Montag, 26. Juni 2017

20.Tag: Von Dunoon nach Tarbert

die Route

Wow! Wasn Tag!
Wie viele Sterne darf man vergeben? 
Wenn 5 Sterne das höchste ist, dann muss ich eine Aufsplittung der Wertung vornehmen.

Heute war eine 5 Sterne Strecke! Trotz all der Berge!
Ein 5 Sterne Wetter! Trotz der seehr frrischen Temperaturen!
Und ein 3 Sterne Manne! (Ist ja sonst niemand da, der mir auf die Schulter klopft, mache ich´s halt selbst und bleibe - fast schon unanständig bescheiden!)

Aber von Anfang an:

Dunoon, bzw. meine Unterkunft war wirklich die schönste auf der bisherigen Strecke, die Leute sehr angenehm. Und das Frühstück, - Früchte! In jeder Form! Mein erstes porrigde- fantastisch! Auch wenn ich das Angebot meines Gastgebers, einen wee bit Whisky reinzutun, dankend ablehnen musste. 
Und der Raum mit Ausblick - erste Sahne!


Hinter den Fensterscheiben war es gemütlich warm. Ein kurzer Schritt vor die Tür genügte, heute müssen die Beinlinge ran! Das Thermometer hat es knapp über die 10° geschafft. Für eine Bergetappe eigentlich keine schlechten Voraussetzungen.
Die Touri-Folklore-Karte von gestern, das war mir schon klar, ist eine glatte Unverschämtheit. Von wegen nur über einen Berg. Es waren heute derer Drei und jeder für sich eine ziemliche Herausforderung.
Doch zuerst ging es gemütlich am Clyde und dann am Holy Loch entlang. Wunderschön zum Einradeln.


Spiegelglattes Wasser, d.h. kein Wind! Welch Hochgefühl! Kein Wind!!!!
 Da macht das Radeln wieder Spaß, auch wenn ich mir ausrechnen kann, dass da hinten - dort wo die beiden Hügel zusammenkommen und dahinter der nächste dräut, der Einstieg in meine heutige Bergetappe sein muss. 
Und so war es auch.
Und es ging gleich knackig los. Zuerst versuche ich die Variante: Softshell ausziehen, Beinlinge anlassen. Geht nicht lange, dann muss ich auch die Beinlinge ausziehen. Das ist schweißtreibend.
Ich komme mir phasenweise wie im Schwarzwald vor.




Die Steigung ist knackig, aber machbar,immer wieder mit Plateaus auf denen man Luft holen kann. In den Highlands geht es bestimmt nicht anders zu Sache.

Auf der Höhe ist der Tarsanstausee, Loch Tarsan ! Und dann geht es hinab zum Loch Striven, das eigentlich ein Fjord hinunter zum Firth of Clyde ist.


Was mich hier oben am meisten beeindruckt hat ist die Stille. Nichts zu hören - vor allem kein Wind!
Die Straße ist sehr schmal, zwei Autos kommen nicht aneinander vorbei, dafür hat sie alle paar hundert Meter Beulen, an denen man aneinander vorbei kommt. Die paar Autos, die mir heute begegnen sind rücksichtsvoll und warten wirklich auf die "Beulen" bis sie überholen, bzw. ich warte auch mal, wenn ich höre, dass von hinten was kommt.



Das ist jetzt das Loch Striven und ich habe eine rasante Abfahrt hinter mir. Zu der ich mir ganz schnell wieder die Jacke rausgeholt habe!
Am rechten Rand des Striven geht es dann wieder hoch. Obaschowia, würde der Bayer sagen. Der 2. Berg des heutigen Tages ist zwar nicht ganz so hoch, wie die anderen beiden, aber dafür um so giftiger. Mit 20-24% Steigung für mich streckenweise nicht zu fahren. Aber zu schieben sind diese Rampen auch eklig. Das geht in die Arme. 
Aber ich habe ja Zeit, bin nicht gestresst, die Ausblicke sind einfach der Hammer und so schiebe ich mich und das Radl nach oben.


Also wieder alles Ausziehen! Dann geht´s wieder abi! Also wieder alles Anziehen. Ich schwör´, nach 100m Abfahrt, frierst du dir sonst die Arme ab (der Körperteil, der sonst für diese Redewendung herhalten muss, ist gut geschützt vorm Abfrieren!) 
Unten angekommen am Loch Riddon, kommt schon das erste Schild, das bestätigt, das die Fähre hinüber nach Tarbert heute fahrplanmäßig unterwegs ist. Das ist sehr beruhigend, zu wissen. Denn Alternativen gibt es in dem Gelände eigentlich nicht.

