Donnerstag, 29. Juni 2017

23.Tag: Wandertag am Giant´s Causeway



Da habe ich um die 40 Jahre Englisch unterrichtet - und in den meisten Büchern kommt irgendwann der Giant´s Causeway dran- und ich habe ihn  heute zum ersten Mal "in Echt" gesehen! Wasne Schande!
Aber besser spät als nie!
Der heutige Wandertag hat sich in jeder Hinsicht gelohnt!
Das war schon spektakulär. Auch wenn ich mir die Basaltstelen und den Damm der Riesen von den Abbildungen her viel größer vorgestellt habe.


Zum einen ist Susanna Drury und das 19.Jahrhundert daran schuld, denn als man die "Naturwunder entdeckte 2, pflegte man einen deutlichen Hang zur Übertreibung,  um den Gentleman aus den Ohrensesseln seines Clubs zu locken.
Aber! Die Sage vom Damm der Riesen erklärt auch, warum der Giant´s Causeway, nicht sooo gewaltig riesig ist. Doch davon später mehr.

Fangen wir von vorne an:
Mit dem Linienbus fahre ich bis zum Einstieg zum Causeway und merke gleich. Aber Hallo! Das muss ein Weltkulturerbe Hotspot sein (wobei ich mich gefragt habe, welchen Anteil die Kultur an diesem Highlight weltweiten Tourismus´ hat)
Busse, jede Menge Busse. - Und Chinesen, jede Menge Chinesen (damit verbinde ich kein Ressentiment gegen unsere Mitmenschen aus Fernost, es ist nur die Feststellung einer Tatsache),
und jede Menge Handysticks (wobei ich den Eindruck habe, dass diese Fehlentwicklung des technologischen Fortschrittes wieder zurückgeht)



Zuerst bin ich überrascht, dass die Touristenströme in eine supermoderne Eingangshalle gelenkt werden. Ich dachte eigentlich ich fahre zu einem "Outdoor-Event". Es kommt nicht der geringste Zweifel darüber auf, dass dies der einzige Zugang zum Causeway ist. Also zahle ich meine 9 Pfund. Als Nutzer des Öffentlichen Nahverkehrs und als 60+ bekomme ich 2x Rabatt, worüber ich mich sehr freue! (Bis ich auf dem Rückweg merke, dass man auch gut auf einem anderen Weg hinunter kommt. Aber es ist ja für einen guten Zweck!!?)




Für viele der aus Fernost angereisten Touristen, ist es eine große Hilfe, dass sie mit dem Bus hinunterfahren können (gegen eine kleine Gebühr extra). Ich bin immer wieder fasziniert in welchem Schuhwerk Herr, wie Frau Chinese oft unterwegs sind und das bei Temperaturen, die mich schon beim Anblick von Flipflops und einfachst Bailarinas  erschauern lassen.

Aber jetzt hinter zum Causeway


Die Regelmäßigkeit dieser Basaltstelen ist wirklich verblüffend


Und da soll nur Physik dahinterstecken? Kein Wunder, dass sich unsere Vorfahren schönere Geschichten ausgedacht haben.


Es war verdammt schwierig einen Ausschnitt zu finden, bei dem niemand auf den Säulen herumkraxelte. Das Bild oben ist Fake-Causeway. Der richtige sieht so aus.


Doch dann kommen doch noch ein paar richtig große Stelen, - allerdings immer noch nicht so groß wie auf den Bildern von Susanna Drury


Wärst du heute dabei gewesen, Friederike, dann hättest du ein Novum erlebt. Wir hätten hier ausnahmsweise nicht darüber diskutiert, welche "Abkürzung" wir nehmen oder welche "Extrarunde" wir noch einbauen sollen. Ich habe (fast) die längste Route eingeschlagen - und es hat sich gelohnt!!


Das waren richtig spektakuläre Wege- und schon nach ein paar Meter nicht mehr überlaufen. Man ist phasenweise ganz allein.




Na ja, nicht ganz.


Auf über 160 Stufen geht es hoch auf den Klippenrand.




Und siehe da! Der Rundwanderweg kommt neben dem "Informationszentrum" - oder sollte man besser sagen "dem Touristenkanalisationszentrum" heraus.


