Samstag, 10. Juni 2017

4.Tag: Von Peterborough nach Boston

(manne)Wir sind am Meer! - Fast! Boston liegt am Haven.  Mehr Meeresbucht als Fluss. Aber als wir heute Nachmittag ankommen, war das Meer gerade nicht zu Hause.


Doch von Anfang an. 
Der Blick aus dem Fenster heute Morgen war  nicht wirklich motivierend, das Bett zu verlassen. Grau in Grau.
Aber was mutdatmut!


Kleiner Exkurs über das Englische Frühstück:


So richtig klar ist uns die wirkliche Bedeutung des englischen Frühstücks nicht. Irgendwie habe ich den Verdacht, es gehört zum "Volkscharakter" der Briten wie rote Doppeldeckerbusse, komische Hüte in Ascot oder Lollies in Seebädern. Für 99% der Bevölkerung spielt dies alles keine Rolle. Doch zu den Bed&Breakfastritualen gehört einfach die Abfrage, was man zum Frühstück zu sich zu nehmen gedenkt. In Royston war die erste Frage, ob man light oder Englisches Frühstück möchte, wenn light, dann welchen Toast, welches Obst, ...
In Cambridge gab es Englisches Frühstück mit einer Unmenge an Auswahlmöglichkeiten. Friederike war glücklich, weil es Porridge gab. Wir bestellten auch Ei. Aber es kammen 2 Spiegeleier und für Friederike  2 gekochte Eier, - aus Nostalgiegründen bestellte ich auch noch pork sausages und bacon, - mir hing das Frühstück gestern die ersten 2 Stunden schwer in den Waden.
Vom Hotel in Peterborough erhielten wir 2 Tage vorher eine Email, in der wir aufgefordert wurden, bitte unsere Frühstückswünsche mitzuteilen. Was wir nicht taten, weswegen wir gestern Abend ein Formular ausfüllen mussten, in dem wir unsere Wünsche einzutragen hatten. Die Aufforderung, wenn 2 Personen frühstücken wollten, dann sollte man das, was beide essen wollten, mit der Zahl 2 versehen, hat nicht so ganz geklappt. Dafür gab es Essen aufs Zimmer, denn das Hotel "Pearl" hat  keinen Speisesaal, Hört sich gut an, sah aber dann so aus:


Friederike:
Jetzt übernehme ich das Weiterschreiben, denn Manne muss Fußball schauen. 
Wir sind inzwischen in Boston angekommen und haben im Pub "Kings Arms" eingecheckt. Das ist der Blick aus unserem Fenster, und unten im Pub sitzen dicke Männer in Unterhemden mit Bierglas in der Hand. Es läuft England gegen Schottland.



Es war ein  traumhafter Radtag heute, zunehmend wurden die Wolken weggeblasen, es hatte 25 Grad, war schön sonnig und der heftige Wind kam meistens von hinten. Ein W-bike Tag.
Die Landschaft irgendwie holländisch, flach und sehr grün, Marschland, ein kleiner Fluss oder Kanal, Felder, Schafe, Kühe, Pferde, kleine Dörfer.



Und  praktisch menschenleer, bis auf ein paar wenige Wochenendradler, die auf dem gut ausgebauten Radweg mehr oder weniger hin und her fahren.  Ja, juhu, wir haben jetzt  richtige Radwege, die Nummer 1, Nordseeumrundung. 

Und vor einem Kohlfeld, an dem wir gefühlte 3 km entlang gefahren sind, haben wir die 200 km überschritten:

Etwas fehlt bisher: das Baden. Ich würde ja gerne, aber bisher gab es noch keine richtige Gelegenheit und der Wind war immer sehr heftig und kalt. Heute , mit der Sonne, da hab ich auf das Meer gehofft. Aber, siehe oben, das Meer war nicht da.

Und noch etwas fehlt: Mannes Bericht über seinen Kampf mit dem Navi, warum er den einmal weggesperrt hat- in die dunkle Tasche! zum nachdenken!- und wie sich das Verhältnis allmählich normalisiert.
Also jetzt ist Fußball vorbei, wir haben gewonnen und die Jungs unten freuen sich.
Der Manne hat sich ein Bier mitgebracht und übernimmt:


Wieder ich:


Ich hoffe, das war jetzt nicht zu verwirrend. Das Fußballspiel hat Spaß gemacht, vor allem weil die Boston-Engländer die ganze Zeit über die Schotten gelästert haben, so lange England 0:1 geführt hat. In den letzten 10 Minuten 2 Freistöße, 2 Freistoßtore - 2:1 - historic result - und Schweigen in der Kneipe. In der Nachspielzeit haben die Engländer dann doch noch den Ausgleich geschafft. Schade!!

