Donnerstag, 29. Juni 2017

23.Tag: Wandertag am Giant´s Causeway



Da habe ich um die 40 Jahre Englisch unterrichtet - und in den meisten Büchern kommt irgendwann der Giant´s Causeway dran- und ich habe ihn  heute zum ersten Mal "in Echt" gesehen! Wasne Schande!
Aber besser spät als nie!
Der heutige Wandertag hat sich in jeder Hinsicht gelohnt!
Das war schon spektakulär. Auch wenn ich mir die Basaltstelen und den Damm der Riesen von den Abbildungen her viel größer vorgestellt habe.


Zum einen ist Susanna Drury und das 19.Jahrhundert daran schuld, denn als man die "Naturwunder entdeckte 2, pflegte man einen deutlichen Hang zur Übertreibung,  um den Gentleman aus den Ohrensesseln seines Clubs zu locken.
Aber! Die Sage vom Damm der Riesen erklärt auch, warum der Giant´s Causeway, nicht sooo gewaltig riesig ist. Doch davon später mehr.

Fangen wir von vorne an:
Mit dem Linienbus fahre ich bis zum Einstieg zum Causeway und merke gleich. Aber Hallo! Das muss ein Weltkulturerbe Hotspot sein (wobei ich mich gefragt habe, welchen Anteil die Kultur an diesem Highlight weltweiten Tourismus´ hat)
Busse, jede Menge Busse. - Und Chinesen, jede Menge Chinesen (damit verbinde ich kein Ressentiment gegen unsere Mitmenschen aus Fernost, es ist nur die Feststellung einer Tatsache),
und jede Menge Handysticks (wobei ich den Eindruck habe, dass diese Fehlentwicklung des technologischen Fortschrittes wieder zurückgeht)



Zuerst bin ich überrascht, dass die Touristenströme in eine supermoderne Eingangshalle gelenkt werden. Ich dachte eigentlich ich fahre zu einem "Outdoor-Event". Es kommt nicht der geringste Zweifel darüber auf, dass dies der einzige Zugang zum Causeway ist. Also zahle ich meine 9 Pfund. Als Nutzer des Öffentlichen Nahverkehrs und als 60+ bekomme ich 2x Rabatt, worüber ich mich sehr freue! (Bis ich auf dem Rückweg merke, dass man auch gut auf einem anderen Weg hinunter kommt. Aber es ist ja für einen guten Zweck!!?)




Für viele der aus Fernost angereisten Touristen, ist es eine große Hilfe, dass sie mit dem Bus hinunterfahren können (gegen eine kleine Gebühr extra). Ich bin immer wieder fasziniert in welchem Schuhwerk Herr, wie Frau Chinese oft unterwegs sind und das bei Temperaturen, die mich schon beim Anblick von Flipflops und einfachst Bailarinas  erschauern lassen.

Aber jetzt hinter zum Causeway


Die Regelmäßigkeit dieser Basaltstelen ist wirklich verblüffend


Und da soll nur Physik dahinterstecken? Kein Wunder, dass sich unsere Vorfahren schönere Geschichten ausgedacht haben.


Es war verdammt schwierig einen Ausschnitt zu finden, bei dem niemand auf den Säulen herumkraxelte. Das Bild oben ist Fake-Causeway. Der richtige sieht so aus.


Doch dann kommen doch noch ein paar richtig große Stelen, - allerdings immer noch nicht so groß wie auf den Bildern von Susanna Drury


Wärst du heute dabei gewesen, Friederike, dann hättest du ein Novum erlebt. Wir hätten hier ausnahmsweise nicht darüber diskutiert, welche "Abkürzung" wir nehmen oder welche "Extrarunde" wir noch einbauen sollen. Ich habe (fast) die längste Route eingeschlagen - und es hat sich gelohnt!!


Das waren richtig spektakuläre Wege- und schon nach ein paar Meter nicht mehr überlaufen. Man ist phasenweise ganz allein.




Na ja, nicht ganz.


Auf über 160 Stufen geht es hoch auf den Klippenrand.




Und siehe da! Der Rundwanderweg kommt neben dem "Informationszentrum" - oder sollte man besser sagen "dem Touristenkanalisationszentrum" heraus.


Das ist das Dach dieses, alles in allem, sehr beeindruckenden Gebäudes. Da ich nun schon einmal gezahlt habe, schaue ich mir die Ausstellung und das Dokumentationszentrum in aller Ruhe an.
Und erfahre, wie es zum Damm der Riesen kam.
Zum einen, warum der Damm so riesenriesig nun auch wieder nicht ist, und warum es auch kein Damm mehr ist.
Das hängt mit den beiden Riesen Finn McCool (der irische Vertreter dieser Gattung) und dem schottischen Riesen Benandonner zusammen. Über die "Meerenge" zwischen Kintyre und Irland provozierten sie sich gegenseitig, was den Finn so sehr aufbrachte, dass er anfing den Damm zu bauen, um dem schottischen Kollegen eine Lektion zu erteilen. Keine gute Idee. Denn als er drüben ankam, musste er feststellen, dass er, der gute Finn McCool, eher zu den "kleinwüchsigen" unter den Riesen zählte - "vertically challenged"- riesenmäßig gedacht. Er macht sich schleunigst auf den Rückweg, denn Benandonner ist wirklich ein gewaltiger Riese. Dummerweise kommt Benandonner auf dem Damm aber hinterher. "Bad, very bad" würde unser Donald T. sagen.
Auf der anderen Seite angekommen, sucht unser Schottenriese nach Finn.
Hätte schief gehen können, wäre Finn McCool nicht mit einer wirklich coolen Frau verheiratet gewesen. 
Sie verkleidet ihren Mann als Baby und legt ihn in eine Riesenwiege. Als Benandonner das Haus durchsucht und das "Baby" sieht, kriegt er einen gewaltigen Schreck- wenn das Baby schon so groß ist....
Haut ab und zerstört den Damm hinter sich, damit der "gewaltige" Finn McCool nicht nachkommen kann.
Das ist doch unterhaltsamer als Physik. Obwohl die wahre Entstehungsgeschichte sehr wohl spannend ist.
Aber das schenke ich mir heute.
Denn in der Ausstellung gab es noch eine andere, sehr interessante Abteilung.