Das ist das Dach dieses, alles in allem, sehr beeindruckenden Gebäudes. Da ich nun schon einmal gezahlt habe, schaue ich mir die Ausstellung und das Dokumentationszentrum in aller Ruhe an.
Und erfahre, wie es zum Damm der Riesen kam.
Zum einen, warum der Damm so riesenriesig nun auch wieder nicht ist, und warum es auch kein Damm mehr ist.
Das hängt mit den beiden Riesen Finn McCool (der irische Vertreter dieser Gattung) und dem schottischen Riesen Benandonner zusammen. Über die "Meerenge" zwischen Kintyre und Irland provozierten sie sich gegenseitig, was den Finn so sehr aufbrachte, dass er anfing den Damm zu bauen, um dem schottischen Kollegen eine Lektion zu erteilen. Keine gute Idee. Denn als er drüben ankam, musste er feststellen, dass er, der gute Finn McCool, eher zu den "kleinwüchsigen" unter den Riesen zählte - "vertically challenged"- riesenmäßig gedacht. Er macht sich schleunigst auf den Rückweg, denn Benandonner ist wirklich ein gewaltiger Riese. Dummerweise kommt Benandonner auf dem Damm aber hinterher. "Bad, very bad" würde unser Donald T. sagen.
Auf der anderen Seite angekommen, sucht unser Schottenriese nach Finn.
Hätte schief gehen können, wäre Finn McCool nicht mit einer wirklich coolen Frau verheiratet gewesen. 
Sie verkleidet ihren Mann als Baby und legt ihn in eine Riesenwiege. Als Benandonner das Haus durchsucht und das "Baby" sieht, kriegt er einen gewaltigen Schreck- wenn das Baby schon so groß ist....
Haut ab und zerstört den Damm hinter sich, damit der "gewaltige" Finn McCool nicht nachkommen kann.
Das ist doch unterhaltsamer als Physik. Obwohl die wahre Entstehungsgeschichte sehr wohl spannend ist.
Aber das schenke ich mir heute.
Denn in der Ausstellung gab es noch eine andere, sehr interessante Abteilung.

Ich weiß unter der werten Leserschaft gibt es eine nicht geringe Anzahl von Freunden der Serie "Game of Thrones" - und ich wette, bei den Bildern oben, hat sich der eine oder die andere gedacht, woher kenne ich diese Bilder?
Richtig! 
Es ist unglaublich, wie viele Schauplätze von "Game of Thrones" in Nordirland und vor allem an diesem nördlichen Küstenabschnitt liegen.
Für die Fangemeinde seien hier nur ein paar wenige aufgeführt.
Die Landschaft um Winterfell,
The Twins
Slavery Bay,
Iron Island (- die Bucht in der Theon "getauft" wurde, liegt vom Causeway gerade um die Ecke)
die Dothraki See
das Umland von Meereen  und und und



Ist das nicht ein unglaubliches Phänomen, dass eine Fantasy-Fernsehserie, egal ob in Marokko, in Ireland, Spanien oder Dubrovnik dazu geführt hat, dass neue Touristenhotspots entstanden sind - oder bestehende dadurch aufgewertet wurden, dass sie in dieser Serie waren!
Wahnsinn oder? Zeigt aber auch,  welche Rezeption diese Serie weltweit hat!

Nach dieser wirklich informativen Ausstellung noch einen Kaffee und dann zurück zu meiner Bushaltestelle. Inzwischen "treibt der Wind" eindeutig "Regen über´s Land". Ich sitze im Bus und schon geht es los.
Bin gespannt wie es Morgen sein wird. 2 Tage noch bis Belfast.

Und Irland scheint noch weniger Radelland zu sein als Schottland oder der Rest des nicht mehr so united Kingdoms.

Radwege sind eher die Ausnahme, und die Straßen schmal und eher stark befahren.
Gestern Abend habe ich angefangen meine weitere Route zu konkretisieren und musste feststellen, dass von Engen aus einiges anders aussah.
Zum einen hatte ich vor von Dublin aus mit der Fähre nach Liverpool zu fahren. Geht nicht!!
Meine Radtourenkarte aus Newcastle sagt: "Dublin-Liverpool-Ferry cycles not allowed"