Doch zurück zur Fahrt.

Es war heute wirklich der erste Tag, an dem wir uns auf  Radwegen bewegt haben und uns auf die Schilder verlassen konnten. Bis Spalding radelten wir den Radweg Nr.12 ab. Wirklich schön. Zuerst bis Crowland durch nämliches Crowland.
In Crowland stießen wir auf eine ganz kuriose Geschichte, eine 3seitige Steinbrücke, mitten in der Stadt, weit und breit kein Wasser.



"The earliest known mention of the bridge is by King Æthelbald of Mercia in 716. In 943 it was mentioned in a charter of Eadred" - Soweit Wikipedia.
Nach Crowland geht der Radweg immer dem Welland entlang, wirklich traumhaft schön.
Auch wenn Friederike schon ein Pferdebild eingestellt hat, ich muss jetzt noch eins hinzufügen, die Tiere waren einfach zu beeindruckend:


"Ironclad featherfeat, pounding the dust... heavy horses..." die nächsten Kilometer habe ich Jethro Tull vor mich hin geschmettert.

Nach meinen Strafaktionen gegen mein Teasi (Fahrradnavi) und meinen Androhungen es endgültig in die Satteltaschen zu verbannen, hat es heute wirklich super funktioniert. Bis auf eine Stelle, an der wir links abbiegen sollten, - was wir auch taten,- obwohl da unübersehbar ein Sackgassenschild stand. Kilometerlang (die nämlichen durch die Kohlfelder, siehe oben) ging alles gut. Bis die Straße durch ein Gitter komplett gesperrt war. Tatsächlich Sackgasse! Kein Durchkommen. Wirklich Kilometer wieder zurückfahren? Da geht im Haus neben der Schranke die Tür auf. Ein junger Mann kommt raus, wir unterhalten uns nett. Diese Straße ist tatsächlich durch Privatgelände. Alles Gartenbauanlagen. Er bestätigt aber, dass das Navi recht hat, die Strecke ist die kürzeste nach Boston.
Er hat ein Einsehen mit uns. Greift hinter die Tür und öffnet die Schranke einige Meter um uns durchzulassen. - Das hat uns 15 Meilen Umweg erspart.
Aus dem Privatgelände raus. Kurz vor der Mündung des Welland (welches Geschlecht haben englische Flüsse? Diese Diskussion hatten Friederike und ich schon "am" Cam) stoßen wir "endlich" auf unseren Hauptradweg, die Nationale Route Nr. 1, die Nordseeumrundung.



Kurz davor noch ein anderes Schild, das zu beherzigen sehr angebracht war.


Ich liebe die englische Sprache einfach. Wenn du mehr oder weniger ansatzlos von der Brücke geblasen wirst, sagt der Engländer: "Strong side winds likely"!
Auf der Brücke hatten wir noch eine Begegnung der anderen Art. Von Edinburgh kam uns der erste Langstreckenradler überhaupt entgegen. Ein Pilger aus Murcia, der von Edinburgh nach Santiago de Compostella fährt - und überglücklich war, sich mal wieder auf Spanisch unterhalten zu können. 

Boston ist ein sehr schönes Städtchen. Dass es mit 70% Zustimmung für den Brexit traurige Berühmtheit erlangt hat, wollen wir Ihnen heute nicht ankreiden. Wir haben "trotzdem" sehr nette Leute getroffen.
Und gelernt: Das Boston Lincolnshire und Boston Massachusetts tatsächlich etwas miteinander zu tun haben. 
Einer der Mitgründer des amerikanischen Bostons war der erste entsandte Priester, der  aus Boston kam und die amerikanische Gemeinde Boston  leitete. 
Die Kirche in Boston - Lincolnshire, ist die größte Parish Church Englands, also einer die keine Kathedrale, Bischofssitz oder Abtei ist. Wenn man diese Kirche gesehen hat, glaubt man das sofort.
Jetzt ist aber langsam genug.
Wie schön England sein kann, hier zum Schluss:


See you tomorrow!!




