Doch von Anfang an.
Der Blick aus dem Fenster heute Morgen war nicht wirklich motivierend, das Bett zu verlassen. Grau in Grau.
Aber was mutdatmut!
Kleiner Exkurs über das Englische Frühstück:
So richtig klar ist uns die wirkliche Bedeutung des englischen Frühstücks nicht. Irgendwie habe ich den Verdacht, es gehört zum "Volkscharakter" der Briten wie rote Doppeldeckerbusse, komische Hüte in Ascot oder Lollies in Seebädern. Für 99% der Bevölkerung spielt dies alles keine Rolle. Doch zu den Bed&Breakfastritualen gehört einfach die Abfrage, was man zum Frühstück zu sich zu nehmen gedenkt. In Royston war die erste Frage, ob man light oder Englisches Frühstück möchte, wenn light, dann welchen Toast, welches Obst, ...
In Cambridge gab es Englisches Frühstück mit einer Unmenge an Auswahlmöglichkeiten. Friederike war glücklich, weil es Porridge gab. Wir bestellten auch Ei. Aber es kammen 2 Spiegeleier und für Friederike 2 gekochte Eier, - aus Nostalgiegründen bestellte ich auch noch pork sausages und bacon, - mir hing das Frühstück gestern die ersten 2 Stunden schwer in den Waden.
Vom Hotel in Peterborough erhielten wir 2 Tage vorher eine Email, in der wir aufgefordert wurden, bitte unsere Frühstückswünsche mitzuteilen. Was wir nicht taten, weswegen wir gestern Abend ein Formular ausfüllen mussten, in dem wir unsere Wünsche einzutragen hatten. Die Aufforderung, wenn 2 Personen frühstücken wollten, dann sollte man das, was beide essen wollten, mit der Zahl 2 versehen, hat nicht so ganz geklappt. Dafür gab es Essen aufs Zimmer, denn das Hotel "Pearl" hat keinen Speisesaal, Hört sich gut an, sah aber dann so aus:
Friederike:
Jetzt übernehme ich das Weiterschreiben, denn Manne muss Fußball schauen.
Wir sind inzwischen in Boston angekommen und haben im Pub "Kings Arms" eingecheckt. Das ist der Blick aus unserem Fenster, und unten im Pub sitzen dicke Männer in Unterhemden mit Bierglas in der Hand. Es läuft England gegen Schottland.
Es war ein traumhafter Radtag heute, zunehmend wurden die Wolken weggeblasen, es hatte 25 Grad, war schön sonnig und der heftige Wind kam meistens von hinten. Ein W-bike Tag.
Die Landschaft irgendwie holländisch, flach und sehr grün, Marschland, ein kleiner Fluss oder Kanal, Felder, Schafe, Kühe, Pferde, kleine Dörfer.
Und praktisch menschenleer, bis auf ein paar wenige Wochenendradler, die auf dem gut ausgebauten Radweg mehr oder weniger hin und her fahren. Ja, juhu, wir haben jetzt richtige Radwege, die Nummer 1, Nordseeumrundung.
Und vor einem Kohlfeld, an dem wir gefühlte 3 km entlang gefahren sind, haben wir die 200 km überschritten:
Etwas fehlt bisher: das Baden. Ich würde ja gerne, aber bisher gab es noch keine richtige Gelegenheit und der Wind war immer sehr heftig und kalt. Heute , mit der Sonne, da hab ich auf das Meer gehofft. Aber, siehe oben, das Meer war nicht da.
Und noch etwas fehlt: Mannes Bericht über seinen Kampf mit dem Navi, warum er den einmal weggesperrt hat- in die dunkle Tasche! zum nachdenken!- und wie sich das Verhältnis allmählich normalisiert.
Also jetzt ist Fußball vorbei, wir haben gewonnen und die Jungs unten freuen sich.
Der Manne hat sich ein Bier mitgebracht und übernimmt:
Wieder ich:
Ich hoffe, das war jetzt nicht zu verwirrend. Das Fußballspiel hat Spaß gemacht, vor allem weil die Boston-Engländer die ganze Zeit über die Schotten gelästert haben, so lange England 0:1 geführt hat. In den letzten 10 Minuten 2 Freistöße, 2 Freistoßtore - 2:1 - historic result - und Schweigen in der Kneipe. In der Nachspielzeit haben die Engländer dann doch noch den Ausgleich geschafft. Schade!!
Doch zurück zur Fahrt.