Und nach Holyhead will ich auf gar keinen Fall. Nicht weil ich gegen Nationalparks oder gegen die Waliser etwas habe, aber wenn zwischen Holyhead und meinen Zielen auf der Karte - quer durch "Cambrian Mountains" steht, dann weiß ich wo ich auf gar keinen Fall durchradeln werde.
Nein, Liverpool muss es schon sein.
Nach einigem Suchen finde ich die Lösung. Dann halt nicht Dublin. War ich übrigens schon, ist sehr sehr schön. Aber, liebe Dubliner, wenn ihr keine Radfahrer auf Eure Fähren lasst, - tough luck, dann trinke ich mein Guiness halt einen Tag länger in Belfast und fahre von dort aus nach  Birkenhead! Muss man erst mal drauf kommen, dass Birkenhead nur auf der anderen Seite des Mersey liegt
(Nein, aus! Heute singen wir noch nicht  "Ferry, cross the Mersey..." - Alles zu seiner Zeit! OK?)
Hoffentlich wird das Wetter jetzt langsam besser.
Ein Blick aus dem Fenster- noch pieselt es vor sich hin. Was soll´s ich habe Hunger und Durst!
Vielleicht hat es sich ja bis Morgen ausgeregnet.
Aber eines muss ich unbedingt noch erzählen. Meine derzeitige Unterkunft ist wirklich etwas ganz besonderes. Nicht was den Standard betrifft, da ist die Zeit in diesem Gemäuer eher stehen geblieben. Was nicht verwunderlich ist, den die Pension wird von einer alten Dame geführt, sicher deutlich über 80. Sie schmeißt, den Laden und ist, wie der Engländer sagen würde wirklich eine "sweet old Lady".
Man möchte aufspringen und ihr helfen, wenn sie morgens auf ihrem Rollator den Porrigde hereinschiebt. Heute Morgen hat sie erzählt, dass sie schon um 4:00 Uhr aufstehen musste, weil sie Handwerker im Haus hatte, denen sie noch die Lunchpakete gerichtet hat. Dafür war sie tief und fest vor dem Fernseher eingeschlafen, als ich gerade vom Essen kam. Habe sie schlafen lassen. Vor 8:00 will ich eh kein Frühstück. Und dann trippelt sie schon längst wieder zwischen Küche und Frühstücksraum emsig, aber langsam hin und her.

Also dann
Bis Morgen!


Mittwoch, 28. Juni 2017

22. Tag: Von Campbeltown nach Ballycastle

Heute gibt es keine Karte, denn das Programm glaubt nicht, dass ich mit dem Fahrrad über Wasser fahren kann.


Es gibt sie noch, die ganz besonderen Momente auf einer Reise!
Was für eine unglaubliche Überfahrt!

Doch von Anfang an.
Natürlich brauchte ich keinen Wecker, ich war schon lange vorher wach. Und natürlich war ich überpünktlich am Hafen.
Wo bitteschön liegt die Fähre. Da liegen nur kleine Segelboote und ein paar Motorjachten. 
Dann entdecke ich den Kintyre Express! Was damit soll es übers offene Meer?


Okeeeeey? Würde Marie sagen!
Und so richtig viele Mitreisende trudeln auch nicht ein. Genau genommen niemand! Ich bin der einzige Passagier. Luxuspassagier. Gerry, der Bootsführer und Aaron sein Bootsführerlehrling, kommen aber ziemlich pünktlich. Innerhalb kurzer Zeit erfahre ich eine ganze Reihe neuer Adjektive, die alle das gleiche Bedeuten wie "rough passage" -Raue Überfahrt, es würde ein wee bit bumpy werden, selbsterklärend und so geht es weiter.
Gerry erklärt mir auch, dass ich Glück habe, letztes Wochenende sind sie nicht gefahren und Morgen wird es wohl auch nichts werden. "I take no risks!" Das beruhigt mich. Also heute geht es noch gerade so! Meint Gerry.
Ist schon komisch, da sitzt man irgendwann an seinem Schreibtisch scrollt in der Weltgeschichte herum, bucht eine Fähre und es kommt einem nicht annähernd in den Sinn, dass solche Boote unter Umständen aus Wettergründen gar nicht fahren können. Was habe ich wieder einmal Glück gehabt!
(Ich hoffe inständig, dass mein "Glückssack" damit noch lange nicht geleert ist)

Ich bin ganz froh, dass es in meinem guesthouse um diese Uhrzeit noch kein Frühstück gab. Mit den Haferplätzchen im Magen sollte nicht viel schief gehen.


Das Fahrrad wird von Gerry fachmännisch vertäut (ihr merkt, kaum bin ich an Bord, da passe ich meinen Sprachgebrauch den Seeleuten an)

Ich frage Gerry, wo es am besten ist zu sitzen, hinten oder vorn. Er meint, wenn du was sehen willst vorne, wenn du Angst um dein Frühstück hast, hinten. So ganz sicher bin ich mir nicht, 


Aber als einziger Fahrgast kann ich jederzeit auch den Platz wechseln - dachte ich, als das Boot noch im Hafen lag!!!