Freitag, 9. Juni 2017

3.Cambrigde nach Peterborough




Juhu! Die 1. hundert Kilometer sind geschafft!
Friederike:
Das war heute eine veritable Radtour: 78 km, anfangs wunderschön durch die Meadows of Cambridge und entlang der Cam,



und später an der Ouse (Kreuzworträtselfluss!), auf einem richtigen Radweg: Nr.51!



Dann auf kleinen Sträßchen mit wenig Verkehr und zum Schluss wieder entlang vom Fluss der durch Peterborough fließt. Ach ja, und dazwischen: 20 km gut befahrene Straße ohne Radweg. Feierabendverkehr! Das war nicht so schön. Und um mich nicht über die Autos aufzuregen habe ich ein bisschen arabische Zahlen geübt, bis 100 geht das ja auch noch ganz schön lange.

Ganz kurz hat es auch mal geregnet:


und gleich danach war es auch schon wieder vorbei, die Strasse hat gedampft.



Meine Bewunderung für die englische Erziehung steigt: Selbst die Pferde kommen in den Genuss von Verkehrserziehung und lernen die Fußgänger., bzw. die Pferdeampel zu benützen. Schade, wir haben keine  Pferdetrainer beobachtet, wie sie den kleinen Fohlen das Drücken des Ampelknopfes mit ihren zarten Nüsterchen beibringen:

Unsere Radtouren und vor allem der morgendliche Aufbruch haben etwas sehr Unklares. Da gibt es die Anweisungen des Navi, die Karte von Manne und das was die Leute auf der Straße sagen, wenn man sie fragt. Und das können drei verschiedene Richtungen sein!
Ich hab jetzt auch verstanden warum die Engländer alle so tun als ob sie neu zugezogen wären: Sie sind zu höflich um zu sagen: "keine Ahnung" oder "hab´s eilig" oder "muss erst mal die geilen Bilder anschauen, die mein KumpeEl grad geschickt hat".
Da wo der Südamerikaner wort- und gestenreich davon ablenkt keine Ahnung zu haben und einen dann irgendwohin schickt mit sehr vagen Zeitangaben, und wo der Pole der Einfachheit halber den Weg über die Autobahn beschreibt, da sagt der Engländer "sorry I' m not from here" und geht schnell weiter.

So, jetzt darf der Manne von Peterborough berichten- wir waren heute übrigens russisch- littauisch essen- so wie es sich bei diesem Ortsnamen gehört.

Also jetzt ich:

(manne) Dass wir die gleiche Reise aus zwei Perspektiven beschreiben hat für den werten Leser/in  erhellenden Charakter.
Für mich war eines der Highlights des Tages, die "Guided Busline" zwischen Cambridge und St.Ives.
So etwas habe ich überhaupt noch nicht gesehen, und auch nie davon gehört.

Das war absolut faszinierend:


 Das ist wirklich eine interessante ÖPV Variante. Normale Busse fahren auf einer eigenen Trasse - und zwar ziemlich flott, können aber in Cambridge oder St.Ives im normalen Straßenverkehr weiter fahren.


Und noch genialer ist, dass entlang der ganzen Strecke ein wunderbarer Fahrrad-Highway angelegt worden ist, auf dem man unglaublich schnell vorankommt, vor allem wenn man Rückenwind hat.

Dieses Nahverkehrskonzept, das auf einer alten Eisenbahnstrecke verläuft, wurde schon 2001 konzipiert, aber erst 2011 fertig gestellt und ist wohl der "white elefant" von Cambridgeshire - hat im Endeffekt dann auch dreimal so viel gekostet, wie geplant, aber ich finde da hat sich jedes Pfund gelohnt. 
Wir haben uns gefragt, wie die Busse auf den engen Spuren gelenkt werden. Anscheinend reichen kleine, querstehende Lenkräder, die Busse in der Spur zu halten, was sehr erstaunlich ist, wie ich finde, denn auf den Betonbegrenzungen habe ich keine einzige Gummiabriebsspur gesehen. Vielleicht werden sie jetzt doch GPS unterstützt gelenkt. Wenn man dieses System, das insgesamt billiger und flexibler als Eisenbahnverbindungen funktioniert, noch mit E-Mobilität verbinden könnte, hätte das Zukunftsperspektiven. Ich jedenfalls war restlos begeistert.
Natürlich auch von den Marschen und den Gänsebabies!