Konnte man in echt schon lesen.
Und nun kommt der schönste Abschnitt des Tages. Das ist zwar der höchste Berg der Strecke, doch er lässt sich einigermaßen gut fahren ohne abzusteigen. Fast oben angekommen ein Aussichtspunkt über die Kyles of Bute und die Insel Bute- gehört alles zu einem großen Naturschutzgebiet. 


Ich bin ja sonst kein Freund von Reiseführersuperlativen, aber das war heute wirklich atemberaubend, - wenn mir nach dem Anstieg hierher irgendjemand noch meinen Restatem hätte rauben können. Das war die schönste Mittagspause bisher seit wir/ich über diese Insel radel/n.


Hier habe ich auch eine Gruppe Radfahrer getroffen, die  heute allerdings mit dem Auto unterwegs sind, und mich etwas neidisch beobachten, bis wir nett ins Gespräch kommen. Außer diesen Radfahrern - heute ohne Räder - sind mir heute nur 2 Fernradler/innen  und 2 Rennradler begegnet. Das war´s dann schon.


Danach wieder Alles anziehen und hinunter nach Tighnabruaich (jetzt bist du dran John!) keine Ahnung wie man diesen Ort ausspricht, aber die gälische Schotten gehen ähnlich großzügig mit Vokalen um wie die Franzosen, um dann hinten hinaus vielleicht  ~brach zu sagen.


An den Hängen dieser Abfahrt den halben Berg hoch Rhododendren! Halbe Wälder.
Und ein wenig "Kunst"



Und ein letztes Mal den Berg hoch, wieder Direttissima ohne Kehren, einfach steil hoch und hinunter zum Loch Fyne. Mein liebstes Loch des Tages!
Denn an diesem liegt Portavadie, wo die Fähre nach Tarbert abgeht.


Aber vorher kommt noch Millhouse - das musste ich für alle Freunde der Simpsons  einfach aufnehmen. Jetzt wissen wir endlich woher die Vorfahren von "Millhouse" kommen.
Millhouse ist ein Weiler, mit nur ein paar Häusern. Vermutlich ist nicht mehr übrig, denn die Mühle von Millhouse war eine Pulvermühle. Und man hat gut daran getan, diese Art von Mühlen so abgelegen wie irgend möglich zu platzieren.


Mit dieser Kanone haben sie 2007 versucht das Millhoussche Pulver wieder herzustellen und zu testen. Weit geflogen ist die Kugel allem Anschein nach nicht.


Un dann die Anlegestelle


Und dann die Fähre. So Stücker 10 Autos gehen drauf.


Nach etwa einer 1/2 Stunde sind wir drüben. Auf dem richtigen "Zipfel" (siehe unten). Der Halbinsel Kintyre. Wobei Tarbert genau genommen nicht Kintyre zugerechnet wird. Hier sagen sie dazu Knapdale. 

Tarbert ist ein Bilderbuchhafen. Etwas aus der Zeit gefallen. Man könnte hier wunderbar Filme drehen, die in den 50er und 60er Jahren spielen,  ohne dass man viel verändern müsste. Mir gefällt es hier sehr gut. 
Die Hafenkneipen sind noch Hafenkneipen, schlechtes Essen gutes Bier. Touristen schon irgendwie, aber auch nicht wirklich. Das war heute das erste Mal, dass ich in eine Kneipe reinkomme, und mich von Anfang an nett mit meinen neuen "Nachbarn" unterhalten habe. Ein älterer Herr aus Yorkshire ist gerade mit seinem Boot angekommen, - nicht aus Yorkshire natürlich. Er fährt hier nur rum und das Boot liegt in der Nähe von Dunoon. Ich weiß jetzt Alles über die Lochs und warum er bis Mittwoch wieder in Dunoon sein muss, - So gefällt mir das Radeln!

Meine heutige Unterkunft ist sehr original. Das Knap Guesthouse ist ein schönes altes graues Steinhaus aus dem 19. Jahrhundert. 


Mit einer ausnehmend hübschen Eingangstür. Ich frage Herrn Knap ob seine Vorfahren aus Deutschland ausgewandert sind, -und wenn ja, um Gottenswillen nach Schottland, und warum auf dem Weg hierher ein P verloren gegangen ist. Her Knap lacht und erklärt, dass knap hier Abhang, Gipfel heißt. 