Pünktlich "stechen wir in See" (!).  In der Bucht von  Campbeltown  rumpelt es nur ein bisschen, aber das ändert sich schnell!


Fotografieren wird langsam schwierig! Mal fängt man den Himmel ein, mal das Wasser, mal die beschlagene Scheibe.
Das ganze gestaltet sich inzwischen eher wie Bullenreiten, bei einem texanischen Rodeo. Wenn man sich nicht mit den Beinen gegen die Fußstütze abstützt geht es ganz schön ins Kreuz. Der Kapitän und sein Maat haben gut gefederte Sitze, die schwingen gemütlich auf und ab. Die der Passagiere sind dagegen eher hart ausgelegt. Und es ist ja nicht nur das Auf- und Ab. Gleichzeit kippt das Boot auch noch auf der Längsachse, links und rechts. 
Nach dem ersten Schrecken, gewöhne ich mich an diese Art des Frühsports. Mein Magen steckt die Schläge weg ohne zu Murren!  Das rechne ich ihm hoch an! 
Ich glaube, diese Art von Hochseegymnastik ist weniger schlimm, als die sanften, fast unmerklichen Bewegungen eines großen Schiffes.
Zuerst geht es der Kintyre Halbinsel entlang.


Tolle Landschaft, ich bin begeistert! 
Und dann die MULL OF KINTYRE!!!

Natürlich vergesse ich nicht vor mich hin zu singen. Und alle singen mit!!


     Mull of Kintyre
Oh, mist rolling in from the sea
My desire is always to be here
Oh, Mull of Kintyre

Far have I travelled and much have I seen
Dark distant mountains with valleys of green
Past painted deserts, the sun sets on fire
As he carries me home to the Mull of Kintyre

Mull of Kintyre
Oh, mist rolling in from the sea
My desire is always to be here
Oh, Mull of Kintyre

Sweep through the heather like deer in the glen
Carry me back to the days I knew then
Nights when we sang like a heavenly choir
Of the life and the times of the Mull of Kintyre

Mull of Kintyre
Oh, mist rolling in from the sea
My desire is always to be here
Oh, Mull of Kintyre

Smiles in the sunshine and tears in the rain
Still take me back where my memories remain
Flickering embers grow higher and higher
As they carry me back to the Mull of Kintyre

Mull of Kintyre
Oh, mist rolling in from the sea
My desire is always to be here
Oh, Mull of Kintyre

Mull of Kintyre
Oh, mist rolling in from the sea
My desire is always to be here
Oh, Mull of Kintyr

Schön ist es hier, auch wenn ich ständig den Kontakt zu meinem Sitz verliere!

Wale oder Delphine sehe ich heute keine. Aber jede Menge Seevögel. Kleine schwarz weiße, die wie Papageien fliegen - könnten Papageientaucher sein, oder sonst irgendwelche Alke.
Sehr große weiße Vögel mit schwarzen Flügelspitzen die es schaffen bei dem Wind fast in der Luft zu stehen.....


Da bei den beiden weißen Häusern, da ist auch der Leuchtturm der Mull of Kintyre, erklärt mir Gerry. Von hier aus geht es weg vom Ufer hinüber nach Irland.
Tschüss Schottland! Gestern hast du mir den Abschied erleichtert. Aber insgesamt war es sehr schön im nördlichsten Teil der Reise. Was mich vor allem überzeugt hat, liebe Schotten, ist dass ihr viel mehr Wert auf gutes Essen legt! Oder wir haben in Schottland einfach mehr Glück als in England gehabt, wo wir jedes schreckliche Vorurteil bestätigt gefunden haben? Auffallend war schon, wie oft betont wurde, dass nur regionale Produkte Verwendung finden und dass die Wurst einmal Beatrice geheißen hat. Hat mir imponiert - und auch die kleinen Craft Brauereien, chapeau, macht weiter so liebe Schotten!
Aber jetzt, da drüben ist Irland!  


Sind das nicht schon ähnliche Basaltformationen, für die der Giant´s Causeway bekannt ist, den ich Morgen besuchen werde?



Über das offene Meer war das mit "bumpy" eher harmlos. Richtig zur Sache ging es noch einmal, als wir uns den Felsen vor der Einfahrt nach Ballycastle nähern



Klar,  ich haue jetzt  ein bisschen auf den Putz! Die Stelle um die Felsen herum war schon rumpeltechnisch jedoch seeehr beeindruckend.


Hier kommen mehrere Strömungen zusammen, sagt Gerry, da muss man durch!