Aber mindestens genauso umwerfend ist für mich, diese Landschaft, die sowas von Geschichte getränkt ist. Und zwar richtig weit zurückliegende Geschichte, deren Spuren man an jeder Ecke zu sehen bekommt. Oft auf den ersten Blick eher unspektakulär


Der erste Gedanke ist: Kirche halt. Dass es sich da um die Swavesey Priory handelt, deren Gründungbis zur Normannischen Invasion zurück geht und diese Priory - natürlich nicht diese Kirche  so wie sie jetzt ist, aber die Siedlung über 1000 Jahre alt ist, das ist schon ein Hammer. Und um die Kirche herum ein Hügel, der dann zur Kirche hin wieder abfällt. Woher kommt das? Ein Berg voll Knochen, Gräber! Der Friedhof! Der langsam anwächst. Die Kirche ist von einem Wall von Knochen umgeben. 1000 Jahre Knochen. Wie hoch wären die Hügel Englands ohne die Knochen seiner Vorfahren?
St. Ives ist ein netter kleiner Ort, mit einem schönen Marktplatz und einem bemerkenswerten Cromwell-Denkmal.



Ich habe versucht herauszubekommen, was St. Ives mit Cromwell zu tun hat. Was ich herausgefunden haben: Nichts! 19.Jahrhundert. Geschichtsbesoffenheit, jeder Ort wollte ein historisches Denkmal.
Trotzdem, St. Ives hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Friederike hat ja schon von unseren Schwierigkeiten berichtet, aus Orten herauszukommen. Die Karten geben nichts her und das Navi hat offensichtlich auch nicht genug Daten. Aber wir haben es nach Peterborough geschafft.

Ich hatte ja schon von der Kathedrale gehört. Aber Peterborough hat mich wirklich beeindruckt.
War ich nach der Chapel vom King´s College von der englischen Gotik hin und weg. 
Peterborough ist auf andere Art noch einmal ein Highlight. 

Wenn die Chapel fast schon einen Tick zu "feingliedrig" wirkt, so ist die Kathedrale von Peterborough in sich unglaublich harmonisch. Abgesehen von ihrer enormen Größe. Ich glaube ich habe noch nie so ein langes Kirchenschiff gesehen.


Innen konnten wir keine Aufnahmen machen, weil gerade eine Messe gehalten wurde. Eine Tonaufnahme vom Peterborough Knabenchor hätte sich allerdings gelohnt. Es war eine sehr schöne Stimmung in der Kirche. 

Ich war anfangs etwas irritiert. So etwas hatte ich noch nicht gesehen. Zum einen der Ausmaße wegen. Zum Anderern war das keine Französische Gotik, schon garnicht eine Deutsche. In manchen Bereichen eher Übergang von der Romanik zur Gotik. Aber was war in der Kirchenfront so anders.
Dann kam es mir. Kein Skulpturenprogramm, keine Heiligen, keine Biblischen Geschichten in den Bögen, in den Türen. Einfach Geometrie! Das Himmlische Jerusalem ohne Engelsfiguren und "Jüngstes Gericht" Filigrane Säulen, einfach schön! Die Türwölbungen ornamental gestaltet, nicht die keltischen Bögen, eher normannisch? Who knows? Ich bin kein Fachmann. Aber das ist schon ganz großes Theater.

Die schieren Ausmaße dieser Kirche - der Hammer. Und kein einziger Wasserspeier, und keine der üblichen gotischen Abstützungsarchitekturen. Wie haben die das gemacht?



Aber auch das Umfeld, mit dem Rennaissancemarkt - eine Augenweide!

Aber, liebe Petersborougher! Ohne Kritik geht es nicht ganz!


WAS SOLL DER SCHEISS!
"
Ich habe ja schon viele geschmacklose "Modernisierungen" gesehen! Aber dies toppt Alles!

Und:
Liebe Engländer! Nachdem, siehe oben, wir hervorragend litauisch gegessen haben und ein 1a litauisches Bier getrunken haben, gedachte ich, des Blogs wegen noch ein lecker englisch Bier zu erstehen, und zwar wie es sich gehört, in einem "Off Licence" Wie ich sie noch aus meiner Assistant Teacher Zeit kenne. 
Aber was war das? 
Ein Bierreise um die Welt! Mir wurde schon vom Anblick übel. 
Ich schwöre! Kein einziges englisches Bier, nicht einmal die Ales...etc, die es gestern in Cambridge auf der Speisekarte gab.
Ein Glück, dass es gleich daneben noch einen "polish off-licence" gab, der eine richtig tolle Auswahl hatte. Der pakistanische Verkäufer, der aus Glaubensgründen sein Warenangebot nicht ausprobiert hatte, war bei der Auswahl des großen Angebots keine große Hilfe.
Ein Glück, dass ich in dieser Hinsicht schon von anderer Seite eine Grundausbildung in polnischen Bieren erhalten habe.