So Morgen geht es also den Kintyre hinunter; wahrscheinlich noch einmal eine etwas gebirgige Tour.
Mein neuer Yorkshire Freund war am Wochenende in Campbeltown und meinte, dass die Fähre nach Irland am Samstag ausgefallen sei. Er wollte auch nach Irland, aber bei dem sturmartigen Westwind sei das nicht möglich gewesen. Na, dann hoffen wir mal, dass ich am Mittwoch in Campbeltown nicht in eine Sackgasse gerate, - das wäre bitter. Aber der Wind ist vorüber. Es soll  die nächsten Tage "ergiebig" regnen.

Eines muss ich die ExpertInnen von der Profa aber noch fragen: 
Seit ich die Karten dieser Gegend eingehend studiere, stelle ich mir immer wieder die Frage, geht das nur mir so, dass mir beim Anblick der Halbinsel Kintyre komische Assoziationen kommen?


Sollte man diese geographische Anomalie nicht eher "Dick of Scotland" nennen - was meinst du John?








Sonntag, 25. Juni 2017

19. Tag: Von Glasgow nach Dunoon



Der erste Blick aus dem Fenster, - die Sonne scheint. Der zweite: Dunkle Wolken. Heute kommen die Beinlinge und das warme Unterhemd zum Einsatz.
Beim "Aufsatteln" bläst es mein armes Fahrrad fast um. Der Wind ist immer noch heftig und das mitten in der Stadt. Ich starte. Nach kurzer Zeit ist es mir zu blöd. Ich drehe um, fahre zum Bahnhof und kaufe ein S-Bahn Ticket Richtung Glasgow Habour und Gourock (sprich Guurruukk).
An dieser Stelle ein großes Lob an die in England und Schottland viel kritisierten privatisierten Bahnen. Sie sind nicht teuer und das Fahrrad war bisher immer kostenlos.



 Nö, die nächsten beiden Tage werden heftig genug werden. Da muss ich mich nicht heute schon gegen den Wind aus der Stadt quälen!!
(Ich weiß ja, das ist nicht die reine Radlerlehre! Aber vielleicht kann mir meine Leserschaft ja den kleinen Beschiss verzeihen. Ein kleines "ego te absolvo" nach dem Nachtgebet würde mir schon reichen)
Mir jedenfalls hat die Entscheidung gut getan. Zumal mir das Wok-Gericht in einem Schnellimbiss gestern Abend gar nicht gut getan hat.
Allerdings wurden meine Magennerven auf dieser Fahrt gleich 2fach auf die Probe gestellt. Die S-Bahn aus der Stadt heraus, so gegen 10:00 war anscheinend noch der Zug, in dem Kampftrinker den Heimweg nach durchzechter Nacht aus der Stadt antreten. Von dieser Sorte steigt eine Truppe in mein Abteil, setzt sich in die Nähe. Einer von ihnen fängt kurz nach der Abfahrt  an, sich  still und  heimlich unter den Sitz zu übergeben. Nichts wie weg hier. Das Fahrrad musste ich in dem Abteil stehen lassen.
Dann kam die Überfahrt nach Dunoon! Ganz schöne Wellen! Kleine Fähre, keine Autofähre. Doch zum Glück hatte meine 11:00 Uhr Banane eine wohltuende Wirkung auf meine Magenwände!



Da vorne sind dann auch schon die Berge! Da kann man nicht mehr von Hügeln sprechen. Mannomann! Und das bei dem Wetter. Schaumermal, dann sehn wir schon!


Die Überfahrt dauert nur eine knappe halbe Stunde. Dunoon wirkt nett, - ein wenig verschlafen!

Am Hafen werde ich auf Ersisch  oder Gàidhlig begrüßt. Jetzt bin ich endgültig in Schottland angekommen


Das schottische Gälisch gehört zu den goidelischen Sprachen. Es ist mit dem Irischen Gälisch und dem Manx der Isle of Main verwandt (das eigentlich mal "ausgestorben" war). Ob die Leute hier tatsächlich noch Gàidhelig sprechen, oder ob die Beschilderungen nur eine Form der politischen Selbstbehauptung sind, weiß ich im Augenblick noch nicht.
Da ich ein wenig früh für die Unterkunft dran bin, setze ich mich ins Hafencafé um einen Tee zu trinken. Ich bin in sehr unterhaltsamer Gesellschaft. Auf der Halbinsel ist an diesem Wochenende ein Punkfestival gewesen. Ja, ja auch die Punkerschaft ist in die Jahre gekommen. Da muss schon ein XXXl Punker T-Shirt über die Bierplautze, - und dann ist immer noch nabelfrei angesagt. Und auch der Irokese will nicht mehr so recht stehen, - mangels Bewuchses der Kopfhaut. Aber die älteren Herrschaften sind gut drauf. Schwärmen von den Konzerten - und trinken Tee oder Kaffee. Die neu gekauften Doc Martens stehen in proppren Plastiktüten unterm Tisch. Tempora mutantur... oder        "s´ischnemedes" wie der gebildete Schwabe sagt.
Nach einer ausgiebigen Mittagspause - 2 Regengüsse habe ich durchziehen lassen, mache ich mich auf die Suche nach meiner Unterkunft.
Wow, das ist  heute wirklich wieder ein supernettes "Bed&Breakfast", richtig nette Leute. Lassen mich auch gleich rein, obwohl es noch nicht 15:00 ist.
Inzwischen war ich noch einmal im Flecken, habe wirklich gut gegessen. Das Lokal gerammelt voll, es gibt nur ein Gericht, aber das war lecker.
Ich habe auch eine gute Radkarte der Gegend bekommen, d.h. auch wenn es wettermäßig weniger toll werden sollte, die Strecke sollte machbar sein.

Dunoon liegt übrigens auf der Cowal Halbinsel, auf der einen Seite der Firth of Clyde, auf der anderen das Loch Striven. Ich werde Morgen noch am Heiligen Loch (Holy Loch), am Loch Tarsan (nein, nicht mit z) und am Loch Riddon vorbeikommen, um dann hopefully, am Loch Fyne zu nächtigen.

Damit Ihr Euch das besser vorstellen könnt:


Nein, das ist nicht meine neue Radkarte!  Oben rechts bei 30 bin ich im Augenblick und muss Morgen nach unten links 22 zur nächsten Fähre. Wenn die bezaubernde Karte nicht lügt, dann schlängelt sich mein Weg durch die Berge, und nur einmal muss ich drüber um zum Loch Ridden zu kommen, bei Kames scheint auch eine Lücke zwischen den Bergrücken zu sein. Wehe die Karte lügt!

So noch ein Blick von meiner Pension Douglas aus

Lasst Euch von diesem palmenähnlichen Gewächs nicht täuschen! Es ist saukalt. Sicher nicht mehr als 12° und Windchill!
Also dann bis Morgen!

Samstag, 24. Juni 2017

18. Tag: Von Falkirk nach Glasgow

die Route

Albert hatte heute Morgen einen schlechten Start! 3x mal will er mich durch die Fußgängerzone jagen und immer wieder in einen Hinterhof! Nein, was war keine reife Leistung. Und es bleibt mir ein unlösbares Rätsel, was er mit "mein Vorschlag" und "einfach" meint. Sein Vorschlag heute, war eindeutig Mist. Und "einfach" war genial. - Nicht wie anderntags schon, "einfaches" Profil, dafür aber befahrene Straßen. Nein "einfach" war heute 50 km entlang des "Firth to Clyde"-Kanals, 50 km so wie ich es liebe! Treidelpfade!


Mag ich fast noch lieber als Eisenbahntrassen!


Falkirk liegt am Forth to Clyde Kanal. Also einer Verbindung vom Firth of Forth und damit der Nordsee mit dem Firth of Clyde und damit der Irischen See.
Der Kanal wurde bereits Ende des 18. Jahrhunderts gebaut. Nach dem Treideln mit Pferden wurden eine zeitlang Dampfboote eingesetzt


Im 20.Jahrhundert hat er überhaupt keine wirtschaftliche Bedeutung mehr gehabt und wurde z.T. wieder zugeschüttet. Erst um 2000 hat man ihn wieder reaktiviert. Für Freizeit und Sport.





Hinter Falkirk hat man, für diesen Spaß-Kanal ein unglaubliches Bauwerk hingeklotzt. Hier wurde, um eine Verbindung mit dem Union Canal zu schaffen, der fast bis Edinburgh reicht, ein weltweit einmaliges Schiffs "Riesenrad" gebaut. Das Falkirk Wheel.
Man kann es fast nicht glauben, dass so ein Aufwand für ein paar Ausflugsboote betrieben wurde. Heute ist es aber durchaus ein touristisches  Highlight für die ganze Region.


Also das ist das Falkirk Wheel. Oben am Hügel geht der Union Canal los.



Und jetzt setzt sich das Wheel in Bewegung. D.h. in jedem der beiden Kreise der Schaukel, ist eine auf Rollen gelagerte Wanne. Darin, rechts ein Boot, das hinunter in den Forth to Clyde Kanal will und links Boot, das hinauf in den Union Canal gehoben wird.


Jetzt kann man auch den Anfang vom Union Canal sehen. 
Das war schon beeindruckend!!!

Beindruckend auch, aber leider in einem negativen Sinn, war der Wind. Angekündigt waren "starke Winde" gelegentliche "gusts" - gelegentlich ist gut. Das waren schon "Sturmböen" und die kamen mit steter Regelmäßigkeit so heftig, als wäre es ihnen ein persönliches Anliegen mich von dem Radweg zu pusten. Nein, das war nicht lustig, und der regelmäßig wiederkehrende Sprühregen auch nicht. Zu wenig um die Regenklamotten rauszuholen, und zu viel um sich warm zu radeln.
Ein Glück, dass die Strecke heute ein sehr angenehmes Profil hatte. Zwischendurch hat mich auch mal eine Radlergruppe überholt, der ich mich angeschlossen habe. War das schön, einen Belgischen Kreis ganz hinten zu fahren. Als der Letzte der Truppe immer häufiger über die Schulter schaute, habe ich mich dann wieder abgehängt. Die wären auf Dauer auch zu schnell für mich gewesen.

Um 14:00 im Hotel, einchecken und auf Sightseeing in Glasgow. Sorry, Helga, deine E-Mail mit den Tipps habe ich eben jetzt erst glesen, da war es schon zu spät. 

Glasgow gefällt mir gut. Auch wenn man die Stadt nicht mit Edinburgh vergleichen kann. Boomtown in der Industrialisierung, da blieb nicht viel Historisches übrig. Dann Reichtum im 19.Jahrhundert. Historismus und später Jugenstil.
Und eine sehr quirlige  Innenstadt, vor allem an einem Samstag Nachmittag. Straßenmusik an allen Ecken- zum Glück nicht nur Dudelsackspieler, - wohlgemerkt ich habe e i g e n t l i c h  überhaupt nichts gegen Dudelsack, nur wenn sich die Straßenmusiker "überschneiden", und man von einem Dudelsack zum anderen weitergereicht wird.



Lord Wellington hat inzwischen auch ein Hütchen bekommen. Mir gefällt diese neue Tradition der "Helden-Entehrung". Das GoMA dahinter, das Glasgower Museum für Moderne Kunst, war eher eine Enttäuschung. Es war praktisch nur ein Stockwerk zu besichtigen und alle Sonderausstellungen waren noch im Aufbau, bzw. verschoben worden.


Der Hauptbahnhof hat eine sehr schöne Jugendstilfassade, wie auch eine Reihe von alten "department stores" haben mich ein wenig an die Pariser Konsumtempel erinnert. Hier war Geld ausgeben schon immer ein Erlebnis, "event-shoppen" würde wir heute sagen.

Einschließlich des kostenlosen Auftragens, des so eben Gekauften.
Von allen Straßenmusikanten haben mir diese Jungs am besten gefallen. Weil sie so wunderbar diletantisch auf ihrer selbstgebauten Batterie rumgeklopft haben.




So jetzt will ich Euch nicht länger auf die Folter spannen. Schließlich wollen Alle wissen, wie es Friederike ergangen ist.
Doch eines muss ich noch los werden.
Nachdem ich meine Mütze nicht mehr finden konnte. Habe ich mir heute eine original schottische Tweed Kappe gekauft.
Mit  durchschlagendem Erfolg.


Schon in der nächsten halben Stunde nach dem Erwerb meiner neuen Kopfbedeckung wurde ich von ortsfremden Schotten nach dem Weg gefragt. 


 Motto des Tages: „DIE KISTE ist zu groß“

Der Taxifahrer schüttelte noch lange den Kopf über das Riesending hintendrin und mich auf dem Klappsitz, und auch ich musste immer wieder grinsen, wie der Manne wie das Äffle auf diesen Sitz gesprungen ist, um dem armen Mann zu zeigen, dass das doch geht.
Am Flughafen hat er mir noch geholfen DIE KISTE auf einen Gepäckwagen zu hieven, so schräg nach oben gestellt, so dass ich blind nach vorne dieses Gefährt durch den Parkplatz und in den Flughafen bugsieren musste. Kann man das eigentlich auch ziehen? Ha das ging viel besser, allerdings muss man gebückt laufen, denn DIE KISTE ragt ja hochkant drüber. Zumindest überfährt man so niemanden.
„Die Kiste ist zu groß“, sagt das Fräulein am Counter mit hochgezogene Augenbrauen. Ich ganz frech “damit bin ich aber von Zürich nach Luton geflogen“. Die Augenbrauen bleiben oben. Dann große Prozession zum Oversize-Gepäckabgabeschalter: DIE KISTE, zwei Fräuleins und ich.
„Die Kiste ist zu groß“ sagt der Mann, sie geht nämlich nicht durch das Oversize-Gepäckband und da müssen alle Sachen durch weil sie gewogen und durchleuchtet werden. Er muss sie aufmachen.
Ich verzweifelt: “aber ich bekomme die nie mehr zu.“ Der Mann holt in aller Ruhe sein Teppichmesser, schlitzt die Klebebänder auf, untersucht das Fahrrad, ist zufrieden und klebt alles wieder ganz ordentlich zu. Ich frage ihn ob er draufschreiben kann, dass alles kontrolliert ist, damit ich das Gleiche nicht nochmal in Luton machen muss. Das geht leider nicht, aber er schenkt mir die Rolle Klebeband. Das ist nett, lässt aber nichts Gutes erwarten.


Also jetzt erstmal ausruhen, der Abflug verzögert sich ziemlich, ich genieße die Zeit ohne DIE KISTE.
Und ich beobachte mit Sorge, wie sie bei Nieselregen ins Flugzeug geladen wird.


In Luton steht DIE KISTE schon neben dem Gepäckband und wie bei der Ankunft vor zwei Wochen ziehe ich sie neben mir her. Aber sie ist viel viel größer und viel viel schwerer. Ich leiste mir einen Gepäckwagen für 3 Pfund, bitte einen Flughafenmann mir zu helfen, aber  DIE KISTE rutscht runter, der Wagen ist zu kurz. Also doch schieben und  ziehen. Und ich muss ganz raus aus dem Flughafen und auf der anderen Seite des Gebäudes wieder rein. Straßenbelag, Baustelle, Steine. Hilfe bekomme ich von einem jungen Mann  (Ungar), der eigentlich auf seine Freundin wartet „Die Kiste ist doch viel zu groß für Sie“ sagt er – ja stimmt, endlich versteht mich mal einer!!!!, danke Lazlo! Er zieht sie mit großer Kraft über all den rauen Belag. Ich kann ihn ja schlecht bitten lieber zu tragen, aber ich befürchte, dass sie allmählich unten kaputt geht. Und so war’s, die ganzen Klebestreifen waren weggeribbelt und ich musste alles neu zukleben. Dafür hatte ich ja das Klebeband aus Edinburgh. Trotzdem danke lieber Lazlo, ohne dich hätte ich DIE KISTE  vielleicht einfach stehenlassen.
Dann vier Stunden in der Abflughalle neben DER KISTE  und schließlich das Gleiche wie in Edinburgh. Netterweise versuchen sie erst mit einem mobilen Röntgengerät in die Trageschlitze reinzuleuchten, aber sie sehen nichts. Also wird wieder das Klebeband aufgeschlitzt, dieses Mal mit einem Kugelschreiber, und ich reiche ihnen zum Zumachen großzügig mein Klebeband. Es ist jetzt fast aufgebraucht.
Die nächsten Stunden genieße ich in vollen Zügen, DIE KISTE ist wohl versorgt.
In Zürich schaffe ich es fast nicht mehr, sie aus der Halle rauszuziehen, eine nette Frau kommt mir zur Hilfe.
Ja und dann ist Marie da und lacht sich kaputt über DIE KISTE, und gemeinsam ziehen wir sie zum Auto und nichtmal in den Caddy geht sie rein. Wir befreien mein kleines zierliches Rad und trampeln „DIE KISTE“ kaputt. Juhu! Das macht Spaß!


Das war meine Rückreise! Irgendwie sind die schon immer besonders: bei der ersten Reise bin ich morgens um 6 Uhr durch ganz Paris geradelt, von Gare L‘Austerlitz nach Gare de L’Est, letztes Jahr von Liberec mit dem „Quer durch Land“ siebenmal umgestiegen und einmal in den falschen Zug und dieses Jahr meine Reise mit „Der KISTE“. Was kommt nächstes Jahr? Aber jetzt ist erstmal die Weiterreise von Manne dran.


Freitag, 23. Juni 2017

17.Tag: Von Edinburgh nach Falkirk



Die Kiste! Die Kiste! Die Kiste!

Friederikes Fahrradkiste! Ich habe die letzten Tage in Edinburgh immer wieder in jedes Großraumtaxi geschaut, das mir begegnete. Wie soll Friederikes Fahrradbox in diese Autos passen? 
Und mit der Zeit wuchsen die Zweifel. Ach was, wird schon gut gehen!
Eigentlich hatte ich ja vor, mit Friederike und meinem Fahrrad bis zum Flughafen mitzufahren, um ihr beim Einchecken zu helfen. Aber das war schnell klar! Zwei Fahrräder gehen gar nicht.
Friederike mit der Riesenbox - allein !
Die letzte Nacht habe ich äußerst unruhig geschlafen.
Am Morgen. Das "Großraumtaxi" kommt. Der Fahrer ist auch groß!
Er sieht die Kiste - "die geht bei mir nicht rein?"
Was nun. Schnell sage ich, "Sitze unklappen und von hinten durchschieben!
"Und wo wollt ihr sitzen?" "Ich will gar nicht sitzen! Nur Friederike muss noch mit rein. Bevor er wegfahren kann, fange ich an, die Sitze umzuklappen. Der Taxifahrer hilft die Box reinzuschieben. Uff, nach vorne gekippt wird die Heckklappe zugehen! Das ist schon mal gut.
"Aber wo soll deine Frau sitzen?" "Neben dir?" "There´s no seat!" - Stimmt.
Mist, Mist Mist.
"Da schau, auf dem Notsitz, gegen die Fahrrichtung!" Der Notsitz lässt sich tatsächlich runterklappen, - gerade mal so!
Ich steige ein, setzte mich drauf! Geht doch!
Unser Taxifahrer kommt aus dem Kopfschütteln nicht heraus. So eine Fuhre hat er überhaupt noch nicht gehabt.
Aber er gibt sich geschlagen. Friederike sitzt im Taxi. Die Schiebetür lässt sich auch noch schließen. Alles klar!!

Wie diese Geschichte weitergeht, werden wir hoffentlich spätestens Morgen von Friederike erfahren, wenn sie den "Abschlussbericht" ihrer Reise geschrieben hat.
Inzwischen habe ich auch eine SMS erhalten. "Fahrrad ist aufgegeben!"

Mannomann! Das war knapp.
Die Jungs vom Fahrradladen haben es ja gut gemeint und wollten das Fahrrad so wenig auseinander nehmen wie irgend geht. Aber....
Die kleinere Box, bei denen man das Vorderrad ausbauen muss, wäre deutlich einfacher zu transportieren gewesen.
Ich bin heute, da Friederike alleine zum Flugplatz muss deutlich früher unterwegs als sonst. Und es ist deutlich kälter!
Und windig!
Und oagnehm!

Aber die Ausfahrt aus Edinburg gestaltet sich entspannt! Ziemlich schnell komme ich auf eine alte Eisenbahntrasse! Sehr angenehmer Radweg. N U R nicht ganz ungefährlich,  um diese Uhrzeit sind viele Pendler unterwegs, die natürlich wie immer zu spät dran sind- und entsprechend schnell unterwegs sind und in Kurven nicht immer die Seite einhalten!!
Aber je weiter ich von Edinburgh raus bin, desto entspannter wird die Lage.


OK, die "Eisenbahntrassenbilder" kennt ihr so langsam.
Aber es ist einfach zu schön auf diesen Radwegen zu fahren. 
Was ich die ganze Zeit schon unterbringen wollte: Es riecht einfach wunderschön auf diesen Strecken. Der Geruch von Holunderblüten überall. Sehr angenehm! 



Zuerst ist es uns nicht aufgefallen, dass der Holunder, seit dem ersten Tag gleichbleibend voll am Blühen ist. Sollte er nicht irgendwann mal verblüht sein? 
Dann wird uns klar!
Dann kommt´s! Wir fahren nordwärts und dementsprechend verschiebt sich die Blüte nach hinten. So war auch heute noch einmal ein wunderbarer Holunderblütentag.
Heute habe ich so ziemlich den nördlichsten Punkt der Reise erreicht. Mal sehen, ob die Blüte dann vorüber sein wird.
Ein letztes Mal fahre ich noch einmal auf dem Nordseeradweg Nr. 1.



Bis bei Queensferry die großen Brücken nach Norden kommen, da biegt er ab und ich fahre weiter nach Westen.





Ihr seht richtig. Nebelschwaden, Sprühregen, - und heftigster Westwind. So radle ich den Firth of Forth hinauf.


Aber zum Glück bleibt es beim Sprühregen. Der gegen Mittag aufhört.

Bis Linlithgow bietet mir Albert sehr beschauliche Radwege oder kleine Sträßchen an. Für das Reststück bis Falkirk meint er, das wäre genug der Idylle, und lässt mich wieder einmal neben einer befahrenen- kleineren Straße - fahren. Aber immerhin mit einem Gehweg daneben - einem sehr schlechten. Aber was soll´s die Tagesetappe ist heute überschaubar.

Linlithgow hat mich überrascht. Ich wusste nicht, dass hier im Schloss Mary Queen of Scotland geboren worden ist. 
Ein sehr schönes Städtchen mit einer tollen Burgruine.



Ob mir auf meiner Reise Mary Queen of Scotland, noch einmal über den Weg läuft?

An der dazu gehörigen Kirche habe ich hoch oben, den Entdecker des Loch Ness Monsters gefunden.
Dem Gesichtsausdruck nach zu schließen, ist er ziemlich beleidigt, dass man ihn heute nicht mehr würdigt. Hat er Nessie doch sogar in seinem Wappen.


Mir ist schon seit längerem aufgefallen, dass der berühmte "englische Humor" sehr weit zurück zu reichen scheint. Zumindest was den Humor der englischen Bildhauer betrifft. Vor dem Rathaus in  Linlithgow ein prächtiger Brunnen und jede Menge sehr schlitzohrig gestaltete Figuren.




Das letzte Stück der heutigen Etappe, wie schon gesagt, zum Abhaken.
 Falkirk ist auch kein Reisehighlight.
Genauso wenig, wie das Hotel Antonine.
Von der Namensgeberin, der Antonine Wall habe ich leider auf der Herfahrt nichts mitbekommen. Dieser Schutzwall der Römer, war ihre nördlichste Grenze. Irgendwann im 2.Jahrhundert haben sie sich wieder hinter den Hadrianswall zurückgezogen.

Etwas seltsam kommt mir das Hotel schon vor. Unten eine Bar, mit Spieltischen und Automaten. Im 1. OG lange Flure "Konferenzräume! sehr eigenwillige Farbgestaltung. Gegen Abend liegen die Würfel schon bereit.


Falkirk scheint das Las Vegas Schottlands zu sein. An jeder Ecke Spielsalons.
"Betfred", Wettbüros. 


Das wird ein beschaulicher - und eher kurzer Abend! So ganz allein!

Beim Heimgehen bin ich an dem Haus vorbeigekommen, in dem good old Robert Burns  mal gewohnt hat. Zum heutigen etwa melancholischen Abend, passt ganz gut mein Lieblingslied von ihm, in der Fassung von "Traffic", wer dieses Lied nicht kennt, sollte es sich unbedingt mal auf youtube anhören!!!
John Barleycorn - ist keine reale Person! Wenn man die Geschichte richtig liest, dann ist das die Herstellung von Whiskey, vom Barley (corn) der Gerste, die gesät wird, be- erdigt wird, im Frühjahr wiedergeboren wird, bis hin zu den dunklen Grüften, den Fässern, um dann im (ur/un)christlichsten Sinne wiederaufzuerstehen! Genial der alte Burns, oder?

John Barleycorn: A Ballad


     There was three kings into the east,
     Three kings both great and high,
     And they hae sworn a solemn oath
     John Barleycorn should die.

     They took a plough and plough’d him down,
     Put clods upon his head,
     And they hae sworn a solemn oath
     John Barleycorn was dead.

     But the cheerful Spring came kindly on,
     And show’rs began to fall;
     John Barleycorn got up again,
     And sore surpris’d them all.

     The sultry suns of Summer came,
     And he grew thick and strong;
     His head weel arm’d wi’ pointed spears,
     That no one should him wrong.

     The sober Autumn enter’d mild,
     When he grew wan and pale;
     His bending joints and drooping head
     Show’d he began to fail.

     His colour sicken’d more and more,
     He faded into age;
     And then his enemies began
     To show their deadly rage.

     They’ve taen a weapon, long and sharp,
     And cut him by the knee;
     Then tied him fast upon a cart,
     Like a rogue for forgerie.

     They laid him down upon his back,
     And cudgell’d him full sore;
     They hung him up before the storm,
     And turned him o’er and o’er.

     They filled up a darksome pit
     With water to the brim;
     They heaved in John Barleycorn,
     There let him sink or swim.

     They laid him out upon the floor,
     To work him farther woe;
     And still, as signs of life appear’d,
     They toss’d him to and fro.

     They wasted, o’er a scorching flame,
     The marrow of his bones;
     But a miller us’d him worst of all,
     For he crush’d him between two stones.

     And they hae taen his very heart’s blood,
     And drank it round and round;
     And still the more and more they drank,
     Their joy did more abound.

     John Barleycorn was a hero bold,
     Of noble enterprise;
     For if you do but taste his blood,
     ‘Twill make your courage rise.

     ‘Twill make a man forget his woe;
     ‘Twill heighten all his joy;
     ‘Twill make the widow’s heart to sing,
     Tho’ the tear were in her eye.

     Then let us toast John Barleycorn,
     Each man a glass in hand;
     And may his great posterity
     Ne’er fail in old Scotland!






48.Tag: Aachen nach Engen und Schluss

Er ist wieder da! Wieder hier! ( Muss nicht mitgesungen werden) Eine wunderschöne Tour ist zu Ende, 2.101km sind es geworden! Die Rü...