute Morgen habe ich erst mitbekommen, wie groß Stoke wirklich ist. Tja, es ist schon von Vorteil, wenn man auch eine gute Karte hat! Bzw die Premier League besser im Kopf hat. Klar!  Stoke City! Am Stadion komme ich vorbei. 

Jetzt wird geradelt, Stadbesichtigungen hatte ich die letzte Woche zur Genüge!

Heute sollten es gemütliche 50 km werden, - immer dem Trent-Mersey-Kanal entlang. Und so war es auch. Im Prinzip! Gemütlich, siehe unten.


Es bleibt den ganzen Tag eher bewölkt, schön zum Radeln.


Das Industriemuseum ist geschlossen. Ob es "noch" geschlossen ist, oder nicht mehr öffnet, konnte ich nicht herausbekommen. Wirkte fast wie ein Museum eines Industriemuseums.
Die großen Potteries sollen auch auf dem Weg liegen. Aber ich bekomme keine Hinweise, ob das "Pottery" Museum heute schon auf hat. Ist auch nicht so schlimm. Geschirr gehört eh nicht zu meinen Lieblingsgebieten.
Und an dem Kanal entlang zu fahren ist heute Morgen wirklich schön. Auch wenn der Treidelpfad zu dem beliebtesten Hundeausführweg zu gehören scheint. Ich habe Zeit und trödle vor mich hin.


Fahre ziemlich lange an einem Park entlang, der einmal ein Friedhof war. Das Ganze mit Nebelschwaden im November - könnte ein schönes Setting für einen Horrorfilm sein.

Beobachte Damen beim Kurbeln


Und Herren beim Steuern


Genieße meinen Kaffee beim Stone-Musik-Festival


Und beobachte begeisterte Eltern beim Filmen. Anhören tun wir das dann zu Hause!
In Stone gibt es auch noch Potteries, 



Ganz gut, dass ich keine Umwege gefahren bin, um durch andere Outlets zu streichen.

Stone hat einen sehr jovialen Bürgermeister, der heute mit seiner goldenen Kette um den Hals durch die Fussgängerzone flaniert und mit seinen Untertanen plaudert.



Ja richtig, der Herr mit dem Hut. Er scheint nicht aus der Gegend zu sein, denn er ist der einzige, dessen "Englisch" ich in Stone ohne Schwierigkeiten verstanden habe.
Ansonsten haben die Stoner - die offiziellen jedenfalls - ein klein wenig einen Schuss, nicht nur dass  Stadt-Motto: "Let the stone be firm!" - heißt, und mögen Eure Birnen das auch wieder werden.
Nein, das einzige historische Ereignis, dass uns das Stoner Kulturamt von ihrer Stadt mitzuteilen für wichtig erachten, - steht auf einer große Tafel am Kanal, wo der Tourist vorbeikommt.
Im Jahre 1836 wurde eine Braut, die zu ihrem Zukünftigen nach London auf einem Kanalboot reiste, von 3 betrunkenen Matrosen vergewaltigt und umgebracht, ihre Leiche fand man in Nuneaton im Kanal, die 3 wurden gehängt. Das ist nicht nur geschmacklos, sondern zeigt auch, dass olle Wittgenstein schon recht hat, - leicht abgewandelt "Wenn es nichts zu erzählen gibt,  muss man die Klappe halten.

Dann will Albert, dass ich vom Kanal wegfahre. Albert wir glauben dir! Und wirklich, zunächst fahre ich endlich mal wieder! Und hopple nicht über die Wurzeln der Pappeln, die den Treidelpfad zu einer Buckelpiste machen.
Dass ich dann aber auf eine 4 spurige A soll, nehme ich ihm persönlich übel. 
Als er mich dann wieder zurück an den Kanal lenkt, muss ich mich fragen, ob Albert mir vorhin nicht einen Gefallen getan hat. Wenn er meint, jetzt könne ich wieder hier entlang radeln, dann dürfte der Weg vorher nicht existiert haben.
Denn dieser existiert eigentlich auch nicht wirklich.


Irgendwann habe ich das Gefühl ich soll einen Grundkurs in "Fahrradparkour" machen. 


Da kommt man mit zwei Satteltaschen nur mit größter Mühe durch und dahinter eine Fahrspur



die manchmal gefährlich nahe ans Wasser kommt. Da wäre ein Lenkfehler fatal,  und ich überlege mir schon, wie ich riechen würde, wenn ich Bekanntschaft mit der braunen Brühe im Kanal machte und was sie im Hotel sagen würden, wenn ich als "Monster aus den Sümpfen" auftauche.