Das wär´s für heute. "See you, then!" Bis Morgen.

Donnerstag, 8. Juni 2017

2.Tag: Von Royston nach Cambridge



Bed&Breakfast ist etwas ganz besonderes. Das haben wir ja schon gelesen. Aber dass es immer noch so skurril zugeht, das hätten wir denn doch nicht geglaubt. Die Landlady, des Orchard "Hotels", einen knappen Monat jünger als Friederike, ist wirklich nett. Das Haus eine Ansammlung von seltsamen Sammlerstücken.
Ich als "ehemaliger Sammler" habe natürlich größtes Verständnis dafür, dass man ein Ziel braucht, wenn man auf Trödelmärkten sein Glück finden will. Ob Hummelfiguren, Bierdeckel oder Comic ist eigentlich egal. 
Das Sammlungsgebiet unserer Wirtin stellte uns zunächst vor ein Rätsel, was stand da auf dem Frühstückstisch und was bevölkerte zu Dutzenden die Fensterbänke?

Gartenzwerge? Schneewittchen? Filetierte Kühe? Herzen im Gänsemarsch? John, du wirst die Dinger wahrscheinlich kennen!

Als dann das Frühstück kam,  kam auch die Auflösung


Die Gartenzwerge dienen als Toasthalter bzw. Toasttrenner, denn wie mir der Hausherr versicherte, wird der Toast, so er im Stapel auf den Tisch kommt schnell "lätschert", wie der Österreicher zu sagen pflegt- was "lätschert" auf Englisch heißt, habe ich leider vergessen, aber es war eindeutig.
Ja, so liebe ich meine Briten. Witzig, etwas abgedreht und leicht daneben.

UND GARTENZWERGE BLEIBEN UNS TREU AUCH AUF DIESER TOUR!

Gestern das alte Postamt, in dem wir gegessen haben, war ähnlich. Roystons bestes Lokal ist eine wunderbare Mischung aus Museum und Witzen in 3 D.
Das Essen war zudem gut; also gab es nichts zu meckern.
Was mich bisher eher verwundert ist, dass Aller-Welts-Biere heute in englischen Pubs Standard sind.
San Miguel vom Fass, Peroni aus Italien, Becks, Heinecken und Carlsberg sowieso, aber auch immer noch das unsägliche Fosters aus Australien.
Lokale Biere gibt es eher im Ale., Stout- und Bitterbereich.

Aber jetzt auf´s Rad:
Nach dem doch etwas heftigen Auftakt gestern, ein Tag zum Einrollen und zur Muskelauflockerung.
Royston - Cambridge, - nicht viel mehr als 20 km. Wenn man in Kauf nimmt, dass der Radweg an der recht befahrenen kürzesten Verbindung nicht einmal osteuropäischen Ansprüchen genügt.


Was heute jedoch stimmte, waren die Vorschläge, die das Teasi - mein neues Radnavi - machte. Nachdem es gestern in Stevenage kläglich versagte ( oder vielleicht auch ich, der ich nicht immer die Brille rausgeholt habe), hat es uns heute wirklich immer wieder von der Hauptstraße weg und durch wunderschöne kleine Dörfer geleitet.

In Cambridgeshire fallen die vielen reetgedeckten Häuser, mit wunderbaren Bauerngärten auf.
Nach wie vor ist der durchaus heftige Wind uns sehr gewogen. Fast die ganze Strecke hatten wir einen wunderbaren Hilfsmotor.


Wir waren schon um 12:00 in Cambridge. Es sollte ja heute ein Sightseeing Tag werden. Eigentlich wollten wir an unserem Bed&Breakfast nur die Fahrräder abstellen und uns umziehen. Aber das Zimmer war schon fertig. Wunderbar!!!

So und jetzt ist Friederike dran:

Cambridge Sightseeing beinhaltet auf jeden Fall eine Stocherkahnfahrt, die Besichtigung der berühmten Colleges und der Besuch der King's College Chapel. 
Die Kahnfahrt haben wir nicht gemacht, wir sind ja schließlich Ex-Tübinger und Manne hatte keine Lust mich auf der Cam zu "stochern", das Wetter hat auch nicht so wirklich gelockt.