Als wir nach 2 Stunden in den Hafen von Ballycastle einlaufen, habe ich nichts dagegen, wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen. 
Gerry spritzt noch schnell mein Rad ab - damit das Salzwasser keinen Schaden anrichten kann - und mich gleich mit, obwohl Rosten nicht mein Problem ist. Das ist schon ein anständiges Trinkgeld wert, oder?

Kaum von Bord habe ich ein Gefühl der Erleichterung. Die letzten 3 Tage auf diesen Halbinseln, - da war mir schon etwas flau zumute, - ein Gefühl wie in eine Sackgasse zu fahren!
Ballycastle begrüßt mich gleich mit ein paar Sonnenstrahlen und es ist auch ein paar Grad wärmer als die letzten Tage, d.h. 11-12° statt 9-10°


Friederike, ganz bestimmt wärst du hier an diesem netten kleinen Sandstrand  N I C H T  ins Wasser gegangen, dazu pfoff der Wind dann doch zu kräftig. Heute von Norden her. Sollte der Wind anhalten und die Windrichtung bleiben, dann nur zu. Ab jetzt geht es nach Süden!!

Sollte es noch irgendwelcher Beweise bedürfen, dass ich wirklich in Irland angekommen bin. 
Hier bitte schön Nr.1:


Aber der schönste lag auf dem Nachtkästen meiner heutigen Unterkunft. Ihr werdet das für einen Fake halten - stimmt aber!


Hatte ich mich gerade ganz gut an das schottische Englisch gewöhnt, so muss ich mich jetzt wieder gewaltig umstellen.
Aber die ersten Sätze habe ich schon verstanden.

´ank uuh  ist ja auch nicht wirklich schwer.

Morgen wird  eine "Wanderung" zu dem Giant´s Causeway unternommen!
Bis dann!

Dienstag, 27. Juni 2017

21.Tag: Von Tarbert nach Campbeltown


OhwasnTAG!!!
Und wasn Dusel!!

Aber der Reihe nach. Schon der erste Blick aus dem Fenster bestätigt. Die Wetterprognosen haben sich nicht geirrt.


Es regnet. Und es soll den ganzen Tag regnen!
Gut, dass ich meine Regenausrüstung vor dieser Reise, auf dem Isarradweg, dem ultimativen Härtetest unterzogen habe. Da sollte eigentlich nichts schiefgehen.


Auch wenn Radeln in Vollplastikverpackung nicht wirklich zum meinen "Lieblingsfunsportarten" gehört. 
Was soll´s. Nach Campbeltown sind es 60 km. Herr Knap und auch der nette Gastgeber in Dunoon haben beide gesagt, die gestrige Strecke sei die härtere, - heute nur "hills". Oh Mann, die haben so was von überhaupt keine Ahnung: "Heimatkunde 6 - setzen!"
Die Hügel der heutigen Etappe waren tatsächlich deutlich niedriger, als die 3 Berge gestern. Aber davon gab es 7-8 und jeder 2.hatte Abschnitte, über 16% Steigung manchmal 20% oder darüber, d.h. Absteigen und schieben.
Und die, die ich fahren konnte hatten es in sich. Da wird es schnell warm unterm Plastik.
Zum Glück, hört es zwischen drin auch mal - fast - auf zu regnen, so dass ich wenigstens den Regenponcho ausziehen kann.


Die 1.000km Marke hatte ich mir eigentlich anders vorgestellt.
Aber immerhin der Wind hält sich in Grenzen, bis ich über den Hauptkamm der Kintyre-Halbinsel muss. Auf einmal wieder Gegenwind bergauf.
So sehr ich Windräder schätze, sie sind immer ein schlechtes Zeichen für den Radfahrer.


Man kann sie gerade noch erkennen, obwohl sie eigentlich nicht so weit entfernt sind. Die Wolken schaffen es kaum über die Hügel.


Dann in der Ferne, der Killbrannan Sound, die andere Seite.
Heute konnte ich kaum Fotos machen. Ich hatte Angst, dass die Nässe mir die 2.Kamera schrottet.
Das Sträßchen, das nun an der Ostküste der Halbinsel entlang führt ist viel schmaler als die gestrigen, die Ausweichbeulen aber etwas häufiger. Verkehr ist anfangs eh kaum, aber die wenigen haben es ins sich. Vor allem die Handwerker in ihren Sprinter halten selten oder nie an den "Beulen" und dann muss ich halten. Ob es nun bergauf oder bergab geht.
Erst einmal geht hinunter bis  ans Wasser und gleich darauf wieder ultrasteil hoch, nicht lustig.
Irgendwann die 11:00 Uhr Banane am Wegesrand. In dem Eichenwäldchen ist es wenigstens nicht ganz so nass.