Ich hopple weiter über Gras und Wurzeln, Kopfsteinpflaster, tauche durch Unterführungen, mit dem Kopf auf der Lenkstange und kämpfe mich durch Brennnesseln und lasse mich von Brombeerranken attackieren (das ist wie im "kleinen Horrorladen", die greifen wirklich nach dir)

 

Fahrradhelme sind eine tolle Erfindung!


Hier können Bootreisende ihr Frühstücksei kaufen, ohne anzuhalten.

Dann komme ich an eine Kanalkreuzung. Hier treffen sich der Mersey-Trent und der Staffordshire-Worchester Canal.


Die Brücke an der Kreuzung geht offensichtlich bis in die Zeit von Elisabeth der I. zurück. Gebaut vom Duke of Essex.


Die Steine auf der Brücke sind so glatt, das man selbst beim Runterlaufen höllisch aufpassen muss.

Treidelpfade sind - unterm Strich nicht geeignet Kilometer zu machen! Aber immer unterhaltsam zu fahren.
Rugeley (wird Ruuschli ausgesprochen, wie mir die Dame an der Rezeption im Hotel erklärte) ist ein netter Marktflecken, nicht so viel interessantes, außer den Gärten am Kanal


und dem


Nein, falsch, kein Atomkraftwerk. das Rugely 2 ein Kohlekraftwerk, dass die alte Dreckschleuder ersetzten soll aber noch nicht am Netz ist. Rugely war einstens mal ein Zentrum des Kohlebergbaus, die Kohle ging direkt ins Kraftwerk. 1991 wurde die Grube geschlossen.

Das war´s eigentlich für heute.

Gilt es noch die 3 Rätsel zu lösen:

Schwager Carlheinz hat die 1.Frage so beantwortet:

Die Geister scheiden sich. Noch immer ist nicht klar, auf welcher Seite damals die Beatles standen. Liverpool oder Everton. Die Beatles liebten auf alle Fälle die Toffees- Süßigkeiten. Da ein Mäzen bei jedem Heimspiel des FC Everton Toffees in die Menge schleuderte, könnten die Beatles also Fans von Everton gewesen sein. Das war leicht, nächste Frage, bitte. Ich will den Schal. 


Am zweiten Tag hat Carlheinz auch alle Fragen richtig beantwortet:

Ganz schön schwer, der zweite Teil, der ja mit Fußball so gar nichts zu tun hat. Und auch die Mädels kommen dabei sehr gut weg. Also: Der Liverbird ist ein 5,5 Meter großer Vogel aus Kupfer, der auf dem Turm des Liver Buildings steht. Am Mersey River. "Peanut,Peanut Butter" ist ein Hit der ersten weiblichen Merseybeatgruppen. Wie die Beatles kommen die Liverbirds (so heißt die Girl Band)aus Liverpool und hatten in den späten 60 ern ihre erfolgreiche Zeit. 

Ja die dritte Frage, die Rechenaufgabe:

Gerd Müller hat: 365 Erstliga Tore erzielt
Dixie Dean          310
Differenz                55

Der HSV hat seit seiner Gründung 1919 immer in der obersten Spielklasse gespielt = 98 Jahre
Everton ist älter,  musste aber mal zwischendurch kurz absteigen und ist auch der
Dino des englischen Fußballs mit 114  Jahren in der obersten Spielklasse.
Differenz = 16

55+16 = 71

Oder habe ich einen Fehler gemacht?

Ich finde, Carlheinz, du hast trotz alledem den Schal verdient!!
Abzuholen in Engen, nach meiner Rückkehr

Bis Morgen dann, bleibt mir gewogen!


1 Kommentar:

  1. Na welch eine Überraschung, den Schal nun doch zu bekommen, den ich mir wahrlich verdient habe. Müller minus Dixie, war ja schnell klar, die erste Zahl mit 55. Dann habe ich mir wie gesagt, die Zähne ausgebissen. Nachts um halb 12 wollte ich das Rätsel "schnell" lösen. Um halb 2 in der Früh dann im Jagdfieber aufgegeben. 114 Jahre in der Football-League und Premier League war auch schnell erkannt. Und dass der HSV schon immer erstklassig gespielt hat, auch. Mein Scheitern letztendlich war, dass ich die Oberliga Nord Deutschland nicht verglichen habe mit Football League England. Oberliga erschien mir zu regional. Usw. Auf alle Fälle freue ich mich über die Überraschung und kann endlich wieder gut schlafen. Bis irgendwann in Engen, lieber Manne und weiterhin gute Beine und ebensolches Radelwetter.

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