 Die berühmten Colleges waren heute leider alle für Besucher geschlossen, da Examen stattgefunden haben. Dafür hat man dann gegen Abend viele Eltern mit erleichterten Sprösslingen in den Restaurants gesehen. In einige Innenhöfe konnte man reinschauen und die Fassaden sind alleine schon prächtig:





Und dann: die "Kapelle" von King's College! 



Eine unglaubliche Bildhauerarbeit, wie aus Elfenbein geschnitzt und ziseliert, die gesamte Bibelgeschichte in den prächtigen Glasmalereien:


Wir haben uns sehr lange in der Kirche aufgehalten, sind durch die Parks, den Markt und die Ladenstrasse geschlendert, haben Bier getrunken, Leute beobachtet, gelästert- das mit der Mode ist irgendwie very strange hier-haben mit Kellnerinnen smalltalk gemacht und sind fast von einem Bus überfahren worden, als wir die Straße überqueren wollten.  
Da müssen wir uns morgen wieder mehr anstrengen, immer erst nach rechts schauen!

War ein netter gemütlicher Tag in Cambridge, jetzt sind wir wirklich in England angekommen.

Die Wahl war heute übrigens erstaunlich unspektakulär und eben jetzt - um 22 Uhr-haben erst die Wahllokale geschlossen. In den Nachrichten wird wild spekuliert und die interessantesten Bilder sind die, die die verschiedenen Wahlbezirke in ihrem Wettkampf um die schnellste Auszählung zeigen. Junge Leute in Sportklamotten sprinten mit den Wahlurnen heran, Menschenketten reichen sich gefüllte Wahlurnen weiter, der letzte rennt in das Gebäude, wo an verschiedenen Tischen schon ausgezählt wird. Sieht aus wie Spiel ohne Grenzen. Und es sieht so aus, als hätte sich Theresa May verrechnet, oder?
Morgen weiß man mehr.
Und morgen radeln wir weiter gen Nord-Osten!







Mittwoch, 7. Juni 2017

1.Tag: Engen-Zürich-Luton-Royston

Oh weh, eigentlich bin ich viel zu müde zum schreiben. Diese englischen Hügel haben es in  sich und statt den vorgesehenen 40 km sind wir 60 km gefahren.  Der Wind hat auch kräftig geblasen doch es war anfangs schön sonnig, gegen später haben immer wieder dunkle Wolken gedroht, aber es kam kein Regen. In Stevenage haben wir ein Mandala gefahren, man kann es auf der Naviaufzeichnung gut erkennen, wir sind einfach nicht aus dieser Stadt herausgekommen. Und kein Mensch kannte sich aus, alle die wir gefragt haben, sind gerade erst frisch hierher gezogen. Da muss eine richtige Völkerwanderung stattgefunden haben.
Höflich ist der Engländer und ein rücksichtsvoller Autofahrer auf den kleinen Sträßchen, aber wehe man wagt sich- in Ermangelung von Alternativen und um endlich aus dem Mandala auszusteigen- auf eine größere Straße. ,Da muss ich jetzt mal den Polen Abbitte leisten, auf die ich letztes Jahr so geschimpft habe: also ich finde dass Polen doch ein recht radfreundliches Land ist. Jawoll!
Der Linksverkehr ist natürlich gewöhnungsbedürftig und echt angsteinflößend ist es auf einer kleinen Straße, die sich zwischen hohen Hecken schlängelt, ganz brav auf der linken Seite zu fahren und dann kommt eine Linkskurve und man hört ein Auto herannahen. Grrr.
Trotzdem: herrliche Landschaft, diese hohen Hecken und hohen Bäume, sehr oft sind es Eichen. Und immer wieder ein kleines Bauernhaus oder Gehöft aus dunklen Klinkersteinen mit schönen Rosen im Vorgarten. Wir haben auf einem Feld sieben Hasen gesehen und eine Fasanhenne.


Aber jetzt lass ich mal den Manne von der erfolgreichen Flugreise erzählen. Es war auf jeden Fall super vom Flughafen mit den Rädern loszufahren, auch hier haben wir erstmal ein kleines Mandala gefahren bis ein Flughafenangestellter uns den Weg hinaus gewiesen hat.

Also ich finde, wir haben uns für den ersten Tag richtig gut geschlagen!

Die Anspannung der vergangenen Tage, vor allem, was die Anreise betraf, war im Nachhinein unnötig gewesen.
Zuerst waren ja die Kartons nicht wirklich passend. Passend gemacht und mit einem halben Kilometer Gewebeband  gesichert sah unser Gepäck eher abenteuerlich aus - ob die das so annehmen werden?
Arme Fahrräder. - Zuerst entpedalt, dann entgelenkstangt, dann entvorderradt und entsattelt - und es gab immer noch Beulen.

Danke, Klaus!!!  Ohne dich hätte ich wahrscheinlich schon beim Vorderrad aufgegeben. Die Bremsen lösen- klar! Muss man drauf kommen, dann geht auch das Vorderrad raus, - ganz einfach.

Das gleiche mit den Satteltaschen. Ein Gepäckstück ist erlaubt. Wir haben aber je 2 Satteltaschen- also: aus 2 mach 1:


Da waren schon 2 Rollen Panzerband verbraucht. 

Alles gepackt. Was liegt da noch rum? - Das darf doch nicht wahr sein! Friederikes Sattel! Keine Chance, sie ließ sich nicht davon überzeugen, dass Sättel allgemein überschätzt werden, und nach einigen Kilometern eher den Hintern malträtieren.  
Ein Glück, dass ich ich  noch für Gewebebandnachschub gesorgt habe!
Dienstag Abend kommt Christoph mit Anhänger, der so lieb ist,  uns zum Flughafen zu fahren!





War eigentlich optimal! Eigentlich! Klappte wirklich gut, - bis wir feststellten, dass easyjet im Terminal 3 ist, was nur über ein Parkhaus erreichbar ist,- an dessen Eingang in Bildersprache erklärt wurde, dass Fahrzeuge mit Anhänger nicht einfahren dürfen! Da dachten wir, "Ok?"
Was jetzt? Christoph fährt trotzdem rein. Und in endlosen Spiralen hinunter zum Terminal 3. Alles kein Problem. Es hat genügend Parkplätze, so dass das Auto mit Anhänger kurz stehen bleiben kann.
UND DANN ..die Riesenüberraschung. Aus aus dem Parkhaus, rein in die Abfertigungshalle, keine 50 Meter, gleich rechts, die easyjet Schalter. - Boardingkarte zeigen, total easy - jet. Unsere Gepäckstücke bekommen eine Banderole. Wir gehen 30 m weiter zum Sperrgut. Abladen aufs Band. Fertig.
Der Flug genauso unkompliziert. 
Die letzten Tage haben wir uns immer wieder gefragt, was machen wir mit den Kartons? Die Fahrradkartons werden von einem jungen Mann durch die Tür geschoben. Die Satteltaschen kommen gleichzeitig an. Fantastisch!
Noch im Gepäckbereich ist eine Ecke der Putzkräfte. Zufälligerweise ist einer der Chefs da, ich frage ihn was wir machen sollen. "Kein Problem! Die Kartons entsorgen wir,  wenn Ihr uns helfen wollt, dann packt erst nach der Einkaufspassage aus, dahinten bei den Mülleimern könnt Ihr Alles hinstellen, Wow! Wasnservice!
Also mit dem Teppichmesser alle Panzerbänder aufgeschnitten, und mit der Montage begonnen. Und wieder klemmt es mit dem Vorderrad, die Bremsen habe ich aufgekriegt, aber entweder ist das Vorderrad gewachsen oder die Gabel geschrumpft. Wir stellen und deutlich dämlich an!
Zum Glück sieht das ein junger Mann, Andrej, der seine Mutter abholt, die die Familie in Rumänien besucht hat. Andrej verdient sein Geld als Fahrradbote.
In Nullkommanichts hat er die beiden Fahrräder zusammengebaut. Seine Mutter die gerade ankommt ist stolz auf den hilfsbereiten Sohn. - Leider kann ich das Foto von Andrej nicht einstellen, weil es mit dem Smartphone gemacht wurde und sich gerade nicht drehen lässt.
Aber es kann losgehen. Um Viertel nach Eins sind wir auf  der Strecke.

Wie Friederike schon sagte, aus dem Flughafengelände mit dem Fahrrad rausfahren ist keine einfache Sache. Aber auch hier hat ein netter Parkwächter weitergeholfen.
Aber jetzt bin ich auch bettreif!! Über Royston, den Roy stone, die Obstgärten und die Cambridgestudenten Morgen vielleicht mehr. Das soll ja dann wirklich eine entspannte Kurztour werden.




Samstag, 3. Juni 2017

Auf ein Neues!

Der Sommer naht.  "Uns brennt´s in unsern Radlerschuhn..." (deutsches Liedgut)
Die Fahrräder sind in Schuss! Es kann wieder losgehen mit einer neuen Sommerreise -  und unserem neuen Blog. Der da heißen soll


 Das Ander Buch 

von den Britannischen Inseln


Genau. Wir wollen diese "unbekannten Völkerschaften",  die so lange schon vor Europa geankert haben, dass wir geglaubt haben, sie gehörten irgendwie dazu, auf unserer diesjährigen Radtour etwas besser kennen lernen. 
Zwar beziehen sich meine Kenntnisse nicht mehr ausschließlich aus diesem hervorragenden, aber leider etwas unhandlichen Reiseführer




aber es wird sicher höchst hilfreich sein, zu sehen ob die eine oder andere Erkenntnis des  guten alten
 Sebastian Münster auch heute noch zutrifft:

Für die Reisevorbereitung war dieser  Hinweise natürlich sehr hilfreich:

Der Lufft in engelland ist temperiert aber doch dick und god/derobhalben es dann viel Wolcken/Wind und Regen gibt: und weil der Lufft also dick, so ist es auch niemalen weder zu heiß noch zu warm. Die Nächte seind gemeinlich häll/


. Anders als in den Jahren zuvor nahmen im Vorfeld, Fragen wie: "Cape, ja oder nein?" "Lange Radlerhose", ja oder nein, Pullover? ... größeren Raum ein.

Bei der Vorbereitung wurde uns schnell klar, - diese Reise wird uns vor neue Herausforderungen stellen. Damit meine ich nicht allein das Wetter und den Linksverkehr.

Auch nicht, dass wir dieses Jahr relativ wenig an Flüssen entlang fahren - meine Lieblingsfahrtrichtung ist bekanntermaßen flussabwärts - sondern eher den Küsten folgen, was das Tourenprofil in der Regel eher zur Berg-und Talbahn macht,-  das Alles ist nicht so ganz neu,das werden wir schon hinbekommen.
Was uns in diesen Tagen eher in Anspannung versetzt, ist die Tatsache, dass wir dieses Jahr zum ersten Mal mit unseren Rädern fliegen werden. Also natürlich, wir in der Kabine und unsere treuen Gefährten im Gepäckraum. Dazu muss man sie aber "flach" machen und in Transportbehältnisse stecken. Lenker abbauen, Pedale abbauen, und das Vorderrad ausbauen. Und dann? Im Flughafen in London die Räder wieder zusammenbauen und losfahren! Da bin ich mal gespannt! Und was machen wir mit den Transportkartons, die uns  nette Fahrradhändler zur Verfügung gestellt haben. Wie werden wir die in Luton wieder los? Fragen über Fragen!!  Wie heißt es, man wächst mit seinen Aufgaben! 
Wir halten Euch natürlich auf dem Laufenden. Und wie in den letzten Jahren, schreiben wir unseren Blog auch wieder gemeinsam. Friederike wird dieses Jahr 17 Tage dabei sein - und dann- hoffentlich-
ohne Probleme wieder mit gut verpacktem Rad von Edinburgh den Heimflug antreten.

AM 7. Juni, geht es los! 
Wir hoffen, Ihr schaut wieder in unseren Blog!

Und jetzt Friederike:

Wenn ich die Karte so anschaue, dann kommt mir mein kleines Stückchen Mitfahrstrecke doch recht mickrig vor. Kann das sein, dass ich dafür gute zwei Wochen brauche? Oder sind da vielleicht ganz blöde Berge? Sollte ich vielleicht doch selbst mal in eine richtige Karte schauen, ...? Ach Quatsch, ich verlass mich auf meinen Reiseführer! 
All inclusive, wie jedes Jahr.
Das wichtigste weiß ich ja: wir radeln zusammen von London nach Edinburgh.

Also dann: see you!

48.Tag: Aachen nach Engen und Schluss

Er ist wieder da! Wieder hier! ( Muss nicht mitgesungen werden) Eine wunderschöne Tour ist zu Ende, 2.101km sind es geworden! Die Rü...