Und dann hoch und weiter hoch. Oben angekommen die Begegnung 2er Oldtimer, die erst einmal eine Pause einlegen müssen.


Der schöne alte Bulli, weil er den Berg hoch heiß gelaufen ist, was ich meinerseits nicht sagen kann, ich könnte etwas mehr Luft vertragen.
Dann geht es lange abwärts, mal wieder durch den Schwarzwald.



Dann Mittagspause in Carradale. Am Straßenrand ein Cafe. Ich muss nicht ganz hinter in den Ort.
Aber das hilft mir auch nicht viel. Denn am Ortsausgang geht es giftig und lange hoch. Keine Chance, laufen.
Irgendwann ist der Anstieg wieder fahrbar. Die letzten 15 km werde ich wohl noch schaffen.


Und wieder ganz runter ans Wasser. Und wieder hoch. Es zeichnet sich langsam ab, dass dies der "schöne Teil" des Tages war, wettertechnisch gesehen. Der Wind frischt auf, die Regenwolken kommen immer tiefer angeschossen. 
Und wieder geht es nach oben. Und nach oben.
- Da kommt von hinten ein kleiner Linienbus. Etwa 500m vor mir hält er. Läßt eine ältere Dame einsteigen. Und bleibt stehen. Ich überhole ihn. Der Busfahrer macht ein Zeichen: "Was soll das! Warum quälst du dich den Berg hoch! Los steig ein!"
Mann bin ich froh! Dave, hat mir den Tag gerettet! Ich zahle  2.70, das Fahrrad kostet nichts. Kaum bin ich im Bus, geht der Regen richtig los, der Wind peitscht den Regen richtig gegen die Busfenster, und es geht weiter - rauf und runter, rauf und runter!!
Im Nachhinein denke ich, wenn mich der nette Busfahrer nicht reingewunken hätte, wäre ich heute ganz schön fertig angekommen. 10km können auf einer solchen Strecke ganz schön lang sein.
Mann habe ich ein Glück gehabt. Ich werde eine ganze Batterie Kerzen anzünden, wenn ich das nächste Mal am Comersee bei der Sta Maria di Gishallo, vorbei schaue!! 
In Campbeltown angekommen regnet es in Strömen und es windet. Und es hat Nebel!!
Heute Morgen habe ich den netten Herrn Knap gefragt, wie den hierzulande der Winter sei. "Nicht viel anders als heute!" 



Von meinem Guesthouse könnte man den Hafen sehen. Heute mehr ahnen als sehen.
Hatte Tarbert den Charme der 50er Jahre. So ist Campbeltown eher in der Wirtschaftskrise der 20er steckengeblieben. Im Hafen wird Holz verladen. Die Läden, - eher triste! Mag aber auch am Wetter liegen.
Schnell was zu essen suchen, im Hafen nachfragen, wo der Kintyre-Express Morgen nach Ballycastle ablegt und dann schnell zurück aufs Zimmer.
Im Informationsbüro sagt man mir, ich solle mindestens um 7:10 da sein! Das Boot geht um 7:30.
Ich darf auf keinen Fall verschlafen! Denn hier muss ich Morgen weg!

Und nicht mit dem Fahrrad!
Drückt mir die Daumen, dass Alles klappt!

Montag, 26. Juni 2017

20.Tag: Von Dunoon nach Tarbert

die Route

Wow! Wasn Tag!
Wie viele Sterne darf man vergeben? 
Wenn 5 Sterne das höchste ist, dann muss ich eine Aufsplittung der Wertung vornehmen.

Heute war eine 5 Sterne Strecke! Trotz all der Berge!
Ein 5 Sterne Wetter! Trotz der seehr frrischen Temperaturen!
Und ein 3 Sterne Manne! (Ist ja sonst niemand da, der mir auf die Schulter klopft, mache ich´s halt selbst und bleibe - fast schon unanständig bescheiden!)

Aber von Anfang an:

Dunoon, bzw. meine Unterkunft war wirklich die schönste auf der bisherigen Strecke, die Leute sehr angenehm. Und das Frühstück, - Früchte! In jeder Form! Mein erstes porrigde- fantastisch! Auch wenn ich das Angebot meines Gastgebers, einen wee bit Whisky reinzutun, dankend ablehnen musste. 
Und der Raum mit Ausblick - erste Sahne!


Hinter den Fensterscheiben war es gemütlich warm. Ein kurzer Schritt vor die Tür genügte, heute müssen die Beinlinge ran! Das Thermometer hat es knapp über die 10° geschafft. Für eine Bergetappe eigentlich keine schlechten Voraussetzungen.
Die Touri-Folklore-Karte von gestern, das war mir schon klar, ist eine glatte Unverschämtheit. Von wegen nur über einen Berg. Es waren heute derer Drei und jeder für sich eine ziemliche Herausforderung.
Doch zuerst ging es gemütlich am Clyde und dann am Holy Loch entlang. Wunderschön zum Einradeln.


Spiegelglattes Wasser, d.h. kein Wind! Welch Hochgefühl! Kein Wind!!!!
 Da macht das Radeln wieder Spaß, auch wenn ich mir ausrechnen kann, dass da hinten - dort wo die beiden Hügel zusammenkommen und dahinter der nächste dräut, der Einstieg in meine heutige Bergetappe sein muss. 
Und so war es auch.
Und es ging gleich knackig los. Zuerst versuche ich die Variante: Softshell ausziehen, Beinlinge anlassen. Geht nicht lange, dann muss ich auch die Beinlinge ausziehen. Das ist schweißtreibend.
Ich komme mir phasenweise wie im Schwarzwald vor.




Die Steigung ist knackig, aber machbar,immer wieder mit Plateaus auf denen man Luft holen kann. In den Highlands geht es bestimmt nicht anders zu Sache.

Auf der Höhe ist der Tarsanstausee, Loch Tarsan ! Und dann geht es hinab zum Loch Striven, das eigentlich ein Fjord hinunter zum Firth of Clyde ist.


Was mich hier oben am meisten beeindruckt hat ist die Stille. Nichts zu hören - vor allem kein Wind!
Die Straße ist sehr schmal, zwei Autos kommen nicht aneinander vorbei, dafür hat sie alle paar hundert Meter Beulen, an denen man aneinander vorbei kommt. Die paar Autos, die mir heute begegnen sind rücksichtsvoll und warten wirklich auf die "Beulen" bis sie überholen, bzw. ich warte auch mal, wenn ich höre, dass von hinten was kommt.



Das ist jetzt das Loch Striven und ich habe eine rasante Abfahrt hinter mir. Zu der ich mir ganz schnell wieder die Jacke rausgeholt habe!
Am rechten Rand des Striven geht es dann wieder hoch. Obaschowia, würde der Bayer sagen. Der 2. Berg des heutigen Tages ist zwar nicht ganz so hoch, wie die anderen beiden, aber dafür um so giftiger. Mit 20-24% Steigung für mich streckenweise nicht zu fahren. Aber zu schieben sind diese Rampen auch eklig. Das geht in die Arme. 
Aber ich habe ja Zeit, bin nicht gestresst, die Ausblicke sind einfach der Hammer und so schiebe ich mich und das Radl nach oben.


Also wieder alles Ausziehen! Dann geht´s wieder abi! Also wieder alles Anziehen. Ich schwör´, nach 100m Abfahrt, frierst du dir sonst die Arme ab (der Körperteil, der sonst für diese Redewendung herhalten muss, ist gut geschützt vorm Abfrieren!) 
Unten angekommen am Loch Riddon, kommt schon das erste Schild, das bestätigt, das die Fähre hinüber nach Tarbert heute fahrplanmäßig unterwegs ist. Das ist sehr beruhigend, zu wissen. Denn Alternativen gibt es in dem Gelände eigentlich nicht.

Konnte man in echt schon lesen.
Und nun kommt der schönste Abschnitt des Tages. Das ist zwar der höchste Berg der Strecke, doch er lässt sich einigermaßen gut fahren ohne abzusteigen. Fast oben angekommen ein Aussichtspunkt über die Kyles of Bute und die Insel Bute- gehört alles zu einem großen Naturschutzgebiet. 


Ich bin ja sonst kein Freund von Reiseführersuperlativen, aber das war heute wirklich atemberaubend, - wenn mir nach dem Anstieg hierher irgendjemand noch meinen Restatem hätte rauben können. Das war die schönste Mittagspause bisher seit wir/ich über diese Insel radel/n.


Hier habe ich auch eine Gruppe Radfahrer getroffen, die  heute allerdings mit dem Auto unterwegs sind, und mich etwas neidisch beobachten, bis wir nett ins Gespräch kommen. Außer diesen Radfahrern - heute ohne Räder - sind mir heute nur 2 Fernradler/innen  und 2 Rennradler begegnet. Das war´s dann schon.


Danach wieder Alles anziehen und hinunter nach Tighnabruaich (jetzt bist du dran John!) keine Ahnung wie man diesen Ort ausspricht, aber die gälische Schotten gehen ähnlich großzügig mit Vokalen um wie die Franzosen, um dann hinten hinaus vielleicht  ~brach zu sagen.


An den Hängen dieser Abfahrt den halben Berg hoch Rhododendren! Halbe Wälder.
Und ein wenig "Kunst"



Und ein letztes Mal den Berg hoch, wieder Direttissima ohne Kehren, einfach steil hoch und hinunter zum Loch Fyne. Mein liebstes Loch des Tages!
Denn an diesem liegt Portavadie, wo die Fähre nach Tarbert abgeht.


Aber vorher kommt noch Millhouse - das musste ich für alle Freunde der Simpsons  einfach aufnehmen. Jetzt wissen wir endlich woher die Vorfahren von "Millhouse" kommen.
Millhouse ist ein Weiler, mit nur ein paar Häusern. Vermutlich ist nicht mehr übrig, denn die Mühle von Millhouse war eine Pulvermühle. Und man hat gut daran getan, diese Art von Mühlen so abgelegen wie irgend möglich zu platzieren.


Mit dieser Kanone haben sie 2007 versucht das Millhoussche Pulver wieder herzustellen und zu testen. Weit geflogen ist die Kugel allem Anschein nach nicht.


Un dann die Anlegestelle


Und dann die Fähre. So Stücker 10 Autos gehen drauf.


Nach etwa einer 1/2 Stunde sind wir drüben. Auf dem richtigen "Zipfel" (siehe unten). Der Halbinsel Kintyre. Wobei Tarbert genau genommen nicht Kintyre zugerechnet wird. Hier sagen sie dazu Knapdale. 

Tarbert ist ein Bilderbuchhafen. Etwas aus der Zeit gefallen. Man könnte hier wunderbar Filme drehen, die in den 50er und 60er Jahren spielen,  ohne dass man viel verändern müsste. Mir gefällt es hier sehr gut. 
Die Hafenkneipen sind noch Hafenkneipen, schlechtes Essen gutes Bier. Touristen schon irgendwie, aber auch nicht wirklich. Das war heute das erste Mal, dass ich in eine Kneipe reinkomme, und mich von Anfang an nett mit meinen neuen "Nachbarn" unterhalten habe. Ein älterer Herr aus Yorkshire ist gerade mit seinem Boot angekommen, - nicht aus Yorkshire natürlich. Er fährt hier nur rum und das Boot liegt in der Nähe von Dunoon. Ich weiß jetzt Alles über die Lochs und warum er bis Mittwoch wieder in Dunoon sein muss, - So gefällt mir das Radeln!

Meine heutige Unterkunft ist sehr original. Das Knap Guesthouse ist ein schönes altes graues Steinhaus aus dem 19. Jahrhundert. 


Mit einer ausnehmend hübschen Eingangstür. Ich frage Herrn Knap ob seine Vorfahren aus Deutschland ausgewandert sind, -und wenn ja, um Gottenswillen nach Schottland, und warum auf dem Weg hierher ein P verloren gegangen ist. Her Knap lacht und erklärt, dass knap hier Abhang, Gipfel heißt. 

So Morgen geht es also den Kintyre hinunter; wahrscheinlich noch einmal eine etwas gebirgige Tour.
Mein neuer Yorkshire Freund war am Wochenende in Campbeltown und meinte, dass die Fähre nach Irland am Samstag ausgefallen sei. Er wollte auch nach Irland, aber bei dem sturmartigen Westwind sei das nicht möglich gewesen. Na, dann hoffen wir mal, dass ich am Mittwoch in Campbeltown nicht in eine Sackgasse gerate, - das wäre bitter. Aber der Wind ist vorüber. Es soll  die nächsten Tage "ergiebig" regnen.

Eines muss ich die ExpertInnen von der Profa aber noch fragen: 
Seit ich die Karten dieser Gegend eingehend studiere, stelle ich mir immer wieder die Frage, geht das nur mir so, dass mir beim Anblick der Halbinsel Kintyre komische Assoziationen kommen?


Sollte man diese geographische Anomalie nicht eher "Dick of Scotland" nennen - was meinst du John?








48.Tag: Aachen nach Engen und Schluss

Er ist wieder da! Wieder hier! ( Muss nicht mitgesungen werden) Eine wunderschöne Tour ist zu Ende, 2.101km sind es geworden! Die Rü...