Es war heute wirklich der erste Tag, an dem wir uns auf Radwegen bewegt haben und uns auf die Schilder verlassen konnten. Bis Spalding radelten wir den Radweg Nr.12 ab. Wirklich schön. Zuerst bis Crowland durch nämliches Crowland.
In Crowland stießen wir auf eine ganz kuriose Geschichte, eine 3seitige Steinbrücke, mitten in der Stadt, weit und breit kein Wasser.
"The earliest known mention of the bridge is by King Æthelbald of Mercia in 716. In 943 it was mentioned in a charter of Eadred" - Soweit Wikipedia.
Nach Crowland geht der Radweg immer dem Welland entlang, wirklich traumhaft schön.
Auch wenn Friederike schon ein Pferdebild eingestellt hat, ich muss jetzt noch eins hinzufügen, die Tiere waren einfach zu beeindruckend:
"Ironclad featherfeat, pounding the dust... heavy horses..." die nächsten Kilometer habe ich Jethro Tull vor mich hin geschmettert.
Nach meinen Strafaktionen gegen mein Teasi (Fahrradnavi) und meinen Androhungen es endgültig in die Satteltaschen zu verbannen, hat es heute wirklich super funktioniert. Bis auf eine Stelle, an der wir links abbiegen sollten, - was wir auch taten,- obwohl da unübersehbar ein Sackgassenschild stand. Kilometerlang (die nämlichen durch die Kohlfelder, siehe oben) ging alles gut. Bis die Straße durch ein Gitter komplett gesperrt war. Tatsächlich Sackgasse! Kein Durchkommen. Wirklich Kilometer wieder zurückfahren? Da geht im Haus neben der Schranke die Tür auf. Ein junger Mann kommt raus, wir unterhalten uns nett. Diese Straße ist tatsächlich durch Privatgelände. Alles Gartenbauanlagen. Er bestätigt aber, dass das Navi recht hat, die Strecke ist die kürzeste nach Boston.
Er hat ein Einsehen mit uns. Greift hinter die Tür und öffnet die Schranke einige Meter um uns durchzulassen. - Das hat uns 15 Meilen Umweg erspart.
Aus dem Privatgelände raus. Kurz vor der Mündung des Welland (welches Geschlecht haben englische Flüsse? Diese Diskussion hatten Friederike und ich schon "am" Cam) stoßen wir "endlich" auf unseren Hauptradweg, die Nationale Route Nr. 1, die Nordseeumrundung.
Kurz davor noch ein anderes Schild, das zu beherzigen sehr angebracht war.
Ich liebe die englische Sprache einfach. Wenn du mehr oder weniger ansatzlos von der Brücke geblasen wirst, sagt der Engländer: "Strong side winds likely"!
Auf der Brücke hatten wir noch eine Begegnung der anderen Art. Von Edinburgh kam uns der erste Langstreckenradler überhaupt entgegen. Ein Pilger aus Murcia, der von Edinburgh nach Santiago de Compostella fährt - und überglücklich war, sich mal wieder auf Spanisch unterhalten zu können.
Boston ist ein sehr schönes Städtchen. Dass es mit 70% Zustimmung für den Brexit traurige Berühmtheit erlangt hat, wollen wir Ihnen heute nicht ankreiden. Wir haben "trotzdem" sehr nette Leute getroffen.
Und gelernt: Das Boston Lincolnshire und Boston Massachusetts tatsächlich etwas miteinander zu tun haben.
Einer der Mitgründer des amerikanischen Bostons war der erste entsandte Priester, der aus Boston kam und die amerikanische Gemeinde Boston leitete.
Die Kirche in Boston - Lincolnshire, ist die größte Parish Church Englands, also einer die keine Kathedrale, Bischofssitz oder Abtei ist. Wenn man diese Kirche gesehen hat, glaubt man das sofort.
Jetzt ist aber langsam genug.
Wie schön England sein kann, hier zum Schluss:
See you tomorrow!!












Guten Morgen auf die Insel, ach wie erfrischend eure Berichte doch sind. Neid pur. Ihr seid ja flott unterwegs.
AntwortenLöschenIch mache morgen und übermorgen Zell Reise und wir treffen uns mit Martin, Willi, Karl, Petra, Manfred. Morgen abend Martin und Karl, weil Willi und Martin Streit haben, dann Übernachtung in Zell/Hotel. Dienstag zuerst Manfred und Oberendersbach ´, dann Petra und Willi und Hof. Alle freuen sich und wir uns auch. Bin mal gespannt. Euch eine schöne Reise weiterhin.