Ich weiß unter der werten Leserschaft gibt es eine nicht geringe Anzahl von Freunden der Serie "Game of Thrones" - und ich wette, bei den Bildern oben, hat sich der eine oder die andere gedacht, woher kenne ich diese Bilder?
Richtig! 
Es ist unglaublich, wie viele Schauplätze von "Game of Thrones" in Nordirland und vor allem an diesem nördlichen Küstenabschnitt liegen.
Für die Fangemeinde seien hier nur ein paar wenige aufgeführt.
Die Landschaft um Winterfell,
The Twins
Slavery Bay,
Iron Island (- die Bucht in der Theon "getauft" wurde, liegt vom Causeway gerade um die Ecke)
die Dothraki See
das Umland von Meereen  und und und



Ist das nicht ein unglaubliches Phänomen, dass eine Fantasy-Fernsehserie, egal ob in Marokko, in Ireland, Spanien oder Dubrovnik dazu geführt hat, dass neue Touristenhotspots entstanden sind - oder bestehende dadurch aufgewertet wurden, dass sie in dieser Serie waren!
Wahnsinn oder? Zeigt aber auch,  welche Rezeption diese Serie weltweit hat!

Nach dieser wirklich informativen Ausstellung noch einen Kaffee und dann zurück zu meiner Bushaltestelle. Inzwischen "treibt der Wind" eindeutig "Regen über´s Land". Ich sitze im Bus und schon geht es los.
Bin gespannt wie es Morgen sein wird. 2 Tage noch bis Belfast.

Und Irland scheint noch weniger Radelland zu sein als Schottland oder der Rest des nicht mehr so united Kingdoms.

Radwege sind eher die Ausnahme, und die Straßen schmal und eher stark befahren.
Gestern Abend habe ich angefangen meine weitere Route zu konkretisieren und musste feststellen, dass von Engen aus einiges anders aussah.
Zum einen hatte ich vor von Dublin aus mit der Fähre nach Liverpool zu fahren. Geht nicht!!
Meine Radtourenkarte aus Newcastle sagt: "Dublin-Liverpool-Ferry cycles not allowed"

Und nach Holyhead will ich auf gar keinen Fall. Nicht weil ich gegen Nationalparks oder gegen die Waliser etwas habe, aber wenn zwischen Holyhead und meinen Zielen auf der Karte - quer durch "Cambrian Mountains" steht, dann weiß ich wo ich auf gar keinen Fall durchradeln werde.
Nein, Liverpool muss es schon sein.
Nach einigem Suchen finde ich die Lösung. Dann halt nicht Dublin. War ich übrigens schon, ist sehr sehr schön. Aber, liebe Dubliner, wenn ihr keine Radfahrer auf Eure Fähren lasst, - tough luck, dann trinke ich mein Guiness halt einen Tag länger in Belfast und fahre von dort aus nach  Birkenhead! Muss man erst mal drauf kommen, dass Birkenhead nur auf der anderen Seite des Mersey liegt
(Nein, aus! Heute singen wir noch nicht  "Ferry, cross the Mersey..." - Alles zu seiner Zeit! OK?)
Hoffentlich wird das Wetter jetzt langsam besser.
Ein Blick aus dem Fenster- noch pieselt es vor sich hin. Was soll´s ich habe Hunger und Durst!
Vielleicht hat es sich ja bis Morgen ausgeregnet.
Aber eines muss ich unbedingt noch erzählen. Meine derzeitige Unterkunft ist wirklich etwas ganz besonderes. Nicht was den Standard betrifft, da ist die Zeit in diesem Gemäuer eher stehen geblieben. Was nicht verwunderlich ist, den die Pension wird von einer alten Dame geführt, sicher deutlich über 80. Sie schmeißt, den Laden und ist, wie der Engländer sagen würde wirklich eine "sweet old Lady".
Man möchte aufspringen und ihr helfen, wenn sie morgens auf ihrem Rollator den Porrigde hereinschiebt. Heute Morgen hat sie erzählt, dass sie schon um 4:00 Uhr aufstehen musste, weil sie Handwerker im Haus hatte, denen sie noch die Lunchpakete gerichtet hat. Dafür war sie tief und fest vor dem Fernseher eingeschlafen, als ich gerade vom Essen kam. Habe sie schlafen lassen. Vor 8:00 will ich eh kein Frühstück. Und dann trippelt sie schon längst wieder zwischen Küche und Frühstücksraum emsig, aber langsam hin und her.

Also dann
Bis Morgen!


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