Juhu! Die 1. hundert Kilometer sind geschafft!
Friederike:Das war heute eine veritable Radtour: 78 km, anfangs wunderschön durch die Meadows of Cambridge und entlang der Cam,
und später an der Ouse (Kreuzworträtselfluss!), auf einem richtigen Radweg: Nr.51!

Dann auf kleinen Sträßchen mit wenig Verkehr und zum Schluss wieder entlang vom Fluss der durch Peterborough fließt. Ach ja, und dazwischen: 20 km gut befahrene Straße ohne Radweg. Feierabendverkehr! Das war nicht so schön. Und um mich nicht über die Autos aufzuregen habe ich ein bisschen arabische Zahlen geübt, bis 100 geht das ja auch noch ganz schön lange.
Ganz kurz hat es auch mal geregnet:

Meine Bewunderung für die englische Erziehung steigt: Selbst die Pferde kommen in den Genuss von Verkehrserziehung und lernen die Fußgänger., bzw. die Pferdeampel zu benützen. Schade, wir haben keine Pferdetrainer beobachtet, wie sie den kleinen Fohlen das Drücken des Ampelknopfes mit ihren zarten Nüsterchen beibringen:
Unsere Radtouren und vor allem der morgendliche Aufbruch haben etwas sehr Unklares. Da gibt es die Anweisungen des Navi, die Karte von Manne und das was die Leute auf der Straße sagen, wenn man sie fragt. Und das können drei verschiedene Richtungen sein!
Ich hab jetzt auch verstanden warum die Engländer alle so tun als ob sie neu zugezogen wären: Sie sind zu höflich um zu sagen: "keine Ahnung" oder "hab´s eilig" oder "muss erst mal die geilen Bilder anschauen, die mein KumpeEl grad geschickt hat".
Da wo der Südamerikaner wort- und gestenreich davon ablenkt keine Ahnung zu haben und einen dann irgendwohin schickt mit sehr vagen Zeitangaben, und wo der Pole der Einfachheit halber den Weg über die Autobahn beschreibt, da sagt der Engländer "sorry I' m not from here" und geht schnell weiter.
So, jetzt darf der Manne von Peterborough berichten- wir waren heute übrigens russisch- littauisch essen- so wie es sich bei diesem Ortsnamen gehört.
Also jetzt ich:
(manne) Dass wir die gleiche Reise aus zwei Perspektiven beschreiben hat für den werten Leser/in erhellenden Charakter.
Für mich war eines der Highlights des Tages, die "Guided Busline" zwischen Cambridge und St.Ives.
So etwas habe ich überhaupt noch nicht gesehen, und auch nie davon gehört.
Das war absolut faszinierend:
Und noch genialer ist, dass entlang der ganzen Strecke ein wunderbarer Fahrrad-Highway angelegt worden ist, auf dem man unglaublich schnell vorankommt, vor allem wenn man Rückenwind hat.
Dieses Nahverkehrskonzept, das auf einer alten Eisenbahnstrecke verläuft, wurde schon 2001 konzipiert, aber erst 2011 fertig gestellt und ist wohl der "white elefant" von Cambridgeshire - hat im Endeffekt dann auch dreimal so viel gekostet, wie geplant, aber ich finde da hat sich jedes Pfund gelohnt.
Wir haben uns gefragt, wie die Busse auf den engen Spuren gelenkt werden. Anscheinend reichen kleine, querstehende Lenkräder, die Busse in der Spur zu halten, was sehr erstaunlich ist, wie ich finde, denn auf den Betonbegrenzungen habe ich keine einzige Gummiabriebsspur gesehen. Vielleicht werden sie jetzt doch GPS unterstützt gelenkt. Wenn man dieses System, das insgesamt billiger und flexibler als Eisenbahnverbindungen funktioniert, noch mit E-Mobilität verbinden könnte, hätte das Zukunftsperspektiven. Ich jedenfalls war restlos begeistert.
Natürlich auch von den Marschen und den Gänsebabies!
Aber mindestens genauso umwerfend ist für mich, diese Landschaft, die sowas von Geschichte getränkt ist. Und zwar richtig weit zurückliegende Geschichte, deren Spuren man an jeder Ecke zu sehen bekommt. Oft auf den ersten Blick eher unspektakulär
Der erste Gedanke ist: Kirche halt. Dass es sich da um die Swavesey Priory handelt, deren Gründungbis zur Normannischen Invasion zurück geht und diese Priory - natürlich nicht diese Kirche so wie sie jetzt ist, aber die Siedlung über 1000 Jahre alt ist, das ist schon ein Hammer. Und um die Kirche herum ein Hügel, der dann zur Kirche hin wieder abfällt. Woher kommt das? Ein Berg voll Knochen, Gräber! Der Friedhof! Der langsam anwächst. Die Kirche ist von einem Wall von Knochen umgeben. 1000 Jahre Knochen. Wie hoch wären die Hügel Englands ohne die Knochen seiner Vorfahren?
St. Ives ist ein netter kleiner Ort, mit einem schönen Marktplatz und einem bemerkenswerten Cromwell-Denkmal.
Ich habe versucht herauszubekommen, was St. Ives mit Cromwell zu tun hat. Was ich herausgefunden haben: Nichts! 19.Jahrhundert. Geschichtsbesoffenheit, jeder Ort wollte ein historisches Denkmal.
Trotzdem, St. Ives hat mir ausgesprochen gut gefallen.
Friederike hat ja schon von unseren Schwierigkeiten berichtet, aus Orten herauszukommen. Die Karten geben nichts her und das Navi hat offensichtlich auch nicht genug Daten. Aber wir haben es nach Peterborough geschafft.
Ich hatte ja schon von der Kathedrale gehört. Aber Peterborough hat mich wirklich beeindruckt.
War ich nach der Chapel vom King´s College von der englischen Gotik hin und weg.
Peterborough ist auf andere Art noch einmal ein Highlight.
Wenn die Chapel fast schon einen Tick zu "feingliedrig" wirkt, so ist die Kathedrale von Peterborough in sich unglaublich harmonisch. Abgesehen von ihrer enormen Größe. Ich glaube ich habe noch nie so ein langes Kirchenschiff gesehen.
Innen konnten wir keine Aufnahmen machen, weil gerade eine Messe gehalten wurde. Eine Tonaufnahme vom Peterborough Knabenchor hätte sich allerdings gelohnt. Es war eine sehr schöne Stimmung in der Kirche.
Ich war anfangs etwas irritiert. So etwas hatte ich noch nicht gesehen. Zum einen der Ausmaße wegen. Zum Anderern war das keine Französische Gotik, schon garnicht eine Deutsche. In manchen Bereichen eher Übergang von der Romanik zur Gotik. Aber was war in der Kirchenfront so anders.
Dann kam es mir. Kein Skulpturenprogramm, keine Heiligen, keine Biblischen Geschichten in den Bögen, in den Türen. Einfach Geometrie! Das Himmlische Jerusalem ohne Engelsfiguren und "Jüngstes Gericht" Filigrane Säulen, einfach schön! Die Türwölbungen ornamental gestaltet, nicht die keltischen Bögen, eher normannisch? Who knows? Ich bin kein Fachmann. Aber das ist schon ganz großes Theater.
Die schieren Ausmaße dieser Kirche - der Hammer. Und kein einziger Wasserspeier, und keine der üblichen gotischen Abstützungsarchitekturen. Wie haben die das gemacht?
Aber auch das Umfeld, mit dem Rennaissancemarkt - eine Augenweide!
Aber, liebe Petersborougher! Ohne Kritik geht es nicht ganz!
WAS SOLL DER SCHEISS!
"
Ich habe ja schon viele geschmacklose "Modernisierungen" gesehen! Aber dies toppt Alles!
Und:
Liebe Engländer! Nachdem, siehe oben, wir hervorragend litauisch gegessen haben und ein 1a litauisches Bier getrunken haben, gedachte ich, des Blogs wegen noch ein lecker englisch Bier zu erstehen, und zwar wie es sich gehört, in einem "Off Licence" Wie ich sie noch aus meiner Assistant Teacher Zeit kenne.
Aber was war das?
Ein Bierreise um die Welt! Mir wurde schon vom Anblick übel.
Ich schwöre! Kein einziges englisches Bier, nicht einmal die Ales...etc, die es gestern in Cambridge auf der Speisekarte gab.
Ein Glück, dass es gleich daneben noch einen "polish off-licence" gab, der eine richtig tolle Auswahl hatte. Der pakistanische Verkäufer, der aus Glaubensgründen sein Warenangebot nicht ausprobiert hatte, war bei der Auswahl des großen Angebots keine große Hilfe.
Ein Glück, dass ich in dieser Hinsicht schon von anderer Seite eine Grundausbildung in polnischen Bieren erhalten habe.
Das wär´s für heute. "See you, then!" Bis Morgen